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120,000 Wechseln, welche die europäischen Geldhändler und Börsenleute unter einander hin- und herschoben mib M artigen Spielchen mischten, für welche Mühewaltung fie viele Millionen einstrichen. An französischem Goldc bekamen wir nur 273 Mill. Frc«., in Silber 239 Mill. Frcs. und unter letzterem befanden sich 92 Mill., welche, wie der Finanzminister fieon Say in seinem Berichte sagt, in Deutschland aufgekauft waren, aus Deutschland absrrömend« Silbermünzen, die man in Fünffrancsstücke ausprägte und mit denen man Deutschland wieder bezahlte. Sobald die französischen Milliarden in dieser überschnellen heillosen Weise, hauptsächlich durch bloße Wechselreiterei, durch Wechsel auf fictive Forderungen abgezahlt waren, stellte sich das blaue Wunder heraus, daß Deutschland nicht mehr Gläubiger sondern Schuldner des Auslandes war. Mit der Erscheinung dieses Wunders mußte aber auch der Abfluß desReichogolbeS" eintreten; wir ge­nossen daS Schauspiel derfliehenden Goldstücke", wie dergeistreiche", Bamberger sich ausdrückt, denn dieser Mann liebt es, über unser Malheur noch Witze zu reißen. Durch das Münzgesttz vom 9. Juli 1873 wurde die Demonetisirung d. h. die Entmünzung und Entwerthung des Silbers, förmlich ausgesprochen. Silber bauen wir selber, eS wurden bis 1871 in Deutschland jährlich für etwa 6 Mill. Thaler producirt, dagegen nur 180,000 Thaler Gold gewonnen. Trotzdem oder vielmehr eben deßhalb wurde nun Sllber als Edelmetall degradirt und König Aügold als alleiniger Herrscher auf den Thron gesetzt. Eine kostbare einheimisch« Industrie ward geradezu ge­meuchelt und dafür machten wir uns freiwillig vom Auslande abhängig und demselben tributpflichtig. Es war nicht anders, als ob Bamberger und Lasker dercetert hätten (und in der Thal möchten fie dazu nicht übel Luft haden>: wir sollen unser Brod nicht ferner aus ausländischem Mais backen. Die Einführung der Goldwährung von Seiten einer so hervorragenden Macht die colossalen Silberverkäufe und der noch kolossalere Goldbedarf Deutschlands, dazu das Speculiren und Hinarbeiten der Goldhändler und Börsen- häuptlinge, daß noch andere Staaten dem Beispiele Deutsch- lanos folgen sollen, mußten das Werthverhältniß der beiden EbelmAalle zu einander auf der ganzen Erde er­schüttern, und zwar in einer bis dahin unerhörten Weise. Silber fiel wie noch nie in der Weltgeschichte, eS stürzte in drei Jahren tiefer als bisher in Jahrtausenden, es er­litt von Monat zu Monat stärkere Schwankungen, als früher in Jahrhunderten. Bamberger hatte das Werth­verhältniß von Gold und Sllber wie 1 zu'/r festge­stellt, unb ungefähr so hatte es seit fast hundert Jahren gestanden. Bon Anfang 1873 bis Mitte 1876 verschob sich nun dieses Berhälmiß mit reißender Schnelle auf 1 zu 20 /4, b. h. Sllber stürzte um etwa 30 pCt. Man begreife, was das sagen will! Alles gemünzte und uuge-

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Muster einer kleinen mittelatterlichen Hochzeitstruhe. Es wurde für eine Ehrensache erachtet, die Herstellung der Gabe, welche die Fürstinnen darbringen wolltm, aus- schlich deutschen Frauenhäudm anzuvertrauen; Ihre König­liche Hoheit übertrug daher die Anfertigung derselben der mit dem Badenschen Frauen - Vereine zu Karlsruhe ver­bundenen Abthellung für kunstgewerbliche Arbeit, deren trefflicher artisüscher Direttor, Herr F. Bähr, nach eigener Zeichnung den Plan der Arbeü entwarf und unter dessen unermüdlicher persönlicher Leitung die Truhe von den in Nadelarbeit und Kunststickerei geübten Händen der Damm des Vereins ausgesührt wurde. Sie zeigt im Stil der reichsten Renaissance auf meerblauem Sammetgrunde edel sülistrtt Blumm und Blattwerk in feinster Applikaüons- Arbeit aus goldfarbmem Stoff mit goldenen Fäden ver­mengt; die sinnvoll komponirten Füllungen der Lang- und Breiffeiten, sowie des gewölbten Deckels, tragen die Alliance- Wappen Ihrer Majestät der Kaiserin, daS A. mit der Kaiserkrone, das Datum des 11. Juni, sowie das zwischen Palmenzweigm stehende rothe Kreuz auf weißem Felde. Reiche Ornamente von rolhem Sammel schließen sich an die schöne Metalleinfaffung des Kastens, dessen Höhe und Länge etwa l1/«, dessen Breite etwa 1 Fuß beträgt. Di« vielfarbige Sttckerei ist mit außerordentlichem Feingefühl in zarten Schattiruugm ausgeführt und wirkt harmonisch auf das Auge. Das Innere des Deckels mthält die von demselben genialen Künstler, Herrn Bähr, in vollendeter Feinheit ausgeführte Widmungsurkunde, geziert mit sämmt- Uchen Alliance-Wappen aller regierenden deutschen Für- ftinnen und mit deren Unterschrift versehen.

Die Uebergabe der kleinen Hochzeitstruhe fand, wie ver­lautet, am Nachmittage des 11. Juni durch die Königin

münzte Silber, alle silberne Geräthe, Geschmeide und Kunstwerke, alle Silberschätze in den Bergwerken hatten binnen drei Jahren 30 Procent des Werthes verloren; der Staat wie der Private hatten an ihrem Vermögen 30 Procent eingebüßt, als ob über Nacht Diebe eingebrochen wären und es ihnen gestohlen hätten. Auch alle ausste­henden Forderungen, Zinsen- Zins- und Dividendencou­pons, die in Silber beglichen werden konnten, waren um 30 Procent weniger werth geworden. Und das Alles hatte mit seiner Goldwährung Herr Bamberger gethan!"

Tagesbericht.

DieProvinz.-Corresp." schreibt in einem Arttkel unter der Ueberschrist:Die nattonalliberale Agitation und der Reichskanzler" Folgendes: ES sei eine Umkehrung der That- sachen, wenn der Regierung, insbesondere dem Reichskanzler das Streben auf Schwächung der Nationalliberalen Partei zugeschrieben werde. Wohl aber hat das ganze Verhalten derselben in den letzten beidm Jahren in fortwährend scharfen Angriffen und Kundgebungen des Mißtrauens gegen den Reichskanzler sich bewegt. Wenn Verstimmungen bestehen und sich fortwährend erneuert haben, so sind sie nachweislich von den Nattonalliberalen und deren Presse herbeigesührt unb verschuldet. Der Regierung liegt es fern, die Bedeutung der nattonalliberalen Partei für die jeweilige Reichspolitik zu unterschätzen. Die Abwendung einer so großen Fraktion von der Regierung, wie solche im Laufe deS vergangenen und gegenwärtigen Jahres ftattgefunden, muß die Reichsregierung nothwendig dahin drängen , für bi« Erreichung ihrer unverändert festgehaltenen nationalen Ziel« andere Wege und Bahnen im einzelnen einzuschlagem Agitationen, wie sie dem Rücktritte von Forckenbecks vom Reichstagspräsidium vorausgingen und seitdem in fast allen großen Parteiblättern unb Reden einzelner Mitglieder ber Partei in immer gesteigerter Tonart zum Ausdruck gelang­ten, mußten vollends den Eindruck machen, daß die Partti als solche, die Zollreform unb Finanzrefvrm zum Anlaß unverholenet Kriegserklärung gegen die Regierung genom­men habe. Der Artikel schließt: je mehr zu wünschen und zu hoffen ist, daß die große Zahl wahrhaft patriotische, Elemente, welche sich der nationalliberalen Führung mit dem entschiedenen Willen ernster Unterstützung der Regie­rung angeschlossen haben, auch fernerhin lebendigen und wirksamen Antheil an der positiven politischen Arbeit für das Reich nehmen, um so dringender muß der Ruf an die besonnenen Männer der Partei ergehen, sich endlich offen und bestimmt von einer agitatorischen Oppositions­haltung loszusagen, welche die Partei zu jeder praktischen Äetheiliguug an der weiteren Gestaltung ber nationalen Aufgaben unfähig macht.

DieProvinzial-Correspondenz" bestätigt, baß die Mi­nister Hobrecht Friedenthal und Falk ihre Entlassung ein- vvn Sachsen, die Großherzoginnen von Baden, Sachsen und Mecklenburg-Schwerin statt. Die in dem Kasten be­findliche Geldspende (24,000 Mark) war durch duftende Blumen verdeckt; eine Erinnerung an die Legende, die stch an eine Ahnfrau der Kaiserin, Landgräfin Elisabeth von Thüringen, knüpft, die ihre wohühättgen Spenden in einer Hülle von Rosen darzureichen pflegte.

Ihre Majestät haben nun Allerhöchftihren Dank in einem Handschreiben an die nachfolgenden Fürstinnen aus­gesprochen: Ihre Majestäten die Königin - Mutttr von Bayern, die Königin von L-achsen unb bie Königin von Württemberg; Ihre Königlichen Hoheiten bie Großherzogin von Baden, die Großherzogin von Mecklenburg-Schwerin, bie Großherzogin von Sachsen-Weimar, bie Großherzogin von Mecklenburg - Strelitz, bie Großherzogin von Olden­burg ; Ihre Hoheiten und Durchlauchten bie Herzogin von Sachsen-Altenburg, bie Herzogin von Sachsen-Koburg-Gotha, bie Herzogin von Anhalt, bie Fürstin von Waldeck und Pyrmont, die Fürsttn Reuß ältere Linie, die Fürstin Reuß jüngere Linie, die Fürstin von Schaumburg-Ltppe und die Fürstin von Lippe-Detmold.

Der Text des Handschreibens lautet:

Gewährt bie Wohlthätigkeit an unb für sich ein lohnendes Bewußtsein, so insbesondere da, wo eine per­sönliche Gunst damit verbunden wirb, und durch bie Ab­sicht, wahrhaft zu erfreuen, ber Familien-Ehrentag sich zu einer gemeinsamen, vaterländischen Gedenkfeier erweitert. Dieses Bewußtsein lebt jetzt im Herzen der Hohen Wohl- thäterinnen, denen Ich berechtigt bin, den Ausdruck tief empfundenen Dankes aus voller Seele darzubringen. Ihre reiche Gabe in kunstvoll sinniger äußerer Form und mit der zarttsten Berücksichtigung Meiner Vorliebe für eine

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gnjeigen nimmt entgegen: He Expedition d.vlatte», sowie d-Annoncen-Burenux von Tb- Dietrich & Co. in Kassel und Hannover; Th. Dietrich in Kankfurt a.M.; Höllenstein & Logier in jrankfurt a- M., Berlin, Leipzig, Cöln rc.; Rudolf Kosse in Berlin, Frank­furt o. M. tc. '

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Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. Blattes s owie d. Annoncen-Bureaux von G- L- Daube & Co. in Frankfurt a. M; Jäger'sche Buchhandlung daselbst; Hermann'sche Buchhandl. daselbst; Jnvalidendank in Berlin; W. Thiene- in Elberfeld; C. Schlotte in Nrnnen.

Marburg, Freitag, 4. Juli 1879

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W*einL *n ,ben Werktagen nach «Sonn- mck Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen BeilageJluftrirteS SonutagSblatt" durch die Expedition tKoch'sche

B u ch d r u cl e recht bezogen 34 ^art, durch bie Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg. <excl. Bestellgebühr). JnsertionSgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pf«.

./ . . . - . ,jy< ,, , .Mr in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adreffen werden 25 Pfg. berechnet.

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Mktluugm auf die Oberhessische Zeitung und deren Gratisbeilage iver- den von allen Postanstalten (auf dem Lande von den Landpostboten) noch angenommen und soweit der Vorrath reicht die erschienenen Nummern nach­geliefert. - -r 'n, vl. .

i!i- Die «xped. tz. vverh. Zett««,.

Des Reiches Roth uud der fteue Culturkamps.

Höchst üitcreffaut sind beim auch ferner in Glagaus Buche, das wir in voriger 3tr. bereits envähnttn, bie sehr ausführlichen Mittheilungen übet den Ursprung, den Fort­gang unb die Folgen unserer Müuzreform unb ber Reichs­bank so wie den Einfluß des Abg. Bamberger auf biefe Schöpfungen ber liberalen Aera. Er citirt aus Bam­berger Schrift:Reichsgoldes" folgende Sttlle:

Wenige Tage nach bet Schlacht bei Sedan warb in einer Begegnung auf elsässischem Boden zuerst dem Ge­danken Ausdruck gegeben, .daß ein günstiger Friede auch rasch benutzt werden müsse, bie deutsche Münzverfassung auf den rationellen Boden zu stellen!" und bewerft

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dazu:Ist das nicht erstaunlich? Bamberger spaziert als Schlachtenbummler im eroberten Lande; chm begegnet wer? Ettva Excellenz Deibtück Und sie sprechen sofort vomReichsgold? rrr Thatsache tft, daß schon am 5. November 1871 Herr Eamphausen im Deutschen Reichstag den Entwurf eines Gesetzes, betreffend btt Aus­prägung vonReichsgvldmünzcn verlegte." .;<

. . ......Durch Gesetz vom 4. December 1871 wurde die Ausprägung, von Reichsgoldmünzen, und noch dem speciellen Verlangen vpn Bamberger und Lasker, die Anstellung bet Ausprägung von Silbermünzen, jo wie die Einziehung der alten Gold- uud Silbermünzen int Werk gesetzt. Nicht nut, daß diese Maßregel den wahn- sitmizen Börsen- und Gründungsschwindel weiter befruchten unb gleichfalls noch steigern mußte, bet Uebergang zur Goldwährung geschah auch gerade zu bet Zeit, wo Golb zu steigen und Silber zu fallen begann. Aber eben des­halb spornte Bamberger die Regttrnng, wie er sagte: Dank der Milliarden , welche Frankreich zu zahlen habe, sei Deutschland ber Gläubiger des Auslandes, bas Golb müsse ihm zuströmen, unb so werbe Deutschland bie Treppe hinauffallen. Ganz ohne war der Bambergersche Calcül nicht; nur hätte die deutsche Regierung danach trachten müssen, so lange als möglich Gläubiger des Auslandes zu bleiben. Statt dessen wurde bie Einziehung ber französi­schen Milliarden überstürzt; wir erhielten in ber Haupt­sache nicht Gold, sondern Papier, 41/* Milliarden in

Die goldene Hochzeitsgadc der deutschen Fürstinneu uud das Dankschreiben der Kaiserin.

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eme ganz besondere Freude bereitet hat. Als in allen weisen des gejammten Deutschen Reiche« ber Wunsch rege ®arb, der goldenen Hochzeitsfeier des Kaiser« unb ber Kaiserin hurch Gründung wohlthätiger «Stiftungen feiernd öU gedenken, unternahm es Ihre Majestät die Königin von Sachsen, auch bie beutschen Fürstinnen zu einer ge­meinsamen Gabe aufzufordern. Von dem Gedanken ge- leitet, daß das Familienfest des DeMfchen Kaiserpaare« von den Fürstinnen ber deutschen Staaten nicht würbiger gefeiert werden könnte, als bnrch Spendung von Beiträgen sur eines jener edlen Werke gemeinnütziger Nächstenliebe, Elches der Kaiserin besonders theuer sei, faßten bie hohen Geberinnen den Entschluß, die Sammlung für bie unter

Protektorate bet Kaiserin' stehende Kaiseriu-Augusta- Ctiftung zu Chatlottenburg zu bestimmen.

Aber nicht bei ber Geldgabe allein sollte es bleiben. «Jer Wunsch wurde rege, derselben auch äußerlich eine tfotiji zu verleihen, bie geeignet war, durch chre künstlerische Nuaituug auf spätere Zeiten hinaus bie Erinnerung an Otn feierlichen Tag festzuhalten.

Zn zartfühlender Weise hatte Ihre Majestät bie Königin wachsen der Großherzogin von Baben, als Tochter ^hrer, Majestät ber Kaiserin, die Freude überlassen, für "^f^iche Umrahmung des Festgeschenkes Sorge zu agen. Die Großherzogin wählte zu diesem Zwecke, ber Deutung des Tages entsprechend, eine Kassette nach dem

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inu ». Hüter den Stiftungen, welche der schönen und seltenen H Fttet des 11. Juni ihre Entstehung verdanken, ist e«eine, ^oron Annahme, wie wir hören, Ihrer Majestät ber Kaiserin