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Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d.Blatte-, sowie d.Ännvncen-Bureaux von Tb. Dietrich & Co. in jkaffel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a.M.; Haasenstein & Bögler in Frankfurt a M., Berlin. Leipzig, Cöln rc.; Rudolf Koste in Berlin, Frankfurt a. M. ic.
Marburg, Mittwoch, 2. Juli 1879
XIV IohkgMg
ObchkWt Mmg.
Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. Blattes sowie d. Annoncen-Bureaux von G- L. Daube & Co. in Frankfurt a. M; Jäger'sche Buchhandlung daselbst; Hermann'sche Duchhandl. daselbst; Jnvalidendank in Berlin; W. Thiene» in Elberfeld; C. Schlotte in Bremen.
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Die Exped. 6. Oberh. Zeitung.
Tagesbericht.
Die Nachricht, der Finanzminister Hobrecht habe seine Entlassung erbeten, wird von der „Nordd. Allgem. Ztg." bestätigt. — Die Nachricht, daß die Regierung in der Zolltarifcommission des Reichstages für den Antrag von Frauckenstein gestimmt habe, beruht demselben Blatte zufolge auf einem Jrrthum. Wahr ist, daß, wie auch der Finanzminister Hobrecht in der Tarifcommission ausdrücklich hervorgehoben hat, die verbündeten Regierungen noch keine Stellung zu dem Anträge. Franckenstein genommen haben, somit eine Erklärung über denselben regierungsseitig nicht abgegeben werden konnte.
Auch die „N. P. Z." bestätigt, sdaß Herr Hobrecht sein Entlassungsgesuch eiugereicht habe. Demselben Blatte wird bestimmt versichert, daß auch die Staatsminister Dr. Falk und Dr. Friedenthal ihre Entlassung eingereicht haben.
Das Centrum beschloß in der Fraktivnssttzung einstimmig, für die Tabakssteuer (85 M. Zoll auf ausländischen und 45 M. auf inländischen) zu stimmen, dagegen unter Berwerfung des Antrages Buhl die zweijährige gänzliche Befreiung des inländischen Tabaks von der Steuer zu votiren, ferner den Petroleumzoll von 6 auf 4 Mark herabzusetzen. Das Centrum verhandelt über diese Beschlüsse mit den anderen Fraktionen der Majorität.
Die „Nordd. Allgnn. Ztg." schreibt: Nach unseren Jn- svrmationcn ist eö außer Zweifel, daß die Regierung nicht gewillt bezüglich der Verstaatlichung der Magdeburg-Halber- städter Eisenbahn an die Aktionäre weitere Zugeständnisse zu machen, vielmehr auf dem im Ministerialerlasse vom 3. Juni kundgegebenen Standpunkt fest beharrt. Die bevorstehende Generalversammlung dürfte darüber auch nicht im Zweifel belassen werden, daß die Regierung bei der Nichtannahme des zwischen ihr und den Gesellschaftsvorstän- den vereinbarten Vertrages von weiteren Verhandlungen Abstand nehme» werde.
Das Inkrafttreten dec neuen Organisation Elsaß-Loth- ringens ist nicht vor dem 1. September zu erwarten.
Moria.
Historische Novelle von A. v. T.
(Fortsetzung.)
„Er entfernt Alles von sich, was ihm lleb und theuer ist, er trennt sich von Suffolk, trennt sich —"
„Von wem noch ?" fragte die Prinzessin gespannt.
„Von Anna Boleyn", fuhr Emmy fort. „Das arme Mädchen dauert mich, sie ist so brav, ihr Herz so gut und sanft, nur ihr Sinn so hochstrebend, ich fürchte —"
„Fürchte nichts, Emmy", unterbrach sie die Prinzessin, „eben dieser stolze Sinn wird ihr Schutz sein."
~ „Schützt er immer?" fragte die treue furchtlose Dienerin, „schützt er Euch vor der Sehnsucht? bewahrt er Euer Herz , wenn Suffolk an Euch vorüber geht, und vermag er die Unruhe zu beschwichtigen, die Euch in seiner Nähe ergreift?" „Prinzessin", sagte sie mit Wärme, „Ihr habt nicht recht an dem edlen Manne, nicht recht an Frankreichs König gehandelt. Von dem Reiz, eine Krone zu tragen, verlockt, nahmt Ihr den frxundlichen Kranz aus Eurem Haar und opfertet ihn dem Ehrgeiz. Die Töchter der Könige Englands waren bisher die glücklichsten Fürsttnnen der Welt, sie wählten sich den Gatten im Kreise der Edlen it res Landes, und wenn die Prinzessinnen anderer Staaten von der Politik in fremde Lande geführt wurden, folgten sie nur ihrem Herzen. Um Euch warb, was England und Irland Edles und Schönes aufzuweisen hatte, Ihr bliebet kalt, sähet in den Vasallen Eures Bruders nur seine Diener, bis Charles Brandon, ein geringer Edelmann, der Jugendgespiele des Königs, Euch Stand, Hoheit und den ^kvlz der Lancaster vergessen lehrte, und er durch die Gunst seines Königs von Stufe zu Stufe bis zu einem Herzoge
Meldung der „Polit. Corresp." aus Konstantinopel. Der französische Botschafter soll sich dahin geäußert haben, Frankreich könne niemals die von der Pforte verfügte Aufhebung des Fermans von 1873 zugeben, welche Egypten in ebendasselbe Verhältniß zur Pforte zurückversetze, wie es zur Zeit Mehemed Ali's war. Frankreich und England verhandeln wegen eines gemeinsamen Protestes gegen die Aufhebung. Der Ministerrath berieth am 28. Juni darüber, ob dem abgesetzten Khedive die Erlaubniß, nach Konstantinopel zu kommen, ertheilt werden soll, faßte indeß keinen Beschluß. Gestern wurde vom Ministerrath die griechische Frage verhandelt. Die Pforte soll heute den Mächten eine hierauf bezügliche Mittheilung machen. Die Gerüchte über ■feie Erschütterung der Stellung des Großvezirs Khereddin gewinnen neuerdings an Conststenz.
Deutsches Reich.
Berlin, 30. Juni. Die Berliner liberalen Blätter bemühen sich, fortwährend die Lage der Dinge als trostlos und völlig verzweifelt darzustellen. Um ein völlig objektives Bild der gegen einander ringenden Strömungen zu bringen, können wir nicht umhin, wenn auch mit Widerstreben, auch solche Auslassungen mitzutheilen, wie die der „Vossischen Zeitung", die in einem Artikel mit der Ucberschrist „Die Niederlage des Kanzlers und des Reiches" so weit geht, den König von Preußen gegen den Reichskanzler und den Kaiser anfzurufen. Daß der Reichskanzler für seine Vorlagen vorher die Billigung des Kaisers erhalten habe, dürfe nicht bezweifelt werden. Aber was den Beschluß der Tarifkommission zu Tage gefördert, sei das Gegentheil dessen, was der Kanzler ursprünglich erstrebt habe, es involvire auch eine tiefgreifende Aenderung der Reichsverfassung. Das fortschrittliche Blatt schreibt dann noch: „Nun ist es einerseits nicht denkbar, daß ohne Preußen sich etwa 14 Stimmen aus der Zahl der Kleinstaaten zusammenfinden sollten, welche jenem verhängnißvollen Beschlüsse des Reichstages, den wir als sicher voraussetzen, die Genehmigung versagen. Einige werden sich voraussichtlich dazu ermannen, weil sie, was eigentlich Allen klar sein sollte, von jeder momentanen Schwächung des heute bestehenden Reichsgefüges de» eigenen Untergang beim ersten Rückschläge zu erwarten haben und weil sie, wenn die eigene Existenz ihnen lästig und überflüssig erscheinm sollte, nicht des Umweges über eine Schwächung des Reichsgedankens bedürfen, um sich derselben zu entäußern, weil sie theilweise schon, wie das Beispiel von Weimar zeigt, darüber nicht im Zweifel sein können, daß man den Spieß auch umkehren kann. Auch in diesen Kreisen sind leider die Begierden durch da» Höllengebräu des Zolltarifs und sonstige Zu- thaten zu stark erregt worden, als daß man auf eine staatliche Abwägung des Für und Wider rechne» könnte, die überhaupt ganz, sogar bei dem Ccnttum abhanden gekom-
von Suffolk gehoben, Eurem Herzen so theuer ward, daß Emmy sich freute, die Gluth der reinen heiligen Liebe in dem königlichen Herzen ihrer Marie entflammt zu sehen."
„Ich Thörin träumte damals von einem anderen Glück", fuhr sie fort, obgleich ihre Gebieterin mit ihren Gedanken abwesend schien, „sah Euch als Gattin, des edelsten aller Britten durch's Leben wandeln, sähe Maria von Lancaster an der Hand des Mannes, dem die Güter des letzten Erben des Hauses 9)ort zu Theil wurden, und während sich mein treues Herz an dieser schönen Aussicht ergötzte, zerstörtet Ihr selbst Euer Glück. Frankreichs hinfälliger Monarch wirbt um Eure Hand, d» lockt Euch die Krone, lockt das schöne, freundliche Frankreich Euren leichte», stolzen Sinn, und Charles Brandon ist geopfert. Nein, Maria, und flössen Eure Thränen in Strömen, wie sie sich jetzt nur als Thautropfen hervordrängen, ich müßte es Euch am Morgen, wie am Abend zurufen: Ihr thatet Unrecht! Könnte ich es Euch selbst in dem Augenblicke noch zurufen, wo der Erzbischof die Krone auf Euer Haupt setzt, ich thät' es!"
Die Prinzessin hatte zu diesem Allem geschwiegen, Emmy's Worte hatten ihr Wehe gethan, doch konnte sie ihr. die ihr stets mehr eine mütterliche Freundin, als eine Dienerin gewesen war, nicht zürnen. Auch fühtte -sie wohl, daß Emmy Recht, Annas leichter hochstrebender Sinn sich ihr milgetheilt und sie den Mann getäuscht habe, au dessen Hand allein sie einst das Glück des Lebens zu finden gehofft hatte. „Emmy!" sagte sie endlich, „der Schritt ist geschehe», ich kann nicht mehr zurück, wenn ich auch wollte. Ich muß vergessen, was einst war, und deshalb finde ich cs von dem Könige, meinem Bruder so grausam, daß er Suffvlk zu meinem Begleiter
men ist. Ob aber diese siebzehn preußische Stimmen im Bundesrathe für oder wider die Verfassungsänderung abgegeben werden, das hängt im Augenblick nicht vom Reichskanzler allein, sondern in letzter Instanz von dem Könige von Preußen ab, der in diesem Augenblicke mehr Macht in seiner Hand hat als der deutsche Kaiser, dem nur die Befugniß zusteht, die Beschlüsse des Reichtages und des Bundesraths, wenn sie übereinstimmen, zu verkünden und auszuführen. Noch ist eine Möglichkeit, daß der schlichte Hohenzollernverstand vor den komplicirten Plänen des Kanzlers Halt macht und daß der Fürst, den das deutsche Volk im eminentesten Sinne auf den Händen und im Herzen trägt, sich weigert, die schweren Errungenschaften weiterschütternder Kriege politischen Kombinationen zu opfern, deren Tragfähigkeit durch nichts verbürgt werden kann. Quod divi bene vertant!........
Zum Glück liegt die Sache so, daß der König selbst zu seinem eigenen Schutze, im Interesse der Freiheit und Unbefangenheit seiner maßgebenden Entschließungen eine vorgängige kollegialische Berathung so wichtiger Vorlagen angeordnet hat. Der Beschluß des Reichstages wird also der Berathung im preußischen Staatsministerium nicht entzogen werden dürfen, und wird dann dem Könige von Preußen zur Entscheidung unterbreitet werden müssen. Wir werden dann sehen, ob es noch preußische Staatsminister giebt, deren staatsrechtliches Gewissen ihnen verbietet, den preußischen Staat durch die Mittelstaaten und die hinter ihnen stehende Koalition der reichsfeindlichsten Mächte, die zugleich die heftigsten Feinde dieses Staates selbst sind, vergewaltige» zu lassen."
Karlsruhe, 28. Juni. Nach einer von der „K. Z." mitgethcilten, für den Reichstag bestimmten Darlegung, geht Baden in der nächsten Budgetperiode 1880 81 einem ganz beträchtlichen Deficit entgegen. Schon für 1878.79 konnte das bereits vorhandene Deficit von 6,315,543 M. nur durch künstliche Mittel gedeckt werden; damit sind aber auch die früheren Ueberschüsse erschöpft, und es wird nun für 1880 ei» Ausfall von etwa 3,200,000 M. erwartet. In dem Etat der Eisenbahnverwaltung, der im Budget in besonderer Rechnung erscheint, war die Unzulänglichkeit für 1878 schon auf 4,808,180 M. berechnet; diese soll sich durch die hinzutretende Verzinsung neuer Anlehen bei sehr günstiger Veranschlagung der Einnahmen für das Jahr 1880 auf 5,700,000 M. erhöhen, so daß das ganze Deficit sich auf 8,900,000 M. stellt, und selbst wenn die Matri- cularbeiträge an das Reich durch die Erhöhung der Zölle ausgeglichen werden, bleibe» noch mehrere Millionen Mark durch neue Steuern oder Anlehen zu decken. Was den Ausfall bei der Eisenbahnverwaltung betrifft, so ist bemerkt, daß derselbe hauptsächlich durch die planmäßige Tilgung der Anlehen veranlaßt ist; die Zinsenunzulängkichkeit hat im Jahre 1878 nur etwa 820,300 M. betragen und
und zu seinem Gesandten in Frankreich ernannte. Glaubte er mir dadurch Ersatz für so Manches zu geben, was ich hier entbehren muß, so irrt er. War ich auch meiner ersten Liebe nicht treu, werd' ich es doch meiner Ehre und meiner Pflicht sein."
„Emmy", fuhr sie nach ernstem Nachdenken fort, „nur heute bin ich noch frei, bin Marie von Lancaster, morgen die Königin Frankreichs. Heute ist es noch fein Verbrechen, der vergangenen glücklichen Zeit ein Lebewohl zu sagen, morgen ist sogar die Rückerinnerung verpönt. Rufe", fuhr sie erröthend fort, „rufe mir Suffolk, es ist nöthig, daß ich ihn spreche, daß ich ihm mein Herz offen zeige und ihm jede, jede Hoffnung nehme."
„Heiteres Wesen", sagte die Prinzessin, sich zu ihr niederbeugend, um sie aufzuheben, „Dich hat das Schicksal noch nicht zum Kampf gefordert, Dein Herz war nur dem Vergnügen, nicht der Liebe offen."
Anna erröthete.
„Wie?" fuhr die Prinzessin fort, „sollte ich mich geirrt solltest Du ein Geheimuiß vor »mir haben? Steh' mir Rede, flatternde Sylphide! WaS trieb den Purpur auf Deine Wangen?"
„Nur auf meine Wangen den Purpur?" sagte Anna zerstreut und wurde nachdenkend.
„Da geht er vorüber! raunte Emmy in diesem Augenblick der Prinzessin leise zu, welche schnell die Sinnende verließ, ans Fenster trat und hinunter auf die Straße blickte, wo der Herzog von Suffolk vorüber ging.
„Er blickt nicht auf nach mir!" sagte die Prinzessin traurig.
„Sollte, durfte er das, wenn er Euch wahrhaft liebt?" fragte Emmy unmuthig.