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xiv. Jahrgang

<11/A Marburg, Dienstag, 1. Juli 1879

OtcheM ÄitU

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gerichtet,

Gnädiger Herr!" warnte Chabot,laßt Euch nicht von dieser Zauberin, die aller Männer Heiden fesseln soll, verlocken! Grabt nicht Euer eigenes Grab!"

Sorge nicht, Chabot; seit ich Fran^oise von Chateau- briant sah, bleibt mein Herz jedem fremden Eindruck ver­schlossen", versicherte der junge Fürst, aber seine Freunde zweifelten beide, daß er wahr gesprochen; sie kannten seinen Wankelmuth und schienen die Ankunft der jungen Fürstin mehr noch zu fürchten, als ihr Gebieter selbst.

Die Flotte landete, Kanonendonner begrüßte die mit vollen Segeln Nahende. Der Herzog von Valois, in seinem Gefolge die Herzoge Alenyon und Vendome und eine bedeutende Zahl des Französischen Adels erwarteten am Hafen, prachtvoll gekleidet, die königliche Braut, welche jedoch erst, nachdem ihre ganze Begleitung auSgeschisit und geordnet war, in einer auf's Reichste gezierten Barke, von ihren Frauen, dm Herzogen von Norfolk und Suffolk und dem Marquis von Dorset begleitet, sich dem Lande

Maria.

Historische Novelle von A. v. T-

1.

Am Strande des Meeres, welches ein brausender Nord­wind über die Dünen bei Boulogne trieb, gingen drei junge Männer schweigend auf und ab, und sahen zuweilen durch die Fernröhre hinüber nach den Küsten Englands. Das Meer ging hoch, die Möven flogen kreischend längs dem sandigen Ufer und über Englands Küstm thürmte sich ein Gewitter' auf, während die Sonne Frankreichs Gefilde gar freundlich beschien.

Seht, gnädiger Herr!" begann der Eine, sich ehrfurchts­voll zu dem Jüngsten unter ihnen wendend,von England her naht das Unwetter und droht, Frankreichs Sonne zu verdüstern."

Anna von Montmorency", erwiderte Franz, der junge Herzog von Valois,das Ungewitter kommt nicht heran, uud wmn die Wolken sich zusammenzögen, so geschähe eS sicher nur, um die Flotte zu-zerstören, die bei diesem günsti­gen Winde schon muß ausgelaufen sein."

Ich sehe in der Ferne Schiffe," rief Philipp von Chabot, der andere Jugendfreund des jungen Fürsten;ich sehe nur, gnädiger Herr, sie nahen mit vollen Segeln."

Der Herzog schaute durch das Fernrohr.Sie mögen kommen!" sagte er heiter.Gegen das Schicksal kann ich nur kämpfen, wie der Schiffer gegen den Sturm, muthig, unverzagt und nie das Steuer aus der Hand lassend. Soll ich den Thron Frankreichs nicht besteigen, so soll wenigsten- der künftige Beherrscher von königlichem Geblüte sein, da­für wird die Gräfin von Angouleme, meine edle Mutter, ivrgen, und auch ich!"

näherte.

Die Engländer zeigen uns viel Glanz, sagte Franz von Angouleme beim Anblick des ausgeschifften Kriegs­volks und der reich geschmückten königlichen Diener,darin wollen wir sie wohl übertreffen; aber täuscht mich mein Auge nicht, so ist jene Göttergestalt, die mit so viel Grazie an dem Mast der Barke lehnt, Maria von England. Ja, bei Gott! sie muß es sein! und sie scheint mir un­übertreffbar!" _ v ,

Gnädiger Herr," raunte ihm Chabot zu Gedenkt Eures Vorsatzes!"

Aber nur den Blick nach der Prinzessin , höret der junge Fürst nicht aus die Warnung des Freundes,

erleichteyung für das Volk verwendet werden sollen, wie das der Reichskanzler ausdrücklich bei seinen Zollvorlagen in Aussicht genommen hat. Gleichzeitig aber wird dadurch auch die Ungerechtigkeit und Härte der Matticularbeiträge aufgehoben. Dieselbe besteht nämlich darin, daß diese Bei­träge nach der Kopfzahl der Bundesstaaten bezahlt werden muffen. 300,000 atme Einwohner eines thüringischen HerzogthumS haben ebenso viel Beiträge zu zahlen, als z. B. 300,000 reiche Einwohner von Hamburg oder Bremen. Wenn den Einzelstaaten jene Reichsüberschüsse ebenfalls nach der Kopfzahl überwiefen werden, so wird dadurch jene Härte ausgeglichen. Die liberalen Blätter sehen aber in diesem Anträge eine große Herabwürdigung des Reiches, eineDahingabe seiner Finanzhoheit", eineKapitulation deS Reiches vor den Einzelstaaten" und dieNat.-Ztg." fragt: waS dann werden solle, wenn die Einzelstaaten die Zahlung der Matrikularbeiträge verweigerten. Diese Be- bentcn sind aber hinfällig. Wenn zwischen dem Reich und den Einzelstaaten ein solcher Zustand einträte, so wäre dem Reiche durch den constitutionellen Kaffeezoll wahrlich auch nicht geholfen. Sollte sich ein Bundesstaat übrigens so zu dem Reiche stellen, so könnte das Reich sich einfach dadurch helfen, daß es demfelben die Ueberschüsse nicht aus­zahlte. Das Reich hat ja die Einzelstaaten dadurch in der Tasche, daß es die Zölle zuerst einnimmt. Aber einen solchen Fall wollen wir gar nicht in Aussicht nehmen. Jedenfalls wird demselben nicht durch den constitutionellen Kaffeezoll vorgebeugt. WaS aber den Verlust der Finanz­hoheit 2c. betrifft, so ist, wie bemerkt, ein solcher Einwand deßhalb hinfällig, weil ja das Reich es ist, welches die Zölle einnimmt unb also die Einzelstaaten von ihm ab­hängig sind. Sodann ist es ja das Reich, in dessen Namen alles deutsche Geld geprägt wird und wenn die Finanzhoheit des Reiches durch irgend etwas gefährdet ist, so ist es daS liberale deutsche Bank- und Münzgesetz. Sind ja doch jetzt von reichen Geldhändlern bereits 400 Millionen Mark Goldmünzen geprägt, während das Reich nur 1300 Millionen geprägt hat. Wenn die liberalen Blätter die Finanzhoheit des Reiches so eifersüchttg schützen wollten, so hätten sie es bei dem Münzgesetz dieser gewal­tigen Geldmacherei gegenüber thnn müssen. Den deutschen Regierungen gegenüber, die ja ans deutschen Beamten und deutschen Volksvertretungen bestehen, ist das überflüssig!

Die Regierung hat sich auch für den Antrag Francken- ftein erklärt, weil sie denselben für den relativ besten er­achtet; sie hält bei ihm die Stabilität des gleiches mehr gesichett, als durch den konstitutionellen Kaffeezoll. Der Reichskanzler hat überdies den Abg. v. Bennigsen gefragt, wie viel Abgeordnete er denn für seinen Antrag sicher hätte. Aber darauf konnte der Herr von Bennigsen bei der gegenwärttgen Zerfahrenheit der liberalen Partei nur eine sehr ungenügende Antwort gegeben, so daß schon oeß-

fleieigen nimmt entgegen: Ne Expedition d.vlattes, sowie d.Annoncen-Bureaur von Tb- Dietrich & Co. in Kassel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a.M.; Haasenstein & Vogler in Frankfurt a M., Berlin, Leipzig, Cöln iu; Rudolf Moffe in Berlin, Frank­furt a. M- rc.

Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. Blattes sowie d. Annoncen-Bureaux von G- L. Daube & Co. in Frankfurt a. M; Jüger'schr Buchhandlung daselbst; Hermann'sche Buchhandl. daselbst; Jnvalidendank in Berlin; W. Thienes in Elberfeld; C. Schlotte in Bremen.

Für in der Expedition zu ertheilrnde Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Psg. berechnet. ____

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Die vx-ed. d. Oberh. Leitung.

" Die coustituliouelleu Garantien.

Die Tarifcommission hat nun bereits ihre Beschlüsse über die Anträge bezüglich der constitutionellen Garantien gefaßt. Der Abg. v. Franckenstein hat den zweiten Thetl seines Antrags, wonach eine Anzahl Zölle blos bis zum 1. April 1881 bewilligt und von da ab jährlich immer neu bewilligt werden sollten, zurückgezogen. Dagegen ist der erste Theil seines Antrags, wonach die über eine be­stimmte Summe (den bisherigen Betrag der Zölle, etwa 90 bis 100 Millionen Mark) hinausliegenden Ueberschüsse ans den Zöllen und der Tabaksteuer an die Bundesstaaten nach Maßgabe ihrer Bevölkerungszahl, mit welcher sie zu den Matricularbeilrägen herangezogen werden, abgeliefert werden müssen angenommen. Der Antrag v. Bennigsen, welcher die Matricularbeiträge ausheben, aber den Kassee- unb Salzzvll jährlich neu bewilligt haben unb nur bie Ueberschüsse, welche sich nach Feststellung bes Reichsbudgets ergeben, an bie Bundesstaaten abgesührt wissen wollte, wurde abgelehiit. Dieser Antrag hätte das Reich mit federn Jahre vor bie Existenzfrage gestellt, weil er bie Matricular- beiträge bem Reiche als Einnahmequelle nehmen unb bie 80 Millionen Mark aus Kaffee unb Salz jährlich von der Nenbewilligung des Reichstages abhängig machen wollte. Bei der Unberechenbarkeit der parlamentarischen Abstim­mungen ist eine solche Einrichtung mit bet Stetigkeit des Reiches unverträglich, zumal die Liberalen ja überhaupt die Zölle nur in sehr beschränkter Weise bewilligen wollen. Ohne große Gefahr könnte deßhalb das Reich nicht mit einer so großen Summe auf die jährliche, immer zweifel­hafte Abstimmung des Reichstages angewiesen werden. Der Antrag v. Franckenstein macht das Reich nicht in dieser bedenklichen Weise von den schwankenden Parla- meiitsmehrheiten abhängig; aber er wahrt dem Reichs­tage völlig die Macht, zu verhüten, daß im Reiche bie Einnahmen sich häufen und dadurch die Lust zu neuen und nnnöthigen Ausgaben erwacht, indem er alle Ueberschüsse an die Einzelstaaten überweist, wo sie dann theilS zu den Matricularbciträgen für das Reich, thells zu der Steuer-

halb der Reichskanzler fowohl als bie konservativen Par­teien genöthigt waren, bem Antrag Franckenstein zuzu­stimmen, weil hinter betreiben das ganze Centrum steht. Hätte man auch diesen abgelehnt, so würde das Centrum sich mit der Fortschrittspartei unb bem linken Flügel ber Nationalliberalen vereinigt haben unb bann würbe bie ganze Zollreform ins Wasser gefallen sein. Wollten bie conservativen Parteien unb bie Regierung das vermeiden, so blieb ihnen gar nichts übrig, als für den Antrag Francken- stein zu stimmen, unb sie konnten das mit gutem Gewissen «jun, nachdem derselbe den bedenklichen zweiten Theil des­selben zurückgezogen hatte. Die Bedenken gegen denselben haben ja nur theoretische Bedeutung. Prakttsch wird sich die Sache so machen, daß das Reich seine Ueberschüsse erst nach Feststellung des Reichsbudgets an bie Einzelstaaten abfenben wird; schon deßhalb, um den Staaten bie Mühe unb Rücksenbnng ber Matrikularbeiträge zu ersparen. Von großer Bebeutung aber ist, baß bie Einzelstaaten nun auch williger sein werben bezüglich bes so wichtigen Gütertarif- Gesetzes, so baß bie Hoffnungen für das Zustandekommen desselben gerade durch Annahme des Franckenstein'schen An­trages gestiegen sind. Was bie liberalen Blätter von einer Allianz ber conservativen Partei mit bem Centrum in bie Welt schreiben, ist Alles erfunben._________________________

Tagesbericht.

DieNationalzeitung" erwähnt eines in ber Freitags« Sitzung ber Tarifkommission aufgetretenen Gerüchts, wo­nach ber Finanzminister Hobrechl seine Entlassung eilige» reicht habe. Die anberen Abendzeitungen enthalten nichts darüber. ____________

Die Tabaksteuer-Commission beschloß ferner, baß bie von 45 Mark für inlänbischen Tabak erst am 1. April 1882 eintrete unb baß bie Steuer vom 1. April 1880 bis 1. Slpril 1881 nur 20 Mark, vom 1. April 1881 bis 1. April 1882 30 Mark betrage.

Die Tarifkommission beendigte bie allgemeine Debatte über die Bedürfnisse der Einzelstaaten unb bie Finanzzölle, nahm ben Weinzoll nach ber Vorlage an unb lehnte ben Bierzoll ab. _____________

Zum Jnnnngswesen veröffentlicht bie BerlinerVolks- Zeitung" einen Auszug ans einem Erlaß, welchen ber Herr Minister für Handel unb Gewerbe als Antwort auf eine besfallsige Eingabe ber Berliner JnnnngSvorstänbe an den Obermeister der Drechsler-Innung, Herrn I. H. Meyer gerichtet hat. Nächst dem Danke für daS in ihn gesetzte Vertrauen spricht ber Minister Folgendes aus:ES ist nicht bie Absicht ber königl. Staatsregierung, bie Entwicke­lung bes JnnungSwesens in ber Richtung einer verstärkten

Montmorency nnb Chabot unterbrachen bie zuletzt heftig gesprochenen Worte bes Herzogs nicht unb sahen nur über's Meer nach ber englischen Flotte, welche bie mit König Lnbwig X1L verlobte Schwester Heinrichs VIII., bie Prin­zessin Marie von Lancaster, znm feierlichen Beilager nach Frankreich brachte.

Wohl mußte Franz von Valois bie Ankunft ber jugend­lichen Braut, zu bereu Empfang ihn ber König von Bou­logne gesenbet hatte, nicht gleichgültig fein. Die junge Ge­mahlin konnte ihm leicht bie schönste Königskrone Europas, die er bis jetzt schon sicher auf seinem Haupte geglaubt, rauben. Anna von Bretagne, die erst vor Kurzem ver­storbene Königin, hatte keine Söhne, nur zwei Töchter hinterlassen, wovon bie älteste, Claudia, des Herzogs Ge­mahlin, unb er selbst ber nächste mnthmaßliche Erbe war. Diese neue Vermählung des Königs konnte bas ganze Ge­bäude feiner Hoffnungen zertrümmern. Ludwig, erst 52 Jahre alt, war zwar kränklich, an Gicht leidend, und gegen ben Rath seiner Aerzte zu bieser Vermählung geschritten; boch mußte ber junge ehrgeizige Fürst so manches befürchten, so manche unvorhergesehene Fälle konnten cintreten, baß wohl jedes andere Herz bei bem Anblick ber sich immer mehr nahenden Flotte gebebt hätte, nur nicht das Herz beS mnthigen Franz von Angouleme.

Meine Freunbe!" rief er jetzt,seht! bie Wolken ver- theilen sich unb verdunkeln nicht meine Sonne. Die Fürstin bie uns naht, soll schön, soll bie reijenbfte Prinzessin En- ropa'S sein. Wohlan wir werben sie sehen. Kommt, wir wollen unS zum Empfange ber königlichen Braut, welche bas Gerücht als bas Vollkommenste ber Erbe schilbert, schmücken, unb, ist sie bie Schönste ber Schönen, ihr hnl- I bigtn, wie es ber Schönheit gebührt!" I