XIV. Jahrgang
Alarkurg, Sonnabend, 28. Ium 1879.
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«uieigen nimmt entgegen; ttt Erpedition b.Blatte», d-Arinoncen-Bureaux ign Tb. Dietrich & Co. in jtgfiel und Hannover; Th. Lielrich in Frankfurt a.3)l.; haefenftein L Bögler in fcanlfurt o. 3)1., Berlin, jeipzig, Cöln re; Rudolf Kaffe in Berlin, Frank- furt o. M. ic
Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. Blatte- sowie d-Annoncen-Bureaux von G- L- Daube & Co. in Frankfurt a- M; Jäger'sche Buchhandlung daselbst; Herrnann'sche Buchhandl. daselbst; Jnvalidendank in Berlin: W. Thienes in Elberfeld: C. Schlotte in
Bremen-
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Die „Nordd. Allg. Ztg." kommt auf die Bestrebungen zurück, welche in Betreff der Ueberlaffung des Magdeburg-
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botrn Bestellungen an.
Die Gxped. >♦ Oberh. Zeitung.
Tagesbericht.
Wenn wir recht unterrichtet sind, so ist, schreibt die „Nordd. Allg. Ztg.", alle Aussicht vorhanden, daß über den Gesetzentwurf, betreffend daS Eisenbahn-Güter-Tarif- wesen, eine Verständigung erzielt und demselben im BundeS- rath eine nahezu einstimmige Annahme gesichert wird. Nicht das in dem Gesetzentwürfe verfolgte Ziel, dcffen Be- rechligung nicht wohl anzufechten ist, sondern die besorgte mögliche Rückwirkung auf die Finanzen der mit großen Staatsbahn - Komplexen ausgestattetcn Mittelstaaten bei gänzlicher Entäußerung der Tarif-Autonomie zu Gunsten de« Reichs bildet den Stein des Anstoßes. Es wird sich, wie wir glauben, ein Weg finden lassen, welcher rücksichtsvoll dieses Hinderniß beseitigt, unbeschadet des Zweckes des Gesetzes. Allerdings macht cs ja einen Unterschied, ob die Handhabung des Tarifwesens von einer um das Wohl des Landes besorgten Regierung geübt wird, welche bei der Verwaltung der Staatsbahnen auch die übrigen Interessen zu wahren berufen und im Stande ist und der Kontrolle ä|'etete| und Einwirkung des Lander- wie der Reichsvertretung Gesaitz unterliegt, oder ob die Tarifautonomie bei einer Privater dest bahn sich befindet, einer Aktienverwaltung von mehr einbeute feitig spekulativem Charakter mit legitimer oder präten- ' *' bitter mehr oder minder großen Unabhängigkeit von der öffentlichen Gewalt. Gewiß, das deutsche Eisenbahn- Tarifweseu würde nicht das heutige bedauerliche Zerrbild bieten, hätte man in Norddcutschland das Aktienbahnwcsen nicht zu solchem Umfange sich entwickeln lassen. Rach 50 en g4 Jahren wird man nicht begreifen, wie solche Zustände bei uns möglich gewesen sind. Es ist nnvermeidlich, daß der Tarifautonomie der Aktienbahnen feste und enge Grenzen gezogen und wirksamere Kontrollen geschaffen werden, als sie jetzt bestehen. Der allgemeine Verkehr wird dabei unendlich gewinnen, wenn auch Einzelinteressen und Dividenden hier und da Abbruch erleiden.
Halberstädter Unternehmens an den Staat weitergehende Forderungen stellen, als zwischen dem Gesellschaftsvorstaud und dem Staat vereinbart worden sei. Durch solche Versuche werde das Zustandekommen des Geschäfts ernstlich gefährdet. Es sei davor zu warnen und auf den Mini- sterialerlaß vom 3. Juni zu verweisen, wonach weitergehende Forderungen, wie namentlich die angeregte Erhöhung der Abfindung der Aktien Litt. b. nicht zugestanden werden können.
Gegenüber den Bemühungen der deutschen Post und Telegraphen - Verwaltung auf der Londoner Telegraphen- Conferenz, eine Tarifreduction herbeizusühren, weist die „Nordd. Allg. Ztg." auf die Haltung einiger deutscher Blätter hin, welche die ablehnende Haltung einiger ausländischen Verwaltungen mit spöttischen und hämischen Bemerkungen gegen unsere eigene Telegraphen-Verwaltung begleiteten. Anstatt dem AuSlande gegenüber durch die heimische Presse unterstützt zu werden, sehen die deutschen Unterhändler die ablehnende Haltung jener fremden Verwaltungen noch durch deutsche Blätter gefördert. Derartiges sei in England oder Frankreich nicht möglich.
Aus der der deutschkonservativen Fraktion des Reichstages gelangen folgende Mittheilungen in die Oeffentlich- keit: Ueber die Frage der Garantien, von deren Lösung man auf vielen Seiten des Reichstags die Bewilligung der Finanzzölle und einer erheblichen Besteuerung des Tabaks abhängig macht — ist in der letzten Sitzung der Tarif- kommisfion eine vorläufige Entscheidung getroffen worden. Von liberaler Seite wurde als unerläßliche Bedingung jährliche Bewilligung der Salzsteuer und des Zollsatzes auf Salz und Kaffee gefordert. Abgesehen von den schweren Bedenken, welche überhaupt gegen bewegliche Zölle sprechen — würde damit ein sehr beträchtlicher Theil der Reichseinnahmen (cs handelt sich um 70—80 Millionen Mark) von dem jährlich wiederkehrenden Votum der Vertretung und den unvermeidlich daran sich knüpfenden Parteikämpfen abhängig gemacht. Eine Zustimmung zu diesem Vorschläge von konservativer Seile würde alle konservativen Grundsätze verleugnen, alle Rücksichten auf die Sicherheit der Grundlagen der Finauzwirthschaft. des Reichs und damit auch der Einzelstaaten bei Seite setzen. Nachdem man von Seiten des Centrums sich dahin eittschieden hatte, die Bewilligung auf Zeit und die Forderung beweglicher Zölle fallen zu lassen und sich mit Ziffer 1 des Frankensteinschen Antrages zu begnügen — welcher die Matrikularbeiträge zwar noch bestehen läßt, aber den Einzelstaaten durch Ueber- wcisung der Zoll- und Steuerintraden, welche die Summe von 130 Millionen übersteigen, die Mittel gewährt, die Matrikularbeiträge zu bestreiten, — konnte die Entscheidung für die Konservativen nicht zweifelhaft sein. Es ist von
dieser Seite wiederholt darauf hingewiesen worden, das das Ausgabebewilligungsrecht teS Reichstags genügt, das Interesse der Steuerzahler und eine sparsame Finanzwirth- schaft zu sichern, und man würde daher die Bewilligung der Finanzzölle und einer angemessenen Tabakssteuer, welche die Lage des Reichshaushalts, die Finanzlage der Einzelstaaten, die Nothwcndigkeit der Entlastung der biretten Steuern gebieterisch fordern, von weiteren Garantien nicht abhängig machen. In der von dem Centrum geforderten Formulimng der Garantien wird das Hauptgewicht auf die fortdauernde Bewillung der Matrikularbeiträge und eine Anerkennung der föderativen Grundlagen des Reiches gelegt, es wird aber andererseits die faktische Entlastung der Einzelstaaten möglich, und die volle Kompetenz der Reichsgesetzgebung auf diesem Gebiet, wie alle Machtmittel der Centralgewalt bleiben gewahrt. — Die Bedenken hiergegen sind nicht so erheblich, daß sie eine Ablehnung rechtfertigen könnten, welche da« Scheitern der großen Finanzvorlagen unvermeidlich machen würde, — umsomehr, da Herr v. Bettnigsen kaum über so viele Parteigenossen verfügen dürfte, daß die Konservativen mit ihrer Hülfe auf eine Steuerbewilligung von nur annähernd zureichender Höhe rechnen könnten. Es muß erwartet werden, daß man von Seiten des CentrumS sich der Konsequenz der Lage bewußt ist, die entschieden fordert, daß genügende Mittel geschafft werden, um die Emzelstaateu wirklich zu entlasten und die Reform im Interesse gerechterer Ver- theilung der Lasten zu verwirklichen.
Das „Aerztliche Jntelligenzblatt" enthält folgende Korrespondenz aus Berlin: „Jti naher Zeit steht auch ein Beschluß des Bundcsrathes über die Prüfungsordnung für Aerzte bevor. Der bekannte Entwurf wird iticht geändert, also auch eine Zulassung der Realschul-Abiturienten zum Studium der Medizin nicht ausgesprochen werden. Ferner gelangt die Erhöhung der Studienzeit von 8 auf 9 Semester zur Einführung und es werden, wie man hört, von dieser Neuerung nur diejenigen Studirendett nicht berührt werden, welche sich bei dem Inkrafttreten der Prüfungsordnung im 8. Studieusemester befinden. Weiterem Vernehmen nach ist keine Regierung für die Zulassung der Abiturienten der Realschulen erster Ordnung, bezw. der ihnen gleichstehenden Realgymnasten, cingetreten, so daß neue Versuche der zuletzt erwähnten Lehranstalten aussichtslos sind.
Das Gesetz zum Schutze der nützlichen Vögel ist in der dafür eingefetzten Commission zur Annahme gelangt, nachdem durch die Vermittelung des laudwirthschaftlicheu Ministers in Preußen, Dr. Friedenthal, eine Einigung über die streitigen Punkte (meistens im Interesse der Jagdberechtigten) statlgefunden halte. Von einer Bezeich
nt Archiv-Ausstellung zu Marburg.
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Die „Augsb. Allg. Ztg." bringt im Anschlüsse an die Einweihungsfeierlichkeiten des hiesigen UniversitätsgebäudeS einen beachtenswerthen Artikel über die bedeuteitden schätze unseres Archivs, dem wir gern hier ein Plätzchen widmen, und der gewiß für viele unserer Leser von Interesse sein wird. Derselbe lautet:
Unter den mancherlei Veranstaltungen,, die zur Feier der Einweihung des neuen Universitätsgebäudes in Marburg stattfanden, darf nicht in letzter Linie die Ausstellung genannt werden, welche die dortige Archiv-Verwaltung bei dieser Gelegenheit ins Werk setzte, um Fremden wie Einheimischen die reichen Schätze zu veranschaulichen, die daS Marburger Staatsarchiv in seinen Mauern birgt. Ist doch noch gar nicht so überaus lange Zeit verflossen, seitdem ein solche- Unternehmen überhaupt erst ermöglicht ist. Der ängstlichen Geheimnißthuerei der vergangenen Zeit, welche die Archive nur als Rüstkammern für die Verfechtung der eigenen wie für Anfechtung fremder Interessen betrachtete und daher mit ArguS-Augen über den Inhalt derselben wachte, von dem man die profane Menge um jeden Preis fern zu halten suchte, wäre solch eine Ausstellung schier undenkbar erschienen. ES ist erfreulich, daß mit der Veränderung der gesummten Geistesrichtung der Zeit auch hierin eine freiere und weitere Anschauung Platz gegriffen hat oder doch noch immer mehr Platz zu greifen im Begriffe steht; daß neben der praktischen Be- baitung der Archive für den Staatsdienst auch deren wissenschaftlicher Werth gebührend in den Vordergrund gestellt wird. ■>
Man hofft — und gewiß nicht mit Unrecht — von
einer richtigen Erkenntniß unserer heimischen Geschichte und von deren lebensvoller Darstellung, die in. Fleisch und Blut des Volkes übergeht, eine gesunde Kräftigung unseres nationalen Lebens. Unmöglich aber kann dies geschehen, wenn nicht gerade die Archive, anS denen ganz vorzüglich der reine Quell geschichtlicher Erkenntniß fließt, nach Möglichkeit für die Benutzung der Forscher zugerichtet und geöffnet werden. Darum ist es aber auch eine unabweisbare Forderung, daß den Archiven die Pflege und Beachtung geschenkt wird, bie% sie befähigen, ihrer hohen Aufgabe gerecht wcrdeu zu können. Wünschenswcrth ist es dazu aber, daß die Kenntniß dieser Aufgabe attch weiteren Kreisen vermittelt werde. Man begegnet hier noch immer oft den sonderbarsten Ansichten über Archive und Bedeutung. Nur wenige Leute, die historischer Arbeit fern stehen sind imsStand, sich einigermaßen ein klares Bild über deren Wesen zu machen. Die Schuld daran mag zum guten Theil der bisher üblich gewesenen strengen Abgeschlossenheit dieser Anstalten zuzuschreiben sein. Aber schädlich ist es auf alle Fälle für diese selbst, wie für die gesammte Nation.
Um so mehr ist daher ein Unternehmen wie die Marburger Archiv - Ausstellung zu begrüßen. Sie ist besser als jede Auseinandersetzung im Stande, den Werth und die Bedeutung der Archive deutlich vor Augen zu stellen und unberechtigte Vorurtheile zu zerstreuen. Hier konnte ein jeder mit eigenen Augen nun sich Aufklärung verschaffen. Der überaus reiche Besuch, welcher der Anstalt zu Theil ward, hat bewiesen, wie zeitgemäß das Unternehmen gewesen, wie sehr man den Wünschen des Publikums damit entgegenkam. Sollte es sich nicht sogar verlohnen, falls eine entsprechende Räumlichkeit dafür zur Verfügung stände, eine permanente Ausstellung zu veran
stalten? Welch' ein herrliches Lehrmittel würde dadurch nicht für die Marburger Universität, der in manchen Zweigen schon jetzt das Archiv zu unschätzbarem Vortheil gereicht, zugleich gewonnen!
Schon die ganze Anlage der Ausstellung, die der einsichtsvollen Verwaltung de« Archivs alle Ehre macht, zeigt deutlich, daß es sich hier nicht darum handelte, die Neugier einer schaulustigen Menge zu besrievigen, sondern eine klare Ucbersicht über Inhalt und Bedeutung dcS ganzen Archivs zu geben, die für Fachleute wie für Laien gleich lehrreich war.
Ein jedes Archiv spiegelt durch seinen Inhalt die Geschichte deS LandeStheils wieder, dessen Urkunden und Acten es verwahrt. Demgemäß traten auch in der Ausstellung alle die Momente hervor, welche für die geschichtliche Entwickelung der hessischen Lande von Wichtigkeit sind. Aus der älteren Zeit sind es namentlich die reichen und mächtigen Stifter Fulda und Hersfeld, die unsere Aufmerksamkeit in Anspruch nehmen. Sie sind vertreten durch eine lange Reihe kaiserlicher und päpstlicher Urkunden, wie sie in dieser Menge wohl kaum ein zweites Archiv an die Seite zu stellen vermag. Von fast allen deutschen Königen sind hier Urkunden vorhanden, von Pippin (766) und Karl dem Großen (810) an bis auf Franz 11. herunter. Meist sind die Urkunden wie die Siegel vorzüglich erhalten; letztere lassen zum Theil, zumal bei den Habs- burg'schen Fürsten, wahre Kunstwerke der Stempclschneide- kuust in den edelsten Formen der Renaissance erkennen. Auf das Bequemste ist hier eine Ucbersicht über dic gesammte Entwickelung der kaiserlichen Kanzlei geboten; man kann die attinälige Veränderung der Schrift, den Ueber- gaug von dem Gebrauche der lateinischen Sprache zu dem