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XIV. Jahrgang

Marburg, Donnerstag, 26. Juni 1879

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durch daS deutsche Münzgesetz äußerlich beigelegt, erhöht aber nicht den inneren Werth derselben. Die Differenz kann also auch nicht als Gewinn betrachtet werden. So­dann wird behauptet, daß von den Thalerstücken mehr ver­loren gegangen seien als 17 Prozent, wie der Reichsbank- Präsident angenommen hatte. Diese Schätzung ist jedoch vollkommen begründet. Zunächst hat der Verfasser dcs Leitartikels übersehen, daß außer den Thalern der deutschen Staaten mehr als 93 Millionen Mark in österreichischen Thalern ausgegeben sind, welche ebenfalls beseitigt werden müssen, zumal sie sich schon fast ganz in beit diesseitigen Kassen befinden. Sodann kommt in Betracht, daß der übrigens größte Theil sämmtlicher Thalerstücke in den Jahren 1856/73 ausgeprägt ist. Für die Letzteren kann keinesfalls ein höherer Prozentsatz abgerechnet werden als für die ganz gleichartigen Zweithalerstücke aus demselben Zeitraum, und auf die älteren Jahrgänge ist bei der Be­rechnung des wahrscheinlichen Verluste« bereits insofern die nöthige Rücksicht genommen, als der Verlust an dem noch zu verkaufenden Silber bei einem Verkaufspreise von 50 Pence pr. Unze Standard nur auf 90 bis 100 Millionen Mark gegeben ist, während derselbe sich bei einem Bestände von 476 Millionen auf mehr als 100 Millionen Mark berechnet. Daß die Schätzung des noch vorhandenen Silber­bestandes nicht übertrieben ist, ergiebt sich übrigens auch daraus, daß sich bereits über 305 Millionen Mark in Thalerstücken geprägt oder eingeschmolzen in der Reichs- haupckasse und in den Reichsbankkassen befinden und noch in jeder Woche regelmäßig mehrere Millionen zustießen.

Die Tarifcommisston genehmigte den Rest der Zollsätze für Baumwolle und die Wollzölle in zweiter Lesung nach den Beschlüssen der ersten. Nur bei der Position 22 (Leinengarn) wurden einige geringe Veränderungen zu Gun­sten der kleinen Jute-Weberei vorgenommen. In der Abend­sitzung soll die Berathung der konstitutionellen Garantien beginnen. ________

Der Kaiser Alexander von Rußland wird, dem Ver­nehmen nach in allernächster Zeit aus Petersburg in Berlin Eintreffen, alsdann unserem Kaiser in Bad Ems einen Besuch abstatten und sich hierauf zu mehrwöchigem Aufent­halte nach Jugenheim begeben.

Die „Politische Korrespondenz" erklärt die Nachricht des Londoner „Standard" von einem Schlaganfall, welcher den Baron Langenau betroffen habe, für erfunden. — Gegenüber der Meldung der „Neuen fr. Presse" ist die „Polit. Korresp." zu der Erklärung autorisirt, daß eine österreichische Note in der egyptischen Frage nicht existire. Alles was seitens Oesterreich-Ungarns in dieser Angelegen­heit geschehen sei, beschränke sich auf eine einfache Mit-

«nfere verehrten auswärtigen Abonnenten er­suchen wir um baldgefältige Erneuerung ihrer Bestellungen auf das mit dem 1. Juli beginnende »rille Quartal. Ohne vorherige Bestellung wird von der Post die Fortsetzung nicht geliefert und um vollständige Exemplare zu erhalten muß die Bestellung vor Ablauf des Quartals gemacht werden. — Auf dem Lande nehmen die Pust» »ate« Bestellungen an.

Die «xped. d. Oberh. Zeitung.

in den auf dieselben auSmüudenden Straßen sich ver­sammelten.

Man genirte sich jetzt nicht mehr, sondern sprach seine Meinung offen aus, ballte die Fäuste und ließ den Ruf erschallen: ä bas le dictateur 1 Vive la republique!

Der Straße Vivienne gegenüber befindet sich ein Lese- cabinet, welches wir täglich besuchten. Dort trafen sich Bonapartisten des Viertels und enthüllten ihre Pläne; man konnte dort alle möglichen Verheißungen und Prophe­zeiungen über das zu erwartende Kaiserreich vernehmen. Wenn man sie hörte, eröffnete sich eine neue Glanzperiode für Frankreich und die Rheinprovinzen wurden wieder er­obert. Die Leute waren auch gegen uns Fremde sehr vertraulich, ja zudringlich, denn sie glaubten, Jedereinen mit ihrem Geschwätz zu gewinnen: Auf den Straßen waren die Verschwörer und unzähligen Spitzel ebenso thäthig im Aufhetzen gegen die Republik und in der An­preisung der neuen kaiserlichen Sonne. Aber die Menge wiederholte immer ungethümer den Ruf: a bas le dicta­teur 1 Vive la republique I

Hätte diese Menge am 3. December ihre Führer ge­sehen, sie würde sich nicht länger haben zurück halten lassen, sondern loSgeschlagen habm, das Elysee, das Hauptquartier der Verschwörer wäre gestürmt und der Präsident nieder­gemacht worden. Doch ohne Führer blieb die That lahm, die Menge konnte ihrem Zorn nur in Worten Ausdruck geben und der Dictator und seine Mithelfer hüteten sich, vorzeitig zur Gewalt zu schreiten.

So verstoß auch der 3. December ohne einen gewalt­samen Zusammenstoß. Doch hatte die stets wachsende Aufregung der drei Tage und das stetige Ansammeln der Menge auf den Boulevards und Straßen zur Folge, daß

gefügt werden soll: „Die nach dem Reichshaushaltsetat veranschlagten Ueberschüsse der Annahmen über die Aus­gaben sind im budgetmäßigen Betrage nach demselben Maßstabe auf die einzelnen Bundesstaaten zu vertheilen." Die „Post" bemerkt hierzu: Ob der Antrag in der Tarifcommission oder in dem Plenum eingebracht wird, hängt von dem Gang der Verhandlungen zwischen den Fraktionen ab, welche aufrichtig das Zustandekommen der । Tarifsteuerreform anstreben. Wir können aber schon jetzt 1 soviel sagen, daß Nummer 1 des Bennigsen'schen Antrages \ für die Reichspartei ebenso unannehmbar ist wie Nummer 2 des Frankenftein'schen Antrages. ,

Die „Nordd. Allgem. Ztg." erfährt bezüglich der Stel- ' hing Badens zu dem Gütertarif-Gesetz, daß in ‘ber Bundes- i rathssitzung vom 17. Juni, unmittelbar vor ber Schluß- । abstimmung, ber badische Bevollmächtigte erklärte, burch Annahme ber Ausschuß - Anträge zu ben §§. 2 unb 4, welche nach Auffassung ber baltischen Regierung eine in bie finanziellen nnb politischen Verhältnisse des Landes; tief eingreifende Veränderung der Verfassung enthalten, wäre er nun genöthigt, gegen das Gesetz zu stimmen. Er hätte dies um so mehr zu bedauern, als die badische Re- i gierung sonst mit dem Inhalte des Gesetzes in allem ■ Wesentlichen einverstanden sei, insbesondere zu ber durch §. 6 bezweckten Abstellung ber Mißstände im Bereiche ber Ausnahmetarife gern mitgewirkt hätte. Die Möglichkeit einer Vermittlung zwischen den sich gegenüberstehenden In­teressen unb Ansprüchen scheine'ihm immer noch nicht aus­geschlossen. Er habe beßhalb zur Erwägung zu geben, ob nicht bie Schlußabstimmung ausgesetzt unb zur Herbei­führung eines Ausgleiches ber Entwurf nochmals an ben außerorbentlichen Ausschuß, etwa unter Hinzuziehung des VersassungsanSschusses zurückverwiesen werden sollte. Diese Anregung sei dann in der PunbeSrathSsitzung vom 21. Juni mit bent bekannten förmlichen Anträge Sachsens, Württembergs unb Badens auf Zurückverweisung deS Gegen­standes an den bestehenden außerordentlichen Ausschuß für das Gütertarifwesen wieder ausgenommen worden.

Centrnms auf Alinea 1 des Frankenftein'schen Antrages vereinigen im Falle die Tabaksteuer in der dem angemes- holifch jenen 8weck der Vorlage entsprechenden Höhe bewilligt wird, meld | -------------

inieigen nimmt entgegen: Ne Expedition d.Blattet, ioiined.Aunoncen-Dureaur Mit Tb. Dietrich & Co. in Mel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a.M.; Mlenstein & Vogler in feantfurt a M., Berlin, iripzig. Cöln rc.; Rudolf Moffe in Berlin, Frank» furt o. M. re.

Tagesbericht.

Bezüglich der Frage der constitutionellen Garantien; verlautet, beide konservativen Fraktionen hätten mit dem Zentrum sich dahin verabredet, dem ersten Theile des i Frankenstein'fchen Antrages zuzustimmen, falls die Tabaks- ! steuer in einer dem Zweck der Tabaksvorlage entsprechenden Höhe bewilligt werde, wogegen das Centrum den zweiten Theil des Frankenstein'scheit Antrages auf geben würde. Darnach würde die Fordentng alljährlicher Bewilligung i; E gewisser Zölle (Salz, Kaffee) wegfallen; alle Zölle und f"7‘ Reichssteuern flößen zur ReichSkasse behufs Ueberweisuug r alle» an die Einzelregierungen. Die Feststellung der Höhe der sfenza Matriknlar-Beiträge bliebe nach wie vor von der Zustim-

reu i1 Die deutsche Reichspartei wird, der „Post" zufolge, die fe : Lösung der konstitutionellen Garantiestage einen Antrag heik» ' Einbringen, wonach dem Artikel 70 ber Verfassung hinzn- df

5(ter( | Der abgehanene Daumen.

(Fortsetzung.)

**’’ . Gleichwohl war diese anscheinende Ruhe verdächtig, ließ ^skrtc fcen erftQunten Herzen Zeit, sich zu erholen, um ihren Zorn um so sicherer zur.Reife zu bringen. Denn Ludwig - Napoleon hatte in dieser Proklamation ja der Republik [Iw und Verfassung Frankreichs einen Fußtritt gegeben, wie fein Oheim eß am 18. Brumaire 1799 ber ersten repu­blikanischen Verfassung angethan hatte.

F Das gewaltsame Umwerfen einer bestehenden Verfassung, F Napoleon konnte das vorhersehen, ruft allezeit eine Gegen- ■ F gemalt hervor, mit welcher nicht zu spasien ist; er mußte ,_r- sich darum gegen diese Gewalt sehr gut vorhergesehen haben e s de ; ober ein Wahnsinniger sein.

Eßlu? Die „Norbb. Allgem. Ztg." begleitet ben Franken- s uÄ stein'schen Antrag mit folgender Bemerkung: Die beiden confervativen Fraktionen des Reichstags, vor die Noth- wentigkeit gestellt, sich zwischen den Anträgen Bennigsens und Frankensteins zu entscheiden, haben die alljährliche Festsetzung der Höhe des Zollsatzes wie die Abgabe für Salz nicht als wünschenswerthe Lösung der schwebenden sibt Frage zu erachten vermocht, zumal dadurch das in dem beiol l Berfassnngsartikel 6 garantirte Präsidialrecht Preußens hsehl« tangirl würde. Die deutsch-konservative Fraktion wie die n A» Reichspartei erblicken dagegen in dem Alinea 1 des Flasch i Frankeuftein'scheu Antrages lediglich den formellen Aus­druck eines Princips, welches eine Aenderung des that- sächlich bestehenden Verhältnisses nicht enthält. Demgegen- ftuM , über beschloß sich das Centrum, die Alinea 2 des Franken- stein'fchen Antrags aufzugeben. Es dürften sich demnach die Stimmen der beiben konservativen Fraktionen unb bes

\ Während des Morgens füllten sich die Boulevards wehr und mehr mit Menschen, welche Neugierde und Ent­rüstung dahin lockten. Allein sie verhielten sich ruhig, __,i r denn sie waren ja nur gekommen, um sich über das Vor-

Uebrigens konnte man den Herren Franzosen, insbe- ie <H sondere den Parisern, wohl znrnfen: „Es geschieht Euch " Recht! Wie konnten gescheidte Leute sich einfallen lassen, ; an die Spitze einer eben erst ausgerufenen Republik übrr- Kaff : Haupt einen Prinzen zu stellen, und noch dazu einen solchen, der sich durch keine hohe Bürgertugend ausgezeichnet hatte, lediglich weil er den Namen seines Oheims trug, einige Faseleien, Idees Napoleoniennes genannt, hatte drucken lassen und einige mißglückte Putsche aufgeführt hatte!" Doch so sind die Franzosen zumal, sie denken nur ober­flächlich, täuschen sich also sebr leicht und müssen immer Neue Erfahrungen mit Gut unb Blut bezahlen.

Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. Blatte» s owie d. Annoncen-Bnreanx von ®. L. Daube & Co. in Frankfurt a. M; Jägersiche Buchhandlung daselbst;

Hermann'sche Buchhandl. daselbst; Jnvalidendank in Berlin; W- Thiene» in Elberfeld; C. Schlotte in Bremen.

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angk mung des Reichstages abhängig, st eil ----------------

Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für daS Quartal mit der wöchentlichen Beilage „JlluftrirteS SvNNtagSblatt" durch die Expedition (Koch'fche Buchdrucker-i) bezogen 2k Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg. (excl. Bestellgebühr). - Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pf«. Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adreffen werden 25 Pfg. berechnet.

Der „Reichs-Anzeiger" schreibt: „In dem Leitartikel der „National-Zeitnng" vom 24. d. M. werden die An­gaben des Reichsbank - Präsidenten von Dechend in ber Reichstagssitzung vom 19. b. M. über bie mit ber Münz­reform nerbuubenen Verluste in Zweifel gezogen." Zu­nächst wirb bemängelt, daß von den bisherigen Verlusten nicht der Münzgewinn in ber Ausprägung ber Reichssilber- müujen in Abzug gebracht wird. Dies ist allerdings nicht geschehen, aber aus gutem Grunde, nämlich weil die Neichs- silberrnünzen untenverfljig ausgeprägt sind. Hundert Mark Reichsfilbergeld enthalten nur 90 Mark Silber, der höhere Werth ist ihnen wie dem Nickel- und Kupfergelbe nur gefallene vollstänbig zu unterrichten unb über Gegenmaß­regeln zu besprechen.

Mit. dem Doktor jeboch war nun kein Auskommen mehr; et wollte gleichzeitig überall sein, inbem er befürch­tete, baß eS irgenbwo ohne ihn losgehen könnte, wodurch er gerade einen Haupttheater - Effekt versäumen möchte. Sogar mich selbst, den Ungläubigen, ergriff nun die un­gewöhnliche Erregung im Volke unb weckte mich aus meiner politischen Lethargie auf. Das Menschcumeer, welches sich über bie Boulevarbs ergoß, bie erregten Ge­sichter, bie erwartungsvoll zhrnenbcu Augen, mit benen man umherblickte, daS alles war höchst interessant unb verkünbete den Sturm! Wer hätte da noch gleichgültig bleiben können!

UeberaH war Gedränge, auf ben Straßen in ber Nähe ber Boulevards, in den Passagen, vor unb inner­halb ber CaffeeS, Restaurationen unb Kneipen, bie gäben waren zwar nicht geschlossen, blieben jeboch ohne Käufer, alle stauben unb bewegten sich in banger Erwartung ber Dinge, bie ba kommen sollten. Man sah's ben Tausenben an, baß bie Aufregung in ihrem Innern wuchs und ber Anblick dieser sich fortbewegenben Menschenlawine war höchst imposant und ergreifend.

t Dennoch verlief ber Tag ohne weitere Störung.

Währenb ber Nacht hatte bie aufgeregte Menge Zeit, ben gegen sie geführten Schlag zu überbenten; sie begriff nun, um was es hier sich eigentlich handelte. Doch sie wußte auch, daß sie ohne Führer war, welche ber Diktator sämmtlich hatte einstecken lasten. Die Erbitterung war barum nur um so gewaltiger. Die Folge davon war, baß am 3. December bie erzürnten Pariser in noch größeren Zuzügen über bem Gürtel aller Boulevards und