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XIV. Jahrgang

Marburg, Mittwoch, 25. Juni 1879.

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inn Ci» Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „ISuftrirteS SonutagSblatt" durch die Expedition (Koch'fche u Buch druck,rei) bezogen 21 Mark, durch die Postämter deS Datschen Reiches 2 Mark 50 Pf,, (exrl. Bestellgebühr). -Znsertronsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pf«.

'fr! Jgr in der Expedition zu ertbeilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pf«, berechnet.

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4t a* Die Behauptung, daß der Reichskanzler die Finanz-

""" zollfrage für diese Session fallen lassen werde, ist gänzlich

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Nach der „National-Zeitung" lautet der Anttag, wel­chen Herr v. Bennigsen in der Tariskommission zur Her­stellung der sogenannten konstitutionellen Garantien ein- zebracht hat, folgendermaßen: „Entweder im Zolltarifgesetze oder in ungetrenntem Zusammenhänge mit demselben nach­stehende gesetzliche Vorschriften zu beschließen: 1) Die Höhe des Zollsatzes für Kaffee und die Höhe des Zollsatzes wie der Abgabe für Salz werden jährlich durch den Rcichs- haushalts-Etat festgesetzt. 2) Ergiebt sich im Reichshaus­halts-Etat nach der im Einzelnen erfolgten Feststellung der Einnahmen und Ausgaben ein Ueberschuß der ersteren, so ist derselbe im Etat den einzelnen Bundesstaaten nach Maß­gabe ihrer Bevölkerung zu überweisen."

Wir lebten in der Zeit kurz vor dem inzwischen histo­risch gewordenen zweiten December 1851.

Eines. Nachmittags, als ich in einem Cafe des Boule­vard des Zkaliens zu Paris meinen Mazagran schlürfte, wir man ein GlaS schwarzen Kaffee daselbst zu nennen pflegt, dabei die vorübereilenden Menschen und Equipagen musterte und' hie und da der Dame du comptoir oder caissiere, wie man sie jetzt nennt, einer übrigens sehr an- srhenswerthen Elsäfferin, einen huldigenden Blick zuwarf, ward ich in dieser Angelegenheit durch einen Herrn gestört, der sich seinen Stuhl ganz nahe zu mir hinrückte und dann gemüthlich darauf Platz nahm.

ES war dies eine hohe, hagere Gestalt, deren kleiner, länglicher Schädel auf einem dürren Halse schaukelte, welcher gleich einem Gänsestroß sich aus den zusammengepreßten Schultern empvrhob. Man erkannte sofort, daß der Herr nicht in Europa geboren sein konnte, sondern eine über­seeische Pflanze sein mußte, die man Yankee zu nennen flegt.

Denn gleichwie man in Ungarn und Polen, der Türker und Rußland einen jeden Deutschen für einen Schwaben erklärt, so hält man in seiner Unwissenheit auch einen jeden Amerikaner der Verein. Staaten in Europa für einen Yankee.

Der Herr hatte auch mich in Augenschein genommen, Und mochte auch über mein Aussehen seine Gedanken haben, genug, nachdem er mich prüfend angesehen, redete er mich in einem etwas mangelhaften Französisch an, indem er be­dauerte , daß er diese Sprache nicht verstände, sich darum aber in Paris doch wohl gefiele.

luetgen nimmt entgegen: Al Expedition d.vlattes, •M\t d-Annoncen-Bureaux „R Tb. Dietrich & Co. in Mel und Hannover; Th. pieirich in Frankfurt a.M.; taafenfteiu L Kogler in tartlfurt a. M., Berlin, Liig, Köln Rudolf 6 :.t in Berlin, Frank­furt a. M. rc.

Assegai - Wunden am Körper; einige davon waren durch den Rücken hinein- und durch die Brust her­ausgegangen, so daß der Körper vollständig durch­bohrt war. Ein Stich ging durch das linke Auge; trotzdem waren seine Gesichtszüge ruhig und nicht entstellt. Alle Anzeichen deuten darauf hin, daß der Prinz eben auf­steigen wollte, als sein Sattel riß, wodurch das Pferd stutzig wurde und ihn abwarf. Darauf versuchte er die Flucht bis nahe zur Schlucht, ,wo er erschlagm wurde. Zwei -Pi'ann von der Eskorte lagen, hart neben ihm, tobt. Der Prinz wurde in eine Decke gehüllt, auf eine Tragbahre von Lanzen gelegt und ins Lager gebracht. Die ganze Division war in Parade ausgerückt. Der Prinz hatte sich früher schon mehrmals muthig gezeigt und eine Recognvs- cirung mitgemacht, ohne an den Feind zu kommen. Der General hatte den Prinzen von einem Ritte abhalten wollen, allein er wies lachend jede Einsprache zurück und bestand hierauf, mitzugehen, da er ja schon mehrere Expeditionen ohne Schadm mitgemacht. Der Prinz war im Heere sehr beliebt. DaS ganze Lager trauert und fabelt ben General, daß er nicht peremptorisch betn Prinzen verbot, mitzureiten. Der Ort beS Ueberfalls liegt am Jtelitzi-Flusse. Die dvr- tigm Zulus gehören wahrscheinlich bem Strayos-Stamme an.

Die bonapartistische Familie hat schon wieder ein Mit­glied durch den Tod verloren. Prinz Peter Napoleon, welcher durch die Affaire mit Rochefort und Noir bekannt geworden, ist gestorben. Er war den 11. October 1815 geboren, Sohu des Prinzen Lucian, Fürsten von Canino, und der Alexandra de Blaschamp.

Meldung der „Polit. Correspond." aus Belgrad vom 23. d. M.: Von russischer Seite ist der serbische Antrag auf Entscheidung dcö GrenzstreiteS mit Bulgarien durch ein serbisch-bulgarisches Schiedsgericht abgelehnt worden. Die serbische Regierung hat daher ihren Commiffar aus Zajcar abberufen. Das streitige Gebiet Zajcar wurde russischer- seits besetzt. Die internationale Commission zur Feststellung der Grenze zwischen der Türkei und Serbien begab sich nach Vrauja. Der Ministerrath beschloß die Einberufung der großen nationalen Skupschtina am 15. Juli behufs Abschluffes der Angelegenheit wegen Gleichstellung der Juden.

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Anzeigen nimmt entgegen die Expeditton d. Blattes sowie b- Annoncen-Bureanx von G- L- Daube & Co. in Frankfurt a. M; Jägersiche Buchhandlung daselbst; Herrnann'sche Buchhandl. daselbst; Jnvalidendank in Berlin; W. ThieneS in Elberfeld; C. Schlotte in Bremen-

:____1 Unsere verehrten auswärtigen Abonnenten er-

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Die «xped. d. Oberh. Zeitung.

Deutsches Reich.

»* Berlin, 23. Juni. Der Kaiser ist gestern Abend im besten Wohlsein und in bester Stimmung nach Ems abgereift. Der Aufenthalt daselbst soll bis Mitte Juli dauern, nachher wird der Kaiser einige Tage Besuch in Süddeutschland machen und Ende Juli nach Gastein gehen, von dort aber zunächst nach Berlin zurückkehren. Damit erledigen sich anderweite Angaben. — Palamentarische Nach­richten erwähnen eine Unterredung des Abgeordneten Wiudt-

Der Einfluß, welchen Paris dadurch über alle anderen Städte und ihre Bewohner erworben hat, der Zauber, den es auf das abenteuersüchtige Gemüth deS gewöhnlichen und ungewöhnlichen Menschen auSübt, ist folglich ^ungemein groß. Man sehe sich namentlich die deutschen Städte an, Paris guckt aus allen Läden und Kneipen, aus allen Gast- hösen und ZeiMngen, überall wird es sklavisch nachgeäfft, überall herrschen die Franzosen. — Ueberall im deutschen Handel, Wandel und Leben ist Paris, überhaupt das Aus­land die Quelle alles Neuen unv Eleganten. Man kann es mithin einem in Deutschland reisenden Franzosen kaum verübeln, wenn er von dem Gefühl beherrscht nach Hanse kommt, daß ohne Patts und ohne die stanzösische Sprache ganz Europa ein barbarisches Land wäre ; man kann es ihm nicht verübeln, daß er sich überall langweilt, well er überall das Original vermißt, um nur den Affen zu treffen.

Paris ist gewiß auch die erste Bummelstadt der Welt, ein Vorzug, den wir uns zu Nutzen machten. In welcher anderen Stadt könnte man so ungestört, so unterhaltend umherschlcndern wie dott! Zweck und Ziel sind in Paris ganz unnötig, wenn man ausgeht; das AuSgeheu und Weitergehen genügen schon an sich, alles übttge findet sich wie von selbst. Doch von alledem soll hier nicht Rebe sein, Paris und sttne Reize sollen hier nicht geschildert werden, sondern nur mein Abenteuer mit dem Doctor.

Unterdessen wir in den Straßen von Paris umher schleuderten, fühlten wir unwillkürlich, daß die politische Lust schwüler ward, daß etwas Unbestimmtes im Anzug war. Der Doctor erzählte nämlich, daß sowohl er selbst, wie feine Landsleute, die er in Paris angetroffen habe, schon seit einiger Zeit in der höchsten Spannung lebten weil Dinge sich vorzubereiten schienen, welche einen Ameri

Tagesbericht.

rodt Der „Reichs - Anzeiger" meldet: Der königliche Hof ahrenk für den verstorbenen Prinzen Louis Napoleon acht-

nffc N tägige Trauer an.

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Dem Vernehmen nach würde Generalfeldmarschall v. Manteuffel am 1. August die Statthalterschaft Elsaß-Loth- ttngens übernehmen; gleichzeitig würde auch der Staats- secretär und der Unterstaatssecretär dahin abgehen.

Die „Wiener Presse" schreibt: Man bezeichnet in diplomatischen Kreisen die Anschauung, daß Frankreich durch das Vorgehen des Fürsten Bismarck sich zu einer nach­drückliche Aktion bestimmt gesehen habe, um Deuffchland zu überbieten, als nicht zutreffend. Es walte im Gegentheil betreffs der Auffassung der egyptischen Angelegenheit zwischen Herrn v. Waddington und dem Fürsten Bismarck ein voll­ständiges Einvernehmen. Der Schtttt der Westmächte sei nur eine Konsequenz ihres früheren Anschlusses an die energischen Vorstellungen oes Fürsten-Reichskanzlers, denen bereits der Gedanke eines letzten und äußersten Verfahrens gegen den Vicekönig zu Grunde gelegen, falls derselbe sich nicht zu einer Korrektur seines durch die Absetzung der europäischen Minister vollzogenen flagranten Vertrags­bruches entschließen würde.

Ueber den Tob bes Pttnzen Louis Napoleon berichtet Capitän Carey als Augenzeuge Folgendes: Am Morgen des 1. Juni ritten ich, Napoleon und eine Escvrte von sechs Kavalleristen vorwärts, um die Lage des nächsten Lagers zu fixiren und abzuzeichtien. An der geeigneten Stelle angekommen, um 3 Uhr Nachmittags, würbe abge­sattelt nahe dem Eoutu-Kraal, welcher gänzlich menschenleer schien. Nachdem die Truppe ungefähr eine Stunde dort geblieben war nnd keinen Feind gesehen, gab Napoleon den Befehl znm Aufsitzen. Im selben Augenblicke rief Carey, er sehe zwischen dem hohen Grase Gesichter von Zulus. Der Prinz rief auö: Ich sehe sie auch!" Gleichzeitig ertönte eine starke Salve Gewehrfeuer von Seite der im Grase versteckten Zulus, welche sofort mit ihren AffegaiS vorwartsstürzten. Wir Alle sprangen auf unsere Pferde und galoppirten fort, einer Schlucht zu, die ungefähr 200 Yards entfernt war. Dort langten Carey und fünf von oer Escorte wohlbehalten an, allein der Prinz nnd zwei von der Escorte fehlten. Napoleon'S Pferd kam galop- pirend zur Truppe, als dieselbe den Weg zurückritt. Sie begegneten General Wood mit einer Escorte spät Nach­mittags. Durch ein Fernglas sahen sie ungefähr dreißig Zulus über einen Hügel sieben Meilen entfernt sich zu­rückziehen. Dieselben trieben drei Pferde vor sich. Am Morgen des 2. Juni ritt General-Marschall mit sechs Schwadronen Kavallerie nach dem Orte deS Ueberfalles. Um 9 Uhr fanden sie die Leiche Napoleons nahe der Schlucht ganz nackt. Blos eine Kette und ein Medaillon mit einer Haarlocke und einem Madonnenbild, die er am Halse trug, hatte man ihm gelassen. Nahe der Leiche lag ein Sporn und ein Strumpf. Der Prinz hatte 18

Er theilte mir hierauf ferner mit, daß er aus der Stadt Lexington im Staate Kentucky fei und sich lange in Deutschland aufgehalten habe.

Er war aus diesem Grunde äußerst erfreut, als ich mich ihm als einen Deutschen zu erkennen gab und, da er Deutsch ganz fertig sprach, so konnten wir uns ohne Zwang weiter unterhalten

Doctor Johns, wie der Herr sich nannte, hatte in Berlin Medittn ftubirt, hatte sich in Wien, München, Dresden und Köln aufgehalten und war jetzt auf der Rückreise in seine Heimath begriffen. 1

Er erzählte all dieses und seine Beobachtungen und Abenteuer in einem so aufrichtigen Ton und dazu in so vortrefflichem Deutsch, daß ich Gefallen an meiner neuen Bekanntschaft bekam und wir deshalb und weil ich dem Doctor als französischer Dolmetscher diente, den ganzen Nachmittag und Abend beisammen zubrachten und uns auch für die folgenden Tage verabredeten.

Mein neuer Freund lernte auf diese Weise Patts, da» ihm noch fremd war, kennen, was zum Theil ihn veranlaßte, feine beabsichtigte Abreise nach Amerika zu verschieben. Ja, da wir beide in Patts fein höheres und wichtigeres Ge­schäft zu besorgen hatten, als zu bummeln und unserem Vergnügen nachzugehen, so kamen wir überein, beide in demselben Gasthof zu wohnen. Der Doctor verließ darum den {einigen und zog in den meinigen in der Straße Vi- vienne.

Patts, em jeder hat daS auswendig gelernt, ist in vielem Betracht die erste Hauptstadt der Welt, denn in Patts gipfelt sich alles, was der Eitelkeit des Menschen schmeichelt. PattS ist darum der Abgott aller reichen Seute nicht nur Frankreichs, sondern aller fünf Erdtheile.

imbegründet. — Zu der Frage der konstitutionellen Garan­tien äußert die „Germania": Gegenüber v. Bennigsens Antrag auf Quotierung der Kaffee- und Salzsteuer und Ldführung des eventuellen Etatsüberfchuffes durch die Aatsfestsetzung an die Einzelstaaten erstrebt daS Centrum cfftens die Beibehaltung der Matttkularbeiträge und Ber- iheilrrng deS EttrageS der Zölle und Tabakssteuer, welcher das bisherige Mittelergebniß übersteigt, ganz an die Bun­desstaaten ; zweitens die Bewilligung bestimmter Zölle vor­läufig nur bis 1881 — die Auswahl werde sich nach Er- lckignng des Tarifs leicht treffen lasten —;, drittens Ge­währ dafür, daß die nach Deckung des Deficits den Ein- Maaten verbleibenden Ueberschüste zur Entlastung der Steuerzahler verwendet werden. „Germania" fügt hinzu, im zweiten Punkte berühre der Antrag des Centrums die ilmtotf Vorschläge Bennigsens, in dieser Hinsicht würde eine Ver- -.281)8 jtäubiguiig nicht schwer sein; aber diese einzige Garantie ichnah« Bennigsens könne dem Centrnm keineswegs genügen.

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