keitsrücksichten Seitens der Regierung Rechnung getragen worden sei, indem sie die Berlin-Stettiner, Magdeburg- Halberstädter, Köln-Mindener und Berlin-Potsdamer letztjährigen Ertragsverhältnisse dem Gebote der Regierung gegenüber beleuchtet. Der ArttkA weist bei jder Magde- burg-Halberstädter Bahn auf eine Denkschrift der Direction hin, welche die Betriebs-Ersparniß-Periode als abgeschlossen bezeichnet, sowie, daß das Bahn-Anlagecapital nach Vollendung der Neubauten werde vermehrt werden müssen. Bei der Köln-Mindener Bahn sei die gemachte Offerte um so liberaler, als die Bahnconcurrenz in dem rheinisch-west- phälischen Industriegebiete fortwährend zunehme und die Staatslinie Dortmund-Sterkrade, sowie die Linie Duisburg- Quackenbrück den Verkebr der Köln-Mindener Bahn vermindern müsse. Der Staat sei entschlossen, von seiner Berechtigung Gebrauch zu machen, die garanlirten Linien Dentz-Gießen und Oberhausen-Arnheim gegen Erstattung des Anlagekapitals zu übernehmen. Hierdurch würde das Stammunternehmen unausbleiblich geschädigt werden. Wenn die berechttgten Interessen der Äcttonäre durch die Offerten berücksichtigt seien, gleichwohl das Regierungsgebot auf die Berlin-PotSdamer Bahn zurückgewiesen und eine baare Zuzahlung gefordert worden sei, auch bei der Magdeburg- Halberstädter und der Köln-Mindener Bahn Gelüste nach Mehrforderungen erwachen sollten, so sei erheblich, daß die StaatSeisenbahnpolitik nicht an Zeitfristen gebunden sei und abwarten könne. Lehrreich sei der Vorgang bei der Stettiner Bahn, wo man jetzt das gegen früher nicht unerheblich reducirte Staatsangebot acceptirt habe, während man vor Jahresfrist die höhere Offerte zurückwieS.
Die „Polit. Correspond." meldet: Nach einer von dem österreichisch-ungarischen Konsulate in Burgas eingelangten Meldung von gestern, haben sich bis Anfang dieser Woche 28,000 Mann Russen in dem dortigen Hafen eingeschifft. — Dieselbe Korrespondenz meldet aus Alexandrien, daß die westnrächtlichen Vertreter außer dem Rücktritt und die Entfernung des Khedive auch die Entfernung seiner beiden Söhne Hussein und Hassan aus Egypten gefordert haben.
Deutsches Reich.
Berliu, 21. Juni. Fürst Gortschakofi ist in Begleitung seines Sohnes Michael, Gesandten in Madrid, heute früh aus Petersburg hier eingetroffen. Er verweilte kurze Zeit in der russischen Botschaft und reiste um 8 Uhr Vormittags nach Baden weiter. Der russische Botschafter von Oubil empfing den Fürsten am Bahnhofe und geleitete ihn bei der Abreise auf den Bahnhof. — Die dritte internationale Ausstellung des Verbandes deutscher Müller auf Tivoli wurde heute früh 1174 Uhr im Beisein der Herren Minister Dr. Friedenthal und Maybach und einer Deputation des Aeltesten-CollegiumS der hiesigen Kaufmannschaft durch den Verbands-Vorsitzenden Herrn van den Wyngaert eröffnet. Nach einleitender Musik sprach H. v. d. W. im Namen des Verbandes allen Behörden und namentlich den persönlich erschienenen Herren Ministern den Dank für die zu Theil gewordene Unterstützung aus. Zehn Jahre der Verbandsthätigkeit habe man jetzt hinter sich, 1869 die erste Fach-Ausstellung in Leipzig, 1876 die zweite in Nürnberg und jetzt in kühnem Fluge in die große Kaiserstadt wachsen. In Ostdeutschland wurden sogar Strohpuppen im Feuer verbrannt und in Bayern führte man am andern Morgen das Vieh über die verkohlten Holzreste, um es vor Behexung zu schützen. Auch Kräuter, wie das Beifußkraut, ein Zaubermittel, welches gegen alle Krankheiten helfen sollte, ward in das Sonnenwendfeuer geworfen.
Eine eigenthümliche Bedeutung hat heute noch der Johannistag in verschiedenen Gegenden des Königreichs Sachsen, er ist daselbst derjenige Tag, den man anderwärts als Todtenfest (evangelisch) oder Allerseelentag (katholisch) begeht. Mit Blumen und Kränzen wandert man an diesem Tage hinaus zur Ruhestätte der geliebten Tobten, um ihre Gräber zu schmücken, und die reiche Blumenpracht, die alsdann das Auge auf die Gräber niedergelegt sieht, steht in schönster Harmonie zu dem Blumen- und Blüthengewand, in dem die Allmutter Natur den ganzen „Gottesgarten" prangen läßt.
Am Schönsten bleiben aber die Sonnwendfcuer in den Alpen; weithin sprühen die Funken durch die klare Sternennacht und die flammenden Holzstöße tauchen auf allen Gipfeln empor, unter denen die dunklen Bergmasien in heiligem Schweigen lagern. Erscheinen uns doch in der Atmosphäre unserer Breiten in den Nächten des Jmiiu« die Sterne leuchtender als sonst, ist doch der Bogen des Himmels in diesem Monat weiter gespannt als in jedem andern. Und wenn schon der Dichter von den Tagen des Brachmonats singt:
Das find die klarsten aller Tage, Da fließt das Leben kidr und hold. Es kommt zu Sinn uns Traum und Sage Und alter Zeiten Märchengold.
Die Erde prangt in roller Schöne, Laut schallt im Busch der Vögel Chor, Und fernher klingen Glockentöne An unser selig lauschend Ohr.
um wieviel mehr muß er die Nächte preisen, die uns ab und zu vergessen lassen, daß wir unter einem nordischen Himmel leben.
Möge auch dies Mal dem Johannistage und einer großen Reihe von Tagen nach ihm ein lachender Himmel beschieden sein!
Berlin, um ohne Furcht der Welt zu zeigen, daß auch der Ausländer hier knien könne, während der Verband gern bereit sei, seine Sorge abzulegen vor neuen Erfindungen, die er nicht kenne. 18 silberne und 36 bronzene Medaillen habe der Herr Minister für Landwirthschaft, und 2 goldene und 8 silberne Medaillen der Herr Handelsminister dieser internattonalen Ausstellung zur Verfügung gestellt, welche die Gesammtheit der deutschen Mühlen in Höhe von 62,000 — und wenn man die Oel- und Schneidemühlen hinzurechne — in Höhe von 90,000 solcher industriellen Werke vertrete, die einer halben Million Menschen Beschäftigung geben. Diese Industrie sei es gerade, welche mit dem Handel und der Landwirthschaft in Verbindung stehe. Die Veredelung der Produtte der Landwirthschaft, die Herrichtung derselben in derjenigen Form, wie sie der VolkSwohl- fahrt auch in sanitärer Beziehung zweckentsprechend sei, wäre ein vornehmes Moment des VerbandS, das durch derartige Fach-Ausstellungen in Erscheinung trete. Aber gerade für Berlin habe nur das Machtwort des Friedens- sürsten die Ausstellung möglich gemacht. Ihm, dem Htlden- kaiser, gelte darum das erste, die Ausstellung einweihende Hoch- In dieses Hoch stimmte die Versammlung dreimal begeistert ein und sang einen Vers der Nationalhymne. — Hierauf ergriff Herr Minister Dr. Friedenthal gleichzeitig Namen« seines anwesenden Herrn Collegen da« Wort und knüpfte an den patriotischen Gedanken des Vorredners dahin an, wie eS wahr und historisch sei, daß die Hohen- zvllern-Fürsten stets die fördernden Segnungen des Friedens durch Unterstützungen für das Gemeinwohl zu beleben wüßten. So auch in diesem Falle sei es der besonderen Gunst Sr. Majestät zu danken, daß die Staatsbehörden die heutigen Bestrebungen dieses Verbandes fteudig förderten. Es sei richtig, daß das Müllergewerbe und die heuttge Ausstellung das Binde- uud Vermittlungsglied zwischen Landwirthschaft, Erwerbe, Industrie und Handel sei, und daß überall da, wo der Schutz der nationalen Arbeit in erster Linie stände, stets der Helbenkaiser auch der Förderer der friedlichen wirthschaftlichen Bestrebungen gewesen wäre. Er habe auch Namens seines Herrn Collegen denjenigen Männern zu danken, welche unter solchen Symptomen die drei Kategorien der Produktton, Fabrikation und Konsumtion in einen schönen und lehrreichen Zusammenhänge, wie hier, zur Erscheinung brächten. Der Herr Minister schloß mit einem Hoch, als Dank für die Leiter des Unternehmens, vertreten durch ihren Vorstand, und für die heimischen und auswärtigen Aussteller, die ihre Kräfte und Arbeit dem Ganzen gewivmet haben. Der Vorsitzende Herr v. d. W. übernahm hierauf die Führung der Herren Minister und sonstiger geladener Gäste durch die Ausstellungs-Räumlichkeiten. Diesem Rundgang schloß sich ein Gabelfrühstück an. ,
Köln, 18. Juni. Der Geh. Conimcrzienrath Mevissen hat 100,000 Mark gcspenvci als Grundstock zu einer hier zu errichtenden Handels-Akademie. Herr Mevissen hat zugleich den Wunsch ausgesprochen, daß die Stadt, die Provinz und auch der Staat bas Unternehmen unterstützen und fördem möchten. Man glaubt darauf rechnen zu können, baß außerdem ein Betrag von 75,000 Mark, der bei der Rheinischen Eisenbahn-Verwaltung ruht, sammt den Zinsen bei der Errichtung der Akademie Verwendung finden wirb. Diese Summe war seiner Zeit für das Polytechnikum, falls dieses in Köln errichtet werben würbe, bestimmt worden.
Stuttgart, 21. Juni. Der Fürst von Bulgarien wird heute Abend hier erwartet und morgen nach Friedrichshafen zum Besuch des königlichen Hofes reisen. — Die Berufung des Landtags ist bis zum Schluß des Reichstags vertagt.
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Paris, 21. Juni. Rouher ist heute Morgen nach London abgereist. — Derselbe erklärte gestern in Der Versammlung der Bonapartisten, daß er den Inhalt der Testament« des Prinzen nicht kenne. Eine am Dienstag statt- findenoe neue Versammlung roiro eine Entscheidung treffen.
Versailles, 21. Juni. Die Kammer der Deputirten hat heute die Berathung der Unterrichtsentwürfe fortgesetzt. Die Mehrzahl der bonaparttstischen Deputirten war abwesend. Der Gesetzentwurf betteffend Die Rückkehr Der Kammern nach Paris wurde in Senat und Kammer eingebracht. Darnach würden die Kammern am 3. Novbr. nach Paris übersiedeln. Die Kammer würde im Palais Bourdon, der Senat im Palais Luxembourg tragen. Auf alle Fälle könnten Die Bureaus der Kammern in Folge gemeinsamen Beschlusses ihren Sitz zeitweilig anderswohin verlegen. Sitz des Kongresses bleibt Versailles. Der Entwurf legt Den Präsidenten des Senats und der Kammer Da« Recht bei, die Stärke und Zusammensetzung des Militärs zu bestimmen, das zum Schutze ihrer Berathungen zu dienen hat.
Louba», 21. Juni. Die Mehrheit Der Tariscommis- sion Der internationalen Telegraphen-Conferenz hat den Anttag auf Einführung eines uniformen Telegraphen-Tarifs für ganz Europa abgelehnt. — Am 19. Juni 1867 fiel in Queretaro unter Den Kugeln der Mexikaner der von Napoleon Hl. schmählig im Stich gelassene Kaiser Max, des Kaisers von Oesterreich Bruder. Am 19. Juni 1879 traf hier die Nachricht von dem im fernen Zululande erfolgten Tode des Prinzen Louis Napoleon ein. Von dem ersten Ereigniffe datirt der Niedergang des napoleonischen Kaiserreiche«, vordem letztm aller Wahrscheinlichkeit nach fein gänzlicher Untergang. Als der von den wilden Afri- kanern gelödtete Prinz das Licht der Welt erblickte, stand
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das zweite Kaiserreich im Zenith seines Glücks. Der Kn«- krieg hatte die Gloire Der französischen Armee wieder her- gestellt, das französische Volk war berauscht von dem neu errungenen Kriegsruhm und jubelte dem Kaiser zu, dessen Sohne eine große Zukunft zu winken schien. 11 Jahre später hatte sich die napoleonische Glückssonne schon sehr verfinstert. Der mexikanische Feldzug hatte die Kassen und Arsenale Frankreichs erschöpft, so daß es noch viel weniger wie im Jahre 1870 im Stande gewesen wäre, der siegreichen Armee Preußens entgegenzutreten. Und nach abermals zwölf Jahren liegt der einzige Sprößling des französischen Kaisers als Leiche in der süd-afrikanischen Wildniß! Dar ist wahrlich ein Geschick von einer Tragik, wie die Weltgeschichte nur wenige aufweift, ein furchtbares Walten bet Nemesis, dessen erschütternbem Eindruck sich niemand entziehen kann. Aus dem Haupte cer Kaiserin Eugenie lastet die schwere Schuld an dem Kriege von 1870, der zwischen zwei Der größten Nationen Europas einen Zustand der be- vrohlichsten Feindschaft zurückgelaffen hat. Aber vor der Größe dieses Unglücks, das dieses Haupt getroffen hat, muß jede Anklage, jeder Groll verstummen. Von dem glänzendsten Throne des Welttheils herabgestürzt, eine einsame Verbannte, ist sie nun auch ihres Sohnes beraubt, um beffenwillen sie alles gethan hat, der ihre einzige Hoffnung für die Zukunft war. Bei aller Theilnahme für Die unglückliche Mutter, bei allem Mitleid mit dem jungen Manne, dem man die Sünden seiner Vorfahren nicht zur Last legen darf, kann man sich doch auch Der Betrachtung nicht erwehren, Daß dieses unverrnuthete Ende so characle- ristisch wie tie Geschichte Der Napoleoniden ist. Wie hat Der junge Prinz, wohl wissend, daß an seiner Existenz Die einer ganzen Partei hing und ui Der Meinung aufgezogen, daß von ihm bas Wohl uno die Zukunft seines Vaterlanoes abhänge, sein Leben an eine abenteuerliche Fahrt wagen können, bei der er für sein Vaterland nicht» erreichen, nicht einmal viel militärischen Ruhm gewinnen konnte? Daß et es dennoch gethan, entspricht Diejer Zug nicht dem abenteuernden Napoleomdencharacter, der überall in Europa, wie in Asten und Amerika auf Kriegszüge ausging, bei denen für Frankreich selbst wenig oder nichts zu gewinnen wai,- das Blut von TausenDen vielmehr nur um der militärischen Gloire willen vergossen wurde, ohne welche die Dynastie nicht existtren zu können meinte? Womit sie gesündigt, damit sind sie gestraft woroen. Die Napoleoniden suchten den Krieg nur um deS Krieges willen auf, das hat sie eine Zeit lang mächtig gemacht, aber auch ihren Niederganz herbeigesuhrt: die Katastrophe in Mexico, Die beispiellosen Niederlagen im Kriege mit Deutschland, den Zusammensturz
Marburg, 23. Juni. Die von Behörden unter der Bezeichnung „portopflichtige Dienstsache" alzusendenden un- frantirten Po|t|endungen zahlen bekanntlich nur einen Porto- fatz von 10 Pf. ohne Zuschlag. Neuerdings ist nun ungeordnet worben, daß genannte Sendungen nur bann mit Dem Satze von 10 (statt 20) Pf. belegt werden, wenn der Vermerk „portopflichtige Dienstsache" sich ohne j«*
VeffriwRaß«.
Marburg, 23. Juni. Se. Majestät der Kaiser paß firten heute Morgen halb 7 Uhr auf der Reise nach Ems Den hiesigen Bahnhof ohne anzuhallen.
deö Kaiserthrones, Den Tob Napoleons 111. in der Ver-i fit, z bamiung, endlich Den Too feines Sohnes auf afrikanischer - vand Erve. Welche wunoerbaren Wendungen hat doch das Geschick n im dieses Geschlechtes erfahren! Sein großer Ahnherr starb beten
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ten Der ExpeDitionstruppen konstatirt, daß eine am oberen Lauf des Uled AbiaD ausgeführte umfassende Recognor- cirimg zu keiner Entdeckung geführt hat. Der Feind ist nirgends anzutreffen. Viel Vieh in erbeutet worben. Ein tien den algieri|chen Journalen zugegangeiie« Communique flosst
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Bukarest, 21. Juni. Der Senat genehmigte mit 37
gegen 3 Stimmen den Adreßentwurf der Mehrheit, nach- "berl oem der Entwurf der Minorität mit 35 gegen 17 Slim- cfi£_ c men verworfen worden war. Wa
Algier, 21. Juni. Eine Depesche des Commandan f
herrscht Ruhe.
Washiuglou, 21. Juni. Der Senat genehmigte mit : räng 23 gegen 19 Stimmen die Armeevorlagen einschließlich des ^elt Artikels, welcher eine Geldverwendung zum Unterhalt uno ® un
wegen nicht geschehen wirb. Es würbe empfehlens») erch fein, wenn alle Behörden, Beamten rc. auf diese Anordnung besonders hingewiesen würden.
Marburg, 22. Juni. Der gestrige erste Ausflug des hiesigen Gartenbauvereins war von dem prächtigsten Wetter begünstigt. Nachdem die großartigen Anlagen bei Irren-1 . -- Heilanstalt unter Führung des Inspektors und OdergäN-; ner«, Deren Entgegenkommen uno Freundlichkeit vollste An- ^eb erkennung verdient, eingehend besichttgt worden waren, be-. gaben sich die zahlreiche Theilnehmer in Den nahen Forst'