xrv. Jahrgang
JItarßurg, Freitag. 20. Juni 1879
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Die stolzen Eltem wütheten, al« ste von der geschlos- Nnt Verbindung Nachricht erhielten. An ihnen war die
' zu ersehen ist, die Matricularbeiträge bestehen , um dem Reichstage auch da» EinnahtnebewilligungS- zu wahren und betrachtet das als ein wesentliches Kf der konstitutionellen Garantien. DaS will aber Reichskanzler nicht; das Reich soll nicht seiner ein stiger Kostgänger" bei den Einzelstaaten sein. Nach der ichsverfassung sind die Matricularbeiträge eine vorläu- Einrichtung, welche so lange bestehen soll, bis das genügenve selbstständige Einnahmen hat. Sobald i bet Fall ist, haben also die Matricularbeiträge fort- allen und eS wäre wahrhaft komisch, wenn daS Reich seinen Zolleinnahmen erst den Einzelstaaten das Geld den Matricularbeiträgen nach München, Stuttgart u. w. binschicktc und es sich dann von dort mit der Adresse Matricularbeiträge" wieder zurückschicken ließe. Es wäre iraurig, wenn es solcher Mittel bedürfte, um die Selbst- fündigkeit der Einzelftaatm und den Bundescharatter des Seiches zu erhalten. Soll das Reich als eine Institution ^stehen, vor welcher die großen Reiche der Well Respect
wrigefl nimmt entgegen: Mpkdttio« d.vlatteS, wekÄnnoncen-Sureaui JjS.Dietrich & Co. in Igel und Hannover; Th.
Die Budgetkommisston des Reichstags beantragte in Folge einer Petition beim Plenum zur Vollendung des Denkmals auf dem Niederwald den einmaligen Betrag von 400,000 Mark zu bewilligen und nahm ferner den Nachtragsetat belr. die Umwandlung der vormals Decker'schen Hofbuchdruckerei in die Reichsdruckerei an.
Die Tabakssteuer-Commission des Reichstag» lehnte heute den Antrag Richter (Hagen), wonach auch die Nachver- stmerung des Rohtabaks verworfen werden sollte, ab und nahm den ersten Antrag Buhl an, wonach die Halbfabrikate und Ganzfabrikate der Nachsteuer nicht unterliegen sollen, lehnte dagegen den zweiten Antrag Buhl betreffend die verschiedene Besteuerung des ausländischen und inländische» Tabaks ab. AlS darauf die entscheidenden §§ 1 und 2 des Nachversteuerungs-Gesetzentwurfs mit dem angenomme-
«ffurt e- M., Berlin, rag, Cöln ic.; Rudolf lt in Berlin, Frank- fett o. re.
haben, so muffen wir ihm auch eine finanziell unabhängige Stellung verschaffen und dürfen eS nicht auf den Sustentationsgehalt der Einzelstaaten stellen. Darauf kann man sich aber gar nicht einlassen, daß das Reich auch die Deficits der Einzelstaaten decken soll, weil das Reich keinen Einfluß auf die Finanzverwaltung der Einzelstaaten hat. Da könnten ja die Einzelstaaten die größten Ausgaben machen und das Reich sollte hernach die Zeche bezahlen. Das geht nicht. Wir können es kaum glauben, daß das Centrum wirklich einen solchen Antrag gebilligt haben sollte. Der Antrag, daß die Zölle bloß bis zum 1. April 1881 bewilligt werden sollten, ist um so weniger zu billigen, weil wir die deutsche Armee mit ihren finanziellen Existerzmittcln nicht aus's Trockene setzen können. Wir haben ja gesehen, wie wanoelbar und unzuverlässig die Parlamente und ihre Beschlüsse sind. Wie nun, wenn 1881 die Zölle nicht mehr weii.r erhoben werden dürften und gar auch die Matricularbeiträge aufgehoben wären, wovon sollte dann die Armee erhalten werden? Ihre Fortexistenz läge dann ganz in der Hand der Reichtztagsmehr- heit und wer kann sagen, wie dieselbe in 2—3 Jahren beschaffen sein wird? So sehr wir also dafür sind, daß die Ueberschüffe aus den Zolleinnahmen zur Erleichterung der Volkslast verwendet werden, so müssen wir doch sagen, oaß diese Forderungen des Centrums nicht annehmbar sind. Wie eS heißt, sind denn in letzter Zeit auch wieder Verhandlungen zwischen dem Reichskanzler und dem rechten Flügel der Nationalliberalen, d. h. mit dem Führer derselben, Herrn v. Bennigsen, angeknüpft worden, und eS wird behauptet, die nationalliberale Partei würde für die Finanzzvlle und schließlich für den ganzen Zolltarif stimmen. Nur über die constitutionellen Garantien schweben noch Verhandlungen zwischen Hernr v. Bennigsen und den Führern des CentrumS, welche noch nicht zum Abschluß gekommen sind. Etwa« Sichere» ist also um so weniger zu sagen, als das Centrum noch keinen definitiven Beschluß gefaßt hat und die parlamentarische Situation ja überhaupt wie die Farbengruppen deS Kaleideskop gar leicht und häufig wechseln, wenn von irgend einer Seile daran gestoßen wird. Und solche Stöße kann nicht bloß jeden Tag eine neue Rede des Reichskanzlers, sondern auch gar mancher andere Umstand bringen.
Auch einige freundliche Zcileu der Freifrau waren beigefügt, welche die innigste Liebe zu der Tochter zu athmen schienen.
Das junge Ehepaar bestieg harmlos den eingetroffenen Wagen mit dem kleinen Fritz, aber bald sollte es zu seinem Schmerze sehen, daß es in eine Falle gelockt worden war. Als die drei Personen in Magdeburg ein- grtroffen waren, erschien bei ihnen ein Polizeibeamter, trennte Emma von ihrem Gatten und ihrem Kinde und gab Loeff die Weisung, sofort mit dem „Bastard", wie er fich ausorückle, Preußen zu veolaffen, wenn er nicht gewärtigen wolle, als Mäochenentführer verhaftet und bestraft zu werden. Einer solchen Gewaltthat gegenüber war Loeff ohnmächtig und so blieb ihm nichts übrig, als sich zu fügen. Im höchsten Grade gebeugt reifte er ohne seine Emma nach Straßburg zurück.
Hier hoffte er Briefe von Emma zu erhalten, aber ein Tag nach dem andern verging, ohne durch eine Zeile von der geliebten Hand erfreut zu werden, vielmehr erging nach einigen Wochen an ihn von Breslau ein gerichtliches Resolut, welches seine mit einer Minorennen gegen den Willeu ihrec Eltern geschloffenen Ehe für null nnd nichtig erklärte. ~
Das war ein harter Schlag für Loeff, der aber freilich kein unerwarteter war, weil er sich vorher hatte sagen müssen, daß Leute, welche zu den gegen ihn angewendeten Mitteln geschritten waren, noch weiter gehen würdm. Er hatte aber doch die Hoffnung, daß ihm Emma treu bleiben und endlich doch der Tag der Wiedervereinigung kommen werde. Um so unerwarteter traf ihn nach einigen Monaten eine neue Hiobspost, nämlich die, daß sich Emma nach dem gefällten Richterspruch wieder verheirathet habe und
schäft in Petersburg oder von einer deutschen Cousular- behörde in Rußland visirten Paß ausweisen und solchen beim Eintritt über die Reichsgrenze behufs Gestattung der Weiterreise der diesseitigen Grenzbehördc vorlegen muß.
Die „Provinz.-Corresp." hebt in einem längeren Artikel über Wirthschaftsreform und Parteien Folgendes hervor: Die Centrumsftaction, welche bezüglich der Schutzzölle von vornherein entschieden mit der Regierung zu gehen entschlossen war, habe die vom Reichskanzler erstrebte weitergehende Finanzreform bekämpfen zu müssen geglaubt und wolle unter allen Umständen bei Erhöhung der eigenen Einnahmen des Reiches gewisse politische Bedingungen und Bürgschaften bezüglich der Verwendung fordern. Die nationalliberale Partei, deren größter Theil die Schutzzölle bekämpfe, die dagegen in ihrer überwiegenden Mehrzahl die Finanzreform grundsätzlich billige, knüpfe daran auch ihrerseits die Forderungen konstitutioneller Bürgschaften in Verfolg der bereits im preußischen Landtage von der Regierung ertheilten Zusicherungen. So schwierig und weitaussehend hiernach der Abschluß des GesammtwerkeS auch noch erscheine, so biete doch die bisherige Entwickelung hoffnungsvolle Vorzeichen für eine schließliche allseitige Verständigung. Je weiter die Erfüllung der mannigfachen Hoffnungen herbeizurücken scheine, welche sich an die Durchführung bet Reform einerseits für die unmittelbaren Volksinteressen, andererseits für die nationale Entwickelung knüpfen, um so weniger würden diejenigen, welche von ihren verschiedenen Standpunkten aus bisher mitgewirkt haben, schließlich die Verantwortung für ein Scheitern vor dem deutschen Volke auf sich nehmen wollen und können. Die Regierungen würden ihrerseits Alle» daran setzen, um eine Verständigung und Ausgleichung der Gegensätze bezüglich des Werkes zu fördern, in welchem sie mit dem Reichskanzler eine der höchsten Aufgaben für das Gedeihen des Reiche» erblickten.
Tagesbericht.
Se. Mas. der Kaiser reift, soweit bis jetzt bestimmt, am Sonnabend Abend nach Ems ab, Jh. Majestät die Kaiserin Donnerstag Abend nach Koblenz.
Der Reichskanzler publicirt eine kaiserliche Verordnung vom 14. Juni, wonach unter Aufhebung der bezüglichen Verordnung vom 2. Februar 1879 jeder aus Rußland kommende Reisente, sich durch einen von der deutschen Bot-
3« schwerer Zeit!
Eine Berliner Geschichte aus den Jahren 1811—1816 von Joh. Beyss«l.
(Fortsetzung.)
zwar mit einem Baron von Harring, den die Eltern schon früher für sie ausersehen hatten.
Das war zu viel für Loeff.
Er glaubte fich vollständig in Emma getäuscht zu haben und verfluchte die Stunde, welche ihn mit ihr zusammengeführt hatte. Er konnte es aber nun auch nicht länger in Straßburg aushalten, wo ihn täglich Alles an sein verlorenes Glück erinnerte. Er mußte fern von da eine bewegtere Thätigkeit haben, und daher nahm er in Rußland Dienste, die ihn in alle Theile des weiten Reich» und auch einigemal nach Preußen führten. Auf einer dieser Reisen nahm er auch seinen kleinen Sohn mit, der ihn oft nur zu schmerzlich an da« ihm früher so theure Wesen erinnerte. In Luckau wurde er krank, sehr gefährlich krank und er glaubte nicht mehr die nächsten Tage zu erleben, als ihn sein einziger Jugendfreund Joseph Levy fand. Er hatte niemand in der kleinen fremden Stadt, dem er die Obhut für da» Kind übertragen konnte und so blieb ihm denn nichts übrig, als die Sorge für das leibliche und geistige Wohl des Kindes diesem Manne anzuvertrauen. Levy war frellich Jude, aber was war für Loeff in dem jetzigen Moment der Unterschied de» Glaubensbekenntnisses.
Loeff erholte sich in Luckau wider Erwarten und war in eingen Wochen so weit wieder hergestellt, um seine Thätigkeit der ihm von der russichen Regierung ertheilten Mission wieder zuwenden zu können. Er fühlte sich aber nicht im Stande, schon jetzt auch wieder die Sorge für sein Kind ,
zu übernehmen. Daher ließ er Levy das Kind Nachher ,
war er mehrere Jahre fern im Osten Rußlands, wo die , Verbindung mit Europa fast ganz abgeschnitten war. Er hatte zwar von da an Levy geschrieben, die Briese mußten
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So lebte denn unser junges Paar einige Jahre unge-
n. A Zur Lage.
l -Jn der Zoll- und Finanzreform scheinen die Dinge in eusttii letzten Tagen eine eigenthümliche Wendung angenommen -----i Men. Das Centrum hat es abgelehnt, ohne Weitere« die Finanzzölle zu stimmen. Es verlangt, daß vor der Ifrratbnng der Finanzzölle die constitutionellen Garantien estellt werden. In der letzten Fractionösitzung des ——HÄrums ist bet zwar nicht zum Beschluß erhobene aber von der Mehrheit gebilligte Beschluß gefaßt worden: die Finanzzölle, bez. bestimmte Zölle und Steuern, nur zum 1. April 1881, wo bekanntlich der 7jährige Mili- tat abläuft, zu bewilligen. 2) Die nach Deckung des cits im Reich und den Einzelstaaten sich ergebenden ischüsse sollen direkt an die Eiiizelstaaten abgeführt «, aber mit der ausdrücklichen Bestimmung, daß diese schüfst zur Erleichterung der Volkelasten, b. h. zur bminberung ber bitecten Steuern verwendet werden. — letztere ist bekanntlich auch der Wille des Reichs- lers, wie er das mehrfach im Reichstage ausgesprochen Allein das Centrum will auch, wie au« der „Ger-
ucbbbkL fcfaeint täglich außer an den Werktagen nach Sonn» und Feiertagen. Preis für da» Quartal mit der wöchentlichen Beilage „Jllustrirtes SouutagStzlatt" durch die Expedition (Koch'fche * Buchdruckerei) bezogen 2i Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiche- 2 Mark 5» Pf«, (erd. Bestellgebühr). - Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pf«.
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a mm Die Gxpeb. b. Oberh. Zeit»»-.
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rt von dieser Seite in Straßburg sehr glücklich und tüt holder Knabe war dieser Verbindung entsprossen. Göhlich blickten die jungen Ellern in die Zukunft.
Nur Ein« trübte von Zeit zu Zeit Emma'« Glück: Gedanke, daß sie doch gegen ihre Eltern gefehlt und ihrem Kinde kein gutes Beispiel gegeben hatte. Es war daher nicht unerfreulich, als sie ans ihrer Heimath hie Nachricht erhielt, daß ihre Eltern sich beruhigt zu haßen schienen und sich versöhnlicher zeigten.
. Dieser Nachricht folgte bald darauf ein Brief de« Üeihxrrrlichen Sachwalters, in welchem derselbe meldete, n der dem Grabe sich sichtlich nähernde Freiherr der gl; Achter verziehen habe und sich danach sehne, ste, ihren Gemahl und den Enkel vor seinem Ende an sein Herz zu Meßen. Zn dem Ende werbe ihnen ein Reisewagen zu- ^schickt werden, der sie nach Breslau bringen solle.
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ben & französische Revolution, welche so viele Vorurtheile beseitigt r.Mr. fctte, seither emdrucksloS vorübergegangen und sie hielten "' « für eine Schmach, daß ein Mitglied einer freiherrlichen
"imilic sich mit einem Bürgerlichen verheirathet hatte.
er es war geschehen und ihr in Preußen mächtiger reichte in dieser Zeit nicht bis in das revolutionäre ankreich, in bem alle Standesunterschiede gefallen
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