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Marburg, Donnerstag, 19. Juni 1879

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Derzeit mit offenen Armen empfangen werden.

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Besprechungen mit dem Reichskanzler gehabt, und wie mehr­seitig berichtet wird, werden unter Bennigsens Führung zwei Drittel der nationalliberalen Fraktion für die Finanz­zölle und zum Schluß für den ganzen Zolltarif — die Schutzzölle mit eingeschloffeu — stimmen. Herr v. Ben­nigsen hat, wie die „Frkf. Ztg." berichtet, dem Führer des Centrums, Herrn v. Frankenstein, in einer Besprechung über die Sachlage nicht in Zweifel gelassen, lieber die Frage der constitionellen Garantien scheint eine Verstän­digung zwischen Herrn v. Bennigsen und den beiden CentrumS- führern zu Stande gekommen zu sein. Die Anhängerschaft Lasker'S und Bamberger's, zu der auch die nativnalliberale Presse gehört, sind über Bennigsen sehr ärgerlich.

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Die „Politische Corresp." meldet: Graf Andrassy, welcher an einer Lungenentzündung erkrankt ist, befindet sich besser. Gütern Nachmittag erschienen der Kaiser mid die Kaiserin unangesagt bei dem Grafen Andrassy und verweilten nahezu eine halbe Stunde. Der Minister wird vor acht Tagen nicht das Zimmer verlassen können. — Derselben Correspondeuz zufolge entbehren die Meldungen verschiedener Blätter über angebliche Vorbereitungen zur Besetzung von Novibazar jeder Begründung. Im Kriegs­ministerium hätten keine darauf bezüglichen Berathungen stattgefunden und auch über angebliche eifrige Arbeiten im Material-Depot in Pest sei nichts bekannt. — Dieselbe Correspondenz meldet aus Belgrad vom 17. d. Mts.: Der serbisch - bulgarische Grenzstreit ist noch nicht ausge­glichen. Fürst Milan hat zur Schlichtung des Grenzstreites bei Kula den Oberstlieutenant Giurie entsendet. Serbien besteht auf der alten seiner Zeit von dem russischen General­stabschef von Kotzebue festgestellten und durch den Hat­tischerif von 1833 bestätigten Grenze, während Rußlauv für Bulgarien ein beträchtliches Stück des serbischen Districts von Zaicar fordert. -- Ristic erklärt die Nachricht, Serbien

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lieber das kriegsgerichtliche Erkenntniß in der Ange­legenheit des „Großen Kurfürsten" wird das General- Auditoriat Ende der Woche den Bericht an Se. Mas. den Kaiser seststellen; dieser Bericht wird alsdann an das kaiserliche Cabinet gehen. - : .

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habe gewünscht, den mit der Pforte abzuschließenden Zöll- und Handelsvertrag auch aus Bosnien und die Herzego­wina ausgedehnt zu sehen, für absolut erfunden.

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Die Veröffentlichungen der „Nordd. Allg. Ztg." über die Vorschriften für die Führung eines Geschwaders haben zu verschiedenen völlig unbegründeten Auslegungen geführt. Die bezüglichen Instruktionen bestehen bereits seit 1876 und haben allen Verhandlungen über den Untergang des „Großen Kurfürsten" zu Grunde gelegen. Einige in der Schlußalinea angeführten Bestimmungen haben freilich erst neuerdings die allerhöchste Sanktion erhalten, sind jedoch in der Form von Specialbefehlen ebenfalls schon vor der Katastrophe in Kraft gewesen.

Deutsche» Reich.

»» ©erlitt, 17. Juni. Neuerdings ist m den natio­nalliberalen Organen gegenüber den schwebenden Finanz- ftagen ein ruhigerer Ton und eine praktischere Behandlung der Fragen bemerklich. Heber die Bedingungen an welche daö Centrum angeblich seine Zustimmung zu den Finanz­zöllen knüpfen will, sind Versionen im Umlauf, denen man auf den ersten Blick ansieht, daß sie nicht ernsthaft gemeint sein können. — Der Staatssekretär im Auswärtigen Amt, Minister von Bülow, hat einen längeren Urlaub ange­treten, den er zum Theil zur Anwendung einer Kur in Marienbad anwenden roül. — Im Coursbureau de« Ge- neral-PostamtS ist soeben eine neue UebersichtSkarte der überseeischen Post-Dampfschifflinien unter Berücksichtigung der Postverbindungen nach den außereuropäischen deutschen Consulatsorten mit genauer Angabe der Entfernungen und BesörderungSzeiten bearbeitet und herauSgegeben worden. Die Karte zeichnet sich durch große Klarheit und Gediegen­heit gleich den früheren Publikationen der Art aus. — Zu den Frachtbriefformularen im Eisenbahnverkehr wird oft Papier verwendet, welches den Vorschriften der BetriebS- reglements nicht entspricht. Die Eisenbahnverwaltungen sind durch das ReichSeisenbahnamt, wie wir hören, neuer­dings angewiesen worden, streng darauf zu halten, daß zur Herstellung der Frachtbriefformulare haltbares Schreib­papier in weißer, für Eilfrachtbriefe in dunkelrother Farbe verwendet wird. Auch soll die bahnseitige Abstempelung der Frachlbriefe controlirt werden. — Zu unserer neulichen Meldung über die Eröffnmig neuer Telegraphenanstalten in der ersten Halste deS Juni ist hmzuzusiigen, daß noch 20 Anstalten außer den erwähnten in derselben Zeit in Betrieb gesetzt sind; unter diesen 20 sind 7 mit Fern­sprechern. — Aus Anlaß der goldenen Hochzeit des Kaiser- paareS sind der Kaiser-Wilhelm-Stiftung für die Ange­hörigen der Reichs-Post- und Telegraphen-Verwaltung fol­gende weitere Geschenke zugegangen: Von dem Kaufmann Kutta in Breslau 300 M., von der Aktien-Gesellschaft für schlesische Leinen-Industrie in Freiburg i. Schl.: 50 M., zwei anderen Firmen an demselben Ort je 20 und je 30 Mark.

** Berlin, 16. Juni. Die Mittheilung der „Rat. Zlg.", daß das Reiseprogramm deS Kaisers unsicher ge­worden sei, ist in allen Beziehungen irrthümlich; weder ist die Abreise des Kaisers inS ungewiffe verschoben, noch ist das Ziel derselben ungewiß. Schon vor dem Unfall war der 17. oder 18. Juni für die Abreise in Aussicht ge­nommen, da die Taufe des Urenkels am 15. und die Äl>-

I« schwerer Zeit!

Eine Berliner Geschichte aus den Jahren 1811 — 1816 von Joh. Beyssel.

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bem Begriff der Liebe, auch gar kein Hehl, daß sie ihren Lehrer hochachte und ihm zugethan sei. Jndeß waren an­dere, welche Heller als sie sahen. Namentlich konnte es Loeff nicht entgehen, was er dem Mädchen geworden und auch die Frau Baronin fing an, Verdacht zu schöpfen. Einige unkluge und unzarte Erinnerungen und Zurecht­weisungen der Mutter waren freilich geeignet, die Tochter über ihre eigentliche Hinneigung zu Loeff in's Klare zu letzen, keineswegs aber, die Neigung zu beseitigen. Diese

'»utbe vielmehr noch inniger und stärker, als sie über ihr Ämßeres in der Anwesenheit Loeffs zu ivachen gezwun­gen war.

Und Loeff? Er fühlte sich noch mehr beunruhigt als die Mutter die vielleicht denken mochte, daß eS eben nur Mister Zurechtweisungen bedürfe, um eine, wie sie meinte, st lächerliche Zuneigung zu ersticken. Er fühlte, daß Emma ihm nicht gleichgülttg sei, und da es ihm nicht entgehen konnte, daß ein fortgesetzter Umgang wie der bisherige, nur verderblich für beide sein könne, so beschloß er, sich zurück- juziehen. Er durste aber, wenn er wieder Ruhe finden wollte, auch nicht länger in Breslau bleiben und daher nahm er einen ihm in diesen Tagen zugegangenen Ruf als außerordentlicher Proseffor der Mathematik in Straßburg nnverweilt an.

Er wollte noch an demselben Tage der freiherrlichen Familie Mittheilmig von der nahe bevorstehenden Trennung Machen, fand aber nur feine beiden Zöglinge zu Hause.

Der Bundeörath hat das Eisenbahngütertarifgesetz mit Stimmenmehrheit angenommen. Der Berfassungs - Aus­schuß wurde mit der Prüfung der Frage beauftragt, ob in gewissen Bestimmungen des Gesetzes eine Verfassungs-

Diese dachten an nichts weniger als an eine solche Eröff­nung. Der Junker Hans von Prinzen, der fast noch eben so wenig befangen von den Vorurtheilen der Welt war, wie feine Schwester, war sehr betrübt über die nahe be­vorstehende Trennung, Emma aber war gebrochen von Schmerz. Zuerst sah sie ihren Lehrer starr an, als könne sie die Nachricht nicht fassen, bann entstürzten stromweiS die Thränen ihren Augen und sie wäre zusammen gesunken, wenn Loeff sie nicht aufgefangen und mit HanS von Prinzen'S Beistand zum Sopha geführt hätte.

Diese Scene war zu viel für Loeff, er konnte sich nur mit großer Anstrengung erwehren, die halb Ohnmächtige in seine Arme zn schließen und wenn es ihm auch gelang, davon abzulassen, so konnte er doch seinen Augen nicht verwehren, die Geliebte mit trunkenen Augen anzublicken, und seine Blicke wurden nur zu wohl verstanden, denn Emma erhob sich plötzlich und machte eine Bewegung nach Loeff, als wollte sie sich in seine Arme stürzen. Aber eS kam jedoch nicht vazu, vielmehr sank Emma wieder zu­sammen und es schien nöthig, weibliche Hülse zu rufen. Als diese kam, entfernte Loeff sich rasch, um nie wieder zu­rückzukehren.

HanS von Prinzen war nicht so unbefangen, um die Bedeutung dieser Scene nicht erkennen zu können und er bedauerte feine Schwester und auch — Loeff, den er in der That sehr lieb gewonnen hatte.

Loeff nahm noch an demselben Tage schriftlich Abschied von dem Freiherrn, indem er ihm zugleich meldete, daß seine eilige Abreise ihm nicht mehr Zeit lasse, noch einmal persönlich aufzuwarten und wirklich war er mit seinen Reisevorbereitungen schon am nächsten Tage zu Ende.

Er glaubte, daß mut nichts mehr feine nur mit vieler

Mühe gewonnene Fassung erschütttern werde. Aber er sollte sich geirrt haben. Gegen Abend erschien HanS von Prinzen mit einigen kühlen Zeilen de« Freiherrn, denen das Honorar für die letzten Unterrichtsstunden beigefügt war. Ein Bedienter habe den Brief überbringen sollen, meldete Hans von Prinzen, er aber habe das Geschäft übernommen, um noch einige freundliche Worte mit Loeff zu wechseln und ihm zugleich eine Botschaft von Emma zu überbringen. „Meine Schwester", meldete er, „ist sehr ergriffen und wünscht sehnlich, sie noch einmal zu sehen. Ich habe ihr dies zwar auSzureden gesucht, allein sie be­steht daraus. Ja, sie hat mir zugeschworen, daß sie aus andere Weise alS durch mich ihre Absicht zu erreichen wissen werde, wenn ich mich nicht vazu verstehen wolle, ihr dazu behülslich zu sein. WaS sollte ich machen? Ich liebe meine Schwester zu sehr und fürchte Alle«, wenn ich ihr meinen Beistand versage."

Eine solche heftige Liebe hatte Loeff doch nicht erwartet. Es stürmte in ihm. Er liebte ja auch und war Mensch. Auch ihn drängte eS noch zu einer letzten Zusammenkunft vor seiner Abreise und er hoffte überdies, daß e« ihm ge­lingen werde, die Geliebte für jetzt einigermaßen zu be­ruhigen und daß dann die Zeit, die Entfernung da« Uebrige thun würden.

So sagte er beim nach längerem Wiberstreben zu, am nächsten Tage um zehn Uhr früh in einem ihm von HanS von Prinzen näher bezeichneten öffentlichen Garten zu er­scheinen. i

Er ging voll Sehnsucht, aber uicht ohne Besorgniß am nächsten Morgen nach bem ihm angebeuteteu Orte. AIS er nun um einen von hohen Sträuchen eingefaßten Gang bog. sah er plötzlich Emma hoch erröthenb mit ihrem

tüten Halt geben kann, so ist es ber allgemeine Grunb, welcher in Jesu Christo gelegt ist. Lassen Sie sich baher nicht irrt machen durch die Strömung, welche durch die Welt, be- MderS in jetzigen Tagen hindurchgeht. Schließen Sie sich nicht der großen Menge an, welche die Bibel entweder zanz als alleinige Quelle der Wahrheit außer Acht lassen ober sie wenigstens nach ihrem Sinne fälschlich ausdeuten. Sie wissen Alle, daß Ich aus voller, freier Ueberzcugung der positiven Union angehöre, welche Mein seliger Vater gestiftet. Der Grund und Fels, an dem Ich und wir We uuS halten müssen, ist der unverfälschte Glaube, wie ihn die Bibel uns lehrt. Es gibt ja Viele, welche nicht ganz denselben Weg einschlagen. Jeder handelt ja nach bestem Wissen, und Gewissen und richtet danach sein Thun, Handeln und Wollen ein. Ich achte, ehre und dulde sie, aber wer auch in diesen Bund eintreten will, er wird

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Tagesbericht.

Ihre Majestäten der Kaiser und die Kaiserin wohnten zestern der Feier deS 25jährigen Jubiläums des Dom- ' kanbidatenstists bei. Der Kaiser sagte zu den Versammelten: Wenn Etwas im Leben dem Treiben der jetzigen Welt

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gnteigen nimmt entgegen: kk Expedition b. Blatte«, jgBttb.’Ännoncen-®ureaur jgtt Tb- Dietrich & Co. in feffel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a M.; Mofenfiein & Bögler in

Anzeigen nimmt entgegen die Expedition b. Blattei sowie d. Annoncen-Bureaux von ®. L- Daube & Co. in Frankfurt a. M; Jäger'sche Buchhandlung daselbst; Herrnann'sche Buchhandl. ♦ daselbst; Jnvalidendank in

Berlin; W. Thiene! in Elberfeld: C. Schlotte in

Bremen.

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Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „JluftrirteS Sonntagsblatt" durch die Expedition (Koch'sche Buchdruckerei) bezogen 8, Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiche- 2 Mark 50 Pfg. (excl. Bestellgebühr). — Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg.

Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pfg. berechnet.

Der Gesammtvorstand des Reichstages unter dem Präsi­dium deS I. Vicepräsidenten Freiherrn v. Frankenstein be­schloß einstimmig, dem „Deutschen Montagsblatte" die Eintrittskarte zur Journalisten - Tribüne zu entziehen, iu Rücksicht auf den persönlich höchst beleidigenden Artikel gegen den Präsidenten v. Seydewitz In der letzten Nummer de« genannten Blattes.

Die Brausteuer - Commission beschloß, in die zweite 8esung der Brausteuergesetze erst dann einzutreten, wenn die Regierung eine Uebersicht über die vermuthlicheu ^Ein­nahmen aus dem Zolltarife Der Tarif-Commission Über­viesen habe. Die Letztere genehmigte die Zollgesetze für die aus der Position 25 ausgeschiedenen Artikel (Hefe, Essig, Butter, Reis, Häringe u. s. w.) nach der Regierungs­vorlage und setzte die Berathnng der Position über Chemi­kalien fort, wozu sie Ermäßigungen und rejp. Erhöhungen der vorgeschlagenen Zölle beschloß.

Die Nationalliberalen sind bemüht wieder in ber par­lamentarischen Campagne ins Vorbertreffen zu rücken. Der Abg. v. Bennigsen hat nämlich in beit letzten Tagen längere

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