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JliarBurg, Sonntag, 8. Juni 1879

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Ueber das Befinden Sr. Majestät des Kaisers wird vom 6. d. Mts. gemeldet, daß derselbe gut geschlafen hat und die Geschwulst in weiterer erfreulicher Abnahme ist.

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Meldungen derPolit. Corresp.": Au» Philippopel. Da» ostrumelische Regierungsdirektorium beschloß, bei seinen Berathungen sich der französischen Sprache zu bedienen. Das Direktorium bestätigte alle von Vitalis als Ober- kommandant der Miliz vorgenommenen Ernennungen. Aus Konstantinopel. Officielle türkische Kreise wider­sprechen den Gerüchten über die angeblich bevorstehende Rückkehr Mahmud Nedim Paschas nach Konstantinopel.

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der Umstand kommt hinzu, daß unter den Mitgliedern der ostrumelischen Commission ein Zwiespalt betreffs ihrer Be­fugnisse gegenüber dem Gouverneur ausgebrochen sein soll. Das Regiemngs - Direktorium hat sich am 3. d. M. ge­bildet und am 4. seine erste Sitzung gehalten. Da fast alle Mitglieder Bulgaren sind, so zweifelt man einiger­maßen an der Bestätigung durch die Pforte. Das erste bulgarische Ministerium wird erst nach Ankunft des Fürsten gebildet. Die Räumung Seitens der russischen Truppen schreitet rasch voran; es bleiben an der makedonischen Grenze nur vier Schwadronen Husaren und vier Sotnien Kosaken stehen. Die Zusammenstöße zwischen griechischen Freischärlern und türkischen Truppen bauern an der thes­salischen Grenze fort; in einem Falle sollen sich die letz­teren sogar auf griechischen Boden vorgewagt haben und dort mit Flintenschüssen empfangen worden sein.

trat. Simon ist ein Stück Guizot, nur kleiner, schwäch­licher und noch eitler. Der Widerstand des Senates gegen die Ferry'schen Vorlagen wurde langer Hand vorbereitet, und es gilt als ziemlich sicher, daß Simon mit Dufaure und Laboulaye sich bemühen werden, den Congregationen im Namen dessen, was sie Freiheit nennen, zu Hülfe zu kommen, und den Bischöfen den Gefallen zu thun, auf den Sturz des jetzigen CabinetS loszugehen.

Die spanischen Cortes sind am 31. Mai vom Könige mit einer Thronrede eröffnet worden, welche die üblichen guten Vorsätze für die Entwicklung des Landes zum Aus­druck bringt. Wichtiger aber ist eS wohl, daß der Kriegs­minister die Verminderung des stehenden HeereS von 100,000 auf 90,000 Mann ankündigte, eine Maßregel, der ein ähnlicher Schritt auf Cuba folgen soll.

Beide Häuser des englischen Parlaments erfreuen sich ihrer Pfingstferien und auch die äußere Politik wird den Ministern zur Zeit wenig Kopfbrechen bereiten. Sir Garnet Wolseley ist zu seinem Befehlshaberposten am Cap abgereist. Die Friedensverträge zwischen England und Afghanistan sind in aller Form ausgetauscht worden, da­gegen macht jetzt die in Kaschmir ausgebrochene Hungers- noth der indischen Regierung viel zu schaffen. Zu der Gouverneurstelle für die australische Colonie Victoria ist an Stelle deS bisherigen, nicht sonderlich beliebten In­habers der auch in Deutschland wohlbekannte Lord Augustu« Loftus berufen worden. UebrigenS hofft man in Australien, daß der Prinz von Wales, sei es die Ausstellung von Sydney, sei es jene von Melbourne, eröffnen werde, und hat diesem Wunsche zu wiederholten Malen in amtlichen Petitionen Ausdruck verliehen.

Die Universität Kopenhagen feierte am 6. d. M. da» Fest ihres 400jährigen Bestehens.

In Folge neuerlich eingetretener Verschlimmerung im Befinden bet Großfürstin Marie Paulowna, Gemahlin bes zweiten Sohnes des Zaren, hat letzterer bet beabsich­tigten persönlichen Theilnahme an der Feier der golbenen Hochzeit bes beuffchen Kaiserpaares entsagt unb wirb bis auf Weiteres das Reich nicht verlassen. So enffchieben auch die russischen Polizei-Organe bie Verfolgungen bet Nihilisten fortsetzen, so beweist bock bas fortwährenbe Er­scheinen revolutionärer Aufrufe unb Schriften, baß bas Uebel zwar zurückgebrängt, aber noch nicht ausgerottet ist. Auch bie massenhaften Feuersbrünste, von welchen das Reich heimgesucht wirb, schiebt man zum Theil auf ab­sichtliche Brandstiftung.

Der Zwist über bie Kopfbebeckung des ersten Gouver­neurs von Ostrumclien spielt noch immer weiter. Aleko Pascha hatte auf das Drängen der Bulgaren hin den Kalpak angelegt; daS ist ihm aber in Stambul sehr ver­übelt worben, eben so daß bei seinem Einzug in Philippopel teilte türkischen Fahnen bemerkbar waren. Als erschweren-

sytigen nimmt trug egen: « Expedition d.Blattes, -«ied.Annoncen-Bureaux w Tb. Dietrich & Co. in Mel unb Hannover; Th. xiemch in Frankfurt a.M.;

übet, er aber kam auf das Werdersche Gymnasium, wo er auch blieb, bis er erlangt hatte bie Reife für bie Univer­sität. Er hat stnbirt in Frankfurt wie soll ich sagen bas Lehrfach unb ist hiernächst an mehreren Schulen Lehrer gewesen. Auch Erzieher ist er gewesen in mehreren Häusern, wenn ich nicht sehr irre auch bei einer christlichen Herrschaft. Mit seinem Sohn, unserm Salomon, muß eS haben eine besondere Bewandniß, denn mein Freund ist, so viel ich weiß, niemals verheirathet gewesen, unb er hat den Knaben auch erst seit dessen vierten Lebensjahr bei sich gehabt. Als ich meinen Freund in Luckau vor Jahren sterbenskrank sand, bekam ich von ihm keine näheren Auf­schlüsse über daS Kind. Er beschränkte sich vielmehr nur auf allgemeine Andeutungen unb auf bie Bittte, mich des Kna­ben auf alle Weise anzunehmen. Da er den folgenden Tag nicht mehr zu erleben gedachte, ich aber nicht länger bleiben konnte in Luckau, so bat er mich, den Jungen gleich mit mir zu nehmen nach Berlin. Zu den Kosten seines Unterhalts und seiner Erziehung händigte er mir 500 Thaler ein. Wenn ich könnte, fügte der Sterbende noch hinzu, möchte ich doch dafür sorgen, daß daS Kind lerne etwas Tüchtiges. Der Abschied zwischen Vater und Sohn war schwer und nie habe ich wieder von dem ersteren etwas gehört.

Nach jenen Andeutungm glaube ich annehmen zu dürfen, daß der Knabe sei mit einer adlichen Christin erzeugt, bet deren Eltern er gewesen Erzieher der Kinder.

Noch bleibt mir zu bemerken, daß von Zeit zu Zeit in meinen Laden gekommen ist eine schöne stattliche Frau bie Baroneß von Harring unb sich immer viel beschäftigt hat mit bem Salomon, so baß zuletzt aufgefallen ifi mir unb meiner Frau. Wenn sie aber etwas gekauft hat

Anzeigen nimmt entgegen dte EMbition b. Blattes s owie d. Annoncen-Bureaux von ®. L- Daube & Co. in Frankfurt a- M; Jäger'sche Buchhandlung daselbst; Hermann'sche Buchhandl. daselbst; Jnvalidendank in Berlin; W. ThieneS in Elberfeld; C. Schlotte in

In ber gestrigen Sitzung des BunbeSrathes würbe ber bayerische Antrag zum Gesetz über bie Verfassung unb Verwaltung Elsaß-LothringenS, daß kein regicrenber deut­scher Fürst Statthalter Elsaß-LothringenS werben bütfe, mit Mehrheit angenommen. In ben Text beS Gesetz- Entwurfs, welcher bekanntlich schon bem Reichstage vor­liegt, kommt obige Bestimmung nicht, dieselbe wirb viel­mehr in bas Sitzungsprotokoll bes BundesrathS aufgenommen. Hinsichtlich bes Antrages bes bez. Specialausschusses betreffend die Annahme ober BehanblungSart bes Gesetz­entwurfes über bas Eisenbahngüter-Tarifwesen wurde die Beschlußfassung ausgesetzt, weil bie Vertreter mehrerer Regierungen noch nicht insormirt stnb. Der Gesetzentwtttf soll sofort im Plenum berochen unb zur Abstimmung ge­bracht werben. Minister Hofmann theille mit, ber frag­liche Gesetzentwurf solle noch in biefer ReichStagSsession jedenfalls erledigt werden.

Die preußische Regierung soll nnmnehr bie Einführung ber Robe als AmtSkleibung ber Richtet und Anwälte vom 1. Oktober ab beschlossen.

Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für daS Quartal mit der wöchentlichen BeilageJllnftrirteS SonutagSblatt" durch die Expedition (K och'fche Buchdruckerei) bezogen 2fc Wart, durch die Postämter deS Deutschen Reiches 2 Wart 50 Pf,, (erd. Bestellgebühr). JnfertionSgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pf,.

Für in der Expedition zu erthestende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pfg. berechnet.

Die Predigt war zu Ende, ber Segen gesprochen, auch bas Schlußlieb zu Enbe unb schon entfernte sich ein großer Theil ber Gemeinde au« ber Kirche. Auch Salomon wollte sich schon entfernen, al« er bemerkte, baß ein großer Theil ber Anwesenheit sich nach bem Altar begab unb bie bort leer geworbenen Plätze einnahm. Dies bestimmte ihn, noch zu bleiben, unb so würbe er auch Zeuge des nach bet Predigt folgenden Abendmahls. Ihm wat bie Bedeutung biefer gottesdienstlichen Handlung nicht unbekannt, aber wie mächtig sprach sie nun hier zu seinem Gemüth, als er baS schölte Lieb:O Haupt voll Blut unb Wunden" mitfang.

Er wat einer ber letzten aus der Kirche sich Entfetnen- ben unb träumenb begab er sich wieder auf bie Straße, um nach Hause zu gehen. Hier hörte er, al« er vor seines Prinzipals Zimmer votüberging, Joseph Levy'S Stimme, ben er seit einigen Wochen nicht gesehen hatte. Er hörte von diesem seinen Namen nennen und hätte gern von dem Gespräch Kenntniß gehabt, et wat aber in Wagners Hause schon zu gut erzogen, als daß ihn hätte die Luft anwan- beln können, bie beiben Männer zu behorchen.

Joseph Levy hatte dem Banquiet Wagner schon früher nähere Mittheilungen über Salomon versprochen, wie wir uns erinnern werden. Jetzt war er gefonttnen um sein Versprechen zu lösen und Wagner wat um so bereitwil­liger, bie Mittheilungen entgegen zu nehmen, als ihn Sa­lomon mit jebem Tage mehr interessirte.

Wie ich eben gejagt", begann Levy von Neuem,ber Vater von Salomon ist gewesen von mir ber beste Jugend­freund. Nach den Knabenjahren haben wir uns aber nicht allzu häufig und auch bann nur meist auf kurze Zeit ge­sehen. Sein Name ist ober war vielmehr Jacob Soeff. Ich ging mit 14 Iahten aus ber Schule zur Handlung

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3« schwerer Zeit!

Eine Berliner Geschichte aus den Jahren 18111816 von Joh. Beyssel.

(Fortsetzung.)

Die Louisen-Kirche ist kein gothisches Bauwerk, besten Mittleres allein schon zur Andacht stimmt. Sie ist ein langes Viereck mit einer geraden Decke und auch das Bauwerk ist nut dürftig. Aber sie war heute wie an itten Sonntagen in dieser schweren Zeit in allen ihren Heilen gefüllt.' Nichts treibt den Menschen mehr zur Anbetung de« Höchsten, als solche Seiten, mit deren Druck Ne zu kämpfen haben. Das haben wir noch in bem Ähre 1866 gesehen. Als ber Krieg zwischen Preußen ®ib Oesterreich ausgebrochen war, als so Viele in Folge Ersten in ihrem Nahrungsstanbe litten, so Viele mit Angst und Zittern auf ihre in Böhmen kämpfenden Sieben blickten, ber Ausgang des Krieges noch sehr zweifelhaft bar, ba eilte Jung unb Alt am Bußtage in bie Kirche, I® baß unendlich Viele keinen Platz finden konnten.

Viel mochte zu dem heuttgen starken Besuch der Louisen- ^itche beigetragen haben, daß der allgemein in der Ge­meinde geliebte unb verehrte Prediger Richter den GotteS- tienft abhielt. Er legte seiner Predigt die Worte Christi unter:Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst", unb führte babei aus, wie wir mit unserer Liebe nicht nur die Glau­bensgenossen, sondern alle Menschen ohne Unterschied des UaubenSbekenntnistes umfassen sollten. Diese Lehre wat Salomon neu, aber et erinnerte sich, wie diese Lehre in bem Leben unb ber ganzen Handlungsweise seines Prinzi­pals Anwendung finde, unb da mußte er sich denn sagen, baß da« Christettthum etwas herrliche« sein müsse.

Mehr als innere, äußere und Kirchenpolitik macht in Italien ba« Verhalten des Aetna von sich reden, der seit dem 25. Mai breite Lavaströme abwärts sendet unb großen Schrecken unter ben Bewohnern ber umliegenben Ortschaften verbreitet hat. Der Papst hat ein Schreiben an bie Bi­schöfe von Turin, Vecelli unb Genua gerichtet, in welchem er ben Eifer derselben in bet Vertheidigung ber kirchlichen He obt unb sich gegen bas neue italienische Ehegcsetz ««»spricht, welche« bet Freiheit bet Gewissen widerstrebe.

Endlich ist bie Wahl in Borbeanx, bie so viel Lärm Macht hat, von ber Kammer beseitigt worben; aber es ging in ber Sitzung des 3. Juni, wo die Regierung schließlich einen glänzenden Sieg erfocht, wüst und wild her: ohne vier Ordnungsrufe und eine Censut gaben sich bie Verehret de« alten Blanqui nicht zufrieden. In der Sitzung ;beS 29. Mai legte der Justizminister ben Gesetz­entwurf über Neubildung des Staatsraths vor; Spuller bett Bericht über das Ferry'sche Gesetz über ben höheren Unterricht. Jules Simon, ber, obgleich er zu ben Frei­denkern gehören will, schon als Unterrichtsminister sich als Sttounbeter ber Jesuiten gezeigt hatte, hielt am 1. Mai in Lyon bei Gelegenheit ber Preisvertheilung des Unter* richtSvereinS ber Rhone eine Rebe, in bet er, um mit ber Mpublique zu reben,feinem Rufe als geschickter Mann" Thre machte und für die Congtegstionsschulen in die Bresche

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Umpfen um bie Zoll- unb Tarifpositionen nach ben Pfingstferien aus ber Feme zusehen Das Sperrgesetz ist p Staube gekommen unb bereit« in Wirksamkeit; vorerst wirb nur ba« frentbe Roheisen davon betroffen. Das neue Kriegsgericht in Sachen be« vor einem Jahre unterge- jntgangenen Panzerschiffes Großer Kurfürst ist am 3. b. Tt. zusammengetreten.

Wahrscheinlich in erster Reihe aus finanziellen Grün­den hat es bie österreichisch-ungarische Regierung für ange- jrigt gehalten, vorläufig bie Besetzung ber brei im Vertrage mit ber Türkei bezeichneten Otte be« Sandschaks von No­nbazar zu verschieben. Die Wahlen zum österreichischen ReichSrath dürften, soweit sich bie Wahlbewegung bi« jetzt versehen läßt, bet Opposition keinen namhaften Zuwachs dringen. Graf Anbrassy's genialster und feurigster Gegner der ehemalige Minister Dt. Karl Giskta, ist am 1. d. M. «f feiner Villa in Baden bei Wien gestorben.

Unser Kaiser hat am vergangenen Montag auf seinem Schlosse Babelsberg in Folge Ausgleitens auf dem glatten Fußboden eine kleine Verletzung an einer Kniescheibe er* Wten, die ihn aber in Ausübung ber RegierungSgeschäfte nicht störte unb also auch bie Freude des nahenden Feste« der goldenen Hochzeit des verehrten Hetrscherpaate« nicht ieeinträchttgt. Fürst Bismarck hat sich bereit« nach Varzin [1645 prückgezogen unb wirb bett weiteren parlamentarischen