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xiv. Jahrgang

Jllaröurg, Freitag, 6. Juni 1879

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nichts wieder aufzulösen! Wir find überzeugt, sobald das Volk erst einmal anfängt sich die liberal« Phrasen etwas näher zu betrachten, dann wirft es dieselben mit Unwillen von sich.

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*) Die ersten preußischen Tresorscheine, welche Papiere jetzt llassenanweisungen genannt werten, trugen den Namen des Frei- kttn von und jum et ein, die im Jahre 1809 creirten aber den Namen Altenstein. Als diese in's Publikum kamen, sagte ein Jude in einer Gesellschaft mit Bezur aus die traurige politische Ivd finanzielle Lagr'Preuß ns: ,$e haben loch gesehen die ersten Tresor,cheine, worauf gestanden hat Stein; sehen Sc diese hier, da steht drauf Altenstein und waS wird aus die dritte zu flehen kommen? — Leichenstein."

Napoleons, der ihnen nicht traute, aus der Umgebung des König«, die er seinen Interessen geneigt haben wollte, voot Hofe entfernt. Hardenberg war sogar in Gefahr, durch die Franzosen aufgehoben und nach Frankreich geschleppt zu werden. Daher flüchtete er sich nach Rußland und Altrnstein begleitete ihn dahin. In Riga haben sich beide längere Zeit aufgehalten und dort nach Kräften für ihr Vaterland gewirkt. Wie eS nachher Hardenberg gelungen ist, sich Napoleon geneigt zu machen, das wird wohl erst eine spätere Zeit aufklären, das Faktum selbst steht aber fest und zeugt von der Klugheit Hardenbergs. Er durfte in Folge besten nach Preußen zurückkehren und sogar wieder in die Dienste seines Monarchen treten. Aufs Neue konnte er nun en der Erstarkung seines Vaterlandes arbeiten und daS hat er zum Schaden Napoleons auch in hohem Maße gethan. Altenstein begleitete ihn auch auf der Rückkehr nach Berlin, um an seinen Arbeiten Theil zu nehmen. Viel jünger als Hardenberg, war er lange in der Schule diese« ausgezeichneten Staatsmannes gewesen, der Schüler hatte viel von seinemVorbilde gelernt und hatte auch dir feinen UmgangSformrn Hardenberg«. Erst zu Ende deS Jahres 1817 übernahm Altrnstein wieder ein Mini­sterium, daS für geistliche, Unterricht«- und Mediziual- Angelegrnheiten. Was er namenllich für das Unterrichts­wesen Großes bis zu seinem am 14. Mai 1840 erfolgten Tode geleistet hat, das zu schildern muß einem besonderen Werke und einer besseren Feder vorbehalten werden.

Die heute bei dem Banquier Wagner Vereinigten waren sämmtlich Mitglieder des Tugendbundes oder ge­hörten doch demselben nach chrer Gesinnung und ihrem Wirken an. Sie unterhielten sich meistenthells nur in einzelnen Gruppen über da« wa« zur Vorbereitung einer

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DaS deutsche Bürgerthum.

Zum Berliner Städtetag waren 246 Städte, welche Ker 10,000 Einwohner haben, eingeladen; 72 davon waren chrr bloß erschienen und von diesen protestirten die Ver­treter der 4 bedeutendsten rheinischen Industriestädte: Esten, Sychum, Witten und Dortmund, gegen die dort geplante Agitation gegen die Zollpolitik des Reichskanzler«. Städte, »ir Breslau, München, Augsburg, Leipzig, Stuttgart, t^ttSruhe, Duisburg, waren auf dem Städtetag nicht ver- strten. Aber nichts destvweniger geriete sich die Versamm-

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gerthum." Wenn dieselben die Augen aufmachen, so wer­den sie sehen, wa« die Klügeren unter ihnen schon lange wisten, daß hinter dieser Phrase das Gro« der Großhänd­ler, Großindustriellen und Großkapitalisten oder Börsen­männer sich birgt, welchen e« gelungen ist, unter dem ver­hüllenden Schutz dieser Phrase die wirthschaftliche Gesetz­gebung nach ihren Jnteresten zu gestalten. Sobald der Bauer, der Kleinstädter, der kleine Geschäftsmann in den Städten, der Arbeiter und Beamte das merken, ist'« mit der Herrschaft dieses „freisinnigen Bürgerthum«" vorbei. Diese Erkenntniß dämmert Vielen schon lange, imb seit der Reichskanzler so rückhaltlos mit energischer Hand den Schleier der Phrase vom „freisinnigen Bürgerthum" zer- risten und auf den Abgrund hingewiesen hat, an welchen unsere deutsche landwirthschaftliche wie gewerbliche Produktion unter der Herrschaft dieses sogenannten „freisinnigen Bür- getthums", d h dieses Großhäudlerthums gelangt ist, hat diese Erkenntniß gewaltig um sich gegriffen. Und der Appell des Städtetages an das „freisinnige Bürgerthum" zur Bekämpfung dieser Politik de« Reichskanzlers hat da« Alles nur erst recht bestätigt. Die Klügeren unter den Vertretern diese« „freisinnigen Bürgerthum«" sehen diesen dummen Stretch ein und wiegeln jetzt ab; sie wissen nur zu gut, daß tf mit ihrer Herrschaft ganz vorbei ist, wenn die Phrase vom „freisinnigen Bürgerthum" chre Wirkung verliert. 1.

Aber es scheint doch, daß man nachgerade anfängt, sich zu fragen, ob e« denn wirklich ein Zeichen von Freisinnig- krit ist, der Politik des Reichskanzlers zu widerstreben, welche die deutsche Produktion vor der AllerweltSconcurrenz des Großhäudlerthums zu schützen sucht; ob c« wirklich freisinnig ist, daß wir alle Finanzbedürfnisse unsere« Staate« selbst aufbringen, statt durch Zölle einen Theil davon auch das Ausland tragen zu lassen, welches bei unS Geschäfte machen und Geld verdienen eätt ; ob eS wirklich zur Freistnnigkeit gehört, jährlich Tausende von kleinen Leuten durch den Wucher straflos ruiniren zu lassen und zu gestatten, daß WirchShauo an WirthshauS sich reiht, daß die Acttengründerei straflos da« ganze Land ausbeutrn kann, daß die gewerbliche Jugend zuchtlos auf- wächst, daß man den wirthschaftliche» Nothftänden gegen­über die Hände in den Schooß legt, die Leute auf zufällige Umstände vertröstet und endlich, ob e« wirklich ein Zeichen ..von Freisinn ist, die christliche Religion mit ihren hohen göttlichen, idealen Lehren von der GotteSttndschast der Er­lösung, der in Christo zum Heile der Welt geofienbartrn Liebe und Menschenfreundlichkeit GottrS, so wie von dem ewigen Leben und dem Reiche Gottes zu verachten und zu verspotten und dagegen zu glauben, daß der Mensch vom Affen abstamme, eine Thiergattung sei, die keinen anderen Zweck habe, als zu arbeiten, zu essen und zu trinken und schließlich, wie alle anderen Thiere, sich in

Tagesbericht.

Der „Reichs - Anzeiger" meldet: Kaiser Alexander drückte heute telegraphisch Sr. Majestät dem Kaiser Wilhelm sein größte« Bedauent au«, daß andauernd ungünstige Nachrichten über daS Befinden der Großfürstin Wladimir ihn veranlaßte», den Besuch zum 11. Juni in Berlin aufzugebe». .

In Betreff de« in der BundeSrathSsitzung vom 30. Mai zur Erörterung gekommenen Gesetzes über die Ver­fassung von Elsaß-Lokhringen finden sich Angaben, al« ob die« Gesetz nicht zur Erledigung gekommen wäre. Diese Angaben sind irrthümlich, der BundeSrath hat vielmehr mit Ausschluß der Stimme Bayerns dem Gesetz nach dem Ausschußantrag seine Genehmigung ertheilt. In Bezug auf den von Bayern gestellten Antrag, den §. 1 dahin zu vervollständigen, daß kein regierender deutscher Fürst zum Posten deS Statthalters berufen werden dürfe, wird erst später Beschluß gefaßt werden. Der Antrag ist nur rin Zusatz, also keine Abänderung deS Gesetze«.

Uebcr den Stand der Vorlage, betreffend die Erbauung de« ReichStagsgebäudeS, sind Mittheilungen in Umlauf, al« ob die Sache vertagt, sei. Da« ist nicht richtig. Am 20. Mai erstattete der mit der Vorberctthung beauftragte Ausschuß für Rechnungswesen dem Bundesrath Bericht und legte einen Antrag vor, der am 23. Mai berathen imb zum Beschluß erhoben ist. Hiernach erklärte sich der BundeSrath mit der Errichtung de« Gebäude« an der Ost­seite de« Königsplatze« einverstanden und beschloß, den Reichskanzler zu ersuchen, mit der preußischen Regierung schleunigst in Unterhandlung darüber zu treten, gegen welche Entschädigung sie die unentbehrlichen fiskalischen Grundstücke abtreten wolle. Diese Verhandlungen sind alsbald in Angriff genommen worden und totrben sehr bald zum Abschluß kommen. Da man rin befriedigendes Er- gebniß nicht zu bezweifeln braucht, so wird der BuudeS- rath bald in dir Lage kommen, Beschluß zu fassen. Sobald dies geschehen ist, wird der Entwurf sofort dem Reichstage zugehen. Bezüglich de« Baue« wird wahrscheinlich vorge­schlagen werden, eine Parlamentsbau-Commission, bestehend au« BundesrethS- und Reichötagsmilgliedern, zu ernennen, welche zu prüfen haben wird, ob auf Grund der vor­liegenden Entwürfe der Bau begonnen oder eine neue Conkurrenz ausgeschrieben weiden soll.

befferen Zeit in dieser und jener Richtung gethan war und noch geschehen mußte. Schleiermacher hob dabei hervor, wir er in den akademische» Vorträgen und in Predigten jede passende Gelegenheit benutze, daß Gefühl für Freiheit, Ehre und Vaterland zu beleben und zu stärken und wie er mit großer Genugthuung bemerke, daß seine Bemühungen den besten Erfolg hätten. Savigny und der berühmte Phllofoph Fichte konnten eben so Er­freuliche« berichten. EL würde die Aufgabe dieser Ge­schichte übersch retten, auch alles andere zur Sprache Ge­kommene wieder zu geben. Als Altenstein anfing, über seine Anwesenheit in Rußland und seine Wahrnehmungen dort Mitthettungen zu machen, wurde ihm die Aufmerk­samkeit Aller zu Thell. „Ich kann Ihnen, meine geehrten Freunde", so schloß er, „nach den neuesten vertraulichen Mitthettungen mit einem Worte sagen, daß Napoleon Rußland nicht unvorbereitet finden wird und nach dem von dem Kaiser gebilligte» Plan Barklay de Tolly'« die französischen Heere nicht blo« durch Waffengewalt im ferne» Osten ihr Grab finden werden. Dann wird auch für un«, für ganz Deutschland und sür viele andere Länder Europa« eine neue Morgenröthe anbreche», und daß der neue Tag un« nicht unvorbereitet find« zur Erhebung, da« sei unsere nächste Aufgabe."

Beifällig hatten die Anwesenden die Mitthettungen ent­gegen genommen und als Altenstein schloß, hob sich die Brust aller in freudiger Zuversicht.

Nicht minder beifällig wurde der Toast auf den König, den Altenstein bei dem folgenden, nut einfachen Mahle mit kurzen Worten ausbrachte, ausgenommen. Alle stimmten begeisteit in denselben ein.

(goetfetung folgt)

3» schwerer Zeit!

Sine Berliner Geschichte au« den Jahren 1811—1816 von Ioh. Beyss el.

(Fortsetzung.)

Ihm folgte der General, der.schon nach anderthalb Zähren seinen bei Groß-Görschen erhaltenen Wunden er­liegen sollte, mit dem späteren Geheimen Staatsrath hon Stegemann, dessen Lieder aus dem Jahre 1813 »och heute Jung und Alt erwärmen. Noch mehrere andere Per­sonen, dir durch ihre geistige Begabung und durch ihr Wirke» Ur König und Vaterland berühmt geworden sind, trafen ein. Zuletzt erschien auch der frühere Finanzminister Freiherr von Altenstein.*) ES war eine in jeder Bezie­hung hervorragende Persönlichkeit auch ohne den Stern, welcher seine Brust schmückte. Es war eine durchaus edle Statur, die eben so geistig begabt war, al« durch Herz Und Gemüth einzig dastand. Durch seine herzgewinnende Freundlichkeit eroberte Altenstein jedermann und diese Freundlichkeit war nicht Maske, sie toar der Ausdruck eine« Menschenfreundlichen Herzens. Er hatte erst eben daS 39. Zahr überschritten. Er wurde mit dem Minister Harden­berg und anderen hochstehenden Personen auf Verlangen

•«eigen nimmt entgegen: ^Expedition d.Blatte«, fjeie d.Annoncen-Bureaux

Th- Dietrich & Co. in leltl und Hannover; Tb. Üetri* in Frankfurt a M.; öaefenfteui & Bögler in famtfurt a- M., Berlin, ichüig. Cöln ic; Rudolf 5efc in Berlin, Frank - furt a. ’W. ic

sofort lthtil- [1619 ttetheu ftraßk.

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toutbt of btt idem ort», t, die­lt der 1631

Anzeigen nimmt entgegen M«<8flwbltien d. Blatte« sowie d- Annoncen-Bureaux von G- L- Daube & Co. in Frankfurt a- M; Jäger'sche Buchhandlung daselbst; Herrnann'sche Buchhandl. daselbst; Jnvalidendank in Berlin; W- Thiene« in Elberfeld: C. Schlotte in Bremen-

fang als die Vertretung des deutschen Bürgerthums und Wett einen Appell an dasselbe zur Gründung einer zwßnr liberalen Partei zur Bekämpfung der Wirthschaft«- Mik de« Reichskanzlers. E« ist da« wieder ein recht drastischer Beweis von der Ueberhebung, welche in diesen streifen zu Hause ist, und dieser Beweis wird noch in- ftressanter, wenn man gerade auf die Zusammensetzung deS Berliner Stadtvorstandes Hinsicht, der doch die Haupt­rolle auf diesem Städtetag spielte. Aber wenn sich Redak­tionen liberaler Zeitungen, die vielleicht zu zwei Drittel w« Inden bestehen, als die Vertreter deS ganzen deutschen Belkes aufspielen, so darf man sich nicht wundern, wenn eia ähnlich gemischter Stadtvorstand sich al« die Vertretung [233 be« deutschen Bürgerthums girirt. Die Bürgermeister ttfurt »en 68 deutschen Städten sind so wenig eine Vertretung

tt« deutschen Bürgerthums als 68 Dorfschulzen als die ► Vertreter des deutschen Bauernthums gelten könnten. Die 879 Letzteren haben aber viel zu viel nüchternen Wahrheitssinn, W daß sie sich zu solcher Anmaßung versteigen würden. Früher, als der großstädtische Liberalismus nach der Herr- Hast strebte und da« nur möglich war, wenn die Bauern

ErschriM täglich außer en den Werktagen nach Sonn- und Feiettageu. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „Illustriere» SountagSblatt" durch die Sxpeditton (Soch'fche Buchdruckerei) bezogen 3$ Wert, durch die Postämter deS Deutschen Reiches 3 Wert 50 Pf«, (excl. Bestellgebühr). — Jusettionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pf«.

Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adreffen werden 35 Pf«, berechnet.

Md Kleinstädter die von de» liberale» Großstädten! ihnen sgerr kdorgeschlagenen Abgeordneten wählte», regalirte er alle mit ^-''dem Ehrentitel: „Staatsbürger", und noch trägt ein

Berliner Blatt aus jener Zett den Namen „Staat«bürger- Zettnng". Nachdem man diesen Zweck erreicht hatte, be­trachtete sich die liberale Partei mit Vorliebe als die Partei de« „fretftnnigen Bürgerthum«", und auch die Bürger der elfter, pfei Städte schmeichelte» sich, mit diesem schönen Ehren­benannt zu sein. Der Berliner Städtetag hat sie. eine« Besseren belehrt. Dieser Ehrentttel geht blos

Großstädte, welche mehr als 10,000 Einwohner haben, Daö liberale Bürgerthum wird aufgerufen zu einer Ülntikornliga, zu einem Bund gegen die Zollpolitik, welche der Landwirthschaft gerecht werden und sie vor der übermächtigen Concurrenz schützen will, mit welcher sie der ßftäkttsche internationale Getreide- und Viehhandel feit en geschädigt hat. Die großstäettfchen Herren haben it aber einen recht dummen Streich gemacht; denn fängt der Bauer und Kleinstädter an, Unrath zu Huttern hinter der schönen Phrase vom „freisinnigen Bür-

H b a« den 8, Mor- rittagj i.