r. iaa
Marburg, Dienstag, 27. Mai 1879
uv. Mrg«eg
GchtsMk Mm
li
™=L
li
elle.
18
».
ICC! eie.
1.1* »81
s H
L w
Prozentche in der Tasche, werde ich handeln auf eigne Hand. Will auch werden ein Mann bei der Stadt."
Wir folgen dem Juden Hirsch wieder in den Laden. Mit einmal hören wir ein Klopfen an der Thür von außen. Hirsch lauscht. Da hört er wie nach einiger Zeit wieder ein einzelner Schlag wie mit einem kleinen Schlüssel gegen die Thür geführt wird; nach einer kleinen Pause werden drei Schläge rasch hinter einander gethan, nach einer zweiten Pause folgte wieder ein einzelner Schlag. Offenbar befriedigt fragte Hirsch nun laut: „Wer ist da, der mir stört so spät." „Ein Holter", war die Antwort.
„Sind Sie der August selbst oder ein Kamerad von dem."
„Der Erstere; ich bringe wieder verschiedene sehr schöne Sachen, die Sie brauchen können, Herr Hirsch. Einer meiner Leute hält hier in der Nähe mit einem Handwagen. Eilen Sie, daß wir ins Hau« damit kommen, bevor der Nachtwächter zuschließt."
„Lasten Sie, Herr August, nur dm Wagen fahren auf den Hof. Gehen Sie oben bei meine Frau und bringen Sie mit ihrem Herrn Kameraden die Sachen zu ihr. Ich werde gleich nachkommen, habe nur noch einen ganz kurzen Geschäftsgang."
Nachdem Hirsch dies gesagt, verschloß er die Ladenthür von Innen und verbarrikadirte sie außerdem mit zwei schweren eisernen Stangen, dann schlüpfte er dm Ladentisch vorbei in sein kleine» Kabinet. Hier sehen wir, wie er eine an der Wand lehnende große mit Eism beschlagmr dreizöllige Tafel vor den Eingang schiebt, damit denselben vollständig deckt und sodann mit zwei anderen Bändern, die er unter dem Sopha hervorgeholt, die Tafel vollständig festmacht, daß sie vom Laden au- nicht entfernt werden
r gut,, tr 24-
i-rsch, raße.
chs ser. »nz.
utigen nimmt entgegen: „Arpedttivn d.vlatte», L« 6.ännoncen»®ttteaut B Q. Dietrich & do. in dM und Hannover; Th. jgtid) in Frankfurt a.M.; Menstein & Vogler in Citfurt a SR., Berlin, jyig, Cöln ic.; Rudolf He in Berlin, Frank- f furt a. M. :c.
cheS in Deutschland Geschäfte macht, durch die Zölle auf fremde Maaren zugleich zur Tragung unserer Lasten heranziehen. Diese Zölle sollen aber auch unsere einheimische Produktion vor der übermächtigen Concurrenz de» Auslandes schützen, um ihr möglichst den deutschen Markt zu sichem. Die ganze Politik läuft darauf hinaus, Deutschland auch in wirthschaftlicher Beziehung als ein großes WirthschastSgebiet einheitlich zusammenzufasten und in sich dem Auslande gegenüber zu stärken. Der Kampf zwischen dieser Politik des Reichskanzlers mit der liberalm Wirth- schastspolitik ist lebhaft entbrannt. Aber de» Reichskanzler hat dabei nicht bloß die Mehrheit de» Reichstage-, sondern auch weitaus die Mehrheit der deutschm Nation auf seiner Seite. Noch in letzter Stunde machten die Vertreter der liberalen Politik durch Einberufung eines Städtetages nach Berlin einen letzten Versuch, die Politik des Reichskanzler« zu Fall zu bringen, aber sie erlitten damit vollständig Fiasko. Von 246 eingeladenen Städten kamen nur 72 und von diesen legten gerade die vier bedeutendsten Industriestädte Rheinland»: Essen, Bochum, Witten und Dortmund Protest gegen diese Sonderpolitik der Städte ein. Die Städte: Augsburg, München, Leipzig, Mainz Carlsruhe, Stuttgart, Duisburg u. a. waren gar nicht erschienen, sondern hatten ein Protest eingeschickt, die meisten, wie Breslau hatten gar nicht geantwortet und warm auch gar nicht erschienen. So wurden die Beschlüsse nur von 68 Städten von 246 eingeladenen gefaßt. Die Herren gaben ihrer Sache noch selbst den Todesstoß, indem sie bei dem Banket im Zoologischen Garten die Gründung einer großen liberalen Oppositionspartei gegen die WirthschaftS- politik des Reichskanzlers beschlossen und dieser noch dazu die ausgeprägte Bedeutung einer „Anti-Kom-Liga" beilegten. Dadurch setzten sie sich nicht bloß mit der Politik de« Reichskanzlers, sondern auch mit der Mehrheit der Nation insbesondere mit der landwirthschaftlichm Bevölkerung in offenen Gegensatz. Die nächste Folge diese« unbedachten Schritte« war der Rücktritt des Herrn v. Forcken- bcck vom Präsidium des Reichstags. Am 21. Mai wurde an seiner Stelle der deutsch - konservative Abgeordnete v. Seydewitz zum ersten Präsideuten des Reichstag« gewählt. So wurde dieser Tag zu einem bedeutungsvollen Abschnitt in der Geschichte der Gegenwart. Forckenbeck hatte nach dem Conflictspräsidenten Grabow im preußischen Abgeordnetenhaus 1866 da« Präsidium übemommen, nachdem die liberale Partei damals nach den Erfolgen der BiS- marck'schen Politik von 1866, der sie erst so heftigen Widerstand geleistet hatte, chren Frieden mit dem Reichskanzler gemacht hatte. Als er 1873 nach seiner Ernennung zum Oberbürgermeister von BreSlau in da» Herrenhaus berufen wurde, legte er da« Präsidium de« Abgeordnetenhauses nieder, wurde aber dafür 1874 zum Präsidenten de« Reichstages erwählt und bekleidete diese» Amt bi« jetzt,
3« schwerer Zeit!
Eine Berliner Geschichte ans den Jahren 1811—1816 von Joh. il eyssel.
(Fortsetzung.)
„Wenn Ihr, Hirsch, die schlaflosen Nächte scheut und hoch berechnet, daß einer, durch den ihr das Geschäft mmen habt, gar nischt al» ein Paar abgetragene Hosen solchen Leibrock verdimt, so will ich zu Steinthal und offeriren ihm da« Geschäft. Laßt mir raußer!" Bleibt, bleibt nur, Loewe, ich will sehen, wa» sich t thun in die Sache. Wa« seid Ihr doch für ein er Mann. Sagt, wie viel Prozentche von dem Gewollt Ihr habm, wie viel soll ich Euch zahlen, ich mein Gclo richtig erst wieder habe?
Schweigen Sie, Hirsch, von erst Wiederhaben. Die ist gut, ich will zwanzig Prozent von dem Profit, Prozmt gleich und zehn Prozmt nach abgemachter . Und das müßt Ihr mir schriftlich gebml"
Zwanzig Prozmt, da» ist eine große Summe. Dabei ich nicht bestehm, da bin ich ein geschlagener Mann, werde Euch geben, wenn ich muß, fünfzehn und da» nur , »eil Ihr mir gesprochen habt von ’nem Hauseifter einer Prinzessin. Nun aber sagt mdlich das e von der Sache."
Loewe, der sehr wohl wußte, daß andere in Gewinn- auch sehr schwierig waren, setzte sich endlich auf dm dargebotmm Stuhl und fing an:
will sie auf vier Monate höchsten«. Die Dame ist auch für zwanzig für hunderttausend Thaler sicher. Ihr gebt mir gleich 10 Prozent von Eure Spesen, die nicht schlecht sein werden, und fünf nachher."
Hirsch wollte davon noch etwa« abzwacken und führte dem Meier Löwe zu Gemüthe, er brauche ihn , den Löwe, ja nun gar nicht, er könne ja ohne Weitere« zu dem Haushofmeister hingehen und da« Geschäft besorgen, Löwe ließ sich aber dadurch nicht irre machen, weil Hirsch sich wohl hüten mußte, ohne Mittelsperson zu handeln, und so entschloß letzterer sich nach manchem Ach und Weh endlich, eine entsprechmde schriftliche Verpflichtung dem Löwe zu geben.
Letzterer wurde schließlich dahin instruirt, sich einen Wechsel von mindeftm» 13,000 Thaler geben zu lassen, aecepttrt von einem Kammerherm, der zugleich Gutsbesitzer sein müffe, also wechselfähig sei, und ausgestellt von einer anderen Person au» dem prinzlichen Hofstaat, welche gleichfalls wechselfähig sei. Diesen Wechsel solle er sich von der Prinzessin selbst geben lassen und hiernächst die Valuta dem Giranten überbringen. Er, Löwe, solle den Wechsel an ihn, den Hirsch, «eiter gerirm. Damit Löwe anständig bei der hohen Dame auftreten könne, versprach Hirsch, ihm auf ein Paar Stunden ein Paar schwarze Hosen, einen eben solchen Leibrock, sowie Hut und Weste zu borgen.
Als Hirsch feinen sauberen Genossen Löwe durch die Ladenthür entlassen hatte, murmelte letzterer: „Warte verdammter Hirsch, ich werde Dir nicht mehr wie früher für ’nen Pappenstiel Geschäfte Nachweisen, die Dich machen reich und zuletzt zu einem Mann von Gewicht Wa« hat er gemacht für große Augen, al« er sah, daß er nicht kann mehr mit mir umspringen wie sonst. Habe ich erst die
Deutsches Reich.
Berlin, 24. Mai. Wie die „Nordd. Allg. Ztg." hört, sind die Reisedispositionm Sr. Majestät de« Kaiser« von Rußland nunmehr dahin getreten, daß Höchstderselbe dm
Die „Polit. Corresp." meldet au« Philippopel vom 24. Mai: Die neuesten Umtriebe der Intransigenten bezweckten die Verhinderung der Jnstallirung Aleko Pascha«. Die besonnenen Bulgaren im Verein mit dem Neffen Aleko Paschas sind jedoch bemüht, diesen Tendenzen kräftig entgegenzuwirken. — General Obrutscheff ist über BurgaS nach Livadia abgereist. — Dieselbe Correspondmz meldet au« Athen: Zwischen den Cabineten von London und Pari« findet ein lebhafter Meinungsaustausch über da« Verlangen Griechenland« statt, daß die Verhandlungen in Konstantinopel nur auf Grund des 13. Berliner Protokolls geführt werden sollen. — Der Generalgouvernmr von Kreta, Pho- tiade», hat seine Demission gegeben.
Anzeigen nimmt entgegen bie<g£pebition d. Blatte« sowie d. Annoncen-Bureaux Den @. L- Daube & Co. in Frankfurt a. M; Jäger'sche Buchhandlung daselbst; Hermann'sche Buchhandl. daselbst; Jnvalidendank in Berlin; W. Thienes in Elberfeld; C. Schlotte in Bremen.
! Der Umschwung.
| Unsere politischen Verhältnisse tragen schon lange die Krung in ihrem Schooße. Die Verhältnisse haben sich nner stkihe von Jahrm auf allen Lebensgebieten unter W Einflüsse der liberalen Politik in einer Weise zum fcmmen gewendet, daß die Lage der Dinge schon lange | einen Umschwung hindrängte und im Volke sich schon M die Ueberzeuguug aussprach: „So kann es nicht «er gehen!" Es wäre eine Beleidigung, anzunehmen, 8 der Reichskanzler nicht längst gesehen hätte, was jeder Mache verständige Bauersmann wußte. Aber ein Re- vungSjystem, das 12 Jahre lang geherrscht, kann man D wie einen Handschuh wechseln. Es ist bekannt, daß ^Reichskanzler schon seit Jahren mit der liberalen Partei »Unterhandlung stand über diesen nothwmdigen Um- ffmng. Aber die Verhandlungen waren immer resultat- ff und die „Rat.-Ztg." konnte immer wieder rufen: „Es Ut beim Alten!" — Der Finanzminister Camphausen ute alljährlich bei seinen bekannten finanzpolitischen Weinandrrsttzrmgm den Nothstand bald von der Ueber- ffduktion, damr von den hohen Löhnen und schließlich « Türkenkrieg herzuletten und jedesmal einen bereit« (getretenen Umschwuug zum Besseren voraus zu sagen, kt nachgerade wurden diese Behauptungen abgeschmackt, ttbem der Nothstand auch noch nach dem Türkenkriege ied und es sich sogar herausstellte, daß derselbe eher fetig als ungünstig auf unsere Industrie gewirkt hatte, jtot er dersäben verschiedene große Bestellungen Ruß- Ws eingetragen hatte. Camphausen und Delbrück, diese len Träger der liberalen Wirtschaftspolitik, legten ihre hter nieder, weil der Reichskanzler mit seinem offenen sten Blick für die Thatsachen ihrer Pvlittt nicht mehr
so daß sein Präsidium die ganze liberale Aera umfaßt. Wie die Uebernahme seines Präsidiums 1866 dm Beginn derselben bezeichnete, so wird die Niederlegung desselben da« Ende der liberalen Aera bedeuten. Diese Auffassung wurde bestätigt durch die letzte große Rede de« Reichskanzlers am 21. Mai, durch welche er da« Tischtuch mit der liberalen Wirthschastspolitik völlig durchschnitt, und daS schrille, scharfe Zischen, mit welchem die liberale Seite de« Hause« den Schluß seiner Rede begleitete, klärte die Lage noch mehr. Die liberale Aera hat dem deutschen Volke viel Schlimmes gebracht, möge die nun begonnene neue Aera im Stande sein, die alten Wunden, aus denen unser Volksleben blutet, zu heilen. Die Aufgaben sind groß und schwer.
Tigerbericht.
Der Kaiser empfing am Sonnabend Nachmittag um 4'/r Uhr den Präsidenten des Reichstages, v. Seydewitz, und dm Viceprästdenten v. Franckenstein.
Gegenüber der Behauptung der „Nattonalzeitung", daß bei Gütern am Rhein, welche der Reichskanzler al« mit 20 und mehr Procent ihres Einkommens belastet aufführte, die Einkommensteuer einmal überhaupt zu niedrig veranlagt, dann die Wohnung und Nahrung de» Besitzers bei der Veranlagung nicht berücksichtigt sei, ist der „Reichsanzeiger" in der Lage auf Grund vorliegender Register zu erklären, daß die von dem Reichskanzler angeführten Güter ausnahmslos nicht von dem Eigenthümer bewohnt werden und eine zu niedrige Veranlagung nicht wahrscheinlich ist, da auch die für die Gemeindezuschläge maßgebende Einkommensteuer durch Genoßen in der Gemeinde mit einiger Sicherheit kontrolirt werden kann.
Her «i wollte und sie sich auch nicht entschließen konnten, : zu folgen. Nach ihrem Rücktritt beschäftigte sich der ichskauzler selbst eingehend« mit diesen wirthschaftlichm :—■ 6gen und das Resultat seiner Studien ist der Bruch mit n llibe aten Wirthschastspolitik des Gehenlassens (laisser ■ w). Er hat diesen Bruch zunächst vollzogen in der
1- und Eisenbahnpolitik, wie ihn die Zollvorlagen und eben jetzt an den Bundesrath gelangten drei Geschlürft über da« Eisenbahnwesen docummtirm. Der sthrkauzler toiö mit seiner Zollpolitik zunächst das deutsche ich finanzftller Hinsicht auf eigene Füße stellen und leich eine Entlastung des Volke« von drückenden direkten
rn herbei führen. Dabei will et das Ausland, wel-
. „Die Prinzessin ist in Geldverlegenhett und weiß sich rüb. tzenblicklich nicht zu helfen, da ihr Gemahl schon längere & in Paris ist. Sie braucht zehntausend Thaler und
fttllmtAMt für den Monat Juni liniUUUlll werden von allen Postanstalten angenommen.
Die Ex-ed. d. Obrrh. Zeitung.
;ten - [15 hgesch
ethen
in i [15i
rnia
ter LI [153
öüfifi :b60? ersch, aße.
rrthsch ngesuj L [151 t ist -i an« n toti
-- [161
urNa ie an s bei
Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiettagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „JllnstrirteS SonntagSblatt" durch die Expedition (Kvch'sche Buchdruckerei) bezogen 2i Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pf,, (excl. Bestellgebühr). — Jnsettionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg.
Für in der Expedition zu ettheilende Auskunft und Annahme von Adreffen werden 25 Pf,, berechnet
W
Sorll gelagi ibtemi [20
«at, Hanl
ai
8'sch len