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Marburg, Sonntag, 25. Mai 1879

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nun auf mehrere Stunden ausruhen. Und das war den Kleidern meist sehr nöthig; sie waren schon, ehe sie hierherkamen, hinfällig und konnten die Strapazen im Winde gar nicht recht vertragen. Auch der Trödler Hirsch in Nr. 22 der Spandauerstraße war eben beschäftigt, °seine Schätze von der Straße für die Nacht in Sicherheit zu bringen. In dem ersten Haufen, den er vom Haken ab­nahm, war wie gewöhnlich Alle- zusammen gewürfelt, was zusammen gehörte und nicht gehörte. Unter anderem war da noch eine zwiemlich gut erhaltene seidene Tändelschürze. Sie hatte offenaar einst bessere Tage gesehen. Den Tag über hatte sie neben ein Paar alten Hosen gehangen. Das hatte sie sehr geärgert. In solcher Gesellschaft hatte sie sich früher nicht bewegt. Ja wenn e8 noch ein Paar feine Hosen gewesen wären. Sie hoffte jetzt von der gemeinen Nachbarschaft befreit zu werden und richtig, ihr Herr hatte das leichte Ding nicht mitgefaßt, und so gelang es ihr, von dem großen Haufen auf dem Arm des Juden weg und nach einem Paar hoher Stiefeln zu flattern, die früher offenbar einem Garde-Corps-Offizier gehört hatten, der vielleicht bei Jena, ohne Zweifel nach muthiger Gegenwehr, in die Hände der Franzosen gerathen war. Hier fühlte sie sich wohler und sie war erfreut zu sehen, daß eben da, als Hirsch sich nach ihr umsah, noch ein Manu in den Laden trat, und hierdurch die Aufmerksamkeit ihres Herrn von ihr abgelenkt wurde. Als sie nach dem Eintretenden blickte, gewahrte sie, daß es derselbe Schurke war, der sie au« dem schönen Schloß hier in die« schmutzige Loch ge­bracht hatte. Sie war außer sich, denn sie glaubte nicht anders, als Meyer Loewe so hieß der Mensch habe Meder ein Attentat gegen sie im Schilde. Doch sie brauchte nicht besorgt zu sein, denn Meyer Loewe .hatte, wie ihr

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Tagesbericht.

Der Mittwoch vor Himmelfahrt war ein bedeutungS- l« Tag für die politische Geschichte der Gegenwart, diesem Tage wurde an die Stelle de« zurückgetretenen

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ich gern, daß au« dem Salomonche werde etwas Tüchtige«. Sehen Sie, bester Herr Wagner, ich habe gekannt seinen Vater; der Vater war mein bester Jugendfreund und der hat mir, als ich ihn in Luckau sterbenskrank fand, auf die Seele gebunden, für den Knaben zu sorgen wie für meine Kinder, ihn nicht nur zu einem tüchtigen, sondern auch guten Menschen zu erziehen. Viel Tüchtiges kann er bei mit nicht mehr lernen und da wäre es mir angenehm, wenn er käme wohin, wo er noch lernen könnte mehr und wo et zugleich hätte einen Prinzipal, der auch sorgt, daß er bleibt auf dem Wege der Rechtschaffenheit und der Moral überhaupt. Beides würde er fiftden bei und in Ihnen, mein geehrter Herr Wagner."

Ich will mir die Geschichte noch überlegen. Große Lust habe ich, den Knaben zu mir zu nehmen, das kann ich nicht leugnen. In Kurzem werde ich Ihnen meinen Entschluß mittheilen."

Bestimmen Sie sich", bemerkte Levy,für die Auf­nahme meines bisherigen Lehrling« in Ihr Bankgeschäft, so werde ich Ihnen noch machen einige Mittheilungen über ihn, über seinen niemals verheiratheten Vater und seine Mutter."

3.

Während der in dem letzten Kapitel erzählten Ereig- niffe wat schon bas eine und andere kaufmännische Ge­schäft geschlossen und auch die Händler mit alten Kleidern schickten sich an, die vor der Thür in sonderbarer Zusam­menstellung hängenden Handel«gegenstände herabzunehmen und in dem ziemlich unsauberen Laden, wie eS irgend ging, zu placiren. WaS von diesen Gegenständen den Tag über gemüht hatte, wenn der Wind zwischen sie gefahren war, sich wieder in die rechte Lage zu strecken, das konnte sich

Deutsche« Reich.

* Berlin» 23. Mai. Die nachträglich eingegangenen Zeitungen, welche parlamentarische Correspondenzen ans Berlin enthalten, berichteten sämmtlich, daß Herr v. For- ckenbeck zwei Tage nach dem Banket im Zoologischen Gar- i ten, am 19. Mai, seine Freunde ermächtigt hatte zu de- mentiren, daß er das Präsidium niederzulegen beabsichtige. Der bekannte Correspondent der Köln. Ztg. telegraphirt noch am 20. l. M.: Wir selbst waren von beteiligter Seite noch gestern Nachmittag ermächtigt zu melden, .daß von einer Niederlegung de« Präsidiums Seitens des Hrn. v. Forckenbeck nicht die Rede sein könne. Ganz ebenso ; lauten die Versicherungen Correspondenzen cm» nattv- nalliberalen Kreisen. Daraus muß man doch schließen, daß Herr v. Forckenbeck die bekannte Rede nicht mit dem Bewußtsein hielt, dadurch zur Niederlegung de« Prasiviums nothwendig zu gelangen. So allein erklärt sich auch die offenbar unterrichtete Beflissenheit, mit welcher die Natio­nalzeitung, selbst noch am Dienstag früh den sensattonellen Auslegungen der Banketrede entgegentrat und zur richttgen Beurtheilung derselben auf eine ähnliche Rede v. Forcken- beck'S im vorigen Herbst in BreSlau hinwies. Dieser Hin­weis beweist wiederum recht deutlich, wie wenig man auf nationalliberaler Seite am Montag noch daran dachte, in Forckenbeck'« Auftreten bei dem Banket den Wendepunkt zu erkennen, den man nachher an die Rede geknüpft hat, denn die Breslauer Rede war eine Aufforderung zum Ab­stehen von weiterem Vorgehen, ein Ruf, wie der Rttmer sich damals wörtlich auSvrückte, auf die Schanzen. Die

in den conftituirenben Reichstag gewählt wurde, gehört er dem Reichstage in allen Legislatur-Perioden an. Er ver­tritt den 10. Wahlkreis und hat sich der deutsch-conferva- ttven Fractton angeschlossen.

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Meldungen derPolit. Corresp." Prinz Alexander v. Battenberg empfing gestern den Orient-Reisenden Kanitz, welchen er nach Sophia einlub. Gestern Abend reiste der Prinz ab, zunächst nach Dresden. Au« Philippvpel. Aus affen öffentlichen Gebäuden wurden am 21. Mai zum Zeichen der Beendigung de« rusfischen Gouvernement« die russischen Fahnen eingezogen. Au« Bukarest. Die rumänische Deputirtenkammer wird approximativ au« 98 Liberalen, 3 Liberalen der Gruppe VerneScn, 16 Konser­vativen (Oppositionellen) und 3 sogenannten Wilden be­stehen. Ans Konstantinopel. Die Pforte empfängt Berichte mit Klagen wegen gewaltsamer Einreihung der mohamedanischen Bevölkerung OstrumelienS in die ostru- melische Miliz. In Folge beffen wandern neuerlich zahl­reiche Mohamedaner von dort nach Türkisch-Rnmelien au«. Der Ministerrath unterbreitete dem Sultan das Minister­verantwortlichkeitsgesetz zur Sanktion.

Den Reichstage« gewählt. Der conservative Grundbesitzer bitt an die Stelle be« liberalen Advokaten und großstädti- Ihm Bürgermeisters. Dem Umschwung der Politik, welcher Dnh diese Wahl zum stummen aber doch beredten Aus­blick kam, verlieh die große Rede de« Reichskanzlers klare I» unzweideutige Worte. Er verkündete es als seine Mmmte Absicht, der von der Finanz- und Wirthschaft«- klitit so stiefmütterlich behandelten Landwirthschaft zu ihrem «chle zu verhelfen. Diese Rede enthält einen voklstän- Igen Bruch mit der bisherigen, nach großstädttschen Han- MgestchtSpunkten zugeschnittenen liberalen WirthschastS- klitit: sie setzt die Landwirthschaft wieder al« einen Haupt- Ktor in die Berechnungen der Wirthschaftspolitik ein. ber Reichskanzler wie« hin auf die große Belastung der bndwirthschast durch alle mögliche Steuern, rechnete dem kichStage vor, daß diese Steuerbelastung mindestens 20 frocent vom Reineinkommen beträgt. Was würde man »hl sagen, wenn irgend ein anderes Gewerbe 20 Procent litte« Reinertrages al« Steuer ergeben sollte. Dazu lade latt der Landwirthschaft noch die zollfreie Concurrenz aller Bett auf den Hals, wodurch das Getreide auf einen Preis ttabgedrückt werde, für welchen es in Deutschland nicht Ohr gebaut werden kann. Die Wirkung dieser ernsten Borte des Reichskanzlers war denn auch die gestrige An- »hme der Getreidezölle durch den Reichstag, und zwar so ie von der Regierung prvponirt, zu verdanken.

Der neue (erste) Präsident des deutschen Reichstages, Kto Theodor v. Seydewitz, ist am 11. September 1818 l Groß-Badegast geboren und hat die Universität Berlin »ch Absolvirung de« Gymnasiums zu Torgau frequentirt lach Beendigung seiner Studien im Jahre 1840 wurde r Auscultator beim Kammergericht zu Berlin, trat beim ttnigl. Land- und Stadtgericht zu Görlitz in den Staats- bnst, arbeitete 1842 bei der Regierung in Merseburg, wvaltete 184445 das Landrathsamt daselbst, wurde 858 zum L'andrath des Görlitzer Kreises und 1864 zum imdeShauptmann und Landes - Aeltesten der preußischen Kerlausitz gewählt. Seit 1867, wo Herr v. Seydewitz

Nat. Ztg. erinnerte an jene Rede, um jetzt vor zu weit­gehenden Deutungen zu warnen. So schließt denn die Frankfurter Ztg. mit vollem Recht, daß von der Resig- nation Forckenbeck'« auf den Präsidentenstuhl seine Fraktion«- genossen am meisten überrascht gewesen seien. Man kann nur annehmen, daß zwischen Montag und Dienstag eine Aenderung in Forckenbeck'« Absichten borgegangen ist. Die Erklärung wird von einigen liberalen Correspondenzen dahin gegeben, daß ihm im Laufe des Montag einerseits der Eindruck seiner Rede auf die konservative und Regierungs­partei, andererseits der Eindruck auf Fortschrittskreise wahr­nehmbar geworden sei und daß er daraus die Ueberzeugung geschöpft habe, daß seines Bleibens im Präsidium nicht länger sei. Dabei bleibt allerdings ein Räthsel, wie ein Mann von der polittschen Einsicht des ehemaligen Reichs- tagSprästdenten sich über den unvermeidlichen Eindruck seiner Worte nicht zuvor ein klares Bild machen konnte. Die Verwunderung ist berechtigt, daß er eine so agitatorische Stellung nicht einnehmen und die Fortsetzung dieser Stel­lung erklären konnte, ohne das Präsidium de« Reichstags schon niedergelegt zu haben. Die rasche und glatte Durch­führung der Neubesetzung bei Präsidentenstuhls hat viel­fach Ueberraschung hervorgerufen. Man hoffte der poli­tische Zwiespalt der Parteien, welche die wirthschastliche Mehrheit bilden, hervortreten zu sehen, statt dessen hat sich gezeigt, daß diese Mehrheit die trennenden Momente mehr und mehr hinter sich wirft, um da« Ziel zu erreichen, wel­ches sie zusammengeführt hat. Heute Nachmittag 2 Uhr findet im ReichSkänzleramt eine Plenarsitzung des Bimdes- ralhS statt, auf deren Tagesordnung u. A. steht der An- trag Preußens wegen Einsetzung einer Commission zur Ausarbeitung eines Reichsgesetzes über das Eisenbahnwesen, der Antrag der betreffenden Ausschüsse über .die Statistik de« anSwärtsgen WaareZverkehrS sowie der Antrag des betreffenden Ausschusses über die Erwerbung des Raczins- kischen Grundstücke«. Der letztere Antrag lautet, dahin.: Der BundeSrath wolle, indem er sich mit dem Gedanken der Errichtung eine« Reichstagsgebäudes an der Ostseite des Königsplatzes einverstanden erklärt, den Reichskanzler ersuchen, mit der preußischen Regierung schleunigst in Ver­handlungen einzutreten, gegen welche Entschädigung dieselbe eventuell die zur Ausführung des Reichstagsgebäudes die auf dem bezeichneten Platz erforderlichen fiskalischen Ge­bäude und Grundstücke abtreten wolle Nach Lage der Sache kann man annehmen, daß dieser Antrag die Zu­stimmung des Bundesraths erhält. Es dürsten sofort die Verhandlungen mit der preußischen Regierung beginnen, und ohne Aufschub zu Ende geführt werden, damit die Vorlage noch rechtzeitig an den Reichstag gelangen kann, was erforderlich ist mit Rücksicht auf die Bestimmung, daß die Jnteresstrten an ihre Zustimmung nur bis zum 1. Juli d I. gebunden sind. Nachdem der besondere AuS-

«Beraten Reichstagspräsidenten v. Forckenbeck der deutsch- n, £gservative Abg. v. Seydewitz zum Präsidenten des deut-

ftfllltttrtim für den Monat Juni werden von allen Postan­stalten angenommen.

Die Exped. d. Oberh. Zeitung. '

Anzeigen nimmt entgegen MeSrpebttion d. Blatte« sowie b- Annoncen-Bureaux von ®. L- Daube & Co. in Frankfurt a. M; Jäger'sche Buchhandlung daselbst; Hermann'sche Buchdandl. daselbst; Jnvalidendank in Berlin; W. ThieneS in Elberfeld; C. Schlotte in Bremen.

tauigen nimmt entgegen: 2 Expedition b.Blatte«, pte b.Annonren-Bureaux 11 Th. Dietrich & Co. in Hel und Hannover; Th. strich in Frankfurt a M.; eafenSein & Bögler in wnkfurt a M., Berlin, Miig, CSln ic.; Rudolf toffe in Berlin, Frank­

furt a. M. re.

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Erscheint täglich außer an den Wetttagen nach Sonn- mrd Feiertagen. Preis für bas Quartal mit der wöchentlichen BeilageJRuftrirteS Svuuta,»blatt" durch die Expedition (K och'sche Buchdruckerer) bezogen U Mark, durch die Postämter de« Deutschen Reiches 2 Mark 5» Pf«, (epi Bestellgebühr). - Jnfertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg. Für in der Expedttwu zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adreffen werden 25 Pfg. berechnet.

Zu schwerer Zeit!

r Eine Berliner Geschichte aus den Jahren 18111810 von Joh. Beyssel.

(Fottsetzung.)

I Wagner unterschrieb den Brief, nachdem er Schrift Ich Orthographie belobt hatte und beauftragte demnächst faomon, den Brief an den ordentlichen Professor der iheologie und Prediger an der Dreifaltigkeits-Kirche Herrn dr. Schleiermacher Hochwürden, WilhelmS-Sttaße Nr. 75 I adressiren.

Als auch dies geschehen war, ersuchte Wagner den füngling mit einem fragenden Blick auf Letzy, den Brief dch denselben Abend an seine Adresse zu befördern. Levy 8kte stenndlich zustimmend und mit einigen Sätzen war 6 durch den Auftrag sichtlich erfreute Salomon auf der «raße, um sich zu Schleiermachers Wohnung zu begeben.

Der junge Mann scheint eine gute Schule gehabt zu

*ben," meinte Wagner.Es würde, wie mir scheint, ein ver Komptorist aus ihm werden.' Ich möchte ihn schon 1 meinem Geschäft haben, wenn"

Er nicht ein Jude wäre" fiel Levy ein.

Das weniger. Ich denke nur, daß auch Sie, Levy, «en Lehrling von solchen Fähigkeiten, solchem Eifer und Aem so gewinnenden Aeußeren gebrauchen können."

»Menn das der einzige Stein de« Anstöße« für Sie i, so können Sie sich, Herr Wagner, vollständig beruhigen, ^r Junge ist mir lieb, sehr lieb, ich werde ihn ungern Ren. Aber das Geschäft geht schlecht und ich kann ffselbe besorgen jetzt auch ohne einen Lehrling mit Frau s>d Tochter und mit meinem ältesten Sohne, den ich ohne- jetzt aus der Schule zu nehmen beabsichtige. Auch möchte