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XIV Jahrgang

Marburg, Sonnabend, 17. Mai 1879.

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Buchdruckerei) bezogen 3*s Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 3 Mark 50 Pfg. (erd. Bestellgebühr). LnsertionSgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pf«. Für in der Expedition zu ertbeilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 35 Pfg. berechnet.

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LUjenftein & Bögler in Äetlh Lntfurt a M., Berlin, r inng, Cöln Rudolf -___ |i|e in Berlin, Frank«

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< jgen nimmt emgegen: ft Nt ^Expedition b.vlatte«, * «e d-Annoncen-Bureaux

' snQd e Th. Dietrich & Co. in c.; M und Hannover; Th.

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Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen BeilageJlluftrirteS SanutagSblatt" durch die Expedition (K och'sche MteH Buchdruckerei) bezogen 3* Mark, durch die Postämter deS Deutschen Reiches 3 Mark 50 Pfg. (erd. Bestellgebühr). JnsertionSgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg.

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blattes sowie d. Annoncen-Bureaux von ®. L Daube L Co. in Frankfurt a. M; Jägcr'sche Buchhandlung daselbst; Hermavn'sche Buchdandl. daselbst; Jnvalidendank in Berlin; W. Thiene- in Elberfeld; C. Schlotte in Bremen.

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Tagesbericht.

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Der Kaiser besuchte gestern Nachmittag gegen 4 Uhr jt Berliner Mastviehausstellung und wurde daselbst von ® Minister Dr. Friedenthal und dem Ausstellungs-Comite apfangen und durch die Ausstellung geleitet. Der Kaiser Meß nach einer eingehenden Besichtigung die Ausstellung iit dem Ausdruck der vollsten Anerkennung für das un-

DieNordd. Allgem. Ztg." zahlt eine weitere Reihe Zustimmungs- und Dankadresien auf, welche dem chskanzler zu seinem Wirthschafts-Programm zugingen, theilt den ausführlichen Inhalt mehrerer aus West- ßen eingegangenen Adreffen mit.

' DerNordd. Allgem. Ztg." zufolge erklärte sich die litrung gegenüber der Köln-Mindener Eisenbahn-Gesell-

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&na& nn fcften 6proc. Jahresrente in abgestempelten Actien

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a » Der Bundesrath nahm das Gesetz über die provisorische [ h mführung von Aenderungen deS Zolltarifgesetzes (Sperr- VII ^etz) nach dem Antrag deS Zoll- und JustizausschuffeS an. - Im Interesse rascher und ununterbrochener Erledigung Radt. a Geschäfte wird der Bundesrath zu Pfingsten keine - *~ch machen.

bereit, tu Verhandlungen wegen Uebertragung der ^inf« Ballung und des Betriebes des ganzen Köln-Mindener Eisenbahn - Unternehmens auf den Staat auf Grundlage

Der Minister der öffentlichen Arbeiten, Maybach, hat

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gestern auf einen Tag nach Frankfurt a. M. begeben um Zweck einer Konferenz mit den Ministern von Baden ,8Si **b Hessen in Angelegenheiten des Frankfurter Zentral- paci Mhofs.

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ie Verfassung und Verwaltung Elsaß-Lothringens entspricht l allen Beziehungen den Andeutungen, welche der Reichs- wzler im Voraus darüber gegeben hat. Wenn eine ans- Mkliche Bezeichnung über die Beziehungen des Reichs- w^ers zu den Reichslanden von einigen Seiten vermißt

Deutsches Reich.

** Berlin, 15. Mai. Heute findet eine Sitzung

g'b « BundesrathS statt. Auf der Tagesordnung steht u. A. rg? tt Gesetzentwurf betreffend die Verfassung und Verwaltung

_ »n Elsaß-Lothringen und der Antrag der Ausschüsse über U Sperrgesetz, der Antrag geht bekanntlich auf unverän- ttit Annahme der Vorlage. Der Gesetzentwurf über

wird, so möge man sich erinnern, daß der Reichskanzler selbst die zukünftige Stellung des Kanzlers in dieser Be­ziehung lediglich als eine Vertrauensstellung dem Kaiser gegenüber bezeichnet hat, der seinerseits sich die Möglichkeit wahren werde, über die Zweckmäßigkeit Allerhöchster Voll­ziehungen der ihm vorgelegten Vorschläge mit dem Reichs­kanzler in Beziehung zu treten. Eine formelle Bestimmung im Gesetze über dieses Verhältniß würde mit großen Be­denken für die Stellung des Statthalters verknüpft ge­wesen sein. Die Hauptsache ist wohl, daß der Statthalter ein Mann des Vertrauens sowohl des Kaisers als des Kanzler« sein muß, in solchem sinne ist auch in den Mo­tiven ausdrücklich hervorgehoben, daß der Allerhöchste Er­laß durch welchen der Statthalter eingesetzt oder Abberufen wird, vom Reichskanzler gegenzuzeichnen ist. Die Wahl des Vorsitzenden in der Comission für die Tarifvorlage der Tabak- und Brausteuer werden von der liberalen Presse als Beweis bezeichnet, daß die Allianz zwischen den Con- servattven und dem Eentrum besiegelt sei, man knüpft daran Combinattonen über die politischen Consequenzen dieser Allianz. Zunächst scheint allerdings diese Allianz für Durchführung der Wirthschaftsreform gesichert zu sein und selbst eine gewisse Siegesfreudigkeit scheint in dieser Be­ziehung nicht zu fehlen. WaS die weiteren Folgerungen betrifft, so kann man sich die Sorge um dieselben vorläufig sparen, überraschend ist nur die derjenigen Liberalen, die nicht zugrben wollen, daß die unter ihnen herrschende Meinungsverschiedenheit in wirthschaftlichm Fragen nicht die politische Scheidung bedingen solle, andererseits aber das Zusammengehen in wirthschaftlichen Dingen für das Zeichen keines politischen Bundes ansehen. Folgerichttg ist diese Betrachtungsweise nicht. Am 4. Juni findet im landwirthschaftlichrn Ministerium eine kommiffarische Be- rathung statt, um die Abänderungen des Streitverfahrens in Auseinandersetzungssachen vorzubereiten, welche im Gel­tungsbereich der Verordnung vom 20. Juni 1847 wegen Organisation der Generalkommissionen durch den Erlaß einer deutschen Civilprozeßordnung erforderlich werden. Mit dem heutigen Tage erfolgt dir Eröffnung folgender Eisenbahnstrecken: Der Theilstrecke Gr. Strehlitz-Tost-Op- peln-Pecsretzscham, Coblenz-Niederlahnstein, Coblenz-Ehrang, Neustettin - Posenov - Schneidemühl, Berlin-Sangershausen. Sämmttiche fünf Eisenbahnen werden zur Beförderung von Postsendungen aller Art benutzt. Die Direktion des Sterbekaffenvereins für preußische Postbeamte macht be­kannt, daß die Vollmachten zur Vertretung der auswärttgen Mitglieder deS Vereins bei der am 24. Mai stattfinvenden Generalversammlung spärlich eingehen, und daß eS wün- schenswerth erscheint, darauf aufmerksam zu machen, eS möge für Vertretung Sorge getragen werden.

R6ttig«6crg, 14. Mai. Vorige Woche wurde der Privatdocent Dr. v. Kalkstein vom Criminalsrnat deS ost­

preußischen Obertribunals wegen Beleidigung des LandrachS Federath in Wehlau zu 20 Mark Geldstrafe verurtheilt. Herr v. Kalkstein hatte am 8. August v. I. von Cranz aus an den Landrath F. eine Correspondenzkarte geschickt, in welcher er behauptet, der Letztere habe in napoleonischer Weise für die Wahl deS Herrn v. Knobloch agittrt, und ihm viel Glück zur Auszeichnung deS Knopfloches wünschte. Unterzeichnet war die Karte:Ein alter Berliner Germane". Diese Unterschrift bezog sich auf die frühere Genossenschaft des Schreibers und des Adressaten in der Burschenschaft Germania". Der erste Richter hatte den Verklagten frei­gesprochen, daS Obertribunal sah dagegen in der Benutzung der offenen Correspondenzkarte für die bezeichneten Sätze die Absicht einer Beleidigung und erkannte, wie oben mit- getheilt.

Hannover, 14. Mai. Nach einer Notiz der Londoner World" hätte Prinz Leopold, jüngster Sohn der Königin von England (geb. 7. April 1853), um die Prinzessin Marie von Hannover (geb. 3. December 1848) angehalten. Der in Celle erscheinendeDeutsche Volksfreund" bemerkt hierbei, daß um dieselbe Prinzessin früher auch schon Prinz Arthur, jedoch vergebens, geworben habe.

Rordhause«, 10. Mai. Die Betrugsprocesse gegen Inhaber hiesiger Brennereien wegen unrichttgen Matze« bezw. Gewichtes, halten die Gemüther noch immer in Auf­regung. Nachdem seit dem 18. März bereits 8 Brennerei- Inhaber wegen Betrugs mit zusammen 11 Jahren Ge- fängniß und 21,130 M. Geldstrafe verurtheilt worden, kam vor einigen Tagen ein neuer Betrugsfall zur gericht­lichen Verhandlung. Das Urtheil lautete wegen 87 Ver- gchen auf 11- Jahr Gefängniß, 5000 M. Geldbuße, event. noch 1 Jahr Gefängniß und 1 Jahr Ehrverlust. Der Buchhalter der betreffenden Firma wurde al« Gehülfe mit 6 Monaten Gefängniß belegt.

Leipzig, 15. Mai. Der Stadtrath von Leipzig lehnte in Uebereinsttmmung mit den Stadtverordneten die Be- cheiligung an dem Städtetag in Berlin ab, theilS wegen der Kürze der Zeit zu ausreichmder Vorbereitung, theilS weil es nicht Sache der Stadtvertretungen sei, auf den Reichstag in dieser Sache einzuwirken.

Karlsruhe, 15. Mai. Der hiesige Stadtrach hat die Einladung zum Städtetag in Berlin abgelehnt, weil die Tariffrage in das Ressort der Handelskammer gehöre.

Mauuheim, 15. Mai. Als Delegirte der hiesigen städtischen Behörden begeben sich Oberbürgermeister Moll und Stadtrach Jordan zum Städtetag nach Berlin, mit dem Mandat, gegen Getreide- und Viehzölle zu stimmen.

Heilbro»», 15. Mai. Der hiesige Gemeinderath be­schloß dir Beschickung deS Berliner Städtetages durch den Reichstagsabgeordneten für Hellbronn. Heilbronn stimmt für Getreidezöne.

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und dirigirte von da die häuslichen Geschäfte in den

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dem anderen Schulfreunde herumtummelten, und es

*) Nachdruck verboten.

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3« schwerer Zeit!*)

Eine Berliner Geschichte aus den Jahren 18111816 von Joh. Beysset.

Es «ar an einem unfreundlichen Oktobertage des Jahres 811, als der in der Lindenstraße Nr. 25 wohnende Banquier Sagnet Abends um 7 Uhr seinen Pult verschloß, dann sich ® Mantel umhing und, den Hut in der Hand, mit den Sorten seine Comptoirbedienten verließ:Gute Nacht meine

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6 unschönen Zügen, sie etwas kleiner aber mit frischen fi Zangen und eine sehr gut aussehenden Fülle des Körpers, ihm dagegen fehlte. Er wirkte den Tag über in ! krem Geschäftslocal, welches die Fenster an der Straße J Ate, sie waltete in einem Zimmer nach dem Hofe hin-

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orten und bessere Zeiten.

' E« war ein milder Herr, der Banquier Wagner; er Handelte seine Leute gut und sie liebten ihn. Er hatte l M vierzigste Jahr bereits überschritten und auch seine | ] hegattin war schon im Anfänge der 30er Jahre. Es d *r aber noch ein sehr stattliches Paar; er hoch gewachsen

1 Hofgebäude zur Erde liegenden Zimmern und der Küche. lt Das ihr zunächst liegende dieser Zimmer war die Kinder- J Me, in dieser waren aber für gewöhnlich nur die kleineren nder unter der Aufsicht der stattlichen Kinderfrau; die en älteren warm den Tag über auf dem Gymnasium in dm schulfreien Stunden in einem besonderen für bestimmten, weiter nach dem ©arten gelegenen Zimmer r in dem letzteren, in welchem sie sich mit dem einen

fehlte selten an Besuch von Schulfreunden, denn der Gar­ten, der Hof, auf welchem auch häufig gespielt wurde, die Butter- oder Schmalzbrote, welche Abend« jeder ohne Un­terschied in der großen Kinderstube erhielt, warm zu ein­ladend, besonders letztere für solche Knaben, bei denen zu Hause Schmalhans Küchmmeister war.

Herr Wagner litt selbst unter dem Druck der Zeit sehr und so gereichte es ihm doppelt zur Ehre, daß er sich überall milbthätig und srmndlich zeigte.

Jetzt ging er, in sich gekehrt, in der Richtung nach der Jerusalemer-Straße und bog bann in diese ein. Obgleich diese Straße wie alle anderen Sttaßm nur sehr dürftig durch die alten Oellaternm erleuchtet war, so konnte er doch in einer Entfernung von etwa zweihundert Schrittm einen großen Mmfchmknäuel bemerken. Näher herange- kommen erfuhr er auch, was los war, wie die Berliner sich noch hmte ausdrückm. Ein bereits ältlicher Mann hatte in einem Bäckerladen, sich unbemerkt glaubend, ein Brot ergriffen und war damit, ohne die schuldige Zahlung zu leiften davon geeilt; der Bäcker hatte aber bie Entwendung bemerkt, war bem Mann nachgecllt und hatte dmselben ergriffen. Er schrie nach' der Polizei, um den Dieb arre- tiren zu lassen, dieser flehte, ihn nicht unglücklich zu machm und befeuerte, kein Dieb von Profeffion zu sein, er habe seit einigen Tagen keine Arbeit gehabt, habe mit seiner Familie in den letzten vierundzwanzig Stuudm feinen Bissen zu essen gehabt, der Hunger thue weh und da habe er nicht der Versuchung wikerstebm könnm, bas Brot, welches er nicht habe kaufen können, zu entwenden. Einige Umher- stehmde, von Mitleid ergriffen, redeten dem Bäcker zu, den Mann laufen zu lassen, ließen aber in ihrer Entrüstung über dm hart scheinenden Bäcker auch einige- von Geiz-

halz und Geldsack fallen und wirktm hierdurch gerade nicht hn Interesse ihres Klienten, denn der Bäcker schrie noch lauter nach der Polizei. Dm herangetretenen Herrn Wagner dauerte der bedrängte, die Hände ringenbe Mann in bem er einen Arbeiter zu ertennen glaubte, ben er viel­fach vom Fenster aus zu bestimmten Tageszeiten still und ordmtlich, mitunter ein Paar dürftig aber reinlich gekleidete Kinder an der Hand, am Haus vorübergehend gesehen hatte, und er wendete sich mit den Worten an den Bäcker: Lieber Herr Schultze, auch mir thun Sie einen Gefallen, wenn Sie dm Mann laufen lassen, der mir sonst sehr ordentlich zu sein scheint. Ich eiffuche Sie, mit mir in Ihren Laden zu geben und den Mann dahin folgen zu lassen, ich möchte gern noch außerdem ein paar Worte mit Ihnen sprechen. Nicht wahr, lieber Herr Schultze, Sie thun mir dm Gefallen." Herr Schultze fühlte sich durch bie Bitte des in der ganzen Gegend geachteten Banquier? Wagner sehr geschmeichelt und mtsprach um so bereitwilliger bem Verlangen beS letzteren, als er sonst nichts weniger als hartherzig war. Jrn Ladm stellte Herr Wagner mit bem Unglücklichen ein kurzes, für ben letzteren günstiges Examen an und bie Folge war davon, baß ber erstere bem unverkennbar sehr bebrängten Mann ein Geldstück in jbie Hand drückte und ihm bebeuiete, dafür Brot und sonst ihm nöthig scheinende Nahrungsmittel zu taufen und wenn er morgen noch keine Arbeit habe nach bem Komptoir in der Lindmstraße Nr 25 zu kornmm, ba werbe man sehen, waS weiter für ihn zu thun fei. Dem Bäcker waren, roährmb bieseS verhandelt wurde, wie dem Unglücklichen, Thränm in bie Augen getreten und er murmelte:Ja, ja, schlechte Zeiten, weiß Gott, wie baS noch werben soll" unb fügte bann laut hinzu:Nun, man soll von mir nicht