5rJ Är. IW
XIV. Jahrgang
GerMchk jfitimij
4
Tagesbericht.
>
Dir freie volkswirihschaftliche Vereinigung beschloß, in der Plenarberachung mit den Eisenzöllen zu beginnen und die Zollsätze für Stabeisen und Roheisen zu bewilligen, wie solche die Vorlage der Reichsregierung verlangt. Dre übrigen Eisrnsorten sind von der Vereinigung noch nicht berathen.
Der „Reichsanzeiger" schreibt: Bekanntlich hatte der Abg. Liebknecht bei Berathung des Post- und Telegraphen- EtatS am 28. März Bezug genommen auf Aeußerungen, welche der „JllinoiS-Staat^eitung" zufolge der amerikanische Generalpostmeister Key und der Chef des auswärtigen Postdepartements Blackfan einem englischen Zeitungsberichterstatter gegenüber wegen Verletzungen deS Briefgeheimnisses in Deutschland gethan hätten. Die Ausführungen Liebknecht'» veranlaßten die Reich-postverwaltung, mit dem Postdepartement der Union-Staaten in Verbindung zu tretm. Rach der jetzt vom Postoffice-Departement dem deutschen Geueralpostamt zugegangenen Rückäußerung hat zwischen dem genannten Postbeamten und dem englischen Zeitungsberichterstatter zwar eine Unterredung über ven fraglichen Gegenstand stattgefunden; die Beamten tbaten indesien keineswegs die von Liebknecht erwähnten Aeußerungen, sondern erklärten im Gegentheil, ihre Verwaltung habe keine Kenntniß davon, daß Briefe aus Amerika in Deutschland erbrochen und absichtlich zurückbehalten würden. DaS betreffende Schreiben schließt: weder der Generalpostmeister noch ich (Blackfan) schenken den Aeußerungen über angeblich aus polittschen Gründen in Deutschland erfolgte Verletzung und Zurückhaltung von Briefen irgend welchen Glauben. Ebensowenig gab einer von uns in der Unterredung mit dem Berichterstatter irgendwie Entrüstung zu erkennen. Wir bedauern beide, daß die Unterredung betartig entstellt wiedergegeben und dadurch einem Mitgliede des deutschen Reichstags Gelegenheit ge- geboten worden ist, einen unbegründeten Angriff gegen die deutsche Postverwaltung zu richten. Uebrigens hat auch bereit« die amerikanische Presse die gegen die Reichspostverwaltung erhobenen Anschuldigungen al« unzutreffend erkannt.
suttate. ES fand sich zwar noch ein anderer Zusatz, aber der Alchymist erklärte seinem Adepten, daß seine geringen Mittel ihm nur erlaubt hätten, Maaren zweiter Qualität anzuschaffen. Bei einer strengeren AuSwochl würde man gediegeneres Gold erlangen.
DaS ist merkwürdig . . . ganz merkwürdig
• • • murmelte der gute Mann ganz hingerissen. Und ... ist da« sehr theuer?
— Rein! im Vergleich zu dem Resultate ist e« eine Kleinigkeit.
— Ach! . . . Aber woher hast Du da« Geheimniß? Steht e« unter dem Einfluß eine« bösen Geistes? Ich würde um Alles in der Welt nicht ...
— Beruhige Dich, lieber Onkel. Ein aller Mönch au« Kiew hat mir das Geheimniß anvertraut. Er war auf einer Pilgerfahrt und hat sich kurze Zeit bei mir auS- geruht. Er hat Gefallen an mir gefunden und hat mir das wunderbare Recept mitgethritt. Doch muß man sich durch Fasten und Gebet darauf vorbereiten.
— Ich hatte ja gefrühstückt!
Aber ich war nüchtern und ich habe das Experiment vollführt.
DaS ist richtig. Doch nun laß unS hinaufstemen, mein Freund." Die beiden Goldmacher verschlossen die Thür ihres Laboratorium« und bet Neffe sah bald einen wohlbesetzten Frühstück-tisch vor sich.
— Du willst mich also in Dein Geheimniß einweihen? sagte bet Onkel endlich in schmeichelndem Tone.
— Ja, mein liebet Onkel. Du berbienft e« wohl wegen Deiner Güte für Deinen verwaisten Neffen.
Ich habe Dich immer zätüich geliebt, sagte bet .alte Schwachkopf bewegt. So gieb mit Dein Recept.
Deutsches Reich.
•* Berlin, 14. Mai. Nach §. 15 des Gesetze« über btt Befähigung für den höheren Verwaltungsdienst vom 11. März d. I. hat das Staatsministerium die zur Ausführung dieses Gesetzes erforderlichen Anordnungen, namentlich die näheren Bestimmungen über die hinsichtlich deö UniversitätSstudiumS zu stellenden Anforderungen, über die Dauer der BeschästigungSzeit bei den Verwaltungsbehörden, über die Zusammensetzung der Commission für die zweite Prüfung und über die wiederholte Zulassung derselben in einem Regulaüv festzusetzen. Der von den Mi
nistern deS Innern und der Finanzen aufgestellte Entwurf dieses Regulaüv« liegt gegenwärttg dem Staatsministerium zur Begutachtung vor. — Nach der im Reichseisenbahnamt ausgestellte Nachweisung über die im März l. I. auf deutschen Bahnen erd. Bayerns vorgekommenen Unglücksfälle sind zu verzeichnen 23 Entgleisungen, 11 Zusammenstöße fahrender Züge (13 Züge mit Personenbeförderung, 21 Güterzüge und leerfahrende Maschinen), 47 Entgleisungen, 18 Zusammenstöße beim Rangiren, 138 sonstige Betriebsereignisse In Folge dieser Unfälle wurden 2 fremde Personen getödtet, 24 (3 Reisende, 19 Beamte, 2 Arbeiter verletzt, 4 Thiere getödtet, 1 verletzt, 50 Fahrzeuge erheblich, 151 unerheblich beschädigt. Durch eigene Unvorsichtigkeit kamen vor 32 Tödtungen, (14 Beamte, 8 Arbeiter. 10 fremde Personen), 77 Verletzungen (1 Reisender, 35 Beamten, 36 Arbeiter,. 5 fremde Personen), außerdem 9 Tödtungen und eine Verletzung bei beabsichtigtem Selbstmord.
— 13. Mai. Ihre König!. Hoheit die Fran Erb- prinzessin von Sachsen-Meiningen, Prinzessin Charlotte von Preußen, ist gestern, Montag, 12. Mai, Nachmittags zwischen 2 und 3 Uhr, in der Villa Carlotta bei Sanssouci von einer Prinzessin glücklich entbunden worben. Die fürstliche Mutter und bie neugeborene Prinzessin befinden sich den Umständen nach in bestem Wohlsein. Der Kaiser, welcher noch um 12 V, Uhr bei der Frau Kronprinzessin im Neuen Palais da« Dejeuner eingenommen, von dort aus sich nach Babelsberg und dann direct nach Berlin begeben hatte, erhielt die Nachricht von der Geburt des ersten Urenkelkindes in dem historischen Eckzimmer des hiesigen königlichen Palai«, und zwar durch die Gräfin v Brühl, Palastdame Ihrer König!, und Kaiser!. Hoheit der Frau Kronprinzessin. Ihre Maj. bie Kaiserin-Königin wirb da« bezügliche Telegramm voraussichtlich aus der Reise zwischen Darmstabt und Koblenz getroffen haben. Heute Mittag empfing Se. Maj. der Kaiser und König im hiesigen Palais Se. Hoheit den Erbprinzen von Sachsen- Meiningen. Die neugebotene Prinzessin wird — ein gewiß seltener Fall — bei ihrem Eintritt in« Leben von Zwei Urgroßvätern und vier Urgroßmüttern, unter denselben ein Kaiser und zwei Kaiserinnen, begrüßt.
Darmstadt, 14. Mai. Der „Darrnst. Ztg." wird von unterrichteter Seite mitgetheitt, daß die Erzählung, wonach Graf Andraffy zuerst in mehr als officiöser Weise mit Prinz Alexander von Battenberg über dessen bulgarische Throncandidatur gesprochen habe, der Berichügung bedarf; der Prinz habe nicht die Ehre, den Grafen Andraffy persönlich zu kennen und sei niemals in officiöse Beziehung zu demselben getreten. — Die Landessynode tritt am 10. Juni zusammen.
Mstvche«, 14. Mai. In seiner Rückäußerung auf die Einladung de« Berliner Magistrats, den Städtetag in
— Von ganzem Herzen! Aber unter einer Bedingung.
— Und bie ist?
— Du mußt mir zwanzigtausenb Silberrubel dafür zahlen.
— Zwanzigtausend Rubel!" Der Onkel sprang fast bis an bie Decke. „Was willst Du mit meinem Gelbe, ba Du da« Mittel besitzt, so viel Golb zu machen, al« Dir beliebt?
— Aber mit zwanzigtausenb Rubeln mußt Du ja einen ganzen Berg Golb machen können. Und Du sagst doch, baß eS so billig zu stehen kommt!
— Ganz gewiß! aber ich kann boch nicht ein halbes Jahr nicht« weiter als Golb machen! Da« nimmt die Zett fort. Unb bann muß man nüchtern sein. Schämst Du Dich nicht, so um den Besitz eines Geheimniffes zu handeln, das Dich zu meinem einzigen Mitwisser macht?
Die Geldftage zog sich in die Länge und endete mit einem Kompromiß. Der Neffe begnügte sich mit 10,000 Rubeln unb versprach, am folgenden Morgen das Experiment zu wiederholen.
Der zweite Versuch fiel noch glänzender ans; die Goldkörner warm noch schöner und schwerer als das erste Mal. Der Vertrag wurde geschlossen, der Alchymist speiste mit seinem Onkel, steckte sein Gelb ein unb nahm Abschied.
— Wie, Du gehst fort? sagte der Onkel enttäuscht. Ich glaubte, Du wolltest hier bleiben um mir zu helfen!
— Du brauchst mich nicht mehr. Du weist, was man dabei zu thun hat; ich habe Dir da« Material gelassen. Außerdem hast Du da« Vetzeichttiß der Zuthaten und Maße ... Ich habe doch nichts vergessm? . . . und vor Allem nüchtmt, Du weist doch? . . .
Mel und Hannover; Tb. Hettich in Frankfurt a.M.; Haasrnstein & Bögler in itantfurt a M., Berlin, Leipzig, Eöln ic; Rudolf Arffe in Berlin, Frankfurt a. M. ic.
Anzeigen nimmt entgegen: die (Bjtpebttion b. Blatte« sowie d. Annoncen-Bureaux von G. L- Daube & Co. in Frankfurt a. M; Jäger'sche Buchhandlung daselbst; Hermann'sche Buchbandl. ♦ daselbst; Jnvalidendank in
Berlin; W. Thienes in Elberfeld; C. Schlotte in Bremen.
4 Die „ Provinzial-Cortespondenz meldet: Se. Maj. der 4 Ästifer gedenke zunächst abwechselnd in Berlin und Babel«- « berg zu residiren. Nach den Festlichkeiten der goldenen Hochzeit, woran Kaiser Alexander mit mehreren Großfürsten
* Heilnehmen werden, dürste etwa Mitte Juni die Badereise ® msetes Kaisers voraussichtlich nach Ems eintreten, welcher 4 im Laufe des Juli der Besuch Gasteins folgen solle.
• Dieselbe Correspondenz bespricht die nach den zum ^Voraus getroffenen Vereinbarungen heute ersolgmde Wahl Mitglieder der Tarifkommission des Reichstags und tatter« dabei: es unterliegt kaum einem Zweifel, daß die lthunaen in der Commission wie im Reichstage selbst einer Verständigung über bie Tariftorlage im Großen Ganzen führen »erben.
««eigen nimmt entgegen;
8 gtCrpebtttat b.vlatte«,
5 sowie d-Annoncen-Bureaup pen Ib- Dietrich & Co. in
:iÜwR ■niaröurg, Freitag, 16. Mai 1879 u n&tojwl ----—--
Der weijze vär.
(Schluß.«
Aber wir werden uns im Keller einen Schnupfen
Wenn Du Dich durch so kleinliche Bedenkm zurück- läßt . . . sagte der Neffe verletzt.
t — Nein, nein, warte; ich will einen Mantel unb Aschen nehmen unb ich rathe Dir, daffelbe zu thun." - ' : Fünf Minuten später trugen brei Diener bie Geräth- chen bes Alchymisten, nebst einem kleinen Ofen au« * feinen nach dem Keller. Nachdem sie den Keller » lassen, verschloß der junge Mann die Thür und öffnete • * * * 4 S 6 * Kellerlöcher, um frische Lust hereindringen zu kaffen. 8 J® großen Erstaunen des Onkels mischte er die Kräuter 8 " den Inhalt mehrerer Packete untereinander, that etwas t hinzu, stellte Alles an's Feuer, und währmd er < * Mischung ununterbrochen umrührte, laS er mit lautet
4 Sonnte eine Zauberformel, bie er irgendwo abgeschrieben
<te. Das Gebräu strömte einen abscheulichen Duft aus. v ** Onkel hielt sich bie Nase zu und blieb in bet Nähe
1 Kellerfensters, ohne bie Zauberküche seine« Neffen au«
S I Augen zu verlieren.
< - « ist fertig, Onkel, sagt« dieser mdlich, htbem er ® den Löffel hinreichte. Suche Dir das kostbare Metall S> y heraus." Nach einigem Suchen brachte der Onkel, * 8, °^lt flch in bet heißen, übelriechenden Flüssigkeit • wg bie Finget verbrannt zu haben, zwei ober brei
•Mörner zum Vorschein.
■— Gold! . . . ries er aus, echte« Golb! . . . ’ * unb hole mir an« meinem Schrank ben Ptobirstein!" [fl Reffe verschwand unb kam im Augenblicke mit bem — *ne wieder. Die Untersuchung lieferte bie besten Re-
Det Reichskanzler legte bem Bundesrath einen Gesetz- ftwurs vor betreffenb bie Verfassung unb Verwaltung
Elsaß-Lothringen. Der Entwurf umfaßt zwanzig tragrapheu, der Zeitpunkt bes Inkrafttretens ist vorbe- n. Der Entwurf otbnet bie Ernennung bes in Straß- ug reftbirenben Statthalters für Elsaß-Lothringen durch Kaiser zur Ausübung der Staatsgewalt an. Der Halter tritt an die Stelle des Reichskanzlers. Die engen außerordentlichen Gewalten des Oberpräsidenten auf den Statthalter über. Das Reichskanzleramt ft Elsaß-Lothringen und das Oberpräsidium in Straßwerden aufgelöst; dafür wird ein Ministerium für ksaß-Lothringen errichtet, besten Sitz Straßburg, besten hef ein Staatssecretär mit ben Rechten und der rniniste-
Verantwortlichkeit de« bisherigen Stellvertreters des anzlers ist. Der Vertreter des Staatssecretär« bei en Behinderung ist bet älteste Ressortches. Der StaatS- rttär contrasignirt alle Erlasse deS Statthalters. Das rimsterium für Elsaß-Lothringen zerfällt in Abtheilungen. ftr Begutachtung von Gesetzentwürfen, AuSsührungS-Ver- dnungen unb anberen vom Statthalter zu überweisenben elegenhetten wird ein Staatsrath ernannt, besten Mit- itber sind: bet commanbtrenbe General bes 15. Arrnee- , bet Staatssecretär, bet höchste Landesbeamte und 7 itglieder, welche bet Kaiser auf brei Iahte ernennt.
Vorsitz führt bet Statthalter, beziehentlich der Staats- "t- Die Mitglieder des LandesausschusseS werden t58 erhöht. Zur Vertretung Elsaß-Lothringen» be- 7ch der Reichsgesetzgebung wirb ein Delegirter zum desrath mtt berathenber Stimme zugelassen, ben bet WeSausschuß auf brei Jahre wählt unb bet Kaiser Kes' Das bisherige Stimmeuverhältniß im Bundesrath ibt unverändert.
k