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Marburg, Mittwoch, 14. Mai 1879

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>ern Seite gefehlt worden sein mag. Hält der Reichs- jler mit eifersüchtiger Sorgfalt auf die Unantastbarkeit >er Stellung, so mag er billig auch dem Reichstag geben, I diesem gebührt und in die Verhandlungsformen der

eituug, Galle, Groß

Anzeigen nimmt tmgegen: die Trvedition b.Blatte«, sowie d.Annoncen-Bureaux pen Tb. Dietrich & Eo. in

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Vertretung der Nation sich einfügen." Der Ton macht allerdings die Musik, allein die Noten sind die stummen Träger de« Tones, und die Noten, welche der Geh. Rath Tiedemann dem Reichskanzler schickte, halten doch wesentlich genau und richtig die Musik wiedergegeben, welche der Abg. Lasker in der Abwesenheit de» Reichskanzlers über denselben gemacht hatte. Daß aber der Reichskanzler diese LaSker'- sche Musik mit ihrem schrillen DiScant nicht ohne die Be­gleitung seines Basse- wollte ins Land hinauStönen lassen, kann ihm kein Mensch verdenken. Wir finden e« freilich auch sehr natürlich, daß dem Abg. Lasker eine solche Be­gleitung seiner Musik höchst unangenehm ist. Denn wenn der Abg. LaSker im Vollbewußtsein der Autorität, welche er bei dem liberalen ZeitungSpublicum hat, in« Land hinau« rief:Der Reichskanzler kennt die Gesetze seine« Landes, die er zur Grundlage seiner Finanz- und WirthschaftS- politik macht, in diesem wichttgen Punkte gar nicht, denn gesetzlich sind landwirthschaftliche Gebäude frei von jeder Gebäudesteuer", und der Reichskanzler tritt dann sofort mit der Steuerliste eine« pommerschen Gutes vor das HauS, liest dieselbe mit der Bemerkung, der Herr LaSker scheine gar nicht zu wissen, was ein landwirthschaftliche- Gebäude sei, dem Reichstage vor, so ist das allerdings ein sehr schriller Ton in die LaSker'sche Musik.

Meldung derPolit. Correspond." aus Ragusa. Die Uebergabe von SpiM ist gestern in feierlicher Weise er­folgt. Die österreichischen Truppen rückten unbehindert ein. In Suttomore wurden die österreichischen Behörden von einem Abgesandten des Fürsten von Montenegro im Auftrage des Letzteren begrüßl. Der Vertreter Monte­negros forderte das versammelte Volk in einer Ansprache zur Treue für den neuen Herrscher auf. Sodann wurde zur formellen Uebergabe geschritten, die von Zivio-Rufen begleitet ward. Eine Deputatton au« Susan gab Ver­sicherungen der Treue für bat Kaiser ab. Andere Depu- taüonen zu gleichem Zwecke sind angeküudigt.

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition b. Blatte» sowie b. Annoncen-Bureaux von ®. L- Daube & Co. in Frankfurt a.M; Jäger'sche Buchhandlung daselbst; Hermann'sche Buchhandl. daselbst; Jnvalidendank in

Berlin; W. Thienes in Elberfeld: C. Schlotte in Bremen.

«it G»«dliager oder eine Bäckerhochzeit a»S alter Zeit.

(Schluß.»

Großartig beschloß Guudlinger da» Hochzeitsfest herzu- ^ten. Nicht nur sollte ganz Augsburg sehen, daß er »l reicher Mann sei, der so gut wie ein Vornehmer den MzeitSschmau» zu bestellen vermöge, sondern die gesammte Marne Bäckerzunft der Stadt sollte auch den Stolz wür­den, den Einen von ihr auf seine Tochter setzte. Und W Ansehen GundlingerS wie seine Beliebhrit bei den WverkSgenossen waren offenbar so allgemein, daß da» °vverk als solches ein kostbares Hochzeitsgeschenk für das ^uigfer Töchterlein anfertigen ließ und die 170 Bäcker- Mte in der Stadt z. B. für ihr Thal einen silbernen Wal schenkten, der eine halbe Elle hoch war und in ein dritter und vierter stak, immer einer kleiner * bet andere, bi« der Raum innen völlig ausgefüllt war.

Man kann sagen, die ganze Stadt war zum Polier­end in GundlingerS Haus und brachte der Braut in sicher Art die Angebinde, ansehnlich genug, obwohl der Monist nicht ohne boshaften Witz dazu bemerkt, daß die Men Bürger mehr opferten al« die fettesten Raths- Min." Schon bei dieser Gelegenheit strahlte Jungfer Mlinger in einem neuen Anzug von kostbarem Stoff ^kunstvoller Zierarbett, wie chn keine Edeldame statt- hätte tragen können; aber er wurde noch von der ^cht und Herrlichkeit ihres HochzeiMeide« übertroffen. Melde bestand aus blauem Seidenzeug und war aus ^ttr Stoffstücken zusammengesetzt, damals die vornehmste eine sehr theure Frauenmode. Die Nähte dieses MtkleideS waren mit goldenen Spangen besetzt, den

gftr in bet Expedition zu ertheüende Auskunft unb Annahme von Abreffen werben 85 vfg. berechnet. 9 ' 6"

Mel unb Hannover; Th.

>r natj Dielrich in Frankfurt a.M.; isenstein & Bögler in nkfurt a M., Berlin, ,zig, Cöln rc.; Rudolf

&ÄN Tagesbericht.

Die betreffenden BundeSraths-AuSschüsse haben gestern verr« Vorlage betreffend die Erhebung provisorischer Zölle (ba» Sperrgesetz) mit unbedeutender Abänderung ange­nommen. Das TabakS-Nachsteuergesetz wird dadurch in keiner Weise berührt.

Deutsches «eich.

Verlt«, 12. Mai. Die Abstimmung über die Geschäftsbehandlung der Tarifvorlage giebt, wie übrigen« auch die Opposttionsblätter zugestehen, bereit« einen ziem­lich sicheren Anhalt für das Schicksal der Vorlage im Ganzen. E« ist allerdings in Betracht zu ziehen, daß eine eigentliche Sonderung zwischen den Freunden und Gegnern der Zollreform bei der geschäftlichen Abstimmung noch nicht einzutreten brauchte. ES handelte sich einstweilen nur um den Antrag der freien volkswirthschaftlichen Bereini­gung und einen Antrag des Abg. Rickert, welchem der Abg. v. Bennigsen und feine Angehörigen mit einer geringen Modifikation sich angeschlossen hatten. Wenn trotzdem Saum de« oberen TheileS davon umfaßte eine breite Gold- fpange und der Unterrockwar mit köstlicher Arbeit gar fein genäht." Um die Taille schlang sich gleichfalls eine Goldspange und die Armbänderwaren besetzt mit edlem Gestein." Die Strümpfe hatte die Braut gebundenmit güldenen Fädlein" und die Schuhe waren reich mit Silber beschlagen. So hatte der Bäckermeister sein Töchterlein schier wie eine Prinzessin herauSgeputzt und e« stand ihr so gut wie einer solchen, dermaßen, daß dieLeutlein uff der Gassen" sie ins Angesicht lobten und an demköst­lichen Bräullein sich nicht ersättigen konnten."

Auch hatte sich der schmucke'Zinkenblaser und Wein­küfer nicht weniger fein zu diesem Tag ausgestattet. Er trugein grünes Röcklein," um den Hut eine breite Gold- spange und jene langen Schnabelschuhe, die damals bei den Vornehmen so beliebt waren.

In großem und feierlichem Zuge ging e« nach der Kirche zur Trauung und dann wieder zurück in Bett GundlingerS Hau«, wo Alles inzwischen zu der ungeheuren Schmauserei fertig gemacht worden, die kaum noch ihre« Gleichen unter der augSburger Bürgerschaft finden dürste. Seit Wochen vorher war dazu Vorrath an Speisen und Getränk besorgt worden unb bie Tische brachen fast von bem, was in großen Schüsseln immer von Neuem bie Mägbe unb Knechte darauffetzten.

Au sechzig Tischen speiste man oben und unten in GundlingerS Hause. An jeden derselben hatte der Hoch­zeitsvater zwölf Männer gesetzt, Junggesellen, Frauen und Jungfrauen bunt durcheinander, damit sich durch Anregung und Gelegenheit zur Galanterie und Verliebtheit Jeder nach Herzenslust vergnüge. Siebenhundat und zwanzig

inweg.

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[134 DieNordd. Allgem. Ztg." veröffentlicht eine nothge- ?cg 40 tnmgene Erklärung der Berliner Maschinenbau-Actten- Gesellschaft Schwartzkopf, worin dieselbe die Behauptung Hilf Stichlers in der ReichstagSsttzung vom 5. Mai, daß sie L*- noch vor einigen Wochen Lokomotiven an die Warschau- Sorte Mmer Bahn 8500 Mark billiger als an die Oberschlestsche »gelag« Kahn verkauft habe, für absolut unwahr erklärt.

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schon bei dieser Enffcheidung eine Mehrheit von etwa 20 Stimmen für bett Antrag ber volkswirthschaftlichen Ver­einigung, den ber Vorlage günstigsten, hervortrat, so barf man annehmen, daß bei der endlichen Entscheidung, für welche Herr v. Bennigsen sein und seiner Freunde Zusam­menwirken mit der Regierung in Aussicht gestellt hat, die Mehrheit eine größere sein wird, abgesehen von manchen Schwankungen im Einzelnen. In sorffchrittlichen Blät­tern spielt augenblicklich ein Geheimrath eine Rolle, der berechnet haben soll, daß ihm sein Hausstand nach Ein­führung des neuen Tarifs 500 M. mehr kosten werde. Es muß dies ein sehr kluger Mann sein, klüger als alle Fachmänner und Industriellen, denn bi« jetzt erklären die großen Autoritäten, daß sie die Folgen der neuen Zoll­gesetzgebung nicht vorauszusehen vermögen, und ebenso ver­sichern die bedeutensten Kaufleute, noch durchaus nicht zu wissen, wie hoch der etwaige Aufschlag auf einzelne Waaren unter den künftigen Konjunkturen im Anfang und noch weit weniger wie er sich auf die Dauer gestalten werde. Ein Geheimrach, der im Voran« so sicher einen Zuschlag von 500 M. auf feine Ausgaben berechnen kann, mutz jedenfalls einen Hausstand führen, ber nicht blos von einem GeheimralhSgehalt bestritten wird. Vielleicht ist ein Geh. Commerzienrath gemeint, oder auch ist dem angeblichen Geheimrach der Hausstand eines Assessors a. D. mit glänzen­den Einnahmen zu Grunde gelegt. Ein sehr übelberufener Sensationskorrespondent, ber sein Wesen namentlich in österreichischen und Frankfurter Blättern treibt, weiß von ben angeblich beginnenben Verhandlungen des Fürsten Bismarck mit dem Abgeordneten Windchorst bereits ganz genau die Grundlagen anzugeben, auf welchen der Centrums­führer abzuschließen bereit wäre. Das ganze Gewebe wüster Conjekturen erledigt sich dadurch, daß solche Verhandlungen weder geführt werden noch in irgend einer Weise in Aus­sicht genommen sind. In der Vorlage betr. die Erhebung einer statistischen Gebühr vorn Waarenverkchr, welche am Sonnabend auf der Tagesordnung des Bundesraths stand, sind diejenigen Gesichtspunkte in Berücksichtigung gezogen worden, welche in der vorigen Reichstagssession bei Berathung des damalgen Gesetzentwurfs ausgestellt waren. Der Weserztg. wird aus Berlin telegraphirt, daß dem Vernehmen nach im Bundesrathe erhebliche Bedenken beständen gegen bie Ausbehnnng ber ursprünglich nur für Tabak vorge­schlagenen Sperrmaßregeln auf bie übrigen Zollerhöhungen. Von zuständiger Seite wird versichert, daß im BundeSrath nicht das geringste derartige Bedenken verlautbart worden ist. In Bezug auf die Vorlage über den Erwerb des RatzinSkischen Grundstückes für den Reichstagsbau hören wir, daß dieselbe in den nächsten Tagen von den Ausschüssen an den BundeSrath zurückgehen wird und daß der BundeS- rach in seiner nächsten Sitzung sich mit dem Gegenstand beschäftigen wird.

Hochzeitsgäste kamen mit Verständnis; und guten Willen diesen verschiedentlichen Aufforderungen nach, auch ehrbare Rathsherren und vornehme Frauen,was viel Freude und Lustigkeit gab," von Mittag bis zum Abend und spät in die Nacht, und vom anderen Tiengen wieder, bis sich Jeder ermüdet nach Ruhe im Belte sehnte.

Acht Tage währte dieses Fest und diese Schmauserei ES wurde so gegeben, getrunken, getanzt und geschwärmt, daß am siebenten Tage schon Biele wie tobt hinfielen und nur durch den Lärm der Anderen wieder zu sich kamen. Auch wurde in der Thal dabei gor freundlich undzärt­lich gebnlet," geneckt und geliebt, und die vergnügten Raths­herren sagten ben hübschen Bürgermädchen unb Weibern viel Schönes vor, was von Obrigkeitswegen sich um so wirkungsvoller gemacht habm wird.

Für biese« Fest hatte baut ber Bäckermeister Gunb- linger nach der Chronik die Kleinigkeitm von 20 Ochsen verbraucht unb ferner 49 Zicklein, 500 Stück allerlei Feber­vieh, 30 Hirsche, 15 Auerhähne, 46 gemästete Kälber, 900 Würste, 95 gemästete Schweine, 25 Pfauen, 1006 Gänse, 15,000 Hechte, Barben, Aalraupen, Forellen, Karpfen. Nach ausgerichteter Hochzeit blieb noch so viel übrig, daß Gunblinger noch ein großes Schmausen hätte geben können. An baarem Gelbe gab er seiner Tochterbreitaufenb gülbaie Stücke" mit, für damalige Zeit eine ungeheuere Mitgift für ein BürgerSmädchen; auch bie übrige Ausstattung war so reichlich, baß die junge Frau davon noch aufheben konntefür ihre Kind und Kindlein." Jedenfalls wurde sie in den heiligen Ehestand mit einem Aufwand eingeführt, der das glücklichste Dasein versprach.

Die Auflösung der nationalliberalen Partei gilt in jkichStagskreisen als tatsächlich bereits vollzogen Das hlatÜ Hauptorgan derselben, dieNat.-Ztg.", scheint noch schwan- 7.V_,Gknid zu sein, auf welche Seite sie sich wenden soll, ob bie Seite Bennigsens ober Lasker-Bambergers. Sie 2 Nummern vorübergehen, ehe sie eine Lanze für 9 I il fotfer einlegte gegenüber ben wuchtigen Schlägen des Reichs- ers; erst in ihrer Sonntagsnummer schwingt sie ihr -chwert für ihren Patron, allein man fühlt es ihr ab, e« nicht mehr mit ber ehemaligen Schwungkraft des . . nS geschieht. Es ist aber auch keine leichte Arbeit, »e Vertheidigung zu führen, wo die Schulb so auf ber Oberfläche liegt. DieNat.-Ztg/' versucht zwar bie Sach- mgt tage dadurch zu verwischen, daß sie dieselbe in folgender ijetH NrmcHtn Weise verallgemeinert. Sie schreibt:Der Ab- zeorbnete Lasker sprach in Abwesenheit des Reichskanzlers, ,;jd ier Reichskanzler antwortete ohne den Abgeordneten LaSker ----- gehört zu haben, der Abgeordnete Lasker replictrte wiederum tt»et t Abwesenheit be« Reichskanzlers, der sich just entfernte, rmtet? 0» Lasker sich erhob. Wir fragen, ob dabei überhaupt [11 doch die Grundlage einer parlamentarischen Verhandlung riftirt und wer dieselbe weggezogen hat? Schließlich dreht N die Sache darum, ob ber geschäftige Rotizenvermittler, «Ujer bem Reichskanzler den Inhalt der Verhandlungen Wnsimbte, seinen Rapport richtig oder falsch gemacht hat. «ebenfalls hat et ihn unvollständig gemacht; er konnte Ader den Ton noch den Zusammenhang der Lasker'schen Webe geben. Auch für die Rede und gerade für sie gilt W» Wort cest le ton qui fait la musique. Damit falten wir ein formelles Unrecht des Reichskanzlers bei feinem Eintritt in bie Debatte festgestellt, ehe wir an bie Wltersuchung gehen, was materiell von ber einen ober der