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Jliarßutg, Dienstag, 13. Mai 1879.
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htt^te, so bietet der lebhaft hanthierende Beruf deS Bäckers heuig Muße für die Phantasie und kampflustige, öffent-
. Wesentlich ist er daher ein TypuS des guten, tüchtigen Bürgers, der dem Philisterthum eine stade Stütze wird, der gern nach alter Väter Sitte in seinem Hause weiter lebt und in Gemeinde wie Staat das Alte, Hergebrachte, nicht so leicht mit Neuem, noch nicht Bewährtem, vertau- schm mag. Nichts weniger als revolutionär, ist er vielmehr konservativ; schon der Ueberumth in der LehrllngSzeit ist bei ihm lange nicht so herausfordernd und kecken Zuge« wie beim Schuster- und Schneiderbub, und der Gesell wie der Meister tritt fetten aus dem Rahmen seines Berufslebens hinaus. Kommt er zuletzt in den Rach der Stadt, so ist der Ehrgeiz, dem er verfällt, gemeinhin vollauf befriedigt. Doch ist der Umstand hervorzuheben, daß der reich gewordene wie der in bescheidenem Auskommen lebende Bäckermeister ehrgeiztz für seine Kinder ist und aus diesem Grunde di« Töchter bürgerlich ehrenvoll verheirathet haben toiC, die Söhne häufig anderen Berufe« außrrhach de« Handwerke« überweift. Bäckersöhne von Auszeichnung auf den verschieoensten Gebieten wären denn auch vielfach zu verzeichnen; selbst ein Papst, Benedict XII. ging im 14. Jahrhundert aus einer Bäckerfamilie von Toulouse hervor.
Die Lebensgeschichten so ruhiger Gemeindebürgrr, wie die Bäcker sind und waren, liefern natürlich wenig Material für allgemeiner interrsfirende Erzählungen. Wenn sie der Sturm der Geschichte erfaßte, wie in Kriegszeiten der mittelalterlichen Zett, so ging die That des Einzelnen in derjenigen fciner ganzen Zunft auf. Wa« aus der Mühldorfer Schlacht von den Bäckern Rühmliches gemeldet wird, hat ihnen auch bei manch anderen solchen Gelegenhetten durch ihr Zunftverhalten Ehre ein- gettagen und soll an passender Stelle nicht übergangen wcHen.
Kreise. In Folge des Ersuchens Serbien« um eine Gebirgsgrenze behufs der Verhinderung der Einfälle der Ar- nauten haben mehrere Großmächte ihre Delegirten im Sinne der Willfahrung der Bitte Serbien« instruirt. Hiernach würve Prepolac noch Serbien zufallen.
Beit Gundlinger oder eine vöckerhochzeit nns alter Zeit.*)
Sucht man der allgemeinen Geschichte und in den Chroniken der einzelnen Städte nach merkwürdigen hervorragenden Männern aus dem Bäckerstand, so ist die Aus hnte gegenüber den Schneidern und Schuhmachern unendlich Stringer, wenn es auch, wie wir sehen werden, an einzelnen hochinteressanten Persönlichkeiten darin nicht fehlt. Der Beruf dchckt aber unzweifelhaft dem Menschen einen gewissen Aaratter auf. Wie der sitzende deS Schneiders und Schuhmachers die geweckten Geister dieser Handwerke gern ui die großen Sphären der philosophischen, politischen oder reli- Msen Spekulation verlockt und Grübler, Denker, Schwärmer,
Dem Vernehmen der „N. Pr. Ztg." nach ist in Bezug auf den Organisatiousentwurf für die Reichslande schon Beschluß gefaßt. Die Ernennung des Feldmarschalls Frhrn. von Manteuffel zum Statthalter gilt als sicher. Der Generalfeldmarschall wird, wie zu vermuthen steht, seine neue Stellung bereit« vor dem Besuche Sr. Majestät de« Kaiser« in den Reichslanden antreten.
Die „Politische Korrespondenz" meldet vom 10. d. M.. Fürst Dondukosf ist von Livadia zurückgekehrt und geht tot 13. Mai nach Sofia. — Prinz von Battenberg wird morgen in Livadia eintreffen, wo er die bulgarische Deputation empfängt, die deßhalb am 13. Mai dorthin reift. Anfangs Juni wird Prinz von Battenberg in Konstan- titutyet eintreffen und sich nach Empfang des Jnvestitur- beiraths nach Tirnowa zur Eidesleistung begeben, worauf tr von dem Fürsten Dondukoff die Regierung übernimmt. Letzterer kehrt hierauf nach Rußland zurück. — Aus Belgrad: Die europäische Grenzcommission ist nach Nisch »bgereist. Dieselbe hatte vorher wiederholte Besprechungen mit dem Minister des Aeußern und dem Kriegsminister hegen Erweiterung der serbischen Grenze im Toplicer
Tagesbericht.
Der BundeSrath beschloß den Gesetzentwurf betr. die Statistik deS auswärtigen WaarenverkchrS des deutschen Zollgebiete«, den Gesetzentwurf bett, die provisorische Einführung von Aenderungen des Zolltarifs Ausschüssen zu überweisen. _____________
Wie die N. A. Z. hört, ist der Reichskanzler Fürst Bismarck durch eine Erkältung verhindert gewesen, der Reichstags-Sitzung am Sonnabend beizuwohnen.
Der „Reichsanzeiger" bespricht die durch den gegen- wätttgen Krieg zwischen Chile, Bovien und Peru geschaffene Situation und schreibt: Außer der bereits telegraphisch von der brasilianischen Küste nach Valparaiso beorderten „Hansa" ist die schleunige Entsendung und dauernde Stationimng eines deutschen Kanonenbootes in
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j wird der Bäcker auf das u --------auf dessen Magenftage, gewiesen;
mt Nacht gehört häufig der Arbeit, der Tag, wo das «ben in hundert Prismen sich bricht und seine mannig- '°chen Anregungen bringt ,muß dann großentheilS dem Schlaf Lavidmet werden. So hat der Bäcker kaum Zeit, sich mit hehr als dem ihm zunächst Liegenden zu beschäftigen tod über den Realismus des Dasein«, die prosaischste Wirklichkeit, mit seinen Gedanken und Neigungen hinauö- Vschweifen.
jK den dortigen Gewässern angeordnet. Da auch die übrigen ®r Seemächte, vor allem England, wichtige Handels- und Schifffahrt« - Interessen in den genannten Republiken zu wahren haben, wird sich vielleicht Gelegenheit finden, ge- , raffen Eventualitäten gegenüber gemeinsam zu handeln. Rach Lage der Verhältnisse könne eine Garantie nicht ge- 1 geben werden, daß Valparaiso in diesem Kriege vor dem 1 Angriff einer feindlichen Flotte bewahrt bleibe, obwohl zu | hoffen sei, daß die Kriegführenden nicht im Widerspruch mit den Satzungen des heutigen Völkerrechts ohne Noth zur Beschießung offener Hafenstädte schreiten werden.
Deutsche- Reich.
Berit«, 10. Mai. Eine Rekapitulation der gestern vom Reichstag abgeschlossenen GeneraldiScnssion über die Zoll- und Steuervorlagen dürfte bei der Wichtigkeit der Verhandlungen von allgemeinerem Interesse sein. Zn der Sitzung am 6. Mai bekämpfte Reg.-Commissar Geh. Rath Dr. Mayr zunächst den negirenden Standpuntt der Fortschrittspartei. Er wies nach, daß ganz streng abgesehen von allen Halbfabrikaten bei uns für 650 Millionen Mark Ganzfabrikale eingeführt werden! Man habe erst unsere Industrie al« mächttg entwickelt und stark bezeichnet und jetzt plötzlich solle man glauben, dieser starke Baum könnte durch mäßige Zölle gegen das Ausland entwurzelt werden und doch bringe jede Aenderung in den Verkehrsverhältnissen, jeder neue Eisenbahnbau in den Preisverhältnissen viel größere Veränderungen hervor. ES sei ein durchaus falsches Princip, daß unter allen Umständen möglichst billig fabricirt werden müsse. Gegenüber der Verschiebung aller Verhältnisse, wie sie in den letzten Jahren stattgefunden habe, dürfe man sich nicht aus Doc- ttinarismus den realen Bedürfnissen verschließen. — Auch Abg. Dr. Löwe (früher (Salbe, jetzt Bochum) trat im Ganzen für die in den Vorlagen sich darstellende Polittk ein, wenn er auch einzelne Vorbehalte machte; polittsch will er das Reich selbstständig, wirthschaftlich die Industrie lebens fähig machen. Die Furcht vor einer Vertheuerung der Lebensrnittel durch landwirthschastliche Zölle sei sehr übertrieben. Als Gegner der Vorlage betrat demnächst der Abg. Frhr. v. Maltzahn-Gültz die Tribüne. Die Finanzzölle seien ihm annehmbar, die übrigen beliebigen ihn durchaus nicht; denn dieselben schützten nicht die nationale Arbeit, sondern nur einzelne aus dem Ganzen herauSge- griffene Industriezweige. Zudem müsse bei der großen wirthschastlichen Verschiedenheit der einzelnen Landestheile der Schutzzoll nothwegdig die Wirkung haben, daß die ärmeren Landestheile im Osten zu Gunsten der übrigen höher belastet werden. Trotzdem werde er vielleicht ge» nöthigt sein, für Kornzölle zu stimmen, um wenigstens eine kleine Compensation für die Landwirthschaft zu erzielen gegenüber der Industrie. Abg. v. Varnbüler dagegen wies daraus hin, daß es gerade die Aufgabe einer richtigen Zollpolitik fei, das ganze Zollgebiet als geschloffene« Ganze gegenüber selbstständig zu machen. Eine Nation habe sich zuerst auf ihren inländischen Markt zu stützen, dann werde auch ihr Export blühen. Nachdem dann Abg. Sonnemann
t.6-> , *) Aus .Zwölf Bäcker" von Schmidt-Weiße-ifels. 11. Bä'd- 500». he« der Deutschen Handwetter-Bibliothek, Verlag von Abenheim
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Lungen nimmt entgegen: He Expedition d.vlatte«, f0®te d-Annoncen-Bureauk non Th. Dietrich & Co. in gaffel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a.M.; Haasenstein & Vogler in ffrankfurt a. M., Berlin, jjeiyig, Cöln rc.; Rudolf Neffe in Berlin, Frankfurt a. M. :l
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Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen- Preis für da» Quartal mit der wöchentlichen Beilage Mttteirte» 6enntaa«6lett" hur* hi.
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dem Richterschen Standpuntt zugestimmt und sich bemüht hatte, ben Motiven einige Ungenauigkeiten nachzuweisen, behanbette Abg. v. Bennigsen diese „schwierigste aller Fragen, die un« seit der Schaffung deS deutschen Reiche» beschäftigt haben." Er will Finanzzölle gewähren, um das Reich selbstständig zu machen und Ordnung in die Finanzen zu bringen; er will mäßige Schutzzölle bewilligen, wo sie nöthig sind. Bedenklich sind ihm — obwohl er einen Vergleich mit England zurückweist — die Kornzölle; der Landwirthschaft bei un« könne nicht durch irgend welche Schutzmaßregeln, sondern nur durch gesetzgeberische Mittel im Gebiete, namentlich de« Erbrecht« geholfen werden. Constitutionelle Garantien müffen gegeben werden, vielleicht könnte man sogar versuchen, bei dieser Gelegenheit die Rechte de« Hanse« zu erweitern. Die Tabaksteuer zu erhöhen sei er bereit, wenn die Tabakindustrie nicht geschädigt werde, die Brausteuer werde er bewilligen, sobald man auch eine Branntweinsteuer Vorschläge. — Die Nationalliberalen, bereu Führer v. Bennigsen bisher war, waren durch diese Zugeständnisse ganz verblüfft und auch auf anderen Seiten des Hanse« sagte man sich, daß man diese Gesinnungen bei dem Redner nicht erwartet habe. — In der Sitzung vom Donnerstag tret zuerst Geh.-Rath Burchard den Delbrück'schen Zahlenangaben und den daraus gezogenen Folgerungen entgegen. Dann hielt Abgeordneter Lasker eine jener Reden, die Niemand hatten kann, al« er allein und die immer zu erwarten sind, wenn er, wie diesmal wieder, die Tribüne erklimmt. Hinter dieser Brustwehr hervor, deducirt der lleine Herr dann seine großen Theorien von seinem erhabenen Standpuntt, auf den Niemand heran reicht. Bon hier schwang er seine Waffe gegen den Genossen v. Bennigsen, von hier führte er einen gewaltigen Hieb nach dem unbesetzten Stuhl de« Reichskanzlers, von hier griff er in die Privatverhältnisse des Abgeordneten Löwe mit seiner zudringlichen Art. Er riß die Vorlagen in allen Beziehungen herunter und vergaß über dem Eifer, ben bte« Geschäft erforderte, zu sagen, ob und wie er etwa zu helfen gedenke. Der Majorität für die Reformpläne, deren Vorhandensein er ahnt und fürchtet, wirst er vor, sie schwüre prinziplos auf die Worte de« Meister«; sogar die Pattei, welche sich bisher abwehrend gegen den Kanzler verhalten, fei ihm jetzt nahe getreten. Bismarck kenne in Bezug auf die Gebäudesteuer in der Landwitth- schaft das Gesetz nicht, feinen Zahlenangaben fei deswegen keine Autorität beiznmeffen, er poussire da« agrarische Programm nicht in seiner berechtigten, sondern in seiner agi- tatottschen Bedeutung und wie weit er zu gehen gedenke, beweise ein Bttefwechsel beffetben mit dem Agrarier Frhrn. ö. Thüngen, in welchem der Kanzler besagt, daß er für die Landwirthschaft nicht mehr habe durchsetzen können u. s. w. Minister Hofmann betonte, wie e« darauf ankomme, jetzt bett wirthschastlichen PattikularismuS zu übenoinben,
Aber bennoch verdient selbst au« dem bürgerlichen Stillleben der Bäcker manchmal ein farbige« Bild her- au-gehoben zu werden, weil eS Sitten und Wesen des allen Bürgetthums lebhaft vor Augen fühtt und eS der eigentlichen VolkSgeschichte, für die matt gewöhnlich nur Hof- und Staatsgeschichten zu liefern pflegte, angehött. Reicher, älter, vielgestaltiger, wie im Osten und Norden Deutschlands, war da« bürgerliche Leben im Westen und Süden desselben und so begegnen un« solche Bilder denn vorzugsweise auch in dessen Stadtgeschichten.
Die Chronik von Augsburg, eine der bedeutendsten und reichsten Städte im Mittelalter, berichtet von einem Bäcker Namen« Seit Gundlinger aus dem Jahre 1493 ein Histörchen, welches wohl zur Illustration de« damaligen Zunftstolze« und de« stadtbürgerlichen Reichthums dienen kann.
Meister Gundlinger besaß eine einzige Tochter und sie war seine Freude, sein Stolz. Bei seiner großen Wohlhabenheit warf natürlich auf .die Erbin derselben mancher junge Mann sein Auge und nicht minder legte der Vater auf eine glückliche Heirath seiner Tochter viel Gewicht.
Ein Zinkenblaser Namen« Bkanch war es nun, der kecklich um das Bäckermädchen zu werben kam und von demselben auch gar freundlich von ihm ausgenommen wurde. Vater Gundlinger indeffm hatte au« bürgerlichem Stolz noch seine Bedenken. Nicht daß ihm ein Zinkenblaser al« Tochtermann unebenbürtig erschimen wäre, denn die Zinkenblaser von Augsburg genossen seit Kurzem eine« Privilegium« von Kaiser Sigismund und standen deßhalb in der Stadt nicht gering da im Ansehen. Aber ttotz diesem Privilegium warm sie nicht eigentliche Bür-