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Marburg, Freitag, 9. Mai 1879

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Sechzig, Cöln k.; Rudolf Aiffe in Berlin, Frank­furt a. 'HL ic.

a 40 im eigen nimmt entgegen: ----- »ft Expedition d.vlatte», au ta j«oie d.Annoncen-Bureaur b Aut "°n Th. Dietrich & So. in ßut, jk-ffel und Hannover; Th.

ni,tri<b in Frankfurt a.M.:

Dietrich in Frankfurt a.M.; haasenstein & Bögler in pankfurt a M., Berlin,

Anzeigen nimmt entgegen : die Expedition d. Blattes sowie d- Annoncen-Bureaux von G- L. Daube & Co. in Frankfurt a. M; Jäger'sche Buchhandlung daselbst; Hermann'sche Buchhandl. daselbst; Jnvalidendank in

Berlin; W. ThieueS in (Aberseld: C. Schlotte in

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-Öl E-int täglich außer an d-" Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für da» Quartal mit der wöchentlichen BeilageJllustrirteS Sonntagsblatt" durch die Expedition (Koch^chl Buchdruckere») bezogen Mark, dmH du Postämter deS Deutschen Reiches 3 Mark 50 Pfg. (exel. Bestellgebühr). JnsettionSgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg.

5ftr m der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 35 Pfg. berechnet.

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»aus ungenügend ist der Zoll auf Getreide, der fast

des Bodens zu gefährden, nicht weiter ein-

iDie Diagnose ith gehörte zu

kScbluß.«

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- I empfahl und den Weg nach Hause antrat.

«n. Gott verläßt keinen Deutschen. Die Enttäuschung zwar groß, aber noch lange nicht so groß, als wenn

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ur 3 Procent abgefunden.

Einigermaßen geschützt erscheinen nur: Thiere, thierische

Die Achillesferse.

Brn F. Rosenberger.

! war also falsch gewesen, und Herr ben eblen Temperenzlern!

Ein Bild beS Jammers kam Slowitz am Abend zu

>kln seiner Bekannten und berichtete das Fiasco mit

Roßbach bei Zeitlofs in Bayern, den 12- April 1879.

Ew. Hochgeboren!

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rde.

L t schränkt weroen; denn von den 54 Millionen Hectaren ftttli ächeninhalt des Deutschen Reiches sind jetzt nur noch 14 hla« Millionen, also nur etwa 25 Procent dem Getreidebau . 0 widmet, während England 33 Procent seines Flächen-

«n Einzelheiten. Sein Freund suchte ihn zu trösten.

Nur Courage," rief er,die Sache wird schon wieder

---- Ich muß dabei ausdrücklich bemerken, daß dieselben n: »iglich dem Programm Ihres Herrn Vaters vom 15. hirrtHvecember v. I. gelten, nicht aber dem vorliegenden Zoll- ** fentivurf, der in mehrfacher Beziehung von diesem Pro- »mm abweicht. Dasselbe bezweckt ausgesprochenermaßen Sicherstellung der Reichsfinanzen und mäßigen Schutz für gesammte vaterländische Erwerbsthätigkeit, herbeigeführt «h die Zollpflichtigkeit aller Eingangswaaren.

Der vorliegende Zolltarifentwurf wird dieser Absicht acht vollkommen gerecht. Die Landwirthschaft ist durch ne ii «"selben nicht genügend und nicht im Verhältnisse zu Han- ti und Gewerbe geschützt, und eine große Anzahl von Äern, und zwar hauptsächlich landwirthschaftliche Produkte chm nach wie vor zollfrei ein, so Wolle, Hanf, Flachs, etragt Hute, Felle, Haare, Borsten, Brennholz u. a. m. Der ie U svlltarifentwurf charakterisirt sich in der Hauptsache als iedtl " Schutzzolltarif für die Industrie und eine Abfindung lblich« ? die Landwirthschaft, denn während beispielsweise Eisen »it einem Zolle von 20 Procent des heutigen Preises nb darüber geschützt ist, ist Roggen mit einem solchen von

Beifolgend beehre ich mich Ihnen eine Anzahl Zustim- * - nmgs - Adressen zu übersenden mit der Bitte, dieselben .879. )urchlaucht Ihrem Herrn Vater zu übermitteln.

' noch einmal so groß wäre. Nehmen Sie die Sache cht so schwer, Sie wissen ja, auf jeden Deckel paßt ein «Pf, so gibt es für jede Noch eine Abhülfe. Mir stände ,indessen übel an, Sie auszulachen obgleich die Se­ichte äußerst lächerlich ist hätte ich nicht zufällig rg Ar erfahren, daß der Besitzer und Director einer großen wvklyner Privatschule einen Lehrer für französisch, Geo- __k«phie und Piano sucht. In der Zeitung ist nicht "Nvncirt worden, daher denke ich, Sie kommen noch früh - Hug; und für eine Brooklyner Schule wissen Sie, so

K Sie kenne, wohl für den Anfang genug, um sich

.879- itt Wasser halten und doch nach und hineinarbeiten zu bnen. Jedenfalls wäre es eine gentilere Beschäftigung, 1 die Kleider des alten Heuchlers auszuklopfen. Der »gte Herr heißt Pinnakel, wohnt Nr. 186 M . . . .- kaße, Broklyn, und ist von 8 bis 12 Uhr Vormittags 1 sprechen.

Die Freude des armen Slowitz zu beschreiben, darauf to.t sichte ich.Nur keine falsche Diagnose wieder, rief

1 der Freund lachend nach, als der Schullehrer in spe

- rvducte, landwirthschastliche Gewerbe und Hopfen, aber

_ Wtr einer statistischen Gebühr gleichkommt. Getreide ist e°l1 Rb bleibt eben in Deutschland stets das Hauptprodukt der 'S. ' »ndwirthschaft, sein Bau kann, ohne eine nachhaltige Be-

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Tagesbericht.

In dem gestrigen Leitartikel unseres Blattes erwähnten ril wir einer Correspondenz zwischen dem Freiherrn C. v. Thüngen-Roßbach in Bayern und dem Reichskanzler. Da n G« dieselbe den Standpunkt des Fürsten Reichskanzlers in Wos Betteff der landwirthschaftlichen Zölle kennzeichnet, bringen t Jtü wir dieselbe vollständig zum Abdruck. Freiherr v. Thüilgen Dffetti hatte bekanntlich eine Zustimmungsadresse aus Bayern zu Wie dem Zollprogramm des Reichskanzlers an den Sohn des- [13 selbe», den Grafen Wilhelm v. Bismarck mit der Bitte «sendet, dieselbe seinem Vater, dem Fürsten, zu überreichen. iet| Sleichzeitig hatte er an den Grafen W. v. Bismarck fol-

8 mdes Schreiben beigelegt:

inhalts mit Getreide bebaut, Schottland deSgl., Oesterreich mit ihren vielen Gebirgen und Alpen mit 36 Procent. Soll daher der deutschen Landwirthschaft wirklich geholfen werden und soll Deutschland in seiner Ernährung unab­hängig vom Auslande gestellt werden, dann muß vor Allem Getreide mit einem tüchtigen Zoll belegt werden, wie solchen der vomCongreß deutscher Landwirthe" ausgearbeitete Tarif verlangt.

Mit dem von dem Tarifentwurf vorgeschlagenen Zoll kann die Landwirthschaft sich nicht zuftieden geben, sie muß Alles daransetzen, ihn entsprechend zu erhöhen, und zwar muß dies sogleich geschehen; denn ist der Entwurf erst einmal Gesetz, dann ist aus Jahre hinaus Nichts mehr zu machen.

Bleibt dies Bestreben erfolglos, bann wird die deutsche Landwirthschaft wohl den Kelch bis zur Hefe leeren muffen, und langsam aber sicher zn Grunde gehen.

Der ländliche Mittelstand wird verschwinden, die reichen Capitalisten kaufen sich für wenig Geld große Lattfundien und treiben Weidewirthschaft; der Bauer wird wieder, waS er vor 2000 Jahren war, Hirte, ein Theil wandert auS, der Rest wird Social-Demokrat, und die sociale Revolution ist fertig, die mit dem Cäsarismus endet.

Das ist das Bild, das ich vor Augen sehe, wenn der deutschen Landwirthschaft nicht energisch geholfen wird, und sehr häufen sich die Anzeichen, die darauf Hinweisen.

Die bäuerlichen Concurse wachsen wie eine Lawine, der Grund und Boden ist auf's Höchste entwerthet, die sicher­sten Hypotheken werden beim Verkaufe nicht gedeckt, die Bevölkerung ganzer Landstriche arbeitet nur noch als Hörige für den jüdischen Wucherer, der sie von Haus und Hof treibt, wenn ihm der günstige Zeitpunkt gekommen scheint.

Das ländliche Element ist zähe im Ertragen, seine Leiden und Schäden bleiben lange verborgen, aber wenn sie einmal aufbrechen, dann geschieht eS reißend und un­aufhaltsam, und in dieses Stadium sind wir eingetreten.

Möge die Hilfe kommen, ehe es zu spät ist!

Ihr großer Vater ist der einzige Mann auf der Welt, der uns noch helfen kann, und darum ist unsere letzte Hoff­nung auf ihn gerichtet.

Indem ich rc.

Ihr ganz ergebener

C. Frhr. v. Thüngen-Roßbach.

Die hierauf ertheilte eigenhändige Antwort deS Reichs­kanzlers bestätigt volliommen, was wir über die Vorgänge in Bezug auf die landwirchschaftlichen Zölle ausgesprochen, hebt aber zugleich auch hervor, was wir wiederholt be­tonten, daß die Eisenbahntarifftage eigentlich noch wichtiger sei, als die Zolltariffrage. Dem gegenüber ist es merk­würdig genug, daß die leitenden Tagesblätter bezüg­lich der Eisenbahntarifftage völliges Schweigen beobachten.

Herr Pinakel, wie schon sein Name sagt, ein Deutscher, empfing den Kandidaten im Schlafrock und mit der langen Pfeife. Ein Käppchen bedeckte den kahlen Scheitel, und um Kinn und Wange starrten keck und grau die Stoppeln eines seit Sonntag nicht raflrten Barte« in die dampsge- schwängcrte Luft. Der Director langjähriger Besitzer seiner Privatschule und des stattlichen Hauses, welches dieselbe beherbergte, war ein sehr gernüthlicher Sachse.Er war Sie in Leipzig daheeme."

Heeren Se, mei Kutster, wo hannee Se denn studirt? Gar nich? Nu, das thut ooch nischt. Ich habe Sie ovch nicht studirt. Spielen Sie doch ä Mal.ä Sttckchen auf'n Klavier. (Slowitz setzte sich und begann die pathetique.) Scheene, kanz scheene, mei Kutster. Aber een für alle Mal. Beethoven spielen mir Sie hier nich. Mir spielen Sie hier nur Straußen und Offenbachen und Aehnliches. Nanu läsen Sie mir doch die eene Seite aus ben Ahn vor."

Auch biefe Probe ging glücklich von Statten. Mit großer Sicherheit la« der Prüfungskandidat: Le bon pere, la bonne Lil«, le petit gargon u. s. w.

Mei Allerwerthester," ließ sich der Schulmonarch nach Beendigung der Lektüre vernehmen.Ihr Axang ist kanz passabel. Aber da« harte B und das weiche P macht Sie noch sehre zu schaffen. Doch da« ist im Grunde bei uns tuttmämschoos, wie der Franzose sagt."

WaS die Geographie anbelangt, begann Slowitz nun seinerseits,

Für die Geographie", unterbrach der Pädagog,gäbe ich Sie meinen Leitfaden, so eene Art Katechismus, ver­stehen Sie wohl. Das Buch verdankt meener Wenigkeit da« Dasein, und alle metue Zeeglinge müssen wenigsten«

Der höchst intereffante Brief des Reichskanzlers lautet wie folgt:

Berlin, den 16. April 1879.

Euer Hochwohlgeboren bitte ich, den Unterzeichneten der Zustimmungsadrefse zu unserem Zollprogramm vom 15. December vorigen Jahre«, welche Sie mir mit ihrem Schreiben vom 12. d. M. zu übersenden die Güte hatten, meinen verbindlichsten Dank zu übermitteln. Ihr Schreiben habe ich mit großem Interesse gelesen; ich theile Ihre darin ausgesprochene Ansicht, daß die Getreidezölle als Schutz der Landwirthschaft nach Vcrhältniß zu den direkte« Lasten, welche sie trägt, ungenügend sind; sie werden viel­leicht nur die gute Folge haben, daß Ordnung und Ueber- sicht in die Korneinfuhr kommt und daß namentlich die Ueberfüllung Deutschlands mit unverkauftem Korn sich vermindert. Ich habe aber in den Verhandlungen mit den Regierungen und der Tarifcommission mehr nicht erreichen und namentlich den Ministerien der größeren Bundesstaaten gegenüber das Erreichte nur mit großer Anstrengung fest­halten können.

Der Widerstand der meisten süd- und mitteldeutschen Ministerien und der Antrag der württembergischen Re­gierung, die 50 Pfennig durchweg auf 30 herunterzufetzen, wird Ihnen bekannt sein.

Ein noch größeres Gewicht indessen als auf den Zoll, lege ich auf die Eisenbahntarife, durch welche Einfuhr­prämien gegeben werden, welche nicht selten das Vier- und Fünffache des 50-Pfennig-Zolles erreichen. Wenn es ge­lingt, diese Ungerechtigkeit zu beseitigen, so verspreche ich mir davon eine größere Wirkung, als von der Verdoppe­lung oder selbst Vervierfachung der jetzt beantragten Zölle; doch in dieser Beziehung habe ich bisher kaum Hoffnung, die Eisenbahnminister der größeren Bundesstaaten für den Zweck zu gewinnen und zu Übereinstimmendem Verfahren zu bewegen. Die bayerischen Bahntarife und deren Wir­kung werden Ihnen und allen bayerischen Landwirthen aus eigener Erfahrung fühlbar fein. Mir fehlt darauf jeder Einfluß.

Wenn in dem Zolltarifentwurf eine Besserung noch gewonnen werden soll, so werden vor Allem die Vertreter der Landwirthschaft im Reichstage sich rühren, sich verei­nigen und Anträge stellen muffen. Auch der Inhalt Ihres Briefes wäre mir lieber in der Oeffentlichkeit, als in meinen Acten; denn was mich betrifft, so kann ich nur sagen:vous prechez ä un converti und ich thue ohne­hin, was ich kann. Ich habe auf die Tarifcommission, so viel ich konnte, eingewirkt, um die Landwirthschaft pari passu mit der Industrie zu halten, in dieser Beziehung aber eher noch Anklang bei ben Industriellen gefunden, als bei ben Ministerien, nach deren Jnstructton die Com- missionSmitglieder abstimmten. Ich verharre in diesem Streben, bedarf aber auf dem amtlichen und publicistifchen

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ein Exemplar davon koofen. Mehr, als wie dadrinnen steht, braucht Sie Keener zu lernen und Sie Hann' das Ding in der Hand. Nun ich denke, wir wärn' uns schon vertragen. Se keimen gleech heite Nachmittag aan- fangenl"

Mein armer Freund wußte kaum ein paar Worte der Befriedigung zu stammeln, so erschütternd wirkte die freu­dige Gewißheit, daß nun endlich die Zeit seiner Leiden vorbei sein sollte. Ueber den Gehalt und Stundenplan war man bald einig, und es blieb weiter nichts übrig, als sich vorläufig zu empfehlen.

Schon stand Slowitz in der Thür, al« derProfessor" ihn noch einmal zurückrief.

Heeren Se, mei Kutster, die Hauptsache hätte ich Sie beinahe vergessen!"

Sie befehlen, Herr Profesior?"

Sie spielen doch Skat?" frug dieser gedehnt und erwartungsvoll.

Da war sie wieder, die schreckliche Alternative. Aber wozu hatte er denn seine erste Erfahrung gemacht? Ent­schieden, da war eine neue Falle. Doch so plump war tr nicht, zum zweiten Male hineinzutappen. Gewitzigt durch seine Erfahrungen, sagte er drum schnell entschlossen und in beterminirtem Tone.

Nein, Herr Professor, ich spiele weder Skat noch irgend ein andere« Kartenspiel!"

Der Effekt dieser Worte war überraschend unangenehm. DerProfessor" öffnete den Mund, in grenzenlosem Er­staunen, die Pfeife entfiel seiner linken Hand und dem Zaun feiner Zähne" entwanden sich nur die wenigen Worte:

Na, dann kann ich Sie nicht brauchen, mein kutster