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Marburg, Donnerstag, 8. Mai 1879
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Anzeigen nimmt entgegen die Spedition d. Blatte» s owie b. Annoncen-Bureaux von ®. L. Daube & Co. in Frankfurt a. M; Jäger'sche Buchhandlung baselbst; Hermann'sche Buchhandl. ♦ baselbst; Jnvalibendank in
Berlin; W. Thiene» in Elberfeld: C. Schlotte in Bremen.
Anzeigen nimmt rnrgegen: die Expedition d.Blatte», sowie b.Annoncen-Bureaux oon Th. Dietrich & Co. in Mel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a.M.; hnasenstein & Bögler in Frankfurt a. M., Berlin, Leipzig, CSln rc.; Rudolf Koffr in Berlin, Frankfurt a. M. rc.
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Die Zolldebatte im Reichstage.
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Die Achillesferse.
Bon F. Rosenberger.
(Fortsetzung.)
595.
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Kü »rzüglichste Gewerbe der Mehrzahl ber.beutschen Nation sogle i den Bordergrund und verlangte, daß man sie bei der »ll- und Steuerreform wenigstens eben so sehr berück- Mai htige als die Industrie, indem er auf ihre bedrängte Lage u w «wies, welche gebieterisch eine Erleichterung durch Schutz r^; w der Concurrenz des Auslandes erheische. Das Alles L «6 so völlig gegen den Strich der liberalen Wirthschafts-
ißtif, daß man die gewaltige Aufregung, welche diese rden im liberalen Lager hervorbrachte, schon begreifen tot. Wie sehr dem Reichskanzler das Wohl der Land- «thschaft ant Herzen liegt, geht aus einem Briefe des
merfte e« den Herren an, daß sie frisch aus den Ferien tonen, wo sie 3 Wochen Zeit gehabt hatten, ihre Gewehre :re ui । laden. Wesentlich Neues haben aber die Debatten trotz- em nicht zu Tage gefördert. Alles, was die einzelnen fiedner sagten, war je nach beut Standpunkte derselben tüte Zusammenfassung dessen, was seit Monaten in der
Die Zolldebatte in ihren generellen Umrissen steht nun seit Freitag auf der Tagesordnung und dürfte ihrem Ende jcht entgegen gehen. Es sind freilich bis jetzt erst wenige Redner zu Wort gekommen, weil die einzelnen ihre Reden hp zu lange ausdehnten. So redete der Abg. Richter fast 3 Stunden lang und Delbrück brauchte am Freitag auch 2 Stunden, um alle seine Zahlen an den Mann zu bringen. , Bamberger wollte auch in dieser Hinsicht unter den ersten sein, und Reichensperger brauchte ebenfalls l'/2 Stunde, um den Standpunkt der Centrums zu enttvickeln. Man
'0V Messe der verschiedenen politischen Parteien in zahlreichen ilrtikeln über die Finanz- und Zollreform des Rcichskanz- ustkj, krs geschrieben worden war. Weitaus das größte Jn- —— treffe nahm die Rede des Reichskanzlers in Anspruch, mit ryo welcher derselbe die Debatte am Freitag eröffnete. Der Dv leichskanzler entwickelte nach einem lichtvollen Rückblick her die Entwicklung der Zoll- und Finanzpolitik in Deulsch-
•i»t. md seine Ziele, welche er bei dieser Vorlage im Auge *i tbe. Die Rede wirkte wie Donnerschläge im liberalen
, azer. Bisher hatte man dort bte directe Besteuerung als । k Summe aller Finanzweisheit betrachtet und die in-
__ Ber einer gewissen Unsicherheit beim Gehen, von feiner le id llbblindheit nicht viel anzusehen war, seine Befriedigung n,bet das Anfrageschreiben, wie die Hoffnung auS, daß ing'i * gegenseitiges Einvernehmen zu Stande kommen und k gegebene Referenz als befriedigend befunden werden ____«be. Er beabsichtige bei völlig freier Station ihm so t be 6 so viel per Monat zu zahlen. Ob ihm das genüge? ' 't Schlauwitz bejahte.
Er, Schlauwitz, solle gehalten werden, wie ein 3. M toleman, wie ein HauSfteund. Er habe doch nichts ! be hegen einzuwenden?
[677 Durchaus nichts.
5 Dann ging der liebe, alte Herr zu den Gegenleistungen ! tt. Schlauwitz müsse ihm täglich ein Stündchen Zei- vorlesen, — die englische Aussprache werde sich mit
* Zeit schon bessern, und wenn er im nächsten Sommer H Europa gehe, habe et ihn zu begleiten. Natürlich
'50 ^de ein Urlaub, die Familie zu besuchen, nicht verweigert ’tben. Diese Klausel konvenire ihm doch?
Schlauwitz war entzückt.
948.
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. Ein sehr hübsches Dienstmädchen, — Herr Smith war VI kt Junggeselle, — öffnete, und der Hausherr trat als- - tib selber in den Parlor. Eine liebens- und ehrwürdige tscheinung mit weißem Peter Cooper-Bart, schüttelte er L teunb Schlauwitz treuherzig die Hand und bewillkommnete p'|[' *t mit den ermunternden Worten:
„How do you do, Sir?“
Nachdem der Applikant genügenden Bescheid über seinen rsundheitSzustand gegeben, drückte der alte Uankee, dem,
, Pf, irccten Steuern höchstens als ein nothwendiges Hebel hie . bei mb da noch passiren lassen. Nun erklärt Bismarck als awea. M3iet seiner Polittk, Reich und Staat fast ganz auf in- —- beete Steuern stellen zu wollen, redet von Abschaffung Ml, tt Klaffeusteuer, der Grund- und Gebäudesteuer als Staats- tttet und will nur die Einkommensteuer auf Vermögen [IZMer 2000 Thaler beibehalten. Währeno man bisher sich Hansi toöhnt hatte, kaum noch an die Landwirthschast zu denken, "5T7 «tn man von dem wirthschaftlichen Leben der Nation r ’ «bete, und die wirthschaftliche Gesetzgebung nach den Indessen der Industrie und des Handels zugeschnitten hatte, ” - töte der Reichskanzler gerade die Landwirthschaft als das
Reichskanzlers an den baierischen Freihernt v. Thüngen- Roßbach hervor, in welchem er die Schwierigkeiten schildert, die er bei den Ministern der übrigen Staaten namentlich auch in Bezug auf die Reform der Eisenbahntarife, von welcher Reform er große Erfolge für die Landwirthschaft erwartet, zu überwinden habe, und die Laudwirthe auffordert, ihu in diesem Kampfe zu unterstützen. Die liberalen Redner haben bis jetzt wenig glücklich operirt. Die Rede Delbrücks war ein Conglomerat von Zahlen, statt — was sie hätte sein sollen — eine Widerlegung der Steuergrundsätze des Reichskanzlers, so daß selbst seine Parteigenossen wenig erbaut sind von dieser Rede, welche jedenfalls mehr in der zweiten als in der ersten Lesung an ihrem Platze gewesen wäre. Die Rede Bambergers war ein Kunstwerk rhetorischer So- phistik, welche auf stillschweigend als wahr und richtig angenommenen Voraussetzungen ihre Behauptungen gründet und ihnen so den Schein ter Wahrheit giebt So nahm Herr Bamberger an, als müßten alle Zölle von den Con- sumenten bezahlt werden während sie größtentheils von den auswärtigen Producenten und Händlern getragen werden müssen, und redete nun, als wolle der Reichskanzler das Geld durch inbirecte Steuern dem Volke aus den Taschen holen, um es einzelnen Klaffen zu geben; dann wieder that er so, als solle alles Geld den großen Vermögen mittels der Einkommensteuer ausgepreßt werden; bald denun- cirte er den Reichskanzler den Einen als Socialisten, den Anderen als Unitarier, der nach den Regierungen und dem Bundesrath nichts frage. Den kleinen Handwerkern und Bauern redete er vor, diese Steuerpolitik würde sie zu Grunde richten und schließlich tief er, Unglück prophezeiend aus: „Ich wasche meine Hände in Unschuld!" Nun Unglück braucht man nicht erst zu prophezeien; denn daffelbe ist da, unsere Nothstände schreien um Hülfe und die neue Zoll- und Steuerpolitik des Reichskanzlers will diese Hülfe wenigstens theilweilse bringen. Es ist aber mehr als komisch wenn Herr Bamberger, der Vertteter der liberalen Wirth« schaflspolitik, welcher wir die Acttm-, Wucher-, Schank- und Gewerbefreiheit u. f. »., die all die Verwirrung an- gerichtet haben, verdanken, sich jetzt hinstellt, so thuk, al« sei Alles wunderschön, Unglück weissagt und diesem gegenüber die Hande in Unschuld wäscht. Die Rede Bamberger's war eitel sophistisches Blendwerk. Richter aber wiederholte nur die alte Weisheit laisser aller, des Gehenlassens. Er rechnete den Landwirchen vor, wie wenig die Güter am Anfänge dieses Jahrhundert« gegolten und welche hohe Preise sie jetzt haben, um ihnen dann zu sagen: Habt ihr die gute Zeit genossen, so müßt ihr die schlechten auch hinnehmen. Als wären die Laudwirthe an den hohen Preisen schuld und nicht vielmehr der gesunkene Werth des Geldes; und wann ist das Geld mehr entwerthe! worben als in der liberalen Aeta, in beii letzten 10—12 Jahren, insbesondere in der Gründerzeit? Sodann vergißt Herr
Doch mache er die Bedingung, baß bet neue Gesellschafter ihm täglich bie Kleider reinige. Ob er sich dem fügen wolle?
Etwas gedehntes „Ja".
Umsonst bemühte sich unser Freund, eine Schwache, einen verwundbaren Punkt an seinem künftigen Brodherrn zu erspähen. Es wäre doch schön gewesen," wenn der Famulus sofort hätte anfangen tonnen, sich unentbehrlich zu machen. Vergeben«, der Weißkopf schien vollkommen. Doch wozu im Grunde. Die Konjekturen lagen zur Zeit für bie Umstände brillant.
„Nun", schloß ber Alte, '„wenn Ihre Referenzm günstig ausfallen, so werben wir wohl zusammen harmo- niren. Kommen Sie morgen tvieber, ober besser, ich sende Ihnen per Post Bescheid, doch noch eines, junger Mann, tote ist es, wollen Sie nicht ein Glas Wein trinken, ehe Sie gehen? Sie werden durstig sein."
Ein gehackte« Beefsteak mit Eiern und Zwiebeln wäre dem so Gefragten lieber gewesen. Doch jetzt, schien e« ihm, hatte er bie Achillesferse be« Herrn Smith aufgespürt. Derselbe wollte augenscheinlich sehen, ob fein neuer Kompagnon auch beim Pokuliren eine tüchtige Klinge schlage. Dem Manne kann geholfen werben, dachte Schlauwitz und accepttrte mit großem Eifer.
Weber die Züge des Madison-AvenianerS glitt ein leises Lächeln. Er ging schweigend zu einem Wandschränkchen, holte eine Flasche und ein Glas heraus und schenkte ein.
„Trinken Sie", sagte er bedächtig, und als er bemerkte, daß Jener auf feine Betheiligung warte, fügte er lächelnd hinzu: „Ich habe das Meinige schon genossen."
Schlauwitz ergriff den Pokal, et setzt ihn an, er trank ihn au«. „O Trank voll süßer Labe!" Wie Feuer
Richter, daß es sich nicht darum handelt, die Landwirth- schaft ber deutschen Industrie gegenüber zu schützen, welche I« in gleicher Verdammniß ist, sondern dem AuSlande gegenüber. Ist es recht und gut, wenn wir unsere Industrie und Landwirthschaft durch die auswärtige Concurrenz ruiniren lassen mit dem Hinweis: habt ihr früher gute Zeiten gehabt, so mögt ihr jetzt darben. Ja, wer ist eS den», der darbt? Sind eS nicht & 6 des deutschen Volke«! Solche Polemik ist allerdings nicht im Stande, die Vorlagen zu Fall zu bringen, und so ist zu hoffen, daß dieselben im Großen und Ganzen doch zur Annahme gelangen werden.
T«se»bericht.
Der Kaiser wird am Donnerstag Abend Wiesbaden verlassen und Freitag ftüh in Berlin eintreffen. — Bezüglich Einberufung eines deutschen Städtetages zur Be- rathung der deutschen Viehzölle findet am Donnerstag eine Vorberathung zwischen den Deputirten de« berliner Magistrats und derjenigen Städte, welche die Einberufung des Städtetags beantragt haben, statt. Es wird dabei auch die Frage be« geeignetsten Zeitpunktes für die Einberufung ventilirt werben.
Die Festlichkeiten au« Anlaß ber am 11. Juni bevorstehenden goldenen Hochzeit be« Kaiserpaares werben bem Vernehmen ber „N. Preuß. Ztg." nach zwei Tage nm- faffen. Am 11. Juni soll, wie verlautet, im königl. Schlosse ber Empfang sämmtlicher Deputationen unb barauf bie Einsegnung be« kaiserlichen Jubelpaares durch den Hof- prediger Dr. Kögel in der Schloßkapelle stattfinden. Für den Abend diese« seltenen Erinnerungstages, eines Mittwoch, ist eine Gala-Vorstellung im königlichen Opernhause in Aussicht genommen. Die Zahl ber bie verschiedenen Deputationen bildenden Mitglieder au« den an jenem Tage zur Vertretung gelangenden Staatsbehörden und Gemeindeoder sonstigen Verwaltungen wird auf annähernd 1600 geschätzt- Die Zahl der zu den Festlichkeiten hier eintres- fenden fürstlichen Gäste, welche anfangs auf etwa 50 fest- gesetzt war, wird sich eher noch um einige vermehren als vermindern. Für den 12. Juni Vormittag« ist eine große Parade auf dem Tempelhofer Felde in Aussicht genommen. Da an diesem Tage vor 50 Jahren König Friedrich Wilhelm III. den damals elfjährigen Großfürsten Alexander von Rußland zum Chef be« 3. Ulaneu-Regimenls ernannte, so steht zur Erinnerung an biefen Gedenktag bie Theil- uahme be« in Fürstenwalde und Beeskow gamisonirenden jetzigen Ulanen-RegimentS Kaiser Alexander von Rußland (1. brandenburgischen) Nr. 3 an ber Parade in Berlin, wie man hört, bevor. — Am Nachmittage beS 12. Juni soll ein Gala-Diner im Weißen Saale be« Königlichen Schlosse« unb am Abende eine größere (Soiree im König-
......... strömte daö edle Naß durch seinen ausgehungerten Magen, und willig folgte er der Einladung zu einer zweiten Auflage.
Dann verabschiedete er sich, doch fiel ihm die plötzliche Schweigsamkeit de« weißhaarigen Mundschenken peiittich auf, die merkwürdig mit dessen vorheriger Redseligkeit kontrastirte.
„Auf Morgen", sagte er.
„Auf Morgen wiederholte Jener.
„Es geht nichts über eine richtige Diagnose," murmelte ber Jüngling, als er die elegante Avenue hinabwanderte. „Ein superbe« Weinchen, auf Ehre. Der alte Schwede ist ohne Zweifel dem stillen Suff ergeben und, soll mich der Teufel holen, wenn er (nicht der Teufel, sondern der alle Smith) nicht eifach einen Kameraden in mir für feine heimlichen Orgien sucht. Nun, ich konnte immer etwa« in der Beziehung leisten."
Sprach'S und strich sich den langen schönen Schnurrbart.
Wieder rief der Briefträger am nächsten Tage: Slowitz! Wieder stürmte Slowitz die sechs Stiegen hinunter und nahm feinen Brief in Empfang. „Mein Patent" flüstert er.
Das Patent lautete also:
Werther Herr!
Gern würde ich Sie zu der Stellung, zu welcher Sie sich gemeldet, engagirt haben. Denn in vielen Beziehungen haben Sie einen sehr günstigen Eindruck gemacht. Auch Ihre Referenzen sind A number one. Da ich aber selbst dem Principe vollkommener Abstinenz von geistigen Getränken huldige, finden Sie e« wohl begreiflich, daß ich Niemand in mein Hau« aufnehme, dessen Ansichten in diesem Punkte so wesenttich von den meinigen abweichen. Ich bin daher genöthigt, auf Ihre werthvollen Dienstleistungen zu verzichten. Aufrichtig der Ihre N. Smith.
(Schluß folgt.)