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Marburg, Dienstag, 6. Mai 1879

XIV Jahrgang

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JWnnen könnten, weil sie zu schwerfällig in ihrem Gange *>> Wenn eine preußische Colonne durch die Straßen ^schire, so gebe es ein Gepolter, als wenn der Donner T- Der Kronprinz sei zu stark (trop fort), aber der «nj Friedrich Karl sei eine gefällige und liebmswürdige iHeinung.

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mentan vielleicht verstummend, wird sie nach einigen Mo­naten ihren Kreislauf aufs Neue beginnen und periodisch fvrtsetzen." _

Tours mit 45 Millionen Francs. «Mennig aus dem Kriege 1870/71. Von einem 80er Füsilier.

(Schluß.)

Natürlich konnte Madame nicht unterlassen, auch ihre ichten über die preußischen (deutschen) Soldaten zum tm zu geben, wobei wir denn erfuhren, daß diese auch

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stand oben in unserem Zimmer unter uns besprochen wurde, zeigte H. aus C., der auch unter uns war, wenig Begierde' die Stadt kennen zu lernen. Wir merkten bald, welchem Umstande diese Theilnahmlosigkeit zuzuschreiben war: die vorgestern m Orleans gemachten Erfahrungen mochten ihm gerathen erscheinen lasten, die Stadt für seine Person allein zu besuchen. Bei dieser Sachlage mußten wir natürlich sehr auf die angenehme Begleitung unseres Kameraden H. hinwirken und es wurde alle Beredtsamkeit unsererseits an­gewandt, H. von seinem unheilvollen Vorhaben abzubringen H. legte entsetzlich viel Eigensinn- an dm Tag!

G. hatte bisher wenig in der Angelegenheit gesprochen, jetzt mischte er sich aber auch in dieselben. ES stand zu viel auf dem Spiel, als daß er dabei hätte gleichgültig blerbm dürfen. Warum willst Du Dich benn eigentlich drucken? fragte er H. pathetisch. Du weißt doch recht gut, daß wir Dein Französisch sehr nöthig habm, wmn wir uns hier m der Stadt voll Franzosm bewegen sollm.

saß! H. hörte gar zu gerne sein Französisch . n, doch passirte ihm dieses sehr selten. Bei der heu- tigm Gelegenheit aber mußte man sich schon etwas zu- muthm und wirklich bekam er an diesem Nachmittage von unserer Seite so viel Lob auf sein Französisch, daß er wahrscheinlich noch lange davon zu zehren hatte.

Die schmunzelnde Miene H.'s verrieth gar zu sehr, daß G. den richtigen Ton angeschlagm, noch einige nicht so emst gemeinte Widerredm und er ließ sich bereit findm, uns zu Liebe" mitzugehm.

Wir gingen hinaus vor die Stadt in GotteS freie Natur und auf weiten Umwegen der Stadt wieder zu. In den Straßen der Stadt fanden wir an verschiedmen HauS- glockmzügen Inschriften, wieN. N. Capitain etc. regi-

giyeigen nimmt entgegen: die Spedition d.vlattes, sowie d.Annoncen-Bureauk von Th. Dietrich & Co. in staffel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a.M.; Haasenstein & Bögler in Zrankfurt a M., Berlin, Leipzig, Cöln ic.; Rudolf Stoffe in Berlin, Frank­furt a. 2)t. ic.

Kanzler über das Schutzzollsystem anführte, war darauf berechnet, die Anhänger des FreihandelSsystemS nicht zu provociren. An einigen Stellen der Rede ging er sogar in seinen Concessionen weiter, al» dies sonst im Kampfe der beiden wirthschaftlichen Partei« zu geschehen pflegt. Von der Rechten tourben mit besonders lebhaften Accla- mation jene Stellen der Rede aufgmommen, in denen er gedachte, tote wir der Ablagerungsort des Auslandes ge­worden sind und daß die fernere Ausbeutung zu ertragen des deutschen Reiches unwürdig sei. Es lag endlich in der Situation, daß Fürst Bismarck zum Schlüsse seiner Rede einen Appell an die polittschm Parteien richtete, die wirthschaftlichen Fragen ohne Leidenschaftlichkeit zu erörtern und eine schnelle Entscheidung herbeizuführen. Bezeichnend für den Charakter der heutigen Debatte war es, daß neben dem Reichskanzler, der ungefähr eine Stunde sprach, nur noch ein zweiter Redner, der eigmtliche Repräsentant des zu beseitigenden Zoll- und Steuersystems, der Abg. Del­brück, zu Worte kam, besten Rede ungefähr 2 Stunden wahrte. Derselbe erklärte, daß et sich lediglich auf den wirthschaftlichen Theil der Vorlage, mit Hinweglassung des Eistns, Getreide«, Holzes, Viehes rc. beschränken werde.

München, 2. Mai. Der' altkatholischeDeutsche Merkur" enthält einen längeren Artikel über die in neuester Zeit in verschiedenen Blättern aufgetauchten und vielfach commentirtm Nachrichten bezüglich der Unterwerfung, resp Bekehrung Döllingers, in welchem zunächst die Aeußerungen der verschiedenen Blätter regiftrirt und die Aufmerksamkeit des Lesers namentlich auf eine Münchener Correspond enz der BerlinerGermania" vom 25. v. M. gelenkt wird In dieser Correspondenz wird die Bekehrung Döllingers dementtrt, dabei jedoch bemerkt, man wolle die Möglichkeit und Wahrscheinlichkeit nicht in Abrede stellen, daß Döllinger ""den heiligen.Vater.ein .ehrfurchtsvolles Schreiben ge- «chtet habe. ES seien nun über 30 Jahre, seitdem Döl­linger in Perugia den damaligen Bischof Joachim Peeei kennen und aufrichtig schätzen lernte. Seit jener Zeit spräche er sich über den Character und die hohe wissen­schaftliche Bildung desselben stets voll Anerkennung aus. Ohne Zweifel halte Döllinger sich bis heute für ein Glied ber katholischen Kirche und gerade deßhalb mußte selbst ein sogenanntes Unterwerfungsschreiben mit aller Vorsicht be- "itheilt werden. Der Artikel desDeustchen Merkur" schließt mit den keineswegs mißzuverstehenden Worten:Wir sind in der Lage, erklären zu können, daß alle diese An­gaben von A bi« Z erlogen sind. Döllinger, der nie in Perugia war, noch sonst wo den Bischof ober Cardinal Peccl kennen lernte, erklärt jedem ihn Befragenden, daß er sich keiner einzigen Aeußerung oder Handlung bewußt sei, welche zu diesem Gerede auch nur einen entfernten Anlaß gegeben haben könnte. Alles vergeblich, die ultramontane Lüge hat sich ihm einmal an die Fersen geheftet und mo-

Anzeigen nimmt entgegen die Spedition d.vlattes sowied. Annoncen-Bureaux von ®. L- Daube & Co. in Frankfurt a. M; Jägerische Buchhandlung daselbst; Hermauu'sche Duchhandl. daselbst; Jnvalidendank in

Berlin; SB. Thienes in Elberfeld; C. Schlotte in -- . Bremen.

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Der Kaiser genehmigte mit aller­höchster Entschließung vom 2. d. ben Antrag des Kapitels des Maria-Theresim Ordens, womit dem Feldzeugmeister Josef Philippowic das Commandeurkreuz, den Feldmar­schall - Lieutenants Grafen Szapary und Jovanovic und dem Obersten Baron Pittel das Ritterkreuz dieses Ordens zuerkannt wird. Der Kaiser ernannte ferner den Fcld- marschall-Lieutenant von Vecsey für die Umsicht, mit der er als selbstständiger Kommandant der ersten Truppen- division das wichtige Gefecht von Senkovic Bandin-Odziak geleitet, zum Ritter des Maria-Theresien-OrdenS.

Paris, 3. Mai. Graf Schuwaloff machte heute dem Ministerpräsidenten Waddington einen Besuch.

Mltsris, 2. Mai. Wie das ministerielle Journal Tiempo" meldet, gehören von den neugewählten 441 De- putirten 333 der ministeriellen Partei an.

Lo«do«, 3. Mai. DieTimes" läßt sich au« Gun- damuc von gestern melden, es gelte für sehr wahrscheinlich, daß Jakub Khan heute Kabul verlassen und nach Gundamuc kommen würde, um mit Major Cavagnari zu konseriren. Im Anschluß an die von derTimes" gebrachte Nachricht aus Gundamuc wird dem Neuter'schen Bureau aus Simla vom heutigen Tage gemeldet, Jakub Khan habe die Absicht ausgesprochen, sich nach dem englischen Lager bei Gunda­muc zu begeben, um mit den indischen Behörden persönlich zu verhandeln. Derselbe werde unverzüglich mit mehreren Sindars, Ministern, und einem großen Gefolge von Kabul abreifen.

> Petersburg, 3. Mai. DieAgence Russe" schreibt: Nachdem die Kommission zur Regulirung der ostrumelischen Grenze sich einstimmig über die Grenze RumelieuS schlüs­sig gemacht hat, so werden die Pourparlers der Mächte darüber, ob die Grenzfrage durch ein Votum der Majori­tät oder durch ein einstimmiges Votum zu erledigen fei, überflüssig. Die Frage ist praktisch durch die Uebereinstim- mung der Kommisiäre gelöst worden. Gegenüber den in den letztm Tagen hier verbreiteten Gerüchten erklärt das Journal de St. Pcteröbourg", e« sei nicht richtig, daß die Unterhandlungen mit der hiesigen außerordentlichen chinesischen Mission abgebrochen seien und daß letzere Peters­burg wieder zu verlassen beabsichtige. Gestern Morgen 10 Uhr wurde der frühere Sekondelieutenant Dobrowin, welcher zur revolutionairen Partei gehörte und bei seiner Verhaf­tung zwei Gensdarmerie-Unteroffiziere durch Revolverschüsse verwundete, nach Verlesung des Todesurthells, welches von Gurko bestäsigt worden war, auf dem Glacis der Peter- Paul-Feftung mittelst des Stranges hingerichtet.

ment, prisonnier da la guerre ä Coblenoe! Ah, der Herr Capitain sind auf derPromenade ä Berlin in Cob- lence stecken geblieben, sagte B. aus D. Demnach theilte also die Garnison von Tours dasselbe Schicksal so vieler französischen!

Als wir auf unserer Wanderung vor ein Vergnügungs­local gelangten, in dem cs anscheinend hoch herging und das von deutschen Soldaten besucht war, fühlten wir trotz unserer leeren Gaffen, oder vielleicht deßhalb, den Drang, daflelbe zu besuchen.

Da wir aber nur einen H. bei uns hatten, der dazu noch furchtbar ftarrm Sinnes war, so hieß es diplomatisch zu Werke gehen.

W. erbot sich, diese Regonoscirung vorzunehmen und über dm Befund zu rapportirm.

Es währte nicht lange, so kam er mit einem ziemlich griesgrämigen Gesicht zurück und meldete:Es ist da drin­nen nichts los." Allerdings gebe es gutes Bier und die Soldaten des 10. Corps amüsirtm sich auch anscheinend gern; gut, aber wir als Fremde wollten doch weiter gehen. Ganz beiläufig bemerkte er auch, bei dem 10. Corps müß­ten aber doch nicht lauter Hannoveraner sein, er habe wenigstens einen in dem Local gesprochen, der sei aus 8 . . . heim und da« liege doch nicht in Hannover.

Woher war der?" fragte H. hitzig.

»Aus L . . . heim, wie er mir sagte," gab G. trocken zurück.

AuS L . . . heim? Das liegt ja ganz nahe bei meiner Hmnath C.", sagte H.

Jetzt war H. nicht mehr zu hattm und forderte un« aus, mit ihm hineinzugehen.

Also vorwärts, hinein in'S Vergügm!

ls st Berlin, 3. Mai. Der gestrigen Eröffnung bet £i «! parlamentarischen Verhandlungen über die hochwichtige Zell- und Steuerreform wurde innerhalb und außerhalb , W Reichstag« mit ber größten Spannung ent- zegengesehcn. Die Phyfignomie de« Hause« kennzeichnete die« durch den vollbesetzten Saal und die überfüllten Tri- ^km bünen. Die Abgeordneten ergingen sich während der Be- u« rahmig der Gebührenordnung für Rechtsanwälte in leb- I11 haften Gesprächen über die brennendsten Punkte der Steuer- ede I Bnb Wirthschastsvorlagen, über die Compromißgerüchte, die " u geschäftliche Behandlung rc. Man war u. A. darüber ßt ui Eg- daß die vor dem Plenum abgehaltene Sitzung der mm« volkswirthschastlichen Bereinigung, welche ihrer Zusammen- [t] fehung fi.ach die Mehrheit de« Hause« repräsentiren soll, den Ausschlag in einer der wichtigsten Fragen des Mo- - Mute« gegeben hat. Sie beschloß nämlich die Finanzzölle es SM dicht an eigene Commissionen zu überweisen, wie die natio- -2 ju lalliberale und die Fortschrittspartei verlangen, sondeni in W:? einer aus 28 Mitgliedern bestehenden Tarif-Kommission [lUmit Ausnahme einer Anzahl Rohprodukte) sämmtliche Po- 3är£1ti0ntn be6 Zolltarifs berathen zu lassen. BemerkmSwerh » i ft es auch, daß sie den von liberaler Seite kommenden

y iorschlag, die Tabak- und Brausteuer von zwei aus 28 rx Mitgliedern bestehenden Commissionen zu prüfen, nicht an- _ «hm, sondeni diese Zahl auf 14 beschränkte. Zum Brenn- ivaai «nkt der gestrigen großen Debatte gelangte da« HauS erst nöthi m halb 2 Uhr, nachdem kurz vorher ber Reichskanzler Saal betreten und von den am Bundesrathstische zahl-

jm 7 <Daat betreten und von den am Bundesrathstische zahl- s gt eich versammelten Bundesbevollmächtigten und RegierungS- >tri ommiffarien in ehrfurchtsvoller Weise begrüßt worben

[1] *« Selbstverständlich befanden sich unter denselben die ornehmsten Mitarbeiter der Zolltarif-Commission und die 't «pRtrauen«m&nner der Bundesregierungen. Der Schöpfer " neuen Zolltarifs und der Finanzreform, der Reichs- ucrffanzler selbst, eröffnete unter lautloser Stille die hochwich- [13ggt Debatte. Er verlangte u. A. mit kühnen Zügen die 'schaffung der Classensteuer soweit sie vorn Staate den wird, die Ueberweisung der Grund- und Ge- desteuer an die Cornmunen, die Ermäßigung der Ein- mmenfteuer, namentlich jene ber Beamte« rc. Der com- icirte Plan wurde nicht« destoweniger in so geschickte uläre Formen gekleidet, daß ber Parlamentsbericht in weitesten Kreisen bes Eindrucks nicht verfehlen wird, gerade in diesem, bet breiten Masse entgegenkommen- Punkte erzielt werden sollte. E« wurde übrigens nicht rkannl, daß der Kanzler als er auf das Thema ber Land­schaft zu sprechen kam, mit einer besonderen Sicher- st. und Sachkenntniß die bestehenden Uebelstände in einer l'&J' lutwickelte, die auf seine eigenen praktischen Ersah- ILll tegen in Barzin und Lauenbutg hinwies. Was der

G. meinte: daß der Kronprinz ben Franzosentrop T !ci, hätten wir schon verschiebene Mal zu benterten ' Ewgmheit gehabt, aber wenn bie Franzosen bas Ans- Vfen ihrer rothen Hosen, ba« ja ber Prinz Friedrich Mo ausgiebig besorgt, für Liebmswürbigkeit ansähen, RAf .12C ohne Zweifel um eine solche Auffassung des ^rtsicS Liebenswürdigkeit sehr zu beneiben.

*" ^Dbschou wir @. vollkommen beistimmten, sahen wir nicht ein, warum wir Mabame in ben harmlosen Ber- fitn, etwas gegen bie deutschen Soldaten und ihre Heer- ____ zu sagen, stören sollten, ließen sie also ruhig ihr und bedrücktes Herz entleeren.

Nach beendetem Dejeuner theilte Madame uns mit, daß . Diner um 5 Uhr servirt würde, wozu wir uns ge- *9 ft einfinden möchten.

Dir hatten also bi« dahin Zeit, un« die Stadt Tours * ihre Sehenswürdigkeiten anzuschauen. Al« dieser Gegen-

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