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Marburg, Sonntag, 4. Mai 1879
XIV Mrgang
35.
t Fortsetzung.)
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Cine Reise von Versailles «ach Orleans und le iL. Tours mit 45 Millionen Francs. tt,b( amerUn9 aus dem Kriege 1870/71. Von einem 80er Füsilier.
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war einer jener Menschen, die gerne überall und ’ allen Verhältnissen die Stellung des Leithammels
»Wieviel sind Ihrer?" „Sechs Mann, Madame!" i sind zu viel, wir haben nur Platz für vier." „Die hat unser Billet ausgestellt und wir bitten zu öff«
bin unterdrückter Fluch mag oben vernommen worden
— i worauf „Monsieur" erscheint und dasielbe Manöver a$er °^nc Erfolg — wir begehrten Einlaß.
*- Da endlich that sich die Pforte auf und wir treten ein.
7 war die Herrschaft die personificirte Höflichkeit, sie ^kte uns ins Zimmer, wo unserer ein vorzügliches 'vldeflen harrte, dem wir natürlich tüchtig zusprachm, denn rtwas war uns seit lange nicht mehr zugestoßen.
181 Nachdem unser Nachtessen verspeist war und wir uns ..Mm dem behaglich erwärmten Zimmer die Liebesgabe ändet hatten und deren Rauch uns lieblich um die duftete, da verspürten wir so etwas von dem @e« k,„das der Berliner mit „mollig" kennzeichnet. G. aus " urt fuhr mit der linkm Hand einigemal durch seinen «r Flachsbart, strich sich daraus etlichemal sein trotz überstandenen Kriegsmühen immer noch respectabel be- es Bäuchelchm und sprach darauf das große Wort m aus: „Mir ist ungeheuer wohl!" Wir übrigm m nicht umhin, auch unsererseits das Gefühl deS Be- anzuerkennm.
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Politische Woche«-Uebersicht.
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»utierneur von Algerien, Albert Grövy, ist am 28. April f seinem Posten eingetroffen und mit Jubel empfangen wden.
Inirigen nimmt <«mgegen: «e Expedition d.vlattes, [»wie d-Annoncen-Bureaur von Th. Dietrich & Co. in gaffe! und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a.M.; Haasenstein & Vogler in krankfurt a. M., Berlin, ieipzig, Cöln re.; Rudolf Koste in Berlin, Frank- furt a. M. re.
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Der Kaiser hat nach Maßgabe des Gesetzes vom 17. März 1878 den Staatsseeretär Friedberg mit der Stellvertretung des Reichskanzlers im Bereich der Justiz beauftragt, soweit diese in eigner unmittelbarer Verwaltung des Reiches steht.
Am 1. Mai feierte der Präsident Dr. Eduard Simson sein 50jährigeS Dottorjubiläum. Der Reichstag verehrte seinem langjährigen Präsidenten einen prachtvollen Kasten, der dem Jubilar zur steten Aufbewahrung des kaiserlichen Diploms dienen soll, welche« seine Ernennung zum Präsidenten des Reichsgerichts enthält. Ueber dem Kasten, der auf vier Schildkröten ruht, thront die Götttn der Gerechtigkeit, an den vier Seiten sieht man die Städte Königsberg (die Geburtsstadt SimsonS), Berlin (die Stätte seines parlamentarischen Wirkens), Frankfurt a. M. (als Andenken an die deuffche Nationalversammlung) und Frankfurt a. O., in welcher er in den letzten Jahren amtlich gewirkt. Auch eine Figur, welche die Stadt Leipzig darstellt, soll noch an dem Kasten angebracht werden. Die Göttin der Gerechtigkeit besteht aus Silber die vier Städte-Figuren aus emaillirter Bronze, der Kasten selbst aus Elfenbein. Die Seiten desselben tragen folgende Jahreszahlen: 1810 (Geburtsjahr), 1848 (wo Simson Präsident des deutschen Parlaments war), 1850 (wo er Präsident des Parlaments in Erfurt), 1867 (wo er Präsident des ersten norddeutschen Reichstags), 1870 (wo er den Reichstagsbeschluß, welcher dem Könige von Preußen die Kaiserkrone übertrug, nach Versailles überbrachte), 1871 (wo er Präsident oeS ersten deutschen Reichstags war) und 1879, wo seine Ernennung zum Präsidenten des Reichsgerichts erfolgt ist. Das Ganze ist von überraschender künstlerischer Schönheit.
Meldung der „Politischen Correspondenz": Die Anregung Waddington's zur Ueberweisung der griechischen Grenzfrage an die Botschafterkonferenz ist noch keineswegs allseittg beantwortet. Es unterliegt aber keinem Zweifel daß der Impuls des französischen Cabinet« zu der in Konstanttnopel selbst anzubahnmden Lösung der griechischen Frage schon jetzt einmüthiger principieller Unterstützungen sicher ist. Dagegen soll daS pariser Cabinet wissen, daß bei einer befreundeten nachbarlichen Großmacht bezüglich de« Modus der von Frankreich beantragten Behandlung brr griechischen Frage Bedenken obwalten. Die fragliche Großmacht schlägt vor, anstatt der Boffchasterconferenz die Losung der Frage den Bvffchastern der Mächte bei der Pforte im gewöhnlichen Verhandlungswege zu überlassen. — AuS Bukarest meldet dieselbe Correspondmz: dir europäische Donaucommission nimmt ihre Arbeiten am 9. Mai wieder aus.
waren und hier nur zwei Betten vorfanden, so mußte die Herrschaft, wohl oder übel, noch ein weiteres Zimmer mit Bett beschaffen. Darob gab's allerdings einige entsetzte Gesichter, aber gegenüber dem von Madame bezüglich deS Kaffees an den Tag gelegten Eigensinn bestanden wir fest auf unserem Verlangen und hatten nun auch unsere süße Rache.
Trotzdem wir die lange Zeit den LupuSgegmstand, genannt Bett, mtbehrt hatten, fanden wir uns doch noch leidlich in demselben zurecht; es währte nicht lange, so lagen sechs deutsche Krieger in Morpheus Armen.
Dm folgenden Tag verblieben wir ruhig in TourS und da wir keinen Dimst hatten, so machten wir den ausgiebigsten Gebrauch von unseren Setten. Als wir uns kaum erhobm, erschien die dicke Magd de« Hauses, unS zum „Dejmner" in den „Salle ä manger“ zu rufen. Also bis zum „Salle ä manger“ waren wir vorgedrungen!
Monsieur und Madame empfingen uns sehr artig im „Salle ä manger“, wo ein sehr feines Dejeneuer servirt war, an dem sie ebmfalls Theil nahmen.
Die Herrschaft hing bei dieser Gelegenheit ganz und voll dm liebmSwürdigen Franzosen heraus. „Artig, wie die Schwemoth", sagte G., „wenn wir nur hier den Krieg zu Ende führm könntm."
Madame erkundigte sich artig nach unferm Erlebnissen während des Krieges, wie sie sich überhaupt nach unseren persönlichen Verhältnissm rkundigte. Auch einen Blick in ihre Familimverhältnifle ließ sie uns chun, sie hatte der Söhne zwei, einer war Secretär bei Herrn Gambetta und augenblicklich in Bourdeaux u. s. w.
(Schluß folgt.)
Die Königin Victoria ist mit der Prinzessin Beattice cher in Windsor eingetroffen und wird sich von dort in tige Wochen nach Schottland begeben. Währenddessen t das Unterhaus einen Antrag des Abgeordneten RylandS, __L namentlich die Finanzverwaltung der Regierung tadelt, i der nicht eben sonderlich starken Mehrheit von 73 K» iimmen abgelehnt.
§ 2. Die Session der Generalräthe Frankreichs ist vorüber- Hangen, ohne daß es den Jesuiten gelungen wäre, die
•n ! ^artige Kundgebung von „Wünschen" gegen die Ferry'- «u Vorlagen in Scene gehen zu sehen: fünf Generäle tt gingen ins Zeug, dagegen erklärten fast eben so viele 18^ dere sich für die rasche Ausführung der Ferry'schen Ge- «; der Rest hüllte sich in das gesetzlich vorgeschriebene chweigen über politische Fragen. — Der neue General-
, Die vergangene Woche war in Oesterreich den eiertichkeitm für die silberne Hochzeit des Kaiserpaares kwidmet. Seitens der Stadt Wien wurden keine An- rengungen gescheut und das Fest verlief in einer durch- lä befriedigenden und glänzenden Weise.
Die italienische Deputirtenkammer hat den mit mtschland und der Schweiz abgeschlossenen Zusatzvertrag Rt die Gotthardbahn mit 192 gegen 25 Stimmen ge- chmigl.
Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. Blatte« sowie d. Annoncen-Bureaux von G. L- Daube & Co. in Frankfurt a. M; JLger'sche Buchhandl ung das elbst;
Herrnann'sche Buchhandl. daselbst; Jnvalidendank in Berlin; W. Thienes in Elberfeld: C. Schlotte in Bremen.
Unser Kaiser erfreut sich in feinem gewohnten Früh- jchrsaufenthalte Wiesbaden des besten Wohlbefindens und toidmet sich unausgesetzt mit bekannter Pflichttreue den laufenden RegierungSgeschäftm. — Am vergangenen Montag hat der Deutsche Reichstag nach den Osterferien feine kbeiten wieder ausgenommen und war auch — was nicht (trabt häufig — in dieser ersten Sitzung bereit« beschluß- Hig. In derselben erledigte er die dritte Berathung des Resches betreffend den Verkehr mit Nahrungs- und Ge- wßmitteln so wie Gebrauchs - Gegenständen und verwies «t Gesetzentwurf betreffend die Anfechtung von Rechts- len anblungen eines Schuldner« außerhalb des Concurs- «rfahrenS an dieselbe Commission von 21 Mitgliedern, »elcher bet Gesetzentwurf über bie Consulargerichtsbarkeit 6t Begutachtung vorliegt. Derselben Commission wurde a der Sitzung vom 30. April der Gesetzentwurf betreffend 68 Pfandrecht an Eisenbahnen und die Zwangsvollstreckung M dieselben zugewiesen. Die Gebührenordnung für RechtS- 7pnvälte wurde in zweiter Lesung weiterberathen. Die jsste Lesung der Gesetzentwürfe, welche die Umgestaltung f bisherigen Zoll- und Handelspolitik betreffen, fand reitag« statt.
Seit bet Einsetzung zeitweiliger Generalgouverneure ist eS in Rußland etwa« ruhiger geworden, wenigstens hört man weniger von den Thaten und dem Treiben der Nihilisten. Offenbar sucht man dort „Schrecken" mit „Schrecken" zu vertreiben. Den rusflschen Blättern ist verboten, über die Maßnahmen gegen die Nihilisten zu schreiben; wenn man anderen Berichten glauben will, so gehen die Verhaftungen bereits in die Tausende. Der Kaiser, die Kaiserin, die Großfürstin Alexandra Josefowna und der Großfürst Konstantin Konstantinowitsch sind in Livadia wohlbehalten eingetroffen. Auf der ganzen Reise wurden die hohen Reisenden von der auf den Bahnstationen versammelten Volksmenge mit begeisterten Kundgebungen begrüßt.
Bei Eröffnung bet neuen Nationalversammlung in Timowa hielt Fürst Dondukoff eine Ansprache, in welcher er bekannt gab, daß der Kaiser von Rußland die Wahl eines russischen Unterthanen nicht wünsche, und schlug vor, dem Exarchen den Vorsitz zu übertragen. Alle Commissäre der Mächte, mit Ausnahme der türkischen, unterzeichneten die darüber aufgenommenen Verhandlungen und zogen sich darauf mit Dondukoff zurück. Der Exarch wurde sodann zum Präsidenten gewählt, ernannte sofort das Bureau und erklärte, daß die Wahl bei verschlossenen Thüren Statt finden solle. Prinz Alexander wurde mit Einstimmigkeit durch Akklamation unter dem Namen Alexander I. zum Fürsten von Bulgarien gewählt. An der Annahme des Prinzen und an bet Bestätigung der Mächte wird nicht gezweifelt. Die Commission, welche beauftragt werden soll, sich zu dem Prinzen von Battenberg zu begeben, um demselben die bulgarische Fürftenkrone anzuttagen, wird so bald als möglich nach Berlin abreisen. Bezüglich der Räumungsfrage soll ein Einvernehmen auf folgender Grundlage erreicht fein: Rußland beginnt die vollständige Räumung Bulgariens sofort und übergiebt dem Prinzen Battenberg die vollständige Regierungsgewalt. In Ostrumelien verbleiben dir russischen Truppen noch vorerst, beginnen aber die Räumung, nachdem Bulgarien gänzlich von russischen Truppen verlaffen ist. Die in und um Philippopel stehende russische Division verbleibt dort zunächst zum Schutze des neuen Gouverneurs, muß aber auch bis spätestens Ende Juli abgezogen sein. Aleko ist von Wien nach Konstantinopel abgereist und auch Graf Schuwaloff hat Wien ver- laffen, um sich auf feinen londoner Posten zurückzubegeben. Das serbische Gebiet ist von den Arnauten wieder gänzlich gesäubert; die Eindringlinge haben über 200 Leichen zurückgelassen.
Tagesbericht.
Die Rückreise Sr. Majestät des Kaiser« und König« von Wiesbaden nach Berlin ist wegen eines leichten Unwohlseins Allerhöchstdeffelben (Schnupfm und Heiserkett) auf ein paar Tage hinausgeschoben worden.
beanspruchen, nur unterschied sich G. vor vielen dieser Sorte vortheilhaft dadurch, daß ihm in Folge seiner Energie und Liebenswürdigkeit diese Stellung ganz natürlich von selbst zufiel und von seinen Kameraden deswegm bereitwilligst eingeräuntt und anerkannt wurde.
Der Mensch ist immer sehr schwer zufriedm zu stellm: wmn's ihm gut geht, möchte ers immer noch besser haben und dann geht's ihm noch lange nicht gut genug.
Wir bemerkten in den Blicken G.'s, daß irgend ein wichtiger Gedanke sein Gehirn beschäftigen mußte.
Wie wär'S, ihr Brüder, hnb> er jetzt an, wenn wir uliabarne ersuchten, uns einen Kaffee brauen zu lassen, wir haben ja alle Bohnm genug, Madame brauchte also nur ba« Wasser zu stellm; was müßte es für ein Hochgenuß fein jetzt zu der duftmden Cigarre eine Taffe Kaffee schlürfen zu können! Damit war er auch schon daran, Madame m wohlgesetztem Französisch seinm Wunsch vorzutragen.
Madame lehnte diese Bitte ruhig und entfdjieben ab, da es schon zu spät sei.
Aus diesem Elysium waren wir also herausgeriffm; zu stolz, der Französin lange gute Worte zu geben, wurde beschlossen, die Ruhestätte aufzusuchen.
Die Herrschaft geleitete uns nach oben in unser Zimmer, das sich merklich und zwar vortheilhaft vor denjmigm auSzeichnete, welche die Franzosen sonst für solchen Besuch, wie ihn hmte Abmd die Familie Tanton erhalten, in Bereitschaft hatten. Zuerst erregten zwei Betten unsere Aufmerksamkeit in hohem Grade. War doch dieses Möbel bei uns beinahe zur Mythe geworden! Ich für meine Person hatte das Letztemal am 12. September 1870 von einem solchen Gebrauch gemacht. Da wir aber sechs Mann