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Marburg, Sonnabend, 3. Mai 1879.

XIV. Jahrgang

WcrMchr jritmig

in

tantfurt a M., Berlin, gpzig, Cöln rc.; Rudolf 1 lefle in Berlin, Kraul- }ll( fort a. M. ic.

mit

gingen nimmt entgegen: >t Expedition d.vlatte-, Nie d.Annoncen-Bureaux n Tb- Dietrich & Co. in gjfel und Hannover; Tb. «wich in Frankfurt a.M.; Eisenstein & Bögler in

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blattes s owie d. Aunoncen-Bureaux von G- L- Daube & Co. in Frankfurt a. M; Jäger'sche Buchhandlung daselbst; Hermann'sche Buchbandl. daselbst; Jnvalidendank in Berlin; W- Thiene- in Elberfeld; C. Schlotte in Bremen-

Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn» und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen BeilageJklnftrirteS SountagSblatt" durch die Ervedition lÄodbfdie BuLdruckeret, bezogen 2\ ^kark, durch dte dostämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg. (erd. Bestellgebühr). InsertionSgebühr für die gespaltene Zeil« 10 Pfo Für m der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pfg. berechnet.

-leib!

I'fische Nihilisten und deutsche Sozialdemokrateu.

Bei den Verhandlungen über die Verhängung von Aus- chmemaßregeln über Berlin ist zur Charakterisirung des

reibens der Sozialdemokratie auch auf den Zusammen- mg derselben mit den internationalen Revolutionsbe- Ch( rebungen, namentlich auch mit den russischen Nihilisten »gewiesen worden.

Ein soeben in Berlin verhandelter Prozeß gegen drei t« tl Mche Nihilisten hat diesen Zusammenhang und zugleich l-'.bt tf Wesen und Treiben der russischen NevolntionSpartei 038 m neuem beleuchtet. Drei russische Unterthanen, Stu-

kUNi »ten der Medizin und ein Schriftsteller, sämmtlich der Z2i «fatschen Religion angehörig, waren einer geheimen Ver-

»düng zu revolutionären Zwecken angeklagt. Aus den

i der Untersuchung gegen dieselben vorgefundenen Schrist- cken ergiebt sich mit voller Klarheit, daß die russische ial-reoolutionäre Partei auch im Auslande namentlich

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tch Vermittlung politischer Flüchtlinge Abzweigungen ieftionen) und mittelst derselben eine weit verzweigte und eraus thatige Agitation unterhält. Eine Hauptaufgabe selben ist der geheime Vertrieb der revolutionären Druck- risten, welcher durch Zwischenstationen (Berlin Königs- g, Wien, Lemberg u. f. w.) vermittelt wird, Ueber den Geist und das Streben der Nihilisten giebt

! mit Beschlag belegtes Programm Auskunft, worin es A. heißt:

Man darf sich nur von demjenigen Nutzen leiten lassen, den der Tod einer gewissen Persönlichkeit der Revolution bringt. So müssen in erster Linie die-

erftört, lle Traditionen, Ordnungen, Klassen des rus- ischen Staates drüber und drunter wirst. In lnbetracht dieses Zieles hat die Gesellschaft die Absicht, dem Volke irgend welche von Oben ausgehende Organi-

ienigen Personen sterben, welche die allerschädlichsten und gefährlichsten für die revolutionäre Organisation sind,

j- deren Tod ein plötzlicher und gewaltsamer die Regierung im hohen Grade erschrecken und ihre Macht erschüttern kann, indem er sie ihrer intelligentesten und

satioir nicht aufzubürden. Die zukünftige Organisation ssi wird ohne Zweifel aus den Bewegungen und dem Volks­

leben von selbst hervorgehen. Das ist jedoch die Sache >. sMnstiger Generationen. Unsere Sache das ist die ^Uschrcckenerregendste, vollständig mitleidlose und univer- ~*lfettt Zerstörung. Diese zu einer Alles zerstörenden, ßvop ..... -

- ^unüberwindlichen Macht zu konzentriren das ist unsere ' ganze Organisation, unsere Verschwörung, unsere Aufgabe." det Zn einem Aufsatz einer der im Geheimen verbreiteten düngen (von 1876) wird die Bildung von Vereinen

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energischen Faktoren beraubt. Die einzige " Revolution, welche dem Volke heilbringend sein kann, ist ruch diejenige, welche jede Idee des Staates mit der Wurzel

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Eine Reise von Versailles «ach Orleans «nd Tonrs mit 45 Millionen Francs.

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_1 kgts so anders geworden, als es sich die Franzosen zu- lv. >t gelegt hattm! Der Rhein ist frei aebalten worden

gelegt hattm! Der Rhein ist frei gehalten worden die Kanonenboote und zwar ganz anders, wie es die tt;;5 änzosen meinten.

' Die Stadt Orleans bot schon zu damaliger Zeit ein friedliches Bild, Handel und Wandel gingen, in dm lrthshäusem traf man Bürger, die sich gemülhlich mit

w Marinesoldaten besetzt waren. Nach eingezogener Er- 'bigung erfuhren wir, daß diesetz diejenigen Kanonen- o( k warm, die nach der Absicht der französischm Heer- "g Ttr in der Zeit, wo die französische Armee diePrö­ll labe ä Berlin" ausführte, dm Rhein zwischen Sttaß- 5 kg und Köln frei halten solltm.

V . Wie war doch Manches während dieses denkwürdigm

Knetung aus dem Stiege 1870/71. Von einem 80er Füsilier. «Fortsetzung.)

Im Laufe des Nachmittags kamen wir in Orleans an,

Mannschaft bereit war, daS für das dortige Commando . inrimte Geld in Empfang zu nehmen und den Rest in * strem Zuge zu bewachen. Wir konntm also einquartirt » ti>cn. '

Im Quartiere wurde rasch eine Reinigung vorgmom- « und dann ging's an die Besichttgung der Stadt und c tt Sehenswürdigkeiten, besonders ihrer Jungfrauen.

S Deren hat Orleans zwei, eine in der Stadt und eine 9 der Vorstadt am anderen Ufer der Loire, recht schöne «ldbilder. Als wir dasjenige am anderen Loire-Ufer uchen und über die Brücke gehen wolltm, bemerktm wir 10 irrhalb der Brücke einige Kanonenboote, die von deut-

zum Zwecke des Niederreißens der alten gesellschaftlichen Ordnung namentlich unter der Jugend empfohlen, die als­baldige Erhebung der deutschen Sozialdemokratie z-.un offenen Kampfe in Aussicht gestellt und zum Schluß die Soli­darität der Sozial-Revolutionäre aller Länder proklamirt. Es wird in letzterer Beziehung hervorgehoben, daß die soziale-revolutionäre^Bewegung eine internationale Sache sei und für ihren Lieg auf die gegenseitige Unterstützung der Arbeiterklassen in den verschiedenen Nationalitäten rechnen müsse, daß deßhalb für die russischen Sozialistm die Herstellung und Unterhaltung einer lebhaften Verbin­dung mit den sozial - revolutionären Bewegungen anderer Länder von höchster Wichtigkeit sei und es nothwmdig sein winde, diese Solidarität der sozialen Revolutionäre aller Länder auch faktisch hervortreten zu lassen.

Ein Aufruf an die jüdische Jugend sagt:

Mag sie zusammenstürzen die alte Welt der Un» Wahrheit und Unterdrückung. Und dann auf den Trümmern derselben wird im vollstrahlenden Licht der Freiheit sich entfalten die rothe Fahne der sozialen Revolution."

Aus den Gerichtsverhandlungen ging bestimmt hervor, daß die russischen Nihilisten mit den Führern der deutschen Bewegung in reger Verbindung stehen. Die Angeklagten waren zum Theil Mitarbeiter an deutschen sozialdemokra­tischen Blättern, sie nahmen Theil an diesseitigen Versamm­lungen und Kongressen und standen in lebhaftem Verkehr mit den Berliner Sozialisten.

Der Gerichtshof hielt es für erwiesen, daß die Ange­klagten es sich zur Aufgabe gestellt, sich im Auslande zur Agitation für revolutionär-soziale Zwecke zusammenzuthun, und verurtheilte sie demgemäß.

Während auf diese Weise der Zusammenhang und oie Gemeinschaft des Strebens der deutschen Sozialisten mit den absolut zerstörenden Tendenzen der russischen Nihilisten außer Zweifel gestellt wird, sind zugleich die deutschen Sozialdemokraten in London eifrig bemüht, die Bewegung unter ihren Genossen in der Heimath immer von neuem anzufachen.

In der von dem bekannten Sozialdemokraten Most herausgegebenen Zeitschrift ist soeben ein neuer Aufruf de« kommunistischen Arbeiter-Bildungs-Vereins" in London an die deutschen Sozialisten veröffentlicht, in welchem die Stellung der Partei gegenüber dem Sozialistengesetze be­sprochen und dabei zur Bekämpfung des Gesetzes durch geheime Agitation und zur gewaltthättgen Revolutton auf­gefordert wird.

Die Sozialdemokratie heißt eS da offen, ist in ihren Prinzipien und Zielen revolutionär, auch die deutsche----

Können unsere Genossen jetzt auch das Banner der Sozialdemokratie nicht frei entfalten, so läßt sich doch denPrussienS" unterhielten, auf der Straße promenir- ten die deutschen Soldaten mit den Französinnen, gerade als wenn das so sein müßte und nie durch einen Mißton gestört worden wäre.

Bei solchen Wanderungen durch die Stadt giebt's auch Durst, drum suchten wir ein Local auf, in dem es Bier gab. Nach ben gestern Abend in Juviffy gemachten Er­fahrungen konnten eigentlich unsere Gaffen nicht viel bei­tragen, H. aus C., der gestern mit seinem Gelbe so ge­waltig bick that, war aber unter und unb nun tranken wir auf dessen Rechnung, damit seineharten Thaler" etwas gelockert wurden. 1

Warum prahlte er auch mit seinen paar Thalern, ©träfe muß sind!" sagte G. aus Frankfurt.

Als wir folgenben Morgens mit dem Rest unserer Schätze die Reise nach Tours fortsetzten, kamen wir nicht in einen Packwagen, sondern in einen ganz anständigen Wagen 3. Claffe derNassauischen Eismbahn" Nr. 251. Wir schrieben unsere Namen an die inneren Wände des Wagens und gaben ihm Grüße mit an die Heimath unb ben schönen Rhein.

Die Fahrt von Orleans nach Tourö bot auch deshalb viel Interessantes für uns, weil wir die Gegend passirten, wo unsere Kameraden sich mit der französischen Loire-Armee herumgeschlagen hatten. Diese französische Loire-Armee hatte ja eigentlich den schönen Zweck, uns vor Paris in den Rücken zu fallen unb womöglich zu zerdrücken.

Gambetta denkt, Molkte lenkt!" safte E.

Fort auf DampfeSflügeln über die Stätten, wo vor 3 Monaten der grause Tob gehaust unb Tausenbe junger Leben niebergemäht hatte! An BloiS, an Beäugen cy vor­über, immer weiter! Da in ber Nähe von Amboise passiren

seine Devise voll unb ganz vertreten. Schärfer als bis­her muß bics gerabe jetzt geschehen.

Nicht umsichtige Taktik unter dem Sozialistengesetz, sondern eine schlaue Tattik gegen dasselbe ist nöthig und auch zu ermöglichen. Noch giebt es glücklicherweise einige Länder, in denen daS freie Wort gestattet ist; auch ist um das Deutsche Reich noch keine chinesische Mauer gezogen.

Wir (eben im Zeitalter der Revolutionen. Da« 19;

Jahrhundert wird vielleicht abschließen, wie das!8.---

Deutsche Genossen! Blicket auf Rußland,--

schauet in die Zukunft, sie ist nicht so hoffnungslos! Nur der Kampf führt zum Siege! Möget Ihr danach handeln!

Das sind die Lehren unb bie Mahnungen, die man in Tausenden von Exemplaren fort unb fort an bie deutsche Bevölkerung heranzubringen sucht.

Solchen Thatsachen gegenüber wird man es gerecht­fertigt finden, wenn die Regierung in ihrer Wachsamkeit und Fürsorge für die Wahrung von Staat und Gesellschaft keinen Augenblick nachläßt, vielmehr auf bie energische Unterstützung aller bürgerlichen Kreise für bie Erfüllung ihrer Aufgabe fortgesetzt rechnet. (Prov.-Corresp.)

Tiige-bericht.

Der Kronprinz ist gestern Vormittag (1. Mai) nach Kissingen abgereift.

In Betreff ber Tabaks-Sperre schreibt dieNordd. Allgem. Zlg.": Sie glaube, daß bie Reichsregierung mit einer solchen Sperrmaßregel einverstanden fein würde, möchte aber warnen, dieselbe als Acquivalent für die Nach­steuer zu betrachten. Sie könne bestimmt versichern, daß die Reichsregierung auf die Nachsteuer unter keinen Um­ständen verzichte. Bezüglich der Hannover-Altenbekener Bahn bemerkt dasselbe Blatt der gegenseitigen Folgerung eine« hiesigen Börsenblattes gegenüber, e« seien Verhand­lungen im Gange, um auch die Beziehungen dieses Unternehmens zum Staate auf einer billigen Grundlage zu ordnen.

DerNordd. Allg. Ztg? zufolge erfolgte bei ber Mittwoch Abend unter dem Vorsitz des Abgeordneten Löwe (Bochum) stattgehabten Besprechung von Delegirten der volkswirthschastlichen Vereinigung, wobei v. Schauß die nationalliberale Fraktton, Windthorst, das Centrum, v. Varnbüler die Reichspartei unb Graf Ubo Stolberg bie Conservativen vertrat, eine Einigung dahin!, bie Eisen-, Getreibe-, Holz- unb Vieh-Zölle für bie Plenarberathung, die übrigen Positionen, insonderheit die Finanzzölle, für die CommissionSberathung zu befigniren. Freitag vor ber wir eine Brücke über bie Loire, bie von ben Franzosen zerstört unb von unseren Pioniren wieber hergestellt ist. Mit französischen Millionen fuhren wir ruhig über die Brücke hinüber.

Welche unsinnige ZerstörungSwuth haben doch die Fran- zosm an den Tag gelegt! Wenn bie einmal so ein bischen in unserem lieben Deutschland hätten Hausen bürfen! ?

Bei unserer Ankunft in TourS im Laufe bes Nach­mittags war ttotz unserer telegraphffchen Anmeldung kein Mensch zur Empfangnahme ber Gelder zur Stelle. Nach­dem nun endlich die nöthigen Formalitäten erfüllt waren, durften wir noch einmal das Verladen des Geldes besorgen. Bis wir diese Slrbeit und die regelrechte Abgabe an die Intendantur des 10. Corps besorgt hatten, war eS später Abend geworden.

Fahre hin, schnöder französischer Marnon und beglücke deutsche Soldaten!

Eine Anzahl von unS wurde in eine Kaserne einquar­tirt, wir übrigen tarnen in Bürgerquartiere. Unser 6 Mann, darunter 3 Kaufleute, 2 Frankfurter Lehrer unb meine Wenigkeit, bekamen ein Billet zusammen zu einem Monsieur Santon (Rue weiß ich nicht mehr). Da es schon gegen 10 Uhr Abends unb wir in der Stadt unbe­kannt waren, so begleitete uns ein Unterofficier vom 10. CorpS.

Augenscheinlich waren wir in ein feines Viertel ge- rathm, e« warm schon mehr Landhäuser mit schönen Gär­ten um dieselben, daS wirkte wohlthumd!

Das EingangSthor war verschlossen, auf unser Klopfen erscheint Madame auf dem Balcon und fängt an, mit uns zu parlamentiren.

(Fortsetzung folgt.)