war am Montag in Berlin versammelt, um ;u den dem Reichstage vorliegenden Zoll- und Steuerentwürfen Stellung zu nehmen. Der Landwirthschaftsrath hatte in seiner Plenarsitzung von» 30. Januar d. I. folgende Erklärung beschlossen:
„Eine Vermehrung der Einnahmen des Reiche« erscheint nur statthaft aus erhöhten Erträgen der indirekten Steuern und der Eingangszölle. Eine Erhöhung der indirekten Steuern ist im Hinblick auf die bereits bestehende Mehrbelastung des Grundbesitzes durch dieselben sowohl für staatliche wie für kommunale Zwecke empfiehlt sich: a) eine wesentliche Erhöhung der TabakSbesteuerung; b) eine Besteuerung des Bieres bis auf Höhe der in Baiern gültigen Sätze; c) die Einführung eines Zolles auf Petroleum, sowie die Erhöhung der auf Genußmittel, als Wein, Kaffee, Thee, Gewürze, Südfrüchte und dergleichen gelegten Zölle. Ist aus finanzpolitischen Gründen bei der in Aussicht genommenen Revision des jetzt geltenden Zolltarifs eine Belastung bisher zollfrei eingehender Artikel unvermeidlich und müssen für dieselben deßhalb niedrige Finanzzölle (Eingangsgebühren) eingeführt werden, so erwartet der deutsche Landwirthschaftsrath, daß ßdabei di- Jntereffen der Landwirthschaft in derselber Weise Berücksiche ttgung finden, wie die Interessen der Industrie.
Der engere Ausschuß des LandwirthschaftsrathS hat jetzt, wie die Nat.-Ztg. mittheilt, einer ihm in der erwähnten Plenarsitzung gewordenen Aufforderung, beziehungsweise Ermächtigung folgend, die dem Reichstage gemachten Vorlagen von dem in der vorstehenden Resolution gezeichneten Standpunkte auS einer Prüfung unterzogen und ist zu dem Ergebniß gekommen, zu erklären, daß die in dem Tarif-Entwurf für die Landwirthschaft in Aussicht genommenen Zollsätze nicht entfernt im Verhältniß stehen zu den für die Industrie, besonders für gewisse Zweige derselben geplanten Schutzzöllen, und daß daher, va eine höhere Normirung der landwirthschaftlichen Zölle nicht angehe, die industriellen Zölle sehr erheblich herabzumindern seien. Im Princip erklärte sich der Ausschuß einstimmig gegen die schutzzöllnerische Tendenz der Tarifvorlage. Um das Verhältniß der Zollsätze zu dem Werth der zollpflichtigen Gegenstände zu ermitteln und dadurch die Unterlagen für eine vergleichende Uebersicht zu gewinnen, hat der Ausschuß eine besondere Kommission niedergesetzt. Rach diesem Maßstabe hat man sich u. A. für eine Herabsetzung des Roheisen-Zolles von 1 Mk. auf 50 Pfennig pro 100 Kilogr. erklärt.
Die „Pol. Corresp." meldet aus Timowa vom 29.: Nachrichten aus Ostrumelien stellen der Aufnahme Aleko Pascha kein besonders günstiges Prognostiken; dieselben signalisiren Agitationen zur gewaltsamen Zurückweisung jedes türkischen Einmarschversuches und zur Verjagung Aleko Paschas.
Die bezüglich der Fürstenwahl gewählte Versammlung tritt heute zusammen und dürfte sich zunächst mit der Feststellung des Wahlmodus beschäftigen. — Ein in Cirkulation gesetzter Vorschlag, die Fürstenwahl im Wege eines ConclaveS vorzunehmen, hat Aussicht auf Annahme. Die Chancen des Prinzen Battenberg sind sehr günstig.
In der Rede mit welcher Fürst Dondukoff-Korsakoff die neue Notabeln-Versammlung eröffnete, sagt er, der Kaiser wünsche, daß kein mssischer Unterthan gewählt werde. Fürst Dondukoff empfahl den Exarchen zum Vorsitzenden. Die Rede wurde mit lebhaftem Beifalle ausgenommen. Alle Commissarien der Mächte, mit Ausnahme des türkischen, unterzeichneten daS Protokoll und verließen sodann mit dem Fürsten Dondukoff den Sitzungssaal. Die Versammlung erwählte den Exarchen zum Präsidenten, ernannte das Bureau und schritt dann in geheimer Sitzung zur Wahl eines Fürsten.
Der Prinz von Battenberg wurde einstimmig durch Akklamation unter dem Namen Alexander I. zum Fürsten von Bulgarien gewählt.
Deutsches Reich.
•• Berlin, 29. April. Der Kronprinz wird sich noch im Laufe dieser Woche nach Kissingen zum Kurgebrauch begeben. — Der Wirkl. Geh.-Rath Schönhausen, zuletzt UnterftaatSsekretär im Staatsministerium, früher Direktor im Finanzministerum ist vom Kronprinzen zum Vorsitzenden des VertvaltungSrathS der WilhelmSspende ernannt. Als praktische Mitglieder desselben dürsten der Geh. Rath Jacobi vom Handelsministerium und der Geh. Ober-Regierungsrath Dr. Forch vom Ministerium des Innern berufen werden. — Die Rat. Ztg. beleuchtet heute den Gedanken einer Ln-dloo-Annahme der Tarifvorlage. Ein solcher Gedanke ist freilich von keiner der Regierung nahestehenden Seite empfohlen worden, er wurde vielmehr der Regierung nur insinuirt, um einen bequemen Angriffspunkt zu finden. Die Frage hat sich lediglich darum bewegt, ob die Vorlage in der zweiten Lesung sofort im Plenum zu berathen oder durch eine bezgl. mehrere Kommissionen vor- zuberetten sei. Die Rat. Ztg. verlangt nun zwar die Bildung zweier Kommissionen, die eine für die Finanzzölle, die andere für die Schutzzölle, immerhin erklärt sie für zulässig, daß die Zölle auf Getreide, Vieh und Holz, sowie die Eisenzölle sofort im Plenum berathen werden. Es ist allerdings nicht klar ersichtlich, ob das Blatt, indem eS die Fragen dieser Zölle für wohlausgetragen erklärt, auf die sofortige Verwerfung oder die unwidersprochene Annahme spricht. In Betreff der Finanzzölle weist die Rat. Ztg. darauf hin, daß die liberale Partei eine Erhöhung der eigenen Einnahmen des Reichs zur Entbehrlichmachung der Matrikulammlagen bei Festhaltung des gegenwärtigen kon-
Jltaröurg, Donnerstag, 1. Mai 1879
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Austrittes Sonntagsblatt
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Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „JlluftrirteS Sonntagsblatt" durch die Expedition (Koch'sche Buchdruckerei) bezogen 24 Mark, durch die Postämter deS Deutschen Reiche- 2 Mark 50 Pfg. (excl. Bestellgebühr). — JusertionSgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg.
Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adreffen werden 25 Pfg. berechnet.
"Jt Der „Reichsanzeiger" meldet: Der Kronprinz des ' L lltschen Reichs hat als Protektor der Kaiser Wilhelm- ''(49 »ende den wirklichen Geheimenrath Schuhmann zum Prä- L12 aitcn des Aufsichtsraths derselben ernannt.
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Wie wir bereit« mitgetheilt, haben die vom Bundesrath in
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tSpräsidenten Vicepräsident Dr. Drechsler und Hocheder, 8 Räthe Dr. v. Hahn, Dr. v. Sangexod, Dr. Wernz, r. Gallenkampf, Dr. Hoffmann, Dr. Fleischhauer, Dr.
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Hof ner Sitzung vom 19. April gemachten Vorschläge für ßt v ’ Besetzung der Richterstellen am Reichsgericht nunmehr nieth ' Allerhöchste Sanktion erhalten. Es treten von dem n 9t; »chs-Oberhandelsgericht ins Reichsgericht über als Se-
walt ist ernannt der Oberprokurator in Cöln Frhr. v. ' kckendorff, als Reichsanwälte der Oberstaatsanwalt beim bertribunal Wolf v. Wolff, der Staatsanwalt beim Ober- illas »delsgericht Hofinger und der bayerische Rechtsanwalt änglein.
eiz u xwald, Webst, Schwarz, Schlemka, Kirchhoff, v. Forcade, eher, Werffert, Rassow, Stechow, Dänhardt, Rossels, $ jCg ner der Staatsanwalt vom Obertribunal Schüler, der it Ra cepräsident des Appellationögerichts zu Kaffel Möli, Dr. ran« ilze in Dessau, aus Bayern Cassimier, Dürrschmidt, .2 mftt; aus Sachsen, Wenk, Petsch, Rüger; aus Württem- rtL t, kg, Bormelin, v. Streich, v. Geß; aus Baden, Wieland; Car « Hessen, v. Burg; aus Braunschweig Dr. Spieß; aus «ringen, Dr. Agricola; au« den Hansestädten, Dr. Schle- ■ au ger; aus Elsaß-Lothringen Derschlid. Als Oberrrichs-
---: nsselin, Dr. Perchelt, Langerhans, Schilling, Hnllmann, c. Wiener, Krüger, Duff, Dr. v. Mesborn, Dr. Dreier, [||l c. Hambrock, Wittmaack, Meßmann. Ferner wurden . v lannt als Präsident Dr. Simson, als Senatspräsidenten ,c‘rt r. Henrici vom Obertribunal, Ukert, Appellationsgerichts- lau äftfreut in Magdeburg, Drenkmann, Appellationsgcrichts- asident in Marienwerder, Dr. v. Beyerle in Stuttgart, s jä t. Büngner in Carlsruhe, als Räthe vom Obertribunal ; ;i r. Bähr, Friedrich, v. Specht, Peterssen, Plathner, Hen- i, 6ci ft, Hartmann, Werner, v. Grävenitz, Lessert, Rappold,
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Der engere Ausschuß des deutschen LandwirthschaftsrathS
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Aue Reise tum Versailles nach Orieaus uud Tours mit 45 Millionen Francs. *) ivnerung aus dem Kriege 1870/71. Von einem 80er Füsilier.
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Wir hatten gerade fünf Monate vor Paris zugebracht >d vier davon ehrlich Wache gehalten, damit Niemand ätin oder heraus konnte. Die Sache fing an, langweilig werden. ' Paris hatte vor drei Wochen schon capitulirt *b nun war alles Jntereffe, was uns bis dahin ereifert * *b angefeuert hatte, geschwunden, wenn nicht der bevor- hmde Einzug in Paris unserem kahlen Dasein noch 1 rigen Reiz verliehen hätte. Es war ja gerade das Pans, 8 bezwungen werden mußte — und nun auch bezwungen — um der stolzen „la France“ sagen zu können: bist besiegt!
Die Sache war ja so ganz anders gckommm, als wir i ' uns vorgestellt hatten. Nach der Schlacht von Sedan 1 ‘tien wir den Glauben, wir würden nun nach Paris hen, dort würde Frieden geschlossen und dann könnten j 1 wieder heim gehen. Wie langt Zeit hatten wir vor 2 üris über unseren Jrrthum nachzudenkm!
Paris wurde belagert, wir zogen auf Vorposten, zogen 1 '/ — zogen wieder auf — immer dasselbe, die Stadt 1 °Hte nicht capituliren. Es verging Monat um Monat, i chts von Kapitulation I
Daß es da drinnen nicht mehr ganz gemüthlich sein lBte, merkten wir täglich mehr. Was war Pari«, als c nn September 1870 zum ersten Male auf der Höhe Boiffy St. Leger seiner ansichtig wurden, und was war heute? Damals prangte es noch in seinem vollm
Glanze und heute war es ein düsteres, unheimliches Häuser- meer, in welches die bitterste Noth Einzug gehalten.
Damals die stolze Stadt der Welt, Paris, die Stadt der Civilisatton, die Hauptstadt Frankreichs, die noch immer wähnte, die übrigen Staaten Europas würden dem Vordringen der „Prussiens" Einhalt gebieten und ihre — der Stadt Paris — Unantastbarkeit aussprechen. Das übrige Europa war klug genug, die Franzosen ihre Suppe, die sie sich eingebrockt, auch auslöffeln zul assen und wie die „deutschen Barbaren", die Prussiens, über die Unantastbarkeit der Stadt Paris dachten, das haben sie ihr auch bemerklich gemacht. „C’est la guerrej“
Anfangs hatten die Vorposten von Paris immer noch ihren Reiz. Von der Anhöhe bei Mendon auS bot sich stets ein interessantes Bild, man konnte noch das Leben und Treiben in den Vorstädten beobachtm. Auf der Seine ließen sich noch vereinzelt Dampfschiffe blicken, jedmsalls um uns ihr Dasein kund zu thun, „denn »eiter hat's ja keinen Zweck." Einigemal täglich ciffchien auch da unten am „Point du Jour" ein Kanonenbot, das bann jedesmal eine Granate nach uns sandte und schleunigst wieder ab- dampste. Das Ding hätte großen Schaden anrichten können — wenn eS getroffen hätte.
Im Anfänge unseres Erscheinens befand sich in unserem Vorterrain auch noch einiges Gethier, Hunde bellten noch dm Mond an, wenn einer da war; Hähne gab es auch noch, die durch kräftiges Geschrei den nahenden Tag verkündeten ; daS war doch noch etwas Lebm, was die langen Vorpostenstunden vertreiben half! Diese arme Viehcher waren aber auch mit der Zeit dem Vaterland zum Opfer gefallen (Hundebraten soll sehr gut schmecken, wie später die Pariser versicherten) und es herrschte nun mehr traurige,
schauerliche Stille, die höchstens noch unterbrochen wurde von den durch die Lüfte schwirrmden Granatm und an diese hatten wir uns mit der Zeit derart gewöhnt, daß wir nn« nicht mehr viel ans ihnm machten.
Die Millionen Gasflammen, die Nachts die Stadt beleuchteten und den Horizont weithin erhellten, nahmen auch mit der Zeit bedenklich ab, bis zuletzt die Stadt Nachts in dickster Finsterniß dalag; nur höchst vereinzelt war noch ein Lichtlein zu bemerken.
So kam allgemach der 26. Januar. Wir lagen gerade in der Nähe von Fort Jssy in Reserve. Das Granaten- Fener war während des ganzen TageS auf beiden ©eiten ungeheuer stark, „man meint, es wäre daS letztemal". Als wir am folgenden Morgen erwachten, alles still und friedlich: die Stadt Paris hatte capitulirt.
So war also daS Ungeheuerliche wahr geworben, was bis dahin nicht allein von den Franzosen al« unmöglich angesehen worben, fonbern was die Welt überhaupt bis dahin für unmöglich gehalten! Trotz bet furchtbaren Verschanzungen in Gestalt von gut besetzten unb atmirten Forts im weiten Umkreise um die ungeheuere Stadt, hatte sie und ihre Besatzung es nicht vermocht, deutscher Tapferkeit, dmtscher Ausdauer und deutscher Kraft zu widerstehen. Trotz all’ den schönen und überzeugmden Reden, welche französische Dolksverireter zur Zeit der Errichtung der Pariser Befestigungm gehaltm und worin sie nachgewiesen hatten, daß nach Vollendung der projectirten Befestigungen eine Belagerung der Stadt unausführbar fei, war die Stadt vollständig gezwungm worden.
Die übermüthizm Bewohner sarnrnt Garnison hatten am Hungertuche genagt und zu all diesem materiellen Elend war noch ihre Niederlage gekommm; sie hatten einsehen