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Marburg, Mittwoch, 30, April 1879
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M die Monate Mai und Juni werden von allen Postanstalten Bestellungen auf die
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Von Fritz Brentano.
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bisher nur 1 Artillerieregiment besaß, gleich den übrigen Armeecorps mit einem zweiten Artillerieregiment zu versehen. In jenen Gerüchten war auch erwähnt worden, daß Krupp in letzter Zeit viel mit militärischen Autoritäten verkehrt und auch eine Audienz beim Kaiser gehabt habe. Dazu wird bemerkt, daß Krupp ununterbrochen mit den Spitzen der Armee verkehrt und daß er bei seiner häufigen Anwesenheit in Berlin regelmäßig und zu wiederholten Malen vom Kaiser empfangen wird.
Bei dieser Gelegenheit wollen wir nicht unerwähnt lassen, wie die „Schlesische Zeitung" im Hinblick auf die kolossale Militärmacht Frankreichs, dessen active und Territorialarmee nach vollständiger Durchführung der Reorganisation 3,600,000 Mann beträgt und ein jährliches Budget von 455 Millionen Mark in Anspruch nimmt (unser deutsches beträgt 325 Millionen), so wie im Hinblick auf Rußland und die Unmöglichkeit einer weiteren Steigerung der Militärlasten für Deutschland und Oesterreich, den Vorschlag macht, Deutschland und Oesterreich sollten ihre innigen Freuudschastsbeziehungen zu einem Bunde von ausgesprochen völkerrechtlichem Charakter erweitern. Durch eine solche feste dauernde Verbindung Deutschlands und Oesterreichs würde eine Kriegsmacht geschaffen werden, die auch eine russisch-französische Allianz nicht zu fürchten hätte, eine Macht, die der Welt jederzeit den Frieden zu gebieten vermöchte. Gleichzeitig meint das Blatt, daß unö wohl dir Zollreform diesem Ziele näher bringe.
Nach Mittheilung aus London wird für die deutsche AbtheUung der Ausstellung in Sydney voraussichtlich ein Raum von 41,000 Quadratfuß einschließlich der Gänge zur Verfügung gestellt werden. Für England ist etwa ein fünffach, für Frankreich ein einundeinhalbmal so großer Raum für Belgien der gleiche Raum wie für Deutschland, in Aussicht genommen.
Garibaldi scheint den Zeitpunkt für gekommen zu erachten, au der Spitze der republikanischen und socialdemokratischen Elemente Italiens den geordneten Gewalten deS Landes offen den Handschuh hinzuwerfen und damit daS Werk der nationalen Einheit anzutasten, für welches gewirkt zu haben bisher sein einziger, keineswegs zweifelloser Ruhmestitel gewesen war. Daß der Patriot par excellence damit nur für die Interessen der schlimmsten Feinde Italiens arbeitet, scheint ihm selbst unbekannt und jenen Propagandisten des Umsturzes gleichgültig zu sein, die sich des alten, vielleicht schoir veralteten Mannes und seines von vielen Italienern noch immer hoch gefeierten Namens als Werkzeug bedienen. Ein Telegramm aus Rom meldet von einem Manifest Garibaldis an die Italiener, worin er die Bildung „einer demokratischen Liga behufs Erlangung der
es zu reiften, doch den Dienst geleistet, sie vor einer verhaßten Verbindung zu bewahren, wenn ihm auch ihr stolzes Herz nie verzieh, daß er seine hebräische Gelehrsamkeit in solcher Weise gegen ihre Familie verwerthet hatte. Sie reichte, als ihr Vater durch die neue Namensänderung wieder einigermaßen rehabilitirt war, einem französischen Werber ihre Hand und spielte lange Jahre in Paris, durch
daS Soldatenwesen und dessen kostspielige Reorganisation, nicht selten große Geldmittel nöthig, die nur mit Hilfe Henochs rasch zu beschaffen waren, und so durfte dieser schon nach Verlauf obiger Zett wieder wagen, um eine gnädige Rücknahme des verhängißvollm Dekrets zu bitten.
Es wurde ihm denn auch gestattet den ominöfen Familiennamen ganz zu streichm und als solchen seinen zweiten Namm, Samson, zu führen.
Keinesfalls wäre ihm diese Gunst so rasch gewährt
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und begann laut die Vorlesung desselben. Es lautete mit Hinweglassung der üblichm Einleitung:
„Und da nun der Henoch Samson Gauner an Uns die Bitte gerichtet hat, daß es ihm gestattet sei, seinen Familiennamen zu verändern, und er absonderlich wünsche, das U in ein N zu verkehren, so wollen wir ihm dies in Gnaden gewähren und auch dahin ein Uebriges -thun, daß wir nach gepflogener Rücksprache mit unserem gelahrten Rath, dem von Prittwitz, ihm erlauben, auch statt des R ein F in seinem Namen zu führen, maaßen fothaner Namm statt Gauner künftig Gannef sein und bleiben wird."
„Golt der Väter, was ist das?" stöhnte Henoch, indem er das Blatt sinken ließ und einen Blick des Jammers auf seine Frau warf, die nicht weniger trostlos über diese, allerdings ungeahnte Erfüllung ihres (angelegten Lieblings- Wunsches war.
Die Tochter des Juden hob mit zitternder Hand das zur Erde gefallme Schreibm auf und las mit tonloser Stimme nochmals die Worte: „nach gepflogener Rücksprache mit unserem gelahrten Rath, dem von Prittreitz" Es dunkelte vor ihren Augen, krampfhaft griff sie mit beiben Händen nach dem Herzen und sank mit einem Wehlaut ohnmächttg in dm nahm Sessel.----
12.
Fünf Jahre waren seit den oben geschilderten Ereignissen verflossen.
Der Hofjud, den der Fürst lange seine Ungnade empfin- dm ließ, hatte sich durch kluge Benutzung der Umstände demselben wieder unentbehrlicher denn je gemacht. Hatte doch Leopold von Dessau bei seiner bekannten Vorliebe für
Die schöne Sarah aber hatte wenigstens durch die malige Rache des Fürsten das erreicht, daß sie den willkommenm Freier nicht zu nehmm brauchte, denn Ascher ans Braunschweig war, als er um das vielbesprochene und vielbelachte Ereigniß erfuhr schleunigst von jeder Verbindung mit der Familie zurückgetretm, die so offenbar bei dem Fürsten in Ungnade gefallm war. Und so hatte ihr der einst heimlich geliebte Junker von Prittwitz, ohne
worben, wenn der Fürst nicht gerabe damals die eisernen Ladestöcke und bie Balonnette eingeführt hätte — Dinge, welche abermals viel Gelb kosteten. Und so tonnte, wie Prittreitz sarkastisch bemerkte, Henoch wolle behaupten, baß er biefe zweite Umänberung seines Namens mit Waffengewalt durchgesetzt habe. Der VolkSwitz freilich wollte derselbm nichts wissen, und sprach sich dahin aus, Hmoch Samson nach wie vor ein „Gannef" sei.
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llustrirtes Sonntagsblatt
rt (Magdeburg), Obertribunals-Vicepräsident Henrici i r rlin) und Appellationsgerichts - Präsident Dren imann L _ ariemverder). — Auch bie Patente für bie Reichsge- tsräthe sinb Allerhöchst vollzogen worben unb wirb bie öffentlichung im Reichs-Anzeiger Dienstags erfolgen.
-y. Der „Kieler Zeitung" war aus Berlin geschrieben
:ben, baß Se. kaiserl. unb königl. Hoheit ber Prinz Die nrich von Preußen, zweiter Sohn Sr. kaiserl. unb
. en Blatte die Nachricht der „Kieler Zeitung", daß das dem 3. v. M. im Geh. Cabinet befindliche kriegs- • L* ‘ chtliche Urtheil in Sachen des Unterganges der Panzer-
- mit einem Cabinetsschreibm, dessen Besorgung ihm »old VON Dessau persönlich übertragen hatte, auf die - hselstube seines Gläubigers Henoch kam.
e Eins wegen geschwächter Gesundheit alsbald zurückkehren rbe. Wie die „Neue Preuß. Ztg." als bestimmt hört,
kn der Finanzzölle erschlossen haben werde. Wie nun ueni ^Kreuz-Ztg." „versichert" wirb, entbehrt bieses Gerücht rtung Eegrünbung, und ber „Magbeb. Ztg." wirb geschrieben, hanble sich nur barum, das 15. Armeecorps, welches
[1$ Der „National-Zeitung" zufolge sinb zu Vicepräsidenten
-^Reichsgerichts ernannt: Appellationsgericht«-Präsibent
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blatte« sowie d. Annoncen-Bureaux von G- L- Daube & Co. in Frankfurt a. M; Jäger'sche Buchhandlung daselbst; Hennann'sche Buchhandl. daselbst; Jnvalidendank in Berlin; W. Thiene- in Elberfeld; C. Schlotte in Bremen.
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[12 diese Nachricht erfunden. In den höheren Marine- — sen ist nichts davon bekannt. — Dagegen wird dem-
itz[6^cd» erstau ter aber sollte er fein, als er am anderen
»Er hat Wort gehalten, der Allergnädigste", murmelte |U $u tr, indem er hastig nach bem ersehnten Schriftstück griff, tai If «t, ich wer.e erkenntlich sein gegen ben Jufti, — sehr gütlich, weil er es hat gewünscht. Bleibt einen Augen- chterle fuhr er zu bem Lakeien sich reenbenb fort, inbem er ßaftette aufschloß, derselben ein Schriftstück entnahm tgniß» es dem Alten einhänbigte, „unb nehmt bies, ehe Ihr sich. • Es ist viel, erschrecklich viel, Gott weiß, unb es ) Bk mir lieb, Jufti, wenn Serenissimus erfahrm würben, dankbar ich Euch war. Hört Ihr, es wäre mir lieb." Qnb als ob er befürchtete, daß sein Großmuth ihn $eit könnte, schob er den Alten zur Thür hinaus. Dieser glaubte seinen Augen nicht trauen zu bürfen, als taufjen baS Cabinet öffnete unb ben Schuldschein seines Mitt, »es, sowieseine eigene Bürgschaftsurkunbe erblickte. Er ■ j ttt sich nicht erklären, was vorgefallm war, aber bas . toat ihm klar, daß seine Schulb bei bem Hofjubm ge- unb er ber jahrelangen Sorge unb Last lebig war. kin Träumenber eilte er nach Haus, währmb Henoch minber glücklich bie Treppe zu seiner Privatwohnung Wieg, um Frau unb Tochter bie freubige Nachricht den Inhalt des fürstlichen Schreibens mitzutheilen. ^icht ohne eine gewisse Feierlichkeit erbrach es Henoch
z $Sau alte „Großer Kurfürst" bie Genehmigung Sr. Maj. ■muett) Kaisers bisher nicht erhalten hat und jetzt dem Militär- mber. tiz-Departement zur Begutachtung überwiesen ist, be- - . igt. Es kann noch lange dauern, bis das Erkenntniß ^. ''Sachen des „GroßenKurfürsten" an die Oeffentlichkeit I’n imt. Das Btilitär-Justiz-Departement besteht aus dem __eg-minister und bem Justizminister, beziehungsweise aus e m Bevollmächtigten.
sei und Hannover; Th. Itttttt unch in Frankfurt a.M.; [12 isenstein <& Bögler in jrffurt a M., Berlin, Big, Köln ic.; Rudolf e in Berlin, Krank- furt a. Ai. ic.
thatsächlichen Ausübung der nationalen Souveränität" ankündigt. WaS man sich unter diesem Wortschwall zu denken hat, muß einstweilen dahingestellt bleiben. Die Liga will mit friedlichen Mitteln (!) arbeiten, „so lange ihr Werk nicht durch die Regierung behindert wird" — eine italienische Form des »se soumettre ou demettre!«
Meldung der „Polst. Corresp." aus Belgrad vain 28. d. M.: der Secttonschef Popovic und der ZollamtSdirector Ruskalfic, die zu Vertretern bei den Verhandlungen über den Handelsvertrag mit Oesterreich-Ungarn ernannt wurden, begeben sich demnächst nach Wien. Der Minister deS Auswärtigen beabsichtigt die Großmächte um Festsetzung der Gebirgsgrenze zwischen Serbien und ber Türkei zu ersuchen, behufs Verhinberung von Einfällen bet Arnauten. Die Regierung entfanbte Schätzungscvmmiftäre in die neuen Gebietstheile zur Regelung ber Besitzverhältnisse der moha- medanischeu und serbischen Bewohner.
Deutsches Reich.
** Berlin, 28. April. Wir haben kürzlich ausgeführt, daß aus den Matrikularbeiträgen ein periodisches Einnahmebewilligungsrecht nicht herzuleiten ist, denn dieselben waren keine nach Belieben zu schaffende Einnahme, sondern die nothwendigen Deckungsmittel für die im Reichshaushalt zu bestreitenden Ausgaben, sofern die eigenen Einnahmen des Reichs nicht zureichten, was bisher nicht der Fall war. Gegen diese Ausführung haben die liberalen Blätter geltend zu machen gesucht, daß bereits in den ersten Jahren der Norddeutschen Bundesverfassung, ja in dem ersten konstituirenben Reichstag des norddeutschen Bundes der Vorbehalt gemacht toorben sei, baß bei einem etwaigen Ersatz ber Mattikularbeiträge ein periodisches Einnahmebewilligungsrecht des Reichstag« in Anspruch zu nehmen sei. Für diese Behauptung hat man sich namentlich auf eine Rede des Abgeordneten Miquvl in der Sitzung des Norddeutschen Reichstags vom 8. April 1877 berufen. Diese Rede sagt aber mit klaren Worten das Gegentheil, nämlich daß durch das Ausgabebewilligungsrecht ein besonderes Einnahmebewilligungsrecht überflüssig gemacht worden sei. Folgendes sind bie eigenen Worte Miquel's: „Ueberaö, wo eine Versammlung das Recht hat Ausgaben zu bewilligen und wo die Einnahmen beweglich d. h. jedesmal bedingt sind durch die Höhe der bewilligten Ausgaben überall da ist eS eine reine Formsache, ob die Einnahmen noch ausdrücklich bewilligt werden ober ob sie sich von selbst aus ber Hohe der bewilligten Ausgaben ergeben." Aus diesen Worten folgt mindestens, daß der Redner ein besonderes Bewilligungsrecht für die Matrikularbeiträge nicht beanspruchte und ein derartiges Amendement ist in der That in die Reichsverfassung nicht aufgenommen worden. Nun könnte man freilich einwenden, daß ein beson-
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bgelag Verschiedene Blätter, namentlich die „Frks. Ztg." unb Sebiem „Germania" haben, auf Grunb angeblich zuverlässiger
[2t eilen bas Gerücht verbreitet, es sei von ber Regierung Mail 1 Vermehrung ber Artillerie in Aussicht genommen unb fchlattl mit derselben vorgegangen werben, wenn ber Reichs- durch die Steuerreform bie neuen großen Einnahme-