Einzelbild herunterladen
 

Marburg, Dienstag, 29. April 1879

XIV. Mrgaifl

WccheWik jfitimit

Bberhessische Zeitung

ingenommen.

Mm

kii<6,

rs

i Gröj

*1 < ^espalt zwischen seinen Gesinnungen VVv ,l^9' war heute in Hellen Wamme

und denjenigen seines

ne

sche

[122

187».

(in. rrg.

Raßb

Cass z ua

- Faß St M.

3 50, neue, Neue 50.

i UNd

Reich chtigk,

igt

«isch

Im Wolfsgnmd.

Von Fritz Brentano.

(Fortsetzung.)

wirthschastlichen Bevölkerung gut geht, es auch der In­dustrie und dem Handel nicht fehlen wird. In jedem guten Haushalt muß die Hauptsorgfalt auf den Haupt- enverbSzweig gelegt werden. Dieser ist im Haushalt der deutschen Nation unzweifelhaft die Landwitthschaft. Damit wollen wir keineswegs der Vernachlässigung der anderen das Wort reden. Wir haben immer die Solidarität aller Erwerbszweige betont und verlangen, daß der Staat sie Alle mit gleicher Liebe und Gerechtigkeit behandele; wir bekämpfen nicht die Interessen der Industrie und deS Handels, wir bekämpfen nur die Vernachlässigung und Zurücksetzung der wichtigsten von ihnen, der Landwirth- schaft. Während die meisten Industriezweige bisher schon durch Zölle einen gewiflen Schutz genoffen haben vor der auswärtigen Concurrenz, war die Landwitthschaft ganz schutzlos. Jetzt will ihr der neue Zolltarif einen kaum nennenswerthen Zollschutz gewähren; aber auch diesen wollen ihr die Freihändler nicht zugestehen.

Auch die Versammlung des Vereins für Socialreform, welche kürzlich in Frankfurt a. M. tagte, hat die land- wirthschaftlichen Zölle mit 52 gegen 50 Stimmen abge­lehnt, dagegen industrielle Schutzzölle bewilligt. Der Reichs­kanzler aber soll kürzlich gesagt haben, eine Revision deS Zolltarifs ohne Schutz für die Landwitthschaft sei für ihn unannehmbar. Hoffentlich bleibt der Reichskanzler dabei; denn wenn der Industrie höhere Zölle bewilligt und außer­dem noch der Tabak besteuert und auf Kaffee, Petroleum und Gewürze hohe Finanzzölle gelegt werden, so werden alle diese Dinge, welche der Landwirth kaufen muß, noch mehr vertheuert wie bisher, während die Landwirthschaft nach wie vor der Concurrenz des Getreide- und Vieh­handels aller Welt zollfrei preisgegeben wird. Es liegt auf der Hand, daß dadurch unsere Landwirthschaft und mit ihr die 63pCt. des deutschen Volkes, welche sich von der Landwirthschaft nähren, völlig ruinirt werden müßten. Selbstverständlich kann dann auch die Industrie und der Handel einpacken, wenn die landwirthschastliche Bevölkerung ihnen nichts mehr abkaufen kann. Die Freihändler thun immer so, als hätten sie die Vvlkswirthschaft allein gepach­tet und doch gehört nur ein klein wenig unbefangener ge­sunder Menschenverstand dazu, um die Unrichtigkeit ihres Systems einzusehen, und nur ein klares Auge, um die verderblichen Folgen dieses Systems überall zu erkennen. Sie sind mit Händen zu greifen. Jeder Mensch weiß, daß, wenn er jahraus jahrein mehr auSgiebt als er ein­nimmt, er verarmen muß. Wo wollen wir denn, nachdem die 5 Milliarden verwitthschaftet sind, in Zukunft das Geld hernehmen, um jährlich Hunderte von Millionen mehr an das Ausland zu bezahlen, als wir von ihm einnehmen? Ist es nicht die verkehrte Welt, wenn wir den auslän­dischen Waaren zollftei den deutschen Markt einräumen und unsere Industrie an das Ausland verweisen, wo sie ihre

Die laudwirthschaftlicheu Zölle.

Die Freihändler wollen industrielle Schutzzölle und inanzzölle bewilligen, aber um alles in der Welt keine «dwirthschaftlichen Zölle. DieVolks-Ztg.", welche von mdwirthschastlichen Zöllen absolut nichts wissen will, be­

im und Weizen in der Erde liegen? Sollen wir das zm lassen, weil wir es aus Rußland oder Ungarn iger beziehen können? Würde dadurch das National-

kündete neulich, ihre Geneigtheit, Eisenzölle zu bewilligen, l1*- Mit, daß sie sagte: Wir haben Eisen in der Erde lie- m, das muffen wir herausholen, dadurch heben wir den

Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen BeilagezlluftrtrteS S-nntaaSblatt" durch die Ervedition lKock'lcke Buchdruckerer) bezogen S, Mark, durch die Postämter deS Deutschen Reiche- S Mark SO Pf«. (e$cl. Bestellgebühr). JnsertionSgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg. Für m der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 85 Pfg. berechnet.

in seinem verhärteten Innern etwas regte, was ihm zu sagen schien, daß auch die Macht des Goldes ihre Grenzen habe, und es doch noch gewisse Dinge gäbe, an welchen selbst die klügste Berechnung sich als trügerisch erwies.

Seine Tochter hatte sich in ihr Zimmer eingeschlossen und mit einem wahren Blick deS Jammers startte Henoch die Thür desselben an, die heftig vor ihm zugeworfen wordm war.

Nun," sprach er zu Frau Rebecca, die sich, obwohl sie sonst gar gewaltig das große Wort im HauS fühtte, bei dem Wortwechsel merkwürdig passiv verhalten hatte, nun, was sagst Du dazu? Ist sie nicht geworden plötz­lich verrückt?" ,

Frau Rebecca zuckte stumm die Achseln. Ob sie wohl ihrer ei enen Jugend gedachte, ob ihr einfiel, wie auch sie einst geschäftsmäßig verhandelt wurde, trotzdem ihr Herz damals einem ganz anderen gehötte, als dem gelben Henoch, der ihr ohne weiteres als Bräutigam vorgestellt worden war? Und lange hatte es in diesem Herzen getobt und auch heute erwachte es noch einmal aus seinem fiefey Schlaf und ein Gefühl des Mitleids regte sich in ihr für ihr ein­ziges Kind, daß sie der rebellischen Tochter nicht böse wer­den konnte.

Nun, bist Du geworden stumm!" brauste Henoch auf, als er keine Antwort erhielt und schaute verwundert seine Frau an.Ist doch sonst nicht gerade deine Att. Rede, Frau, waö ist zu machen, was soll geschehm mit der Sarah?"

Es wird sich geben," antwotttte Frau Rebecca kurz und scharf,hat sich gegeben doch schon so viel in der Welt."

Damit ging sie hinaus und ließ ihren Mann rathlos stehen, der erst durch seinen Meschores aus seinem Nach­denken geweckt wurde.

aüonalwohlstand, und wenn unsere Eisenindustrie dazu »cs Schutzzolles bedarf, weil die auswärtige Eisenindustrie illiger produciren kann, so müssen wir ihr diesen Schutz währen. Wenn der Einzelne dadurch das Eisen auch was theurer bezahlen muß, so kann das Angesichts des wßen VortheilS, welchen die einheimische Eisenprovuction rr Nation bringt, nicht in Betracht kommen. Denn effen nicht alle diese Gründe, welche für die Eisenzölle ltend gemacht werden, in erhöhtem Maße auch für die Ndwirthschaftlichen Zölle zu? Haben wir nicht auch

[Meigen nimmt entgegen: z» Expedition d.Blatte«, o»ie d.Annoncen-Bureaux ' en Tb, Dietrich & So. in löffel und Hannover; Th. -ietrich in Frankfurt a.M.; Wustri wfenftein & Bögler in (Sefeh rankfurt a M., Berlin, eipzig, Cilln rc.; Rudolf Reffe in Berlin, Frank­furt a. M. k.

11.

»Nun, mein ehrlicher Henoch," redete nicht ohne eine sarkastische (Betonung Leopold von Dessau den Hofjuden an, als dieser, sich tief verbeugend, in das Cabinet trat, in welchem sich auch der Junker von Pttttwitz befand,wie geht es ihm?"

Wie soll es mir anders gehen, als gut," antwortete Henoch,wenn ich das Glück habe, meinen allergnädigsten Herrn von Angesicht zu sehm. Serenissimus habe« die Gnade gehabt, nach mir zu schicken. Womit kann Dero alleruntetthänigster Knecht dienen?"

In der That," sprach lachend der Fürst,es klingt verteufelt bescheiden, Henoch, wenn man ihn so reden hört. Nur Schade, daß der alleruntetthänigste Knecht zum harten Tyrannen wird, wenn es sich um eine Anleihe handelt."

Serenissimus erschrecken mich," antwortete kttechend der Hofjud,wann hätte ich gewagt--"

»Schon gut," unterbrach ihn der Fürst,davon ein andermal. Heute habe ich Ihn in seiner eigenen Ange­legenheit zu mir beschieden. Es ist mir zu Ohren gekom- nten, daß ihm fein Name nicht mehr gefällt und daß er denselben zu verändern wünscht. Ist dem so?"

SereniffimuS," stottette Henoch, dem die Mittheilung etwas überraschend kam,in der That ich weiß nicht--"

Keine lange» Umschweife," sprach Leopold kurz.Er weiß, ich liebe das nicht. Hat er den Wunsch geäußert oder nicht?"

Ja, SereniffimuS," hauchte der Hofjud,und wenn ich hoffen dürfte"

Das wird sich finden," entgegnete der Fürst,obwoh ich nicht recht begreife, was ihm an seinem ehrlichen Namen

Mögen nicht noch weit mehr geschädigt, als wenn wir :__8 Eisen in der Erde liegen lassen? Ist unsere Land-

tthschafl der ausländischen gegenüber in Bezug auf ihre Ml roductionSkosten nicht noch viel ungünstiger gestellt, als w Eisen-Industrie? Und wenn wir unserer Landwirth- Mst durch Zoll helfen können, daß sie den großen National-

wMMren? Ist eS recht, gerade diesen wichtigsten Zweig der BlMschen Production, ohne welchen auch alle anderen nicht [992 deihen können, hinter alle anderen zurück zu setzen? Ist üü^ie solche Wirtschaftspolitik eine gute? Muß nicht viel­er gute WirthschaftSpolitik darauf aus sein, gerade !st wichtigste Proouction lebenskräftig zu erhalten, in t Ueberzeuzung, daß, wenn eS den 63 Procent der land-

Wammen ausgebrochen, denn »e Tochter Sarah, empört über den Hochmuth deS Vcr- >udlen, hatte, ihrem Vater auf das bestimmteste erklärt, sie den gänzlich fremden Freier nicht heirathen werde, sie nicht gesonnen fei, sich als Waare verhandeln ober . Bt weiteres verschachern zu lassen.

Henoch war außer sich. Er hatte wohl stets gefühlt, v. zwischen ihm und seiner Tochter nicht alles stand, wie tollte, allein eine solche Widersetzlichkeit von ihrer Seite ----! ue er geradezu für unmöglich gehalten. Wie! Sein i z hc des Fleisch und Blut wollte es wagen, seinen Lieblings- brau: ? zu untergraben!, sein schönstes Geschäft durch ein Me«Nein" zu Nichte zu machen? Anfangs erschien n das höchst lächerlich und versuchte er auch, die sche tche mit einem leichten Achselzucken und einigen ober» »ftei Hachen Redensarten in das Gleis zu bringen. Bald £ belehrte ihn die Energie seiner Tochter, daß ihr Wi- siand kein leicht zu besiegender sei. Vergebens erschöpfte sich in guten und bösen Worten, umsonst malte er ihr e Vortheile der glänzenden Pattie aus, welche sie mache .H , die schöne Sarah blieb bei ihremNein!" AlS aber « 74 M sich sogar zu Drohungen hinreißen ließ, da flog * wie ein zürnender Blitz über ihr bleiches Antlitz und

.Blick traf ihn au« ihrem flammenden Auge, daß er -----DHrocken einen Schritt zurücktrat und sich zum erstenmal

chthum, der in den deutschen Anckern liegt, zu Tage för- n und jährlich 20 Millionen Gentner Getreide mehr buciren kann als bisher, ist es da nicht Recht und .ächt, daß wir ihr durch den Zoll zu Hilfe kommen, um ierver n Natioualwohlstaud zu vermehren? Ruht der deutsche K«rstr ationalwohlstand nicht vorzugsweise aus der Landwitth- ast, von welcher etwa 63pCt. deS deutschen Volkes sich

Heute war ihm da« schlimmste geschehen und hatte > in nicht geringe Aufregung versetzt. Der heimliche

n Mr. 99

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blatte« sowie d. Annoneen-Bureaux von ®. L- Daube & Co. in Frankfurt a. M; Jäger'sche Buchhandlung daselbst- Hermann'sche Buchhandl. daselbst; Jnvalidendank in Berlin; W. Thiene« in Elberfeld: 6. Schlotte in Bremen.

$ra . mit deren Gratisbeilage

-dach" MustrirteS Sonntagsblatt

Waaren nur mit hohen Zöllen auf den Markt bringen kann? Die Freihändler scheinen jetzt folgende Taktik befolgen zu wollen: Sie bekämpfen die landwirthschast- lichen Zölle und wollen Jndustriezölle bewilligen. Dadurch hoffen sie die Industriellen für sich zu gewinnen, um ge­meinsam mit ihnen, wie in Frankfurt, zuerst die land- wirthschastlichen Zölle im Reichstag zu Falle zu bringen. Ist dies geschehen, dann hoffen sie mit Hülfe der Rache der Landwitthe auch die Industriellen über den Löffel zu bar­bieren, d. h. auch ihre Zölle zu Falle bringen zu können. Neulich soll in der Versammlung der Seestädte ein Frei­händler gesagt haben:Der Hauptangriff sei gegen Ge­treide- und Holzzölle zu richten; könne man diese zu Fall bringen, so bekomme die Pauke ein großes Loch und die Agrarier würden vielleicht auf die Seite des Freihandels gezogen werden." Den Landwirthen reden sie vor: Was hist euch ein Getreidezoll von 25 Pf. für Roggen und 50 Pf. für Weizen? Sie verschweigen aber, daß den Laiidwitthen auch Viehzölle zugedacht sind. Alle diese Schlaumeiereien werden hoffentlich im Reichstage ihren Meister finden._______________________________

TrgesKericht.

Dem Bundesrath ging eine Präsidialvorlage zu, welche in Vorschlag bringt, die 25 und 35 des Reichsbeamten­gesetzes (die einstweilige Versetzung in den Ruhestand und die jederzeittge Entlastung betr.) dahin abzuändern, daß dieselben auf die Vorstände und Direktoren aller dem Reichskanzler unmittelbar unterstellten, obersten Reichsämter Anwendung finden.

Wie aus Berlin gemeldet wird, erkannte in dem Pro- zeste gegen die russischen Studenten Liebermann (genannt Freemann), Gurewitz und Aronson wegen Störung der öffentlichen Ordnung und Theilnahme an einer geheimen Verbindung das Crimiltalgericht des dasigen Stadtgerichts gegen Liebermann und Curewitz auf eine neunmonatliche, gegen Aronson auf eine viermonatliche Gesängnißstrafe.

Nachrichten derPolit. Corresp." Athen. Die Köni­gin ist nach Livadia abgereist, um den Kaiser von Ruß­land persönlich zu beglückwünschen. Man glaubt die Kö­nigin dürfte auch die Sache Griechenlands verirrten. Baron v. Schcel-Plesten ist feier eingetroffen; der deutsche Ge­sandte v. Radowitz sollte gestern nach Berlin abreisen. Bukarest. Rumänien urgitt die Lösung der Arabtabia- Frage noch vor dem Abmarsch der Russen, um Zerwürf­nissen zwischen Bulgarien und Rumänien vorzubeugen. Belgrad. Die Pforte ernannte Sermet Effendi zum außer­ordentlichen Gesandten für Serbien. Italien ernannte den Major Velini zum Delegittm bei der serbisch-türkischen Grenz-Commission.

* Xür die Monate Mai und Juni werden von re am * allen Postanstatten Bestellungen aus die