XIV. Jahrgang
Marburg, Sonntag, 27. April 1879
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Im Wolfsgruud.
Von Fritz Brentano.
(Fortsetzung.)
Er hatte mit eigener Hand den alten Justi vom Boden chvben und ein gar sellsamer Zug innerer Bewegung ver- ätte das männlich-ernste Gesicht des kräftigen Fürsten, is er sich zu dem schwergebeugten Förster wandte und
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hat in Berlin nicht unberechtigtes Aufsehen hervorgerufen, zumal da als Mottv die „nicht gerade feste Gesundheit" des bald siebenzehnjährigen Prinzen bezeichnet war. Jndeß wird die Nachricht selbst von gut unterrichteter Seite bestätigt, nur wird der Grund zu der früheren Heimkehr in etwas Anderem gefunden. Nach dem so plötzlichen Tode des jungen Prinzen Waldemar war es ein natürlicher Wunsch des tiefgebeugten Elternpaares, die anderen beiden Söhne wohlbehalten in ihrer Nähe zu wissen.
Meldungen der „Polit.Corresp." aus Paris: Zwischen den Cabineten von Paris und London ist in der egypti- schen Frage eine Verständigung erzielt, welche in einer an den Khrdive gemeinsam zu richtenden Note, unterstützt durch eine maritime Demonstration, Ausdruck finden wird. Mehrere französische Panzerschiffe sollen bereits diesbezügliche Ordres erhalten haben. — Aus Cettinje. Oberst Ottolanghi ist jetzt zum Vertreter Italiens bei der Commission zur Feststellung der montenegrinisch - albanesischen Grenze ernannt worden.
tot die Monate Mai und Juni werden von ' allen Postanstalten BeftelltMgen auf die Kberhessische Zeitung mit deren Gratisbeilage
jllustrirteS Sonntagsblatt
genommen.
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„ES ist mir lieb, Justi, daß er Vertrauen zu seinem ; ürften hatte und die Wahrheit bekannte. Ich wußte alles, >as er mir mittheilte, ja noch mehr. Schau er mich im- < terhin erstaunt an, bald wird er erfahren, daß ich ihm s cht zu viel sagte. Aber ich habe auch Vertrauen zu ihm, ' Km8 Justi, daß es ihm nunmehr, nachdem er sein Gewis- 5 X erleichtert hat, auch leichter fallm wird, ein noch treuerer 1( Xener seines Herrn zu sein, als er es seit jenem UnglückS- 1< »g war, wo er einen Flecken aus seine Ehre warf den ich l ü ausgetilgt betrachten will. WaS hier und anderwärts J ffprochen worden, soll unter unS bleiben, darauf geb' ich 2t A mein fürstliches Wort, und auch Dir, Du alter treuer i drl, soll alles in Gnaden vergessen sein."
< Bei diesen Worten reichte Leopold von Dessau seinem A. iblakei die Hand, welche dieser zitternd ergriff und keines j Wortes mächtig, an seine Lippen drückte. Der Förster - xt war vor seinem gnädigen Herrn auf die Kniee gesun- H und der Thränenstrom, welcher auS den Augen des arten Mannes brach, verkündete mchr als alle Betheue- ÄttL8, Inge« der Lippen, daß er bereit war, für seinen Herrn i jeder Stunde in den Tod zu gehen.
Es war ein feierlicher Anblick, als ein Wort der Milde rti Menschen den langentbehrteu Frieden wiedergab. Wie riihlingSlust und Auferstehungsklang ging es durch daö
Deutsches Reich.
♦» Berlin, 25. April. Die „National-Zeitung" findet in der letzten Nummer der „Prov.-Corresp." eine Antwort auf ihre neuliche Forderung constitutioneller Garantien im Reiche bei dem Wegfall der Matrikular- beiträge. Die Antwort kann jedenfalls nur indirekt und als eine aus dem historischen Ueberblick der „Prov.-Corr." als selbstverständlich sich ergebende in dem Artikel gefunden toerben, zu einer direkten Antwort hatte die „Prov.- Corr." im Zusammenhang ihrer Darstellung gar keinen Anlaß. Das halbamtliche Blatt wies nach, daß das finanzielle Programm des Fürsten Bismarck schon seit Jahren eine weitgehende Zustimmung innerhalb der national- liberalen Partei gefunden habe, daß aber als Vorbedingung der Gewährung Garantien verlangt worden, seien nach einer stets genau bezeichneten Richtung, nämlich daß die Mehreinnahmen im Reiche wirklich zur Erleichterung in den Einzelstaaten unter Wahrung deS Rechts der Lan- desvertretungen führen. Die „Prov.-Corr." hat nun weiter ausgeführt, daß über diese genau bezeichneten Garantien eine grundsätzliche Vereinbarung im preußischen Landtag zur allseitigen Befriedigung erreicht und damit das aus dem Mangel jener Garantien hergeleitete Hinderniß für die Reform im Reiche beseitigt sei. Die „Prov.-Corr." brauchte umsoweniger auf einer Polemik gegen die jetzt auftauchende ganz neue und ganz verschiedene Forderung der Herstellung eines periodischen Einnahmebewilligungsrechts für den Reichstag einzugehen, als sie bisher gegen Darstellung von der Aeußernng des Abg. v. Bennigsen ausging, der seinerseits die Beseitigung der Matrikular- beiträge als das vor Allem zu erstrebende zwar in den Dornoch Samson Gauner, der in der traurigen Familiengeschichte eine so zweideutige Rolle gespielt hatte. Wie gerne wäre der Fürst mit aller Energie zwischen die unsauberen Machinationen des Wucherers gefahren, wenn nur nicht gewisse Rücksichten ihn davon abgehalten hätten.
Aber es war damals ein gar eigenthümliches Ding um die Geldangelegenheiten der fürstlichen Höfe und auch Leopold von Dessau mußte sich bei ruhigem Nachdenken sagen, daß im Interesse seiner Beziehungen zu Henoch augenblicklich nicht wohlgethan fei, durch übermäßige Strenge diese Beziehungen abzubrechen Und doch, etwas mußte geschehen, so ganz ungerupft sollte der Hvsjud nicht davonkommen.
Aber wozu war denn sein gelehrter Rath, der Junker von Prittwitz da? Und dieser sollte mit ihm eine Strafe für den Henoch ausspintisiren.----
10.
Herr Henoch hatte heute in seinem Haus einen absonderlich erquicklichen Tag. Seine Frau mußte sich hinter den Vetter von Braunschweig gesteckt haben, denn auch diesem war es plötzlich eingefallen, daß der Familienname seiner künftigen Schwiegertochter denn doch nicht würdig sei, um mit dem der Aschers verschwägert zu werden. Er hatte als eine besondere Bedingung zu den bereits schon gestellten, noch hinzugefügt, daß Henoch erst die angestrebte Namensänderung durchsetzen müsse, ehe die öffentliche Verlobung der beiden stattfinden solle. O, Löb Ascher aus Braunschweig hatte auch seinen Ehrgeiz und spielte unter der Judenschast des Landes eine so große Rolle, daß er selbst einem Manne wie Henoch seine Bedingungen auferlegen konnte. Und bei seiner Abreise hatte er diesen Punkt gerade nochmals betont, während Frau Rebecca nicht ermangelte, täglich in ihren Mann zu bringen, doch endlich den entscheidenden Schritt zu thun. (Forts, folgt.)
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Politische Woche«-Ueberficht.
Unser Kaiser weilt noch in Wiesbaden und erfreut sich irt des besten Wohlseins. Die Reichstagsferien gehen zu »de und die Reichsboten werden die Ueberzeugung zum Be- nn ihrer Arbeiten mitbringen, daß das Zoll- und Steuer« iiject des Fürsten Bismarck im Volke allseitige Billigung fahren hat. — Vice-Admiral v. Henk hat dem Kaiser bt Entlassungsgesuch und, wie verlautet, gleichzeitig eine eschwerdeschrift über die Verhältnisse, welche ihn zu diesem dritte bewogen haben, eingereicht.
In Wien feierte man diese Woche die silberne Höchst des Kaiserpares. Aus allen Theilen des Reiches sind borbnungen eingetroffen, um ihre Glückwünsche abzustatten. Mich ist mit ber Pforte eine Convention bezüglich No- bazars abgeschlossen worben.
In Rom hat nun doch noch eine Versammlung ber äupler ber demokratischen Partei Statt gefunden, in der 101 aribaldi eine längere Rede hielt.
I Die acht französischen Stichwahlen, die am 20. April , , Statt fanden, fielen keineswegs günstig für eine ruhige . ntwicklung ber gemäßigten Republik aus. Ueberall mar- KorgeCirten fcje Orixxmisten, Legitimisten und Bonapartisten , uter der Fahne ber letzteren zur Urne, unb in Paris setz- lrr» n sie ihren Mann, Gobelle, mit 6509 Stimmen gegen _ m Republicaner, Clamageran, ber 5011 Stimmen erhielt, ™UT »rch. Grevy hat wieder 800 Communards begnadigt. Die ®effton ber Generalräthe, bie am 22. April eröffnet wurde, : bi« jetzt stiller, als erwartet wurde, verlaufen. Die täfecten haben Befehl erhalten, die Geueralräthe auf den reis ihrer Befugnisse zu dem politische Wunsche nicht ge- iren, aufmerksam zu machen.
Die spanische Regierung hat bei den Corteswahlen ----7 nen glänzenden Sieg davongetragen; die Opposition wird ? ur durch etwa 100, die Regierungspartei durch über 300 t < $ ^geordnete vertreten fein.
L11 * In Belgien hat die zweite Kammer am 22. d. die rft »erathung der Regierungsvorlage über eine Verfassung«- Üßige Gestaltung des Elementarschulwesens begonnen. Bei
_ Kons haben in einer Kohlengrube (l'Agrappe) von Fra- iJWttrie« schlagende Wetter ein entsetzliches Unglück angerich- 1879. !t. Von 208 eingefahrenen Bergleuten haben nur 88 i Ulfa urch den Luftschacht gerettet werden tönnen; die übrigen
Der König der Niederlande hat mit seiner jungen Gemahlin am 21. d. in Amsterdam feierlichen Einzug gehalten. Die damit begonnenen rauschenden und glänzenden Festlichkeiten waren bis auf jetzt vertagt gewesen wegen des Todes des Prinzen Heinrich.
Die beiden Häuser des englischen Parlaments haben ihre Arbeiten wieder begonnen und die Regierung war in der angenehmen Sage, den Entsatz der ausgehungerten Besatzung von Eskowe durch General Chelmsford mittheilen zu können, eine Nachricht, bie den Angriffen der Opposition gegen die auswärtige Politik ber Regierung einstweilen bie Spitze abgebrochen hat. Den Khebiv wird England wahrscheinlich zunächst seinem Schicksal überlassen, das heißt ein tatsächliches Einschreiten vermeiden, weil es sich durch ein engeres Zusammengehen mit Frankreich nicht die Hände binden möchte. Die Königin Victoria hat nach der officiel- ten Zusammenkunft mit dem italienischen Herrscherhaus zu Monza am 23. d. in Begleitung der Prinzessin Beattice bie Rückreise nach England angetreten.
Die Untersuchung gegen Solowiew hat nach kein endgültiges Ergebniß erzielt, wenigstens ist noch nichts darüber in die Oeffentlichkeit gedrungen. Dagegen haben die Maßregeln, mit denen das Zarenthum jetzt den immer frecher auftretenden Nihilismus bekämpfen will, nicht auf sich warten lassen. Durch kaiserlichen Ukas sind provisorische Gene- ralgouverncure in Petersburg, Charkov und Odessa mit ausgedehnten außerordentlichen Vollmachten eingesetzt worden. Man hat den Generälen Gurko, LoriS-Milikow und Totleben diese wichtigen Posten anvertraut und die gleichen Vollmachten wie ihnen vorläufig auch den Generalgouverneuren in Moskau, Kiew und Warschau übertragen. Wenn man den kaiserlichen Ukas liest, welcher ihre Machtvollkommenheiten bestimmt, so muß man sagen, daß ihnen unbe- gränzte Macht über Leben, Freiheit und Besitz aller Un- terthanen deS Zarenreiches eingeräumt ist und daß sie unumschränkt nach persönlichem Gutachten schatten und walten dürfen, ohne in irgend einer Beziehung durch Gesetze eingeengt zu fein. Von der ihnen verliehenen Macht scheinen sie auch im weitesten Umfang Gebrauch machen zu wollen. Wenigstens hat General Gurko in Petersburg bereits eine Verfügung erlassen, die in dieser Stadt einen Zustand ein« führt, gegen welchen das, was man sonst Belagerungszustand nennt, geradezu Kinderspiel ist. Der Kaiser und die Kaiserin sind nach Livadia abgereist,
Tagesbericht.
Eine Nachricht der „Kiel. Ztg.", daß Prinz Heinrich von Preußen, der zweite Sohn des kronprinzlichen Paares, der bekanntlich im vorigen Jahre eine Reise um die Welt auf der Corvette „Prinz Adalbert" angetreten, von welcher er erst nach zwei Jahren wiederkehren sollte, nun doch bereits im Sommer von Yokohama ans Heimreisen würde, Gemach, wo ein echter Fürst von seinem göttlichen Vorrecht — dem der Gnade so schönen Gebrauch gemacht hatte.
„Und nun genug, Alter," sprach nach einer kurzen Panse ber Fürst, „es ist Zeit, baß ber Förster heimkehrt zu seinem Weib. Geh' hinunter unb laß ihm einen Gaul satteln, bamit Frau Anne von ihrem Bangen erlöst wirb. Es hat Ihr einer versprochen, baß es halb geschehen soll unb er wird fein Wort halten. Aha, da staunt Ihr wieder! Na, HanS Justi, sag et ihr nut, der Förster Kieper lasse sie grüßen und nun geht."
Vater und Sohn verließen erschüttert von dieser Wendung ihres Schicksals das Gemach und eine halbe Stunde später trabte der Förster dem WolfSgmnd zu. Ihm war so glückselig zu Muthe, als sei erst heute der richtige Hochzeitstag für ihn unb feine Anne anbebrochen unb als er nach einem scharfen einjtünbigen Ritt, bem vor ber Thüte lungernden Burschen die Zügel zuwarf und vom Pferd sprang, da.schaute im dieser verwundert in bas leuchtende Antlitz. So hatte dieser seinen Herrn nie gesehen und war er doch schon so lange in feiner Umgebung.
Die Försterin aber wußte das Gesicht ihres HanS besser zu deuten. Einen einzigen Blick warf sie auf dasselbe, als er unter die Thür der Stube trat und mit einem glücklichen Aufschrei lag sie an seinem Herzen. Das Weh der langen Jahre sank in einem Augenblick in die Nacht deS Vergessens unb Frieden unb Glück hielten ihren Einzug in das stille Jägerhaus im Wolfsgrund.
Leopold von Dessau war, als die beiden Justi'S von ihm in Gnaden entlassen worden waren, noch eine Weile allein sinnend in seinem Cabinet zurückgeblieben. Sein Werk war erst zur Hälfte vollbracht, denn in seinem Innern regte sich ein bitterer Groll gegen den Hofjuden He-