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Marburg, Mittwoch, 23. April 1879

XIV. Jahrgang

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tnjeigen nimmt tmgegen: die Expedition d.vlattr», sowie d-Annoncen-Bureaux von Th. Dietrich & To. in staffel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a.M.; Haasenstein & Bögler in Frankfurt a M., Berlin, Leipzig, CSln rc.; Rudolf Refft in Berlin, Frank­

furt a. M.

Tagesbericht.

DerReichs - Anzeiger" publicirt eine kaiserliche Ver­ordnung, wodurch die Lothringer Bezirksvertretung zu einem Bezirkstag einberufen wird, welcher am 28. April beginnt und spätestens am 3. Mai schließt.

Der deutsche Kommissar für die australische Ausstel­lung, Profesior Reuleaux, begibt sich heute nach London. Seitens der Reichsregierung wird bei dem Reichstage zur Unterstützung der deutschen Aussteller die Bewilligung einer noch zu bestiminendeil Summe beantragt werden.

ruchzog. Fürst Milan ordnete die sofortige Entsendung von O Bataillonen und 2 Batterien an. Gestern schritten die serbischen Truppen zum Angriff und verdrängten die Arnauten aus Kurschumlje. Doch gelang es diesen, sich auf den Anhöhen von Samokowo festzusetzen, von wo sie heute die Serben wieder angriffen. Bei Kurschumlje blieben 4 Serben und 6 Arnauten tobt, 3 Serben und 7 Arnauten wurden verwundet. Die serbische Regierung richtete an die Pforte die Aufforderung, reguläre Truppen an die Grenze zu entsenden, widrigenfalls Serbien die An­greifer ohne Rücksicht auf das türkische Territorium exem­plarisch bestrafen müßte.

Der englische Ministerresident Gould hat sich behufs Ueberreichung seiner Crcditive nach Risch begeben. Bel­gien ernannte Borchgrave zu seinem diplomatischen Ver­treter in Serbien. Aus Konstantinopel meldet die Pol. Corresp.": In den gregorianisch-armenischen und griechischen Kirchen wurde Dankgottesdienst für die Rettung des Kaisers von Rußland abgehalten. Aleko Pascha wird heute in Konstantinopel erwartet.

Unter den katholischen Albanesen hat sich eine Ver­schwörung angezettelt, zur Erlangung der Autonomie. Der Gouverneur von Scutari ließ 50 Rädelsführer ver­haften, mußte sie aber wieder freigeben, weil die Bewegung unter sämmtlichen Stämmen des Bezirks einen so großen Umfang gewann, daß er seine militärischen Kräfte für zu schwach hielt, um ihr erfolgreich entgegen zu treten! Zn Serbien treffen vielfach muhamedanische Deputationen aus den bulgarischen Orten an der Donau ein, um die Erlaub- niß zur Einwanderung in Serbien zu erbitten, well ihnen die Brutalität der Bulgaren und der bulgarischen Be­hörden unerträglich werde. Andererseits wird der russische Gouverneur in Rustschuk von den Bulgaren bestürmt, den Muselmännern, Juden, Serben undMamaliganern" (Schmähwort für Rumänen) zu verbieten, Hanoel zu tret ben, resp. sie auf einen bestimmten Stadttheil zu be- Ichränken.

Deutsches «eich.

** Berlin, 20. April. Die Nationalzeitung äußert gegenüber unserer neulichen Notiz über den wahrscheinlich nolhwendig werdenden Verzicht der für die Osterferien in Aussicht genommenen antizollreformistischen Versammlungen, sie wisse nicht, ob Seitens der Fortschrittspartei die Absicht, solche Versammlungen zu veranstalten bestanden habe. Da­nach muß die Nationalztg. ihrer liberalen Nachbarschaft fehr wenig Aufmerksamkeit widmen; wenn sie die fortschritt­liche Presse Berlins in der Woche vor Ostern sich ansehen will, wird sie die reichlichste Bestätigung dieser Absicht ohne Schwierigkeit sinden. Uebrigens wird das Scheitern der- selben jetzt sogar von fortschrittlicher und demokratischer Haus. Der Tag war längst angebrochen als er trunken sein Zimmer betrat und mir, mit lallender, vor Aufregung heiserer Stimme befahl, mich hinaus zu scheeren, da er ZU arbeiten habe. Ich ging schweigend in die Nebenstube und hörte ihn eine Zeit lang mit sich selbst redend, Geld auf den Tisch werfen, rechnen und zählen, dazwischen aber schwere Flüche ausstoßen, die mich mit Entsetzen erfüllten. Eine Stunde später ließ er den Zustt rufen und schloß sich lange mit ihm ein. Wa« die beiden verhandelten, sollte ich am Abend erfahren, als mein Vater abermals weggegangen war und der Hans wie gewöhnlich zu mir kam. Die Wolke auf seiner Stirn war noch düsterer als bisher und diesmal ruhte ich nicht eher bis ich alles erfuhr.

Mein Vater war ein Spieler! Justt hatte es längst bemerkt. Jenseits des Forstes, in einer einsamen Schenke ttaf er mit den wilden Genossen und Zechbrüvern zusam- mm und die Wirthin dieses Hauses war keine andere als die schwarze Sabine, wie sie in der dortigen Gegend ge­nannt wurde. Er hatte seit lange beträchtliche Verluste erlitten und m einem Anfall der Verzweiflung die Hilfe Justi's in Anspruch genommen, dem er halb und halb vertraut, dabei aber das feierliche Versprechen abgelegt hatte, nie wieder Karte noch Würfelbecher zu berühren.

Wie ernst es ihm mit diesem Versprechen war, davon war Justi an diesem Morgen überzeugt worden, wo ihn mein Vater bestürmte, ihn noch einmal zu retten, da er in der verflossenen Nacht abermals gespielt und eine Summe verloren hatte, welche weit die Mittel überstieg, über die n auf Monate hinaus zu verfügen hatte. Und nochmals gelang es meinem Geliebten zu helfen. Er hatte eS um meinetwillen gethan, denn so tief war das Ehrgefühl meines Vaters schon gesunken, daß er mit dürren Worten als

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ÄuS Italien heißt «~ .

. ftuibaldi's Absichten nicht klar. Eigenthüinlich ist die Situation. Er tauscht mit dem Könige Besuche aus, nach­dem er Niemanden darüber in Zweifel gelassen hat, daß

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blatte« sowie d. Annoncen-Bureaux von ®. L> Daube & Co. in

In Bezug auf den Zolltarif wollen Manche vermutheu, seinen die Freihändler würden das Tabaksmonopol annehmen, ~ ~ neun der Reichskanzler auf die Gctreidezölle verzichte. Man erinnert sich dabei an eine Bemerkung Bambergers, daß et unter Umständen bereit sei, auf daS Monopol ein« he ruschen. DieNat.-Ztg." schreibt:

t /Daß keine Zollerhöhung zu Stande komme ohne ----Whzeitige Feststellung der constitutionellen Garantien, ist

ttteinS ß5m8d Wahl in Bezug auf feine Minister für 2----Onzlich verfehlt hält, nachdem er öffentlich und mit Er-

rmOttNung eines gewissen Aufsehens italienische Republikaner iud ab- iglich empfangen hat und ebenso Leute von der Italia rredenta, die das Königreich mit Oesterreich brouifliren Achten. Die italienische Regierung hat übrigens in der ttztm Woche eine Anzahl Kriegsschiffe in das Adriaiische »lttUtl lteer geschickt, wie wenn sie für alle Vorkommnisse gerüstet m wolle. Der Pabst soll in Aussicht der bevorstehenden ______ Reform des Wahlrechts Anweisung gegeben haben, die uthaus Äolischen Wähler so vorzubereiten, daß sie im Moment

-- er Wahl bereit sind, jedem weiteren Befehl nachzukommen.

[Vielleicht war es diese Liebe, welche mich so voll und Fi in Anspruch nahm, daß ich lange Zeit das Wesen P Treiben meines Vaters nicht beachtete. Und doch dasselbe- gerade damals ein seltsames und wohl geeig- tr bei dem ruhigen Beobachter ernste Besorgnisse wach rufen. Eine innere Hast und Unruhe hatte sich seiner nächtigt und prägte sich auf seinem Gesicht aus oft ? es ihn keine Stunde ruhig zu Haus; bann schloß er » wieder halbe Tage lang in seinem Zimmer ein, um, [ sagte, seinen Arbeiten obzuliegen. Und bald eut- ste ich, daß er viele Nächte nicht zu HauS verbrachte, mntd an den darauffolgenden Tagen seine ganze Ge- p zerfallen, sein Wesen unleidlicher denn je erschien.

Zustande peinigten mich und wie gerne hätte ich 7 meinem Geliebten anvertraut, wäre nicht auch bei Um eine Veränderung eingetreten,, die mich schwer be- ;--J??We. Nicht, daß feine Liebe zu mir nachgelassen etn' s" gab sich fort und fort in der liebe» Eften Weise kund, aber seit einiger Zeit bemerkte ich 43 e trübe Wolke auf seiner Stirn, die er in meiner , V ffenwart vergeblich zu verscheuchen suchte er verbarg ».74,1 1 etwas und dieses etwas mußte mit meiner Person in . 84-6 Endung stehen, das sah ich an den schmerzlichen Blicken, er mir zuweilen zuwarf, wenn et sich unbeachtet glaubte. Doch auch dieser Zustand sollte ein Ende nehmen und 1 statt des Hangens und Bangens Gewißheit, freilich r schreckliche Gewißheit, werden.

Eines Morgens kam mein Vater später denn je nach

8 DiePolit. Corresp." berichtet telegraphisch aus Bel­ad über ben Aruauten-Einfall: Gegen 1000 Arnauten, runter Nizams, brangen am Freitag bei Prepoljac in ier zu« Toplicer Kreis ein unb besetzten Kurschumlje, dessen Gefäll.urnison, 200 Manu stark, sich vor der Uebermacht zu-

Seite konstatirt. Zum Präsidenten de« Verwaltungs­raths der Wilhelmsspende war in erster Linie der Staats­minister a. D. Dr. Delbrück in Aussicht genommen. Der- E"deß mit Rücksicht auf feine parlamentarischen Geschäfte und auf seine alljährliche längere Abwesenheit die Berufung abgelehnt und ist jetzt eine andere mit Finanz­verhältnissen vertraute Persönlichkeit, die früher ein hohes Staatsamt bekleidet, in Aussicht genommen. Auf der Tagesordnung der Bundesrathssttzuug vom 19. April be­fand sich auch die Wahl der Commissarien zur Vertretung des Zolltarifs vor dem Reichstag. Die Wahl ist auf fol­gende Herem gefallen: Geh. Reg.-Rath Tiedemann von der Reichskanzlei, Geh. Reg.-Rath Burchhard vom Reichs- kanzleramt, Geh. Ober-Reg.-Rath Rothe vom landwirth- schastlrchen Ministerium, bayerischer Ministerialrath Mayer, sächsischer Geh. Reg.-Rath Böttcher. Die Mittheilung des deutschen Montagsblalts, der Kaiser habe vor seiner Abreise die Ernennung des Geh. Ober-Reg.-Rath Michaelis zum Präsidenten der Verwaltung des Reichs-Jnvalidenfoiids vollzogen, ist falsch. Der Geh. Reg.-Rath Professor Reuleaux ist durch Wahl des Bundesraths vom 19. April zum deutschen Eommissar der australischen Ausstellungen zu Melbourne und Sidney ernannt. In Preußen haben die Friedrich-Werdersche unb Luisenstäbtische Gewerbeschule zu Berlin, in Würtemberg bie Realschule zu Stuttgart, Ulm unb Reutlingen bie Berechtigung erhalten, vollgültige Ablturientenzeugnifse im Sinne des §. 3 ber Verordnung über bie Ergänzung ber Offiziere beS stehenden Heeres für diejenigen Schüler auszustellen, welche im Latein durch eine Nachprüfung die für bie Erlangung des Reifezeugnisses einer Realschule I. Ordnung erforderlichen Kenntnisse nach­weisen. Ferner sind die genannten Anstalten berechtigt, Reifezeugnisse von Prima für bie Zulassung zum Porteps- fähnrichsexamen für Schüler auszustellen, welche burch Nachprüfung im Latein bie Reife für bie Prima einer Realschule 1. Ordnung nachweisen. Um einem ans sach­kundigen Kreisen vielfach geäußerten Wunsche zu entsprechen, hat der HanbelSminister in einem Erlaß vom 6. April bestimmt, daß diejenigen Stubirenden bes Maschinenfachs welche bie großen Sommerferien zu praktischen Arbeiten verwenden wollen, hierzu versuchsweise in ben Eisenbahn­werkstätten, soweit dies ohne Schädigung für bie Aufgaben berselben geschehen kann, Gelegenheit gegeben werbe. Die Stubirenben haben bei ihrer Meldung zur Beschäftigung als Volontäre Zeugnisse über ihre bisherigen wissenschaft­lichen Leistungen unb ihr sittliche« Verhalten einzureichen unb sich zu verpflichten, bie zweimonatliche Ferienzeit ohne Unterbrechung in ben Werkstätten zuzubringen, währeub dieser Zeit ber Werkstattorbnung sich zu fügen unb keiner­lei Freiheit ober Sonderstellung für sich in Anspruch zu nehmen. Jede Verletzung ber Verpflichtungen schließt bie fernere Berücksichtigung aus.

Preis für seine Einwilligung zu unser Heirat, bie Beschaf­fung ber nicht unbeträchtlichen Summe verlangt hatte. Frei­lich hatte Justi diesmal das letzte, da« er besaß, geopfert, ja selbst bie geringen Ersparnisse seines alten Vaters in Anspruch genommen, um nochmals die drohende Schande von dem Haupt meine« Vaters abzuwendm.

O, wie mich das Gefühl ber Scham nieberbrütfte, als ich das alles vernahm! Ich wagte kaum bie Augen zu meinem Bräutigam aufzuschlagen, aber ber treue Mann tröstete mich mit so milben, guten Worten, daß neuer Muth, frische Hoffnung in meine Brust einzogen und wieder der Glaube an eine bessere Zukunft Wurzel m derselben schlug.

Eine Zeit lang schien auch alles besser zu gehen Mein Vater wich uns zwar sichtlich aus und ließ uns still unsere eigenen Wege gehen, aber er verließ das Haus nicht mehr unb arbeitete, wie e« schien, angestrengt in seinem Beruf. Doch halb tauchte eine verdächtige Gestalt nach ber andern in unserem Haus auf, im Geheimen mit mei­nem Vater verkehrend, und ehe sechs Wochen vergangen waren, trieb er sein unsittliches Wesen ärger beim vorher. Immer matter, mit sich unb ber Welt verfallener, kehrte er von seinen heimlichen Ausflügen heim. Aus seinem wahrhaft unheimlichen Wesen sprach deutticher als bies Worte hätten sagen können, baß er große Verluste erlitt unb bas ofte Erscheinen bes Hofjuben Henoch in unserem HauS, bie ganze Art unb Weise, wie bieser mit ihm ver­kehrte, zeigten un6, woher er bie Mittel zu seinem hohen Spiel bestritt. Unb als biefe Quelle versieget war, ba brach bie Katastrophe herein, welche Justi, wie er mir später geftaub, längst befürchtete, unb bie jene dunkle Wolke auf seine Stirne gelagert hatte.

ES war an einem stürmischen Winterabend. Draußen

Frankfurt a. M; Jäger'sche Buchhand! ung daselbst; Hermann'sche Buchhandl. daselbst; Jnvalidendank in Beilin; W. TbieneS in Elberfelds C. Schlotte in

M- m h» >uA.'SSA TÄÄTS'i-iti*'°-b" s-u. l» Vf«.

acker-W gemeinsames Interesse der liberalen Parteien. Daß ihrung »e Frage für den preußischen Haushalt gelöst ist, macht igt die hre Lösung für ba« deutsche Reich nicht entbehrlich. Hier [1150 legt für die bevorstehende kurze Session des Reichstages ine Aufgabe, die an Wichtigkeit hinter keiner anderen zu- ücksteht."