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JTiarÖUrg, Sonnabend, 19. April 1879.

XIV Jahrgang

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Die in Berlin tagende Conferenz der Delegirten der deutschen Seehandelsplätze beschloß eine Petition an den Reichstag, worin dieselbe sich gegen Retorsionszölle, gegen Zölle auf Getreide, Äsen und Holz ausspricht und ferner erklärt, sie habe gegen Finanzölle principiell nicht« einzu­wenden, die für Thee, Kaffee, Tabak, Malz, Speck und Petroleum vorgeschlagenen Zollpositionen seien aber viel « hoch. — Der Director der Hauptverwaltung der Slaats- sihulden Graf Eulenburg ist heute Donnerstag Morgen sestorben.

einem Prinzen entbunden worden. — Aus Belgrad. Das Gerücht über ein angeblich In Risch gegen den Fürsten von Serbien verübtes Petardenattentat ist vollständig un­begründet. In serbischen Kreisen verlautet, die Regierung gehe mit der Absicht um, den Zolltarif für österr.-ungar. Jndustrieerzeugnisse zu erhöhen.

Die von Konstantinopel nach London gelangte Meldung, wonach die Russen auch nach dem Räumungstermine provisorisch in Ostrumelien verbleiben sollen, wird von autorischer Seite kategorisch für gänzlich unbegründet be­zeichnet.

Zur Vorberathung des Entwurfs eines Reichs-Viehseu- chengesetzes tritt am 1. Mai eine aus Delegirten der Bundesstaaten bestehende Kommission zusammen, zu deren Vorsitzenden der Geh. Ober-RegierungS-Rath Starke im Reichskanzleramte ernannt worden ist. Preußischerseits ist A. der Reichtagsabgeordnete Landrath v. Bcthmann- llweg (Oberbarnim) zum Mitglied der Kommission gnirt.

sowie d-Annoncen-Bureau; von Th, Dietrich & Co. in

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Meldungen der „Polit. Corresp." Au« Konstantinopel: Ueber das Project der gemischten Occupation wird immer noch von den Cabineten verhandelt; nur in dem immerhin noch uiöglichen Falle der Verwirklichung desselben könnte von einer Betheiligung Rußlands an der Occupation auch nach dem Evacuations-Termine die Rede sein. Andernfalls jedoch steht sicher zu gewärtigen, daß conform den Er-

eblt Äsungen sämmtlicher Großmächte Rußland den vertrags- mäßigen Räumungstermin gewissenhaft respectiren werde.

Aus Cettinje: Die Fürstin von Montenegro ist von

Kassel und Hannover; Th. Dietrich in grantfurt a.M.; Haasenstein & Bögler in Frankfurt a M., Berlin, Leipzig, Köln rc.; Rudolf Kosse ins Berlin, $tan!- furt o. M. ic

Im Wolssgruvd.

Bon Fritz Brentano.

(Fortsetzung.)

„Ich sage Dir, Weib," rief der Vagabund, dem der Smoffene Branntwein und die Aufregung mehr und mehr a Kopf stiegen, „Du wirst am besten thun, das Maul a halten.. Ich bin just in der richtigen Stimmung, dem rsten, der mir in den Weg tritt, einen Denkzettel für vig zu geben. Und jetzt kein langes Federlesen mehr! Wo st das Geld?"

Die Frau war aufgesprungen, aber vergebens versuchte >c ihren Arm aus der umklammernden Faust deS Wüthen- zu befreien.

Deutsches «eich.

** Berlin, 17. April. Aus den jetzt dem Reichs­tag zugehenden Mottven des ZolltarifgefetzeS ist folgende Stelle bemerkenswerth: „Da die Steigerung der indirekten Einnahmen des Reichs von den verbündeten Regierungen zu dem Zwecke erstrebt wird, den Einzelstaaten finanzielle Erleichternngen und die Möglichkeit von Reformen auf dem Gebiet des direkten Steuerwesens zu gewähren, so würde es von großem Interesse sein, den Gesammtbetrag der Mehreinnahmen zu kennen, welche von den vorgeschlagenen Tarifänderungen zu erwarten sind. Siefen Gesammtbetrag auch nur mit annähernder Sicherheit zu berechnen, hat sich jedoch als unmöglich ergeben. Die Verminderung der Ein­fuhr, welche in Folge der Einführung oder Erhöhung von Zöllen zu erwarten ist, wird bei den verschiedenen Arttkeln in ganz verschiedenem Maße stattfinden. Das Ergebniß der anzunehmenden Zollerhöhungen entzieht sich jeder Be­rechnung in allen den Fällen, wo die Gegenstände der Verzollung früher frei eingingen. Versuche von Abschwüngen haben Resultate geliefert, welche zwischen 30 und 100 Mil­lionen schwanken, so daß sogar darüber hinausgehende Ueber- treibungen in der Preffe jedes Maßstabes und jeder Kon­trolle entbehren. Rur da, wo die früher bestandenen Zölle erhöht werden, liefern die Listen Anhaltepunkte, die aber unsicher bleiben, weil der Rückschlag der Zollerhöhung nicht zu berechnen ist. Bei allen bisher unverzollten Arttkeln haben die vorliegenden stattstischen Nachrichten feinen An­spruch auf volle Glaubwürdigkeit sie gehen mit den kvrttrvl- lirenden Angaben der Eisenbahnen auseinander, die ange­führten Massen zollfreier Maaren sind nicht gemessen oder gewogen. Noch weniger läßt sich die Ausfuhr feststellen, am. wenigsten die Durchfuhr. Ertragsschätzungen, für welche die Regierung die Verantwortlichkeit übernehmen könnte, laffen sich schon deshalb nicht vornehmen, weil die Richtigkeit der über die Einfuhr gemachten stattstischen An­gaben nicht gewährleistet werden könne.- An Anlagen sind den Motiven vier beigefügt: 1) eine Vergleichung deS neuen Tarifentwurfs mit dem jetzt gellenden Zolltarif, so- wie mit den Tarifen von 1865 und 1860, 2) der öfter« — noch einige krampfhafte Zuckungen und der Hund streckte sich weit aus — er war tobt.

©ein Gegner hatte sich vom Bodm ausgerafft und trat jetzt so dicht vor die Försterin, daß sein glühender Athem ihre Wange streifte. Er sah entsetzlich aus. Das Blut tropfte aus den Bißwunden, die ihm daS wüthende Thier beigebracht hatte und auch seine Augen waren blutig unterlaufen.

„Weib," knirschte er, während seine Hand grimmig daS Mordinstrumment zückte, „jetzt sind wir allein — ein Wort — ein Laut — und ich begehe etwas Entsetzliches! Zum letztenmal! Wo hat der Justt sein Geld liegen?

Auch über die Frau war eine wllde ©nagte gekommen.

„Stoßt zu," rief sie, „und vollendet da« Wak Eures Lebens in würdiger Weise mit einem Mord. DaS Geld aba erhaltet Ihr nicht, so wahr ich —"

„So fahre zum Teufel!" unterbrach sie da Vagabund und holte zum Stoß aus.

„Hall Schurke!" bornierte in btefem Augenblick eine mächtige Stimme hinta ihm und eine kräfttge Faust um­klammerte so eisern die wida die Försterin erhobene Hand, daß derselben alöbald das Messa entfiel und klirrend zu Boden stürzte.

Mll einem dumpfen Wuthschrei wendete sich da also Angegriffene gegen seinen neuen Gegna, der ihn mit einem Ruck in die Ecke schleuderte. Dort stand da mächtige Eichenknüppel de» Vagabunden, den diesa sofort ergriff und auf den andern eindrang.

Doch diesa war auf seiner Hut. Im Nu hatte a bat Hirschfänger gezogen und parirte plitzschnell den auf seinen Kops medersausenden Stock. Ein Stoß mit da Faust und da Vagabund lag auf da Erde. Schon

Anzeigen nimmt entgegen: dieE^iebitton d. Blatte» sowie b. Annoncen-Bureaux von G. L- Daube & Co. in Frankfurt a. M; Jäger>sche Buchhandl ung daselbst;

Hermann'sche Buchbandl. ♦ dafelbst; Jnvalidendank in

Berlin; W. Thienes in Elberfeld: C. Schlotte in Bremen.

reichisch-ungarische Zolltarif vom 27. Juni 1878 , 3) der den französischen Kammern im Februar 1877 vorgelegte Gesetzentwurf eines allgemeinen Zolltarifs, 4) der des von den eidgenössischen Räthen der Schweiz im Juni 1878 in erster Berathung angenommenen Bundesgesetzes betr. einen neuen schweizerischen Zolltarif. — Nachdem, wie gemeldet, am 5. l. M. der Justizausschuß des Bundesraths die Vor­schläge zur Besetzung der Richterstellen int Reichsgericht erörtert hat, wird am 19. April der BundeSrath die Wahl der Richter vornehmen. Es muß wiederholt aufmerksam gemacht werden, daß, bevor diese am Sonnabend zu voll­ziehenden Wahlen die Allerhöchste Sanktion erhalten haben, etwas Zuverlässiges und PosittveS über dieselben nicht ge­meldet werden kann. So enthatten die bezüglichen Mit­theilungen, der Weserzeitung viel unrichttge Angaben. — Zu der Mittheilung, daß die Vorarbeiten für ein Reichs- Viehseuchen-Gesetz in Angriff genommen worden, können wir ergänzend hinzufügen, daß am 1. Mai behufs weiterer Erwägungen die vom Reichskanzler int Reichstag bereits in Aussicht gestellte Kommission von Landwirthen zusam­mentreten wird. Nach Beendigung diesa KvmmissivnS- berathungen wird sich fragen in wie weit die Zeit noch gestattet, dem Reichstag eine bezügliche Vorlage zugehen zu laffen.

«ölu, 15. April. Die heute Hierselbst im Gürzaiich behufs Fassung einer Resolutton zur Wirthschaftsfrage ab- gehallene Versammlung war sehr zahlreich besucht. Die von dem Comite vorgeschlagene Resolution lautet: Deutsch­land bedarf zur Entwickelung und Erhaltung seiner pxo- dukttven Kräfte neben einer rationelleren Gestattung des Eisenbahn-TarifwesenS einer festen, von nationalen Rück­sichten geleiteten WirthschaftS- und HanoelS-Polittk. Zu diesem Zwecke muß der seit dem Jahre 1875 verfolgte Weg verlassen und ein System von Grenzzöllen errichtet werden, wodurch die von da freien internationalen Con- currenz gefährdeten Gebiete da vaterländischen Produktion hinreichend geschützt werden. Diese Zölle sind nach sorg­fältiger Prüfung und sachgemäßer Abwägung unter thun- lichster Berücksichtigung aller bestehenden Verhältnisse ledig­lich nach Maßgabe da Gesammt-Jntaeffen des Volkes zu bemeffen. In Consequenz der vom Kaiser in der letzten Thronrede ausgesprochenen Meinung ist der Reichstag vor die Aufgabe gestellt, über die nothwendigen Aeuderungen in der Wirthschaftspolittk des Reiches zu beschließen. An­gesichts des täglich wachsenden NochstandeS erwartet die Versammlung, daß die Lösung dieser Aufgabe baldigst und jedenfalls noch im Laufe der gegenwärtigen Reichstags- sesston ihre Erledigung finden werde. — Zu dieser Reso­lution beantragte Pauli, an Stelle des zweiten Satzes dieser Resolutton folgendes Amendement anzuuehmen: Zu diesem Zwecke muß der seit dem Jahre 1865 verfolgte Weg verlassen und ein System von Zöllen eingeführt, be­hob sein Gegner die bewehrte Rechte — der Hirschfänger blitzte über dem niedergestürzten als die Försterin hinzu­kam und den gehobenen Arm umklammate.

„Allmächttga Gott," schrie sie, „haltet ein Kieper, es ist mein Vater!"

„Euer Vater — der Berger — holla, was ist das", rief erstaunt Kiepa und ließ die erhobene Waffe sinken, indem er sich gegen die Frau wandte.

Diesen Augenblick benützte der Vagabund. Mit einem Sprung hatte er sich aufgerafft und verschwand in da Dbür des Nebenzimmers, die Kieper bei seinem Eintritt offen gelaffai hatte und von wo au« eine zweite Thür durch das Hinterhaus in den Wald führte.

Die Försterin war erschöpft in den Sessel gesunken. Der Fremde aber zerrte den tobten Hund beseite, warf einen an der Wand hängenden alten Hausrock des Försters über ihn und näherte sich dann wieder da Frau.

Diese hob flehend die Arme zu ihm empor und der Jammer der lchten Stunde machte sich endlich in einem gewaltigen Thränenstrom Luft.

„D, Kiepa, Kiepa," rief sie, „Euch hat Gott hn achten Augenblick hierher geführt. Ich danke Euch mein Veben — die Ehre meines Mannes! Aber seid großmüthig und krönt Euer gutes Werk dadurch, das Ihr über daS Vvrgefallene schweigt."

„Hört mich an, Frau," antwortete mit mildern Ernst ba andere, „was ich heute hia alebt — und es ist wahr­lich nicht Geringes — bleibt, wenn irgend möglich, versteht mich wohl, wenn irgend möglich Geheimniß zwischen uns, das heißt unta einer Bedingung: Volle Offenheit. Ich habe viel von Eura Unterredung mit dem alten Schurken — Eurem Vater mit angehört, denn ich bewachte schon

!lbend gnjeigen nimmt entgegen: Ifl itz die Expedition «.Blatte#,

Se. Maj. der Kaiser hatte am Mittwoch Nachmittag eine einstündige Konferenz mit Fürst Bismarck. — Die „Prov.-Corresp." schreibt: Das Attentat gegen den Kaiser Alexander bllde ungeachtet der eigenthümlichen seit Jahren in Rußland entwickelten Verhältnisse ein Glied in der Reihe der Frevelthaten der durch ganz Europa gehenden revolutionären Bestrebungen. DaS deutsche Volk, welches dem mit seinem Kaiser befreundeten und seit langen Jahren eng verbündeten Fürsten die innigsten Gefühle widme, habe auch anläßlich der jetzigen schweren Prüfling seiner ernsten Theiluahme für Kaiser Alexander und dessen er­habene fürstliche Aufgabm den wärmsten Ausdruck gegeben. — Betreffs der Reisen Sr. Majestät des Kaisers bemerft die „Prov.-Corr.": Der Kaiser gedenke Anfang Mai nach Berlin zurückzukehren und zunächst hier und in, Babelsberg zu restdiren. Die weiteren Reifepläne seien

, ."°ch nicht feftgefteUt, namentlich fei es noch ungewiß, ob Ciieil der Sommerkur in Gastein ein Badeaufenthalt in Ems ober wieder in Teplitz vorhergehen solle.

„Margareth! Margareth! Licht!" schrie sie, aber schon g in »ar die Hilfe nahe.

> übei ®et. Hund, welcher die beiden aufmerksam beobachtete, drang in diesem Augenblick mit einem dumpfen Geheul - ' «f und faßte mit seinen scharfen Zähnen den Arm des ragabunden, der stöhnend vor Schmerz die Frau losließ ll Ka vd sich gegen das Thier wandte.

187# Ein kurzes, aber wildes Ringen erfolgte, in welchem l'a ?, Effte sich vergebens auf den Beinen zu erhalten suchte.

rit einem furchtbaren Fluch stürzte er zu Boden, einen ugenblitf tastete er suchend umher, bann blitzte bie breite singe eines Messers im Schein bes Feuers auf unb »in« *ib ließ bet Hund seinen Gegner los.

Die Försterin schrie laut auf unb schlug beibe Hände fr das Gesicht, bei dem Anblick, welcher sich ihr bot. Ab.7l los treue Thier hob sein brechendes Auge zu der Herrin apor und versuchte nochmals zu ihren Füßen zu kriechen ' aber vergebens. Der Vagabund hatte gut zugestoßen