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Skr. 89

«Marburg, Donnerstag, 17. April 1879.

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mannshoch in der Lust herum, einzelne Regenschauer schlugen prasselnd an die Scheiben und zuweilen drang das langgezogene klagende Geheul eines der Hunde vom Hof hinten durch den Aufruhr in der Natur draußen. Selbst der treue Wächter bei der Frau spitzte unruhig die Ohren und erhob von Zeit zu Zeit schnuppernd den Kopf, als ob er auch jeden Augenblick die Ankunft feines Herrn erwarte.

Die Försterin aber versank immer tiefer in ihr düsteres Sinnen. Die Magd, welche das Feuer in dem großen Kamin angezündet und schon zweimal gefragt hatte, ob sie das Licht herein bringen solle war stumm von ihr bedeutet worden, dies zu unterlassen der Jägerbursche war ge­kommen und wieder hinaus in den Wald gegangen sie hatte es kaum bemerkt, denn ihre Gedanken schweiften weit ab in einer fernen Zeit, wo sie all von dem Leid waS sie heute bedrückte, nichts gewußt, nichts geahnt hatte, wo Jugend und Leben noch sonnengoldig vor ihr lagen.

Wieder schlugen die fallenden Regentropfen an die Scheiben und der Wind sang mit verdoppelter Kraft sein unheimliches Lied, just die richtige Melodie für die Stim­mung der sinnenden Frau.

Doch jetzt schrack diese jähe auf.

Was war daS? Der Hund erhob sich mit einem wil­den Ruck und blickte mit funkelnden Augen und dumpf knurrend nach der Thür. Ein unsicherer schlürfender Schritt wurde vor derselben deutlich hörbar, eine Hand tastete suchend an der Klinke herum, jetzt wurde diese' aufgedrückt und eine dunkle Gestalt trat unter die Thür.

Mit einem gewaltigen Satz wollte sich der Hund auf den Ankömmling stürzen, aber noch zur rechten Zeit hatte ihn die Försterin am Halsband ergriffen und hielt ihn mit

daß durch einen Eingangszoll von 50 Pf. per Gentner des im Deutschen Reiche zur bleibenden Einfuhr gelangen­den Getreides der gesammte inländische Getreidebedarf um die Höhe des Zolles vertheuert werden müsse, erscheint als eine unerwiesene, lediglich auf einer willkürlichen Begriffs­bestimmung des Schutzzolles beruhende Hypothese, welche zur Aufklärung der Lage nichts beiträgt, wohl aber Ver- wirrung und grundlose Befürchtungen Hervorrufen muß. II. Es kann nicht einmal als festgestellt gelten, daß durch einen Zoll der fraglichen Art auch nur das importirte Getreide unter allen Umständen um die Höhe des Zolles vertheuert werden müffe. III. Ob ein Eingangszoll auf Getreide in der Maximalhöhe von 50 Pf. per Gentner unserer bedrängten Landwirthschast einigen Nutzen bringt, muß zunächst den Vertretern derselben zur Erwägung an­heimgegeben werden; vom allgemeinen volkswirthschaftlichen Standpunkte aus empfiehlt sich ein mäßiger Eingangszoll auf Getreide schon aus dem doppelten Grunde, weil damit eine sichere Grundlage für eine zuverlässige Statistik des Getreideverkehrs gewonnen und die Stellung des Deutschen Reiches bei handelspolittschen Verhandlungen mit dem Aus- laude verstärkt wird."

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DiePol. Eorresp." meldet aus Konstantinopel: vorgestrige Ministerrath wurde unter dem Vorsitz Sultans und der Hinzuziehung der hervorragendsten tür­kischen Generale abgehalten und beschäftigte sich mit der ost- rnmelischen Frage, mit der Convention wegen Novibazar und mit der griechischen Frage. Einige albanesische Nvta- beln waren noch beigezogen. Es wurde beschlossen, am nächsten Tage in die Berathnng der Details der Eonvention bezüglich Novibazars einzugehen. Eine Brigade der ost- rumelischeu Miliz hat Burgas besetzt.

Jrrthum schimpflich ist, so müssen wir uns schämen. Wenn die Meisterschaft des Fechters die Güte der verfochtenen Sache beweist, so müssen wir uns bekehren. Aber weder zu dem einen noch zu dem anderen können wir uns ent­schließen". Sie wollen sich nicht schämen und nicht be­kehren; ja was wollen sie denn? Sie wissen es selbst nicht. Das deutsche Volk aber braucht Männer, die klar und bestimmt wissen, was sie wollen und die auch den sittlichen Muth haben, zu sagen: ich schäme mich, denn ich habe gefehlt. Leute, die das nicht können, werden von Verhältnissen bei Seite geschoben.

Ueber das Stttentat auf den Kaiser von Rußland sind bis jetzt folgende Nachrichtm aus Petersburg vom 15. April eingetroffen:

Der Kaiser, welcher jeden Morgen um 9 Uhr regelmäßig allein am Winterpalais spazieren zu gehen pflegt, nahm gestern ausnahmsweise seinen Weg zwischen dem Landwirth- schaftlichm Museum und dem Geueralstabsgebäube. Da trat ein großer, hagerer, gutgekleiveter, mit einer Militär­mütze bedeckter Mann mit blondem Schnurrbart ihm entgegen und zog einen Revolver. Der Kaiser trat zurück, wodurch der erste Schuß fehl ging. Der Thäter schoß noch vier Mal. Stadtpolizisten stürzten sich sogleich auf ihn, einer schlug mit dem Seitengewehr ihn vor die Schien­beine, so daß et fiel und verhaftet werden konnte. Der Adjutant kam dem Kaiser aus dem Winterpalais nachge­laufen. Der Kaiser äußerte:Gott sei Dank, ich bin un­verletzt." Unter dem vierten Fenster des Museums sitzen vier Kugeln. Der Thäter verweigert jede Auskunft, gibt vor, Solokow zu heißen und roiß im Finanzministerium gedient haben. Letzteres ist erwiesen unwahr. Die Polizei hält Nachforschungen von Haus zu Hans.

Die Stadt war gestern Abend auf daS glänzendste be­leuchtet, und die Straßen waren bis tief in die Nacht hin­ein von zahlreichen Menschenmaffen, die fortwährend Hutrahs auf den Kaiser ausbrachten, erfüllt. Der Platz vor dem Winterpalais war unausgesetzt von einer dicht gescharten Menschenmenge besetzt, die den Kaiser, der sich wiederholt am Fenster zeigte, mit begeisterten Zurufen begrüßte. Im Laufe des Nachmittags hatte sich eine Abordnung des peters-

Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen BeilageJllustrirteS SonntagSblatt" durch die Expedition lKoch'icke Buchdrucker-.) bezogen 2k Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg (excl BestellgebühLx -Iisettionsgebühr str die gespaltene ZAle 10 Pf»

Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adreffen werden 25 Pf», berechnet.

einer Kraft, welche ihr nur die Erregtheit des Augenblickes verlieh, derart fest, daß sie das Thier fast würgte.

Wenn Dir an der Bestie etwas liegt," sprach der Fremde mit widerlich heiserer Stimme und hob drohend ben Knüttel,so lasse sie nicht los! Mich soll ber Teufel Holm, wenn ich ihr nicht ben Hirnkasten einschlage!"

Ruhig, Marco, ruhig," rief die Frau und streichelte mit ber freien Linken das zerrende Thier.Kusche dich, mein guter Marco."

Der Hund folgte zwar dem Wink ber Herrin und kroch wedelnb unter ben großen Tisch, aber von dort aus über­wachte er, dm schönen Kopf platt auf den Boden drückend, jede Bewegung des Eindringlings mit glühendem Blick und stieß von Zeit zu Zeit ein unzusrieomes, dumpfes Knurren auS.

Ein schöner Empfang," höhnte der Fremde, indem er ben Prügel sinken ließ unb bie Thür hinter sich schloß, wahrhaftig, triebe mich nicht die Zuneigung zu Dir und Deinem Mann hierher, ich kehrte auf der Schwelle wieder um.

Das freche heisere Lachen, welches er diesen Worten folgen ließ, bewies deutlich genug, wie dieselben gemeint waren unb von ber Försterin auch verstanden wurden, als sie tiesseufzend in ihren Sessel zurücksank unb mit einem wahren Blick beS Jammers ben Vagabunden anftarrte.

Denn ein solcher war offenbar ber Einbringung. Hätte ihn auch nicht sein äußerer Habitus beutlich gekennzeichnet, so stand doch auf seinem verwirrten unheimlichen Gesicht, in welches Laster unb Leidenschaft ihre Runen gegraben hatten, wie tief er im Sumpf ber Gemeinheit versunken war.

Er mochtt nahe an ben Sechzig sein. Seine hohe knorrige Gestalt stack in einem alten, vielfach geflickten, aber

Es werden in diesem Monat 350 Jahre, daß auf dem Reichstage zu Speier die evangelischm Stande Deutschlands die Protestation gegen dm alle kirchlichen Reformen ver­bietenden Reichstagabschied ablegten, von welcher Zeit an sie alsprotestirende Stände" bezeichnet wurden und der Name Protestanten" bald auf alle Anhänger der deutschm Re­formation überging. Der Reichstag war in die alte Reichs­stadt Speier zunächst zur Berathuug der Mittel gegen die damals Deutschland bedrohende Türkmgefahr berufen wor­den; eS sollten zugleich aber die Religionsstreitigkeitm zwischen den Evangelischen und der römischen Gurk be- sprocheN'lind wenn mögUch geschlichtet werden. 'Von Kaiser Karl aufgeforoert, kehrte der Reichstag zur Strenge zu­rück und hob dm drei Jahre zuvor auch zu Speier ge­faßten Beschluß, welcher den Evangelischm Freiheit ge­währte, wieder auf. Dagegen erhoben sich bk evangelischm Fürsten unb Städte unb legten feierlichen Protest ein. Dies geschah am 19. April 1529. Was von den Gegnern als Spott gebraucht wurde, der NameProtestant", ward für Alle, die diesen Namen trugen, Stolz und Ehre. In Württemberg und Hessen soll dem Vemehmen derTrib." nach ber bevorstehende 19. ober 20. April auch kirchlich gefeiert werden, ebenfo in den protestantischen Kirchen Bayerns. Auch bas protestantische Baden wird sich von ber Feier dieses Jubiläumstages nicht ausschließen.

Zur Getrcibezollfrage hat die Handels- unb Gewerbe­kammer für Schwaben unb Neuburg in ihrer Sitzung am 8. b. folgenbe Resolution angenommen:I. Die Ausstellung,

Tüge-dericht.

DieNat.-Ztg." hat jetzt erst bie merfrourbige Ent­deckung gemacht,daß irgendwo in unserer staatlichen Exi­stenz eine Schraube los sei". Andere Leute wissen das schon lange, daß nicht bloß eine, sondern daß fast alle Schrauben los sind. Und wer hat sie losgemacht? Wer sonst, als das liberale Prinzip des Gehenlaffens, des laisser faire, welchem man seit 12 Jahren gehuldigt hat. Dieses Prinzip hat so lange an allen Ordnungen in Staat, Gesellschaft, Kirche, Schule gebohrt und gedreht, bis nir­gends eine Schraube und Nagel mehr hält und Alles aus Rand und Band zu gehen droht so daß man sich genöthigt sieht, drakonische Belagerungsgesetze zu machen. Aber die Rat-Ztg." ist weit entfernt, auch nur zu ahnen, worin die Ursache des Verderbens liegt, sie sucht bie Ursache in nichts anberem man höre unb staune als in der Auflösung des Reichstags von vorigem Sommer. Dadurch habe sich der Sache nach eineschwerwiegende Verfassungs­änderung" vollzogen; denn dadurch sei der Reichstag aus seiner der Regierung ebenbürtigen Stellung, in welcher er mit ihr unterhandelte, herabgedrückt. In Amerika würden die politischen Geschäfte bis zur Präsidentenwahl von den Politikern" betrieben; die Franzosen überwinden gleichsam Mietend die schwersten Umwälzungen,aber bei uns ereifern Sich gleich Alle über jede neue politische Schwierigkeit, als Irt Troja in Flammen stände". Auch in Deutschland Müsse der Parlamentarismus fester begründet werden; der teroberne Staat bedürfe desselben unb könne ohne denselben Dicht bestehen. Denn bas Parlament sei die mit staatlicher Nacht begabte öffentliche Meinung. Nun wissen wir Iso, wo uns der Schuh drückt: nicht die wirthschaftlichen stothstände, nicht die zunehmende sittliche und religiöse Ver- vllderung des Volkes, nicht das Anwachsen der wilden Lasser des Naturalismus, der immer auf die Revolution ossteuert nein, der Mangel an Achtung, welche der Parlamentarismus in Deutschland mit seinen 26 staatlichen mb seinen zahllosen kirchlichen Parlamenten genießt, ist M Grundübel, an welchem wir leiden. So lehrt es uns >ie Weisheit derNat.-Ztg" Ein anderes liberales Organ, dieWes.-Ztg." giebt ebenfalls ihre eigene Sache ür verloren; sie kann es sich nicht mehr verhehlen, daß SiSmarck siegen und die Liberalen unterliegen würden. Wir haben die Größen so schreibt das Blatt mit lenen wir zu operiren gedachten, überschätzt. Wo wir Kiffern zu sehen glaubten, standen oft Nullen. Wenn solcher

Im Wvlssgr»«-.

Von Fritz Brentano.

(Fortsetzung.)

7.

Der Herbstabend dunkelte bereits stark herein und noch i»ß die Försterin vom Wolfsgrund in ihrem Sessel nahe dem Fenster. Von Zeit zu Zeit hob sie das müde Haupt und warf einen Blick hinaus in die Dämmerung des Abends oder horchte auf ein trügerisches Geräusch, welches oie ber Schritt eines Nahenden klang.

Ihr Gast hatte sie am frühen Morgen bereits ver- dffen; er wollte sich, wie er sagte, das Revier besehen und ü» Abend wiederkommen, wo er den Förster sicher zu Kesten hoffe.

Doch Stunde um Stunde verrann; die Zeit, wo Justi «tte zurück sein können, war längst vorüber und noch Erntet kehrte er nicht heim.

Eine namenlose Unruhe quälte die Leidende und ver- ften« versuchte sie dieselbe zu bekämpfen. War doch im Kufe ihres langen Siechthums ihr Ahnungsvermögen ein * ausgebildetes geworden, daß sie sich fetten täuschte, wenn «seS unheimliche Gefühl über sie kam und auch heute *8te ihr daS schwerbeladene Herz, daß etwas schreckliches ltgen sie im Anzug sei.

DaS Wetter draußen hatte sich unangenehm verändert, ltzf en freundlichen Tag war ein stürmischer Abend ge­igt und um das einsame Forsthaus herum heulte der drstwind zwischen den Bäumen seine schauerliche Weise. )ie Aeste derselben wogten und krachten unter seinem An- M, dir dürren Blätter wirbelten, unkrmischt mit Staub,

auf das zweite Quartal werden noch fortwährend von der Post angenommen.

Die Exped. 6. Oberh. Zeitung.

Anzeigen nimmt entgegen: die Spedition d.vlatte», sowie dAnnoncen-Bureaux von Th. Dietrich & Co. in Kassel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a.M.; Haasenstein & Vogler in Franffurt a. M., Berlin, Leipzig, Cöln tu; Rudolf jlteffe ins Berlin, Frank­furt a.l/t. tu

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blatte» sowie d. Annoncen-Bureaux von ®. L- Daube & Co. in Frankfurt a. M; Jäger'sche Buchhandlung daselbst; Herrnann'sche Buchhandl. daselbst; Invalidendank in Berlin; W. Thiene» in Elberfeld; C. Schlotte in Bremen.

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