;h Rr. 88.
Marburg, Mittwoch, 16. April 1879.
XIV Juirgaiig
rel
liiii.
hutigen nimmt entgegen: (t Expedition d.Blatte», ggie d-Annoncen-Bureaux en Th, Dietrich & Co. in taffe! und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a.M.; «asenstein & Vogler in rantfurt a M.. Berlin, eipjig, Cöln re.; Rudolf Itoffe. Berlin, Frankfurt a. M. rc.
GttWslhk ZkitW.
Anzeigen nimmt entgegen: die Spedition d. Blatte» sowie d- Annoncen-Bureaux von G- L- Daube & Co- in Frankfurt a. M; Jäger'sche Buchhandlung daselbst; Hermann'sche Buckbandl. daselbst; Jnvalidendank in Berlin; W- Thiene» in Aberseld; C. Schlotte in Bremen-
Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „JlluftrirleS SountagSblatt" durch die Expedition (Koch'sche Buchdruckerei) bezogen 2i Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiche» 2 Mark 50 Pfg. (excl. Bestellgebühr). — Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg.
Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adreffen werden 25 Pfg. berechnet.
1044 hen- 6a. ■ung ub.
a r«
t
itiuifl
oack.
SkstkllMgkll
Die Ex-ed. d. Oberh. Zeitung.
auf das zweite Quartal werden noch fortwährend von der Post angenommen.
Tagesbericht.
Kaum sind im Süden Europa'S die Gerichtöverhand- nngen gegen einen Königsmörder geschlossen, und er von <r Todesstrafe begnadigt dem Bagno zugeführt, da durch- uckt auS dem fernen Norden der electrische Fuuke den rrdkreis und meldet ein Attentat auf das Leben des Kaisers von Rußland. Ueber dasselbe wurde gestern, am weiten Ostertage telegraphisch gemeldet:
Petersburg. 14. April. Heute Morgen um 9 Uhr, 48 der Kaiser seinen gewöhnlichen Morgenspaziergang vor irot GeneralstabSgebäude machte, hat ein Meuchelmörder ibrr dem Hotel des Auswärtigen Amtes aus unmittelbarer Nahe vier Revolverschüsse auf Se. Majestät abgegeben, durch Gottes Gnade ist unser erhabener Herr unversehrt eblieben. Der Mörder ist verhaftet.
e zu
Die Vorschläge der betheiligten Bundes-Regierungen mf Besetzung des Reichsgerichts sind nunmehr sämmtlich n Berlin eingetroffen und dem Kaiser zur Sanction un- erbreitet worden.
Die Motive zum Zolltarif sind im Druck ungemein onfangreich. Sie geben unter Anderem auch die Vergleiche «tt anderen europäischen Staaten und Amerika.
e zu
lle.
V---r — I IV. ,
n n6ge kommen heute Mittag um zwei Uhr, da werde ich V* ein für ihn zu sprechen, so lange er will!"
u
187».
rtag
Ul.il
•8
»tthäi
aqer- ,'itung koack.
Im Wolfsgruud.
Von Fritz Brentano.
(Fortsetzung.)
ce
r.
„Ich weiß viel von dem allem!" entgegnete mürrisch MeschoreS auf diese hastigen Fragen seines Herrn. ,6t wohnt bei Hirsche! und hat geschickt den Simon, der »artet draußen Was soll er mitnehmen für eine Antwort?"
„Er soll sagen, ich erwarte meinen Vetter zu jeder Zeit - gleich auf 'der Stelle! Doch halt, er soll fügen, er
DaS Brausteuergesetz, wie es im BundcSrath beschlossen rorben, hat folgenden Wortlaut: Wir Wilhelm c. verordnen im Namen des Reichs nach erfolgter Zustimmung des Bundesraths und des Reichstages für «S innerhalb der Zolllinie liegende Gebiet des Reichs, woch mit Ausschluß der Königreiche Württemberg, des SroßherzogthumS Baden, Elsaß-Lothringens, des großher- oglich sachsen-koburg-gothaischen Amts Königsberg, war olgt: Artikel 1. An Stelle des § 1 Absatz 1 und 2 «8 Gesetzes wegen Erhebung der Brausteuer vom 31. Kai 1872 treten nachstehende Bestimmungen: § 1. Die Kausteuer wird den nachbenannten Stoffen, wenn sie zur Bereitung von Bier verwandt werden, zu den folgenden -atzen erhoben; von Getreide (Malz, Schrot u. s. w.) mit ) M.; 2) von Reis (gemahlen oder ungemahlen u. s. w. uit 8 M.; 3) von grüner Stärke, das heißt von solcher, >ie mindestens 30 Prozent Wasser enthält mit 8 TL; 4) icn Stärke, Stärkemehl (mit Einschluß des Kartoffelmehls), mb Stärkegummi (Dextrin) mit 12 M.; 5) von Zucker »Her Art (Stärke-, Trauben- u. s. w. Zucker), sowie von
Löb Ascher war pünktlich um die festgesetzte Stunde bei tinem Vetter Henoch erschienen. Die beiden Männer waren ltt 76 9 lie besonders befreundet gewesen, da Löb, der Neffe des '1-2 ttftorbenen Baruch Ascher, sich einst selbst auf die Hand >.7r4t- »n dessen Tochter Rebecca Hoffnung gemacht und es dem 95 21 «roch nie recht verziehen hatte, daß er ihm damals als ietoet, obscurer Geschäftsmann zuvorgekommen war. Frei- ich war der wachfenden Größe Heuochs der Groll eines Verwandten nach und nach schwächer geworden — t hatte sich sogar in Geschäftsverbindung mit ihm einge- Hen, aber so eigentlich befreundet waren sie nie gewesen,
Der Bursche ging hinaus, dem Boten diese Antwort u überbringen, während Henoch im Zimmer auf und ab- schritt vor sich hin murmelnd:
„Der Löb Ascher aus Braunschweig! Was kann er vollen? Vielleicht ein Geschäft — er macht große große (p Geschäfte. Er ist schlau — aber ich werde ebenfalls schlau • Uv. toi, darum soll er kommen um zwei Uhr, damit er nicht faubt, ich habe große Elle mit dem Geschäft."
Zucker-Auflösungen mit 16 M.; 6) von Syrup aller Art mit 12 M.; 7) von allen anderen Malzsurrogaten mit 16 M. für je 100 Kg. Der Bundesrath ist jedoch ermächtigt, vorbehaltlich der nachträglichen Genehmigung des Reichstages, für andere als die unter Nr. 1 bis 6 bezeichneten Stoffe nach Maßgabe ihres Brauwerthes den Steuersatz von 16 Mk. zu ermäßigen. Artikel 2. Die im § 23 des Gesetzes vom 31. Mai 1872 den Steuerbeamten ertheilte RevistonSbefugniß erstreckt sich auf die Räume zur Lagerung des bereiteten BierS mit der Maßgabe, daß die Steuerbeamten den Zutritt in die Lagerräume nur dann verlangen können, wenn in denselben gearbeitet wird. Ar- ttkel 3. Das Gesetz tritt mit dem ... in Kraft. Urkundlich rc.
tigert Ausländer befürchte, wird berichtet, daß die (Sorbette „Ariadne" und das Kanonenboot „Albatros" zur Zeit sich noch in ben samoanischen Gewässern befinden und somit alle Fremden gegen Gewaltthätigkeiten gesichert sein werden.
Die „Polit. Corresp." meldet aus Tirnowa von gestern: Die russische Regierung beschloß, die bulgarischen Wähler auf den 27. April zur Wahl des Fürsten einzuberufen. Die Minorität der Notablenversammlung protestirte wegen der Staatsgefährlichkeit der botirten Prinzipien der Preßfreiheit und des Versammlungsrechtes, obgleich die betreffen- ben Gesetze eine genügende Repressionsgewähr bieten werden.
Deutsches Reich.
Als die Gewerbeordnungsanträge der Conservativen an die Commission berwiesen wurden, sprachen wir die Befürchtung aus, sie möchten dort wieder begraben werden. Diese Befürchtung scheint sich leider bestättgen zu wollen. Liberale Blätter schreiben jetzt Folgendes: Unter den Anträgen der deutsch-conserbativen Fraction deS Reichstages auf Abänderung der Gewerbeordnung befindet sich auch ein auf die Neuordnung des JnnungSwesens bezüglicher. Wie man uns mittheilt, würde dieser Antrag nicht auf die Zu- sttmmung deS BundeSrathes zu rechnen haben. Als der preu- ßifcheHandelSminister Maybach den bekannten Erlaß wegen des JnnungSwesens veröffentlichte, wurde vom Reichskanzleramt bei ben verbünbeten Regierungen ein gemeinsames Vorgehen angeregt. Die Mehrzahl der BunbeS-Regierungen sprach sich gegen ein solches Vorgehen aus und mottvirte biese negative Haltung damit, daß sie zur Zeit keinen Anlaß zur Aenderung der einschlägigen Bestimmungen der Gewerbeordnung erblicken könnten. Speciell ist die bairische Regierung gegen jede Beeinträchtigung der in Baiern auf Grund des Gewerbegesetzes gebildeten Gewerbevereine, die nicht zu den Innungen oder Zünften gehören. ES ist überhaupt fraglich, ob die Commission deS Reichstages, der die Anträge auf Revision der Gewerbeordnung überwiesen worden, in dieser Session etwas zu Stande bringen wird.
Die lebhafte Theilnahme, welche sich in allen Theilen Deutschlands für die Ausstellungen in Australien: Sidney und Melbourne kund giebt, hat die Frage in ben Vordergrund gedrängt, in wie weit die Betheiligung deö Deutschen Reichs an diesen Ausstellungen stattzufinden habe. Wie wir hören, wird dem Bundesrathe eine darauf bezügliche Vortage zur Beschlußfassung zugehen.
Rücksichtlich der Washingtoner Nachricht, daß man den Ausbruch der Feindseligkeiten zwischen den Parteien auf ben Samoa-Inseln und hierdurch die Gefährdung der dor-
öttlitt, 14. April. Die „Nordd. A. Ztg." schreibt: Wenn vordem das Streben ein hochberechtigtes war, in den weiten Gebieten von den Alpen bis zum Meere alle Verkehrsschranken thunlichst zu mildern oder zu beseittgen, wenn daraus nach der Aufrichtung des Reiches in logischer Fortentwickelung das weitere Streben hervorgegangen ist, die Regelung und Beaufsichtigung des gesammten deutschen Verkehrswesens in eine einheitliche und starke Hand zu legen, so hat dasselbe Princip dagegen eine übertriebene und schädliche Anwendung dem Auslände gegenüber erfahren. Das für die innere Verhältnisse Deutschlands durchaus angemeffene und gebotene System ist auch auf die Beziehungen zu unfern Nachbarn ausgedehnt worden, welchen von Jahr zu Jahr mehr die deutschen Grenzen schrankenlos geöffnet wurden, während die fremden Nationen uns die ihrigen nicht nach dem Grundsatz der Gegenseitigkeit, sondern lediglich nach ihren Bedürfnissen und Jntereffen öffneten oder sperrten. So sieht Deutschland sich heute zum Theil von fest verschlossenen, zum Theil von schwer zugänglichen und nur zum sehr geringen Theil von freien, den Erzeugnissen des deutschen Fleißes wirklich geöffneten Grenzen umgeben. Das Ausland hat dadurch in einer Weise vom unferm Markte Besitz ergriffen, welche nur mit ben politischen Zuständen frühere Jahrhunderte verglichen werden kann, wo Deutschland für den Widerstreit fremder Interessen „das Blut seiner Kinder, die Schlachtfelder und die Kampfpreise hergab". Der deutsche Handel schließt alljährlich mit einer Unterbilanz zu Gunsten des Auslandes ab; von falschen Doktrinen geleitet stehen die öffentlichen Verkehrsanstalten im Deutschen Reiche dem fremden Import ungleich leichter und billiger zur Verfügung, als den Erzeugnissen des heimischen Bodens, den Produkten deutscher Wälder, den mühevollen Ergebnissen deutscher Arbeit. Hier die Abhülfe zu schaffen — weist der nationale Gedanke den einzig richtigen Weg. Haben wir in gewaltigen Kämpfen, mit dem Einsatz des theuersten Blutes, Deutsch, land vom AuSlaube für die Deuffchen zurückgesordert un^
und dies war auch der Grund, warum Löb Ascher, so ost er nach Dessau kam, sein Absteigequartter zum Aerger Henochs nicht bei diesem, sondern bei seinem reichen Geschäftsfreund Josua Hirfchler nahm.
Heute aber schien der langjährige Bann gebrochen und eine innige Annährung schien zwischen den beiden stattg«- funben zu haben. Denn als sie nach einer mehr benn zweistündigen Unterredung auS dem Geschäftsheiligthum Henochs die schmale verräucherte Treppe zu beffen Privatwohnung hinaufsteigen, da lag auf dem Gesicht des Hof- juden ein eigenthümlicher Zug der Befriedigung — er hatte allerdings ein Geschäft mit Löb Ascher abgesprochen — nach feiner Berechnung ein gutes Geschäft.
Frau Rebecca empfing ben Gast mit kühler Zurückhaltung — Sarah, die schöne Tochter des Hauses, mit offenbarer Gleichgültigkeit. Die erstere konnte die Beleidigung nicht vergessen, welche er ihr dadurch angethan, daß er ihr Haus verschmäht hatte, die letztere hatte fich nie viel um die Verwandschaft der Familie bekümmert. Ja, trotzdem sie der Augapfel von Vater und Mutter war, hatte sie sich selbst nie so recht angeschloffen, wie eS dem Kind den Eltern gegenüber ansteht und dies war Henochs zweiter Kummer.
Sie war ein stilles träumerische» Wesen. Ganz im Gegensatz zu ihrer lebhaften geschwätzigen Mutter, welche an den Geschäften ihres Mannes den regsten Anthell nahm, war ihr dieser Schacher, dieses Rennen und Jagen nach Gold, im tiefsten Herzen zuwider und ost, wenn Henoch bei breitem Behagen von einem neuen gewinnverheißenden Unternehmen erzählte und wie er wieder Diesen oder Jenen in sein Netz gelockt habe, da verschwand sie schweigend in ihrem Zimmer, welches das einzige de« Hause» war, das
zugleich von dem Reichthum des Besitzers und dem Geschmack der Bewohnerin Zeugniß ablegte.
Dort konnte sie stundenlang über einem guten Buch verträumen, denn ihr alter Lehrer und Freund, Rabbi Lindmann, hatte ihren Sinn dem Wissen zugewendet und sie gelehrt in ben Schätzen der Alten zu forschen und in ihrem Studium oft lange des Treibens ihres Vaters zu vergeffen, dem sie nun und nimmer Geschmack abgewinnen konnte und da» ihr Herz mit wachsendem Widerwillen erfüllte.
Und wenn sie so saß, das wundervolle, bleiche Antlitz umrahmt von den schwanen Flechten, die großen dunkeln Augen ttefsinnend auf das Buch vor ihr geheftet, da glich sie selbst einem jener königlichen Frauenbilder aus längstvergangener, verklungener Zeit — jener Zeit, wo die Macht und Herrlichkeit Israels die Völker erzittern machte und seine Könige und Helden noch das Schwert des Herrn mit starkem Arm führtm.
Aber es gab auch Augenblicke, wo dieses Bild Leben und Bewegung gewann, wo aus den sinnenden Augen ein flammender Strahl brach und die bleichen Züge sich röthe- ten. Und dies geschah, wenn der Fürst, dessen scharfer Blick ganz richtig gesehen hatte, mit seiner Cavalcade an dem Haus des Hofjuden vorüber und hinaus in das Freie ritt, an seiner Seite der geistvolle und interessante Junker von Prittwitz. Dann schoben sich die dichten Vorhänge an den Fenstern der schönen Jüdin leise voneinander und ihre Blicke folgten dem schlanken Reiter so lang, bis er hinter der Krümmung der Straße verschwand. Ein nie- gekanntes süßes Gefühl zog in ihre Brust ein, ihr Geist wob rosige Träume von Glück und Liebe, bis sie erschreckt aus denselben auffuhr, wenn ihr Auge zufällig auf bas