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Jllatßurg, Sonntag, 13. April 1879.
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«njeigen nimmt entgegen: die Expedition d.vlattes, sowie d-Annoncen-Bureaux von Th. Dietrich & Co. in «affel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a.iDL; Laasenstein & Vogler in Frankfurt a. M., Berlin, Leipzig, Köln ec.; Rudolf Roffe in Berlin, Frankfurt a. M. re.
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Die Ex-ed. Oberh. Zeitung.
Tagesbericht.
Der BundeSrath hat am Donnerstag noch eine Sitzung zur Erledigung des Brausteuergesetzes abgehalten. Die Vorlage wird demnächst dem Reichstage zugehen. Weiter beschäftigt sich der Bundesrath mit einer Vorlage über die weitere Ausprägung von Goldmünzen. Die nächste Sitzung des Bnndesraths wird unmittelbar nach den Osterferien stattfinden.
Die „Nordd. Allgem. Zeitung" schreibt: Eine Cor- respondenz in der Abendnummer der „Börsenzeitung" vom 5. April, wonach sich die Regierung entschlossen haben soll, mit den Vertrauensmännern der Magdebnrg-Halberstädter Eisenbahn über die Erhöhung derjenigen Rente zu verhandeln, welche in dem Vertrage vom 15. Februar 1879 bett, den Uebergang des genannten Unternehmens auf den Staat für die Aktien Lit B. in Aussicht genommen wurde entbehrt jeder thatsächlichen Begründung. Es fand weder an dem iu dem Artikel bezeichneten Termine (am 8. April) eine Konferenz statt, noch erging überhaupt eine Einladung zu einer solchen Conferenz.
ES wurde bereits angedcutet, daß die neutralen Mächte, in erster Linie Italien keineswegs in der Lage sein würden, sich den Verwicklungen in Egypten „kaltlächelnd" gegenüber zu stellen. Ein Telegramm aus Rom meldet nun bereits, wie ernst doch die Vorgänge in Egypten aufgefaßt werden. Die italienische Regierung will zur Wahrung der Jnter- efien Italiens einen außerordentlichen Gesandten nach Cairo entsenden. Auch in Bezug auf die übrigen Mächte glauben wir behaupten zu dürfen, daß etwaige Zwangsmaßregeln Englands und 'Frankreichs gegen den Vicekönig die Sympathien Europas nicht zur Seite stehen würden. — Die „Republique fran^aise" beschwert sich über die ftemden Consule in Egypten, welche nicht allein der englisch-französischen Administration keinen Beistand geleistet, sondern sogar, um ihre privilegirtc Stellung zu konser- viren, gegen die offiziösen Mandatare Frankreichs und Englands die Partei des Khedive ergriffen hätten. Es ist ; dies ein Vorwurf, der sich nicht gegen die fremden Con- ' snln allein sondern gegen die öffentliche Meinung von Europa ausgenommen Frankreich und England, richtet. Die beiden verbündeten Mächte werden nicht umhin können, auf diese Stimmung Rücksicht zu nehmen. Uebrigens fehlt e» auch in Frankreich nicht an gemäßigten Stimmen,
Im Wolssgruud.
Von Fritz Brentano. (Fortsetzung.)
Und eben daran sollte er jetzt erinnert werden, denn als er der kostbaren Chatoulle weitere Papiere enttiahm, fiel ihm der Schuldschein des Försters Hans Justi und die Bürgschaft von dessen Vater in die Hände und unwillkürlich kam ihm wieder die Unterredung in den Sinn, welche er vor acht Tagen mit dem letzteren gehabt hatte. Noch hat er keine' Silbe von demselben über die Angelegenheit dernommen, die ihm so sehr am Herzen lag — ober, wenn er es sich ehrlich selbst gestehen wollte, seiner Frau. Ihm war der Name Gauner, trotz seiner Verfänglichkeit, lange Jahre gut genug gewesen und es wäre ihm im Traum niemals eingefallen, über eine Veränderung desselben nachzugrübeln, wenn es nicht plötzlich Frau Rebecca zu Sinne gekommen wäre, daß es mit dem Namen absolut nicht mehr länget auszuhalten sei und daß es für ihren Mann, der so zahlreiche Verbindungen am Hofe habe, eine Kleinigkeit sei eine Cabinetsordre zu erwirken, welche ihm gestatte, die Familie Henoch Samson Gauner in eine ehrlichere um- juwaudeln.
Eine Kleinigkeit! Was die Frau davon verstand! Er kannte die Verhältniffe bester! Hatte doch erst vor zwei Jahren einer seiner Glaubensgenosten, der dem Fürsten in Geldangelegenheiten einst minder wichttge Dienste geleistet hatten wie Henoch, um eine ähnliche Vergünstigung nachgesucht und war geradezu mit der höhnischen Bemerkung abgewiesen worden, er habe seinen Namen durch seine eigen- thümlichen Geschäfte zu einem so bekannten gemacht, daß et jammerschade wäre, denselben jetzt so ohne weiteres zum alten Gerümpel zu werfen und durch einen neuen zu ersetzen.
welche jeder Zwangsmaßregel gegen den Khedive abhold sind.
Meldung der „Politischen Correspondenz": Nachdem Beleidigung, deren Gegenstand der österr.-ungarische Consul in Widdin seitens der dortigen officicllen Organe gewesen, constatirt war, erfolgten Schritte in Petersburg wegen Erlangung entsprechender Genugthnung von der russischen Regierung. — Dieselbe Correspondenz will auf Grund angeblich guter Informationen davon Kenntniß haben, daß die Verhandlungen zwischen den Cabineten.über die Modalitäten, unter welchen das Project dex gemischten Occupation Ostrumeliens realisirbar sei, fortbauern.
Deutsches Reich.
«• Berlin, 10. April. Die Ausschüsse des Bundesraths für Zoll- und Steuerwesen, für Handel und Verkehr und für Rechnungswesen haben gestern die Vorlagen wegen Erhöhung und Erhekmg der Brausteuer berathen. Man erwartet, daß der Bundesrath hi seiner heutigen Sitzung durch unveränderte Annahme der Vorlage den Gegenstand zum Abschluß bringen wird. Die AuSschüste haben nur unwesentliche Aenderungen in Vorschlag gebracht. — Bei Springer in Berlin ist soeben eine Flugschrift unter dem Titel: „Der einheitliche deutsche Eisenbahngütertarif. Eine Fachstudie über daS Tarifwesen der deutschen Eisenbahnen" erschienen. Der ungenannte Verfasser bemerkt in der Vorrede, so sehr man von Seiten der Privatbahnen bemüht sei, die Gabe der reichsseitig in Angriff genommenen Tarifreform als undurchführbar oder das Privatkapital vergewaltigend hinzustellen, werde sich doch der gesunde Kern dieser Bestrebungen mit Natur- nothwendigkeit Bahn brechen. Eö schienen in den Kreisen der Eisenbahn-Aktienbesitzer Zweifel entstanden zu fein, ob die Einführung eines einheitlichen Gütertarifs mit ihren Interessen vereinbar fei; ängstlichen Gemüthern werde zur Beruhigung bienen, aus den Darlegungen der genannten Schrift zu ersehen, daß ein Einheitstarif die Transportkosten wesentlich vermindern, den Reinertrag erhöhen und die Rente verbessern muß. — Das deutsche Central-Comitö des rochen Kreuzes trat am 9. April Abends zum ersten Mal in dem durch die Munificenz der Kaiserin neu her- gestellten Sitzungsraum im Hausminifterium zur Gesammt- sttzung zusammen. Der VermözenSbestand beziffert sich nach dem erstatteten Rechnungsbericht auf 356,600 Mk., das preußische Comitö besitzt davon 330,000 Mk. — Der deutsche Beamtenverein geoenkt aus Anlaß bet Feier bet gotbenen Hochzeit des Kaisetpaares eine Wilhelmsstiftung „Beamtenbank" zu errichten. Wie wir hören, finb zu biesem Zweck hochstehende Staatsbeamte mit einigen Vorstandsmitgliedern zu einem Comito zusarnmengetreten,
Der also Abgeserttgte hat noch beute unter dem Spott der Dessauer zu leiden und sollte er, Henoch, sich derselben Gefahr so leichtsinnig aussetzcn, blos um der Laune seiner Fran zu genügen! Freilich, geschehen mußte etwas in der Sache, denn sie hatte ihm dieselbe zu dringend ans Hetz gelegt und was Frau Rebecca wollte, das betrieb sie mit derselben zähen Ausdauer, wie ihr Mann seine Geschäfte und Henoch wußte ganz genau, daß er nicht eher Ruhe habe, bis der Wille seiner Ehehälfte erfüllt wat. Aber klug und vorsichtig mußte diese Angelegenheit betrieben werden und wenn nur der alte Justi sein Versprechen hielt, bann wußte er halb, woran Vr war unb ob er beim Fürsten eine Gewährung seines Gesuches zu hoffen habe.
Nun, bet Anfang wat gemacht unb wenn bet Leiblakei ihm bie Sache nicht rasch genug betrieb, so hatte er ja immer das Mittel in den Händen, um ihn anzutreiben, seinem Wunsch zu willfahren. Unb Henoch wat nicht bet Mann, bet sich über bie Anwendung solcher Mittel Scmpel machte, ober gar irgenb welchen Zwang anlegte. WaS waren ihm bet alte Justi unb sein Sohn, bet Förster? Hatte er sich doch damals überhaupt nur mit ihnen in eine Verbindung eingelassen, weil er hoffte vielleicht irgend einmal aus der Stelle des ersteren Nutzen ziehen zu können. Jetzt war dieser Zeitpunkt wirklich da und Henoch wat fest entschlossen Vater unb Sohn zu ruiniren, falls ihm bet Alte nicht zu Willen sein sollte.
In biefen unb ähnlichen Betrachtungen würbe Henoch butch ein leises Pochen an bet Thür gestört. Ohne bie Einlabung zum her eintreten abzuwarten, öffnete bet Klopfende die Thür und steckte feinen wolligen Kopf durch die Spalte derselben.
„Was gibt es, Mcnkel?" fragte bet Hofjud, hastig bie
welches in ben nächsten Tagen einen dahin gehenden Aufruf veröffentlichen wird. — Der nordwestdeutsche Lchrertag wird am 15. April in Bremen abgehalten werben. — Die Delegirtenversammlung bes deutschen Lehrervereins wirb vorn 14.—16. April in Berlin stattfiitben. — Ostern b. I. beschließt das evangelische Hülfsseminar zu Ginst auf Rügen, welches unter Leitung des Superintendenten Schenk stand, seine Thätigkeit in Folge der Erweitemng des Seminars zu Franzburg. — In der Zeit vom 1.—14. April sollen 66 Telegraphen - Anstalten mit beschränktem Tagesdienst, darunter 29 mit Fernsprechern, eröffnet werden. — Der soeben erschienene 27. Band der Zeitschrift für Berg-, Hütten- und Salincnwesen enthält u. A. einen Aufsatz übet „die Verhältnisse der Bergleute und gewerblichen Arbeiter in Preußen nach dem Reichsgesetz vom 17. Juli 1878" von Engels in Clausthal.
Breslau, 8. April. Der Provinzialausschuß von Schlesien hat in seiner letzten Sitzung am 24. v. M. in Veranlassung der im Juni d. I. bevorstehenden Feier der goldenen Hochzeit Ihrer Majestäten den Beschluß gefaßt, Sr. Majestät dem Kaiser und Könige am 11. Juni d. I. die Gefühle des Dankes und der Verehrung zu bekunden und die Glückwünsche der gesammten Provinz darzubringen, zu diesem Zwecke eine vom Provinzialausschuß zu vollziehende Adresse an Se. Majestät den Kaiser zu richten, und falls Allerhöchstderselbe diese Adresse von den Vertretern der Provinz persönlich entgegenzunehmen geruhen sollte, zur Uebetreichung derselben den Vorsitzenden des Ptovinzial- lanvtages, Herzog von Ratibor, den Vorsitzenden des Pro- vinzialauSschuffes, Landeshauptmann v. Seydewitz, und den Landeshauptmann v. Uthmann zu deputtren; andernfalls den Herrn Landeshauptmann v. Uthmann zu ersuchen, diese Adresse in anderer Weise zu Händen Sr. Majestät gelangen zu lassen, und ferner mit den Vertretungen der übrigen Provinzen bezüglich einer gemeinsamen Darbringung der Glückwünsche sämmtlicher preußischen Provinzen in Verbindung zu treten.
Köln, 9. April. Gestern fand im Hansasaale de« Rathhauses eine Versammlung der Zeichner für bas Moltke- Denkmal statt. Aus bet Versammlung würbe ein Comito von 15 Herren gewählt, bie noch fernere Zeichnungen entgegennehmen unb bie Vorbereitungen zur Anfertigung unb Errichtung be« Denkmals treffen sollen. Bis jetzt sinb über 60,000 Mark gesammelt.
Ausland.
Rom, 9. April. „Popolo romano" zufolge wurden die albanesischen Delegttten Abdul Bey und Mehemed Ali Bey von dem Generalsecretär des Ministeriums des Aenße- ren, Formell!, empfangen. Die Delegirtm empfehlen den Mächten die Erhaltung der Integrität Albaniens in der türkisch-griechischen Frage an.
Papiere in die Casette legend, „was trittst Du hier ein ohne Erlaubniß? Wie oft hab' ich Dir verboten zu kommen in mein Zimmer, ehe ich habe gerufen „Herein".
„Ich habe doch dreimal geklopft," antwortete Menkel, der angehende Gehilfe des Wechslers, „ist e« meine Schuld, wenn Ihr nicht hört? Freilich," fuhr er mit einem sehn- süchtigen Blick auf den Kastm fort, ben Henoch eben dreifach verschloß, „wenn man sitzt über so wichtigen Papieren ----"
„Gott der Väter!" brauste Henoch auf, daß Menkel, welcher indessen eingetreten war, einen Schritt zurückfuhr, „wo nimmt der Junge die Frechheit her? Was gehen Dich an die Papiere, Schlemihl? Was willst Du — wer schickt Dich?"
„Löb Ascher, Euer Vetter aus Braunschweig ist ange- kornmen," antwortete der eingeschüchterte Meschotes, „und läßt fragen, wann es Euch sei genehm ihn zu empfangen, baß er Euch sprechen könne allein."
„Löb Ascher aus Braunschweig?" rief Henoch, „und bas sagst Du nicht gleich?"
„Habt Ihr mich kommen lassen zu Wort?" brummte der gekränkte Menkel.
„Wo ist er — wen hat er geschickt?" fragte hastig der Hosjub.
„Er ist abgestiegen bei Josua Hirsche! unb hat geschickt besten Laustungen, ben Simon."
„Unb worum ist er nicht abgestiegen bei mir — weshalb ist et nicht gekommen selbst — warum steigt er ab bei Fremben, wo er doch hat hier seine Mischpache, deren er sich wahrhaftig nicht braucht zu schämen!"
Fortsetzung folgt.)