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Marburg, Donnerstag, 10. Aprll 1879
XIV Mahlgang
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Äiü eigen nimmt entgegen die Expedition d.BlatteS sowie b.ännoncen-®ureau von Th. Dietrich & Co. ii jtaffel und Hannover; Tb Dietrich in Frankfurt a M. fiaafenftein & Bögler ii Frankfurt a. M., Berlin Leipzig, Cöln rc.; Rubel Aoffe in Berlin, Frank
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Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. Blatte« s otoieb. Annoncen-Bureaux von G. L. Daube & Co. in Frankfurt a. M; Jäger'sche Buchhandlung daselbst; Hermann'sche Buchhandl. baselbst; Invalidcndank in Berlin; W. Thienes in Elberfeld: C. Schlotte in Bremen.
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Die Ex-ed. d. Dberh. Zeitung.
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1879.
Tagesbericht.
Ueber das Befinden des Kaisers wird Folgendes berichtet: Nach Beseitigung des Blutgeschwürs, welches sich in Folge des Falles an der rechten Hüfte gebildet hatte, ist Seine Majestät im Stande, sich wieder frei zu bewegen. Bei den jüngsten Ausfahrten, welche dem allverehrten Monarchen vortrefflich bekommen sein sollen, begleitete ihn'fast ausnahmslos die Großherzogin von Baden. In allernächster Zeit erwartet man die Uebersiedelung des Monarchen entweder, wie früher gemeldet, nach Wiesbaden oder jnach Babelsberg. Betreffs der Badereisen ist sonst noch keine
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definitive Entscheidung getroffen. Voraussichtlich wird der Kaiser auch in diesem Jahre zunächst wiederum Teplitz besuchen, welches ihm im vorigen Sommer so ausgezeichnet bekommen, und sich sodann über Emö nach Gastein begeben. Es ist nicht unmöglich, daß auch ein zeitweiliger Aufenthalt in Wilhelmshöhe genommen wird. Bei alledem erhält sich das Gerücht, daß auf besonderen Wunsch ihrer Majestäten das Fest der goldenen Hochzeit in aller Stille begangen werde. Im Spätsommer gedenkt dann der Kaiser zu den großen Manöver» nach dem Elsaß zu gehen.
Aus Berlin wird vom 8. gemeldet: Der Bundesrath stimmte heute der kaiserlichen Verordnung zu, welche das wegen der Pestgefahr erlassene Einfuhrverbot auf gebrauchte
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Der Vorsitzende der Zolltarif-Kommission, Freiherr von Barnbüler, hat Berlin verlassen und sich nach Schloß Hemmingen in Württemberg begeben.
Eine Angelegenheit, welche außer dem lebhaft dabei betroffenen Juristenstand weite Kreise der Bevölkerung mit größter Spannung verfolgen, nährt sich der Erledigung.
Leib- und Bettwäsche, gebrauchte Kleider, Hadern und Lum- [pen aller Art beschränkt.
Die Commission zur Berathung der Schutzmaßregeln gegen die Pest tritt heute noch einmal zusammen, um die Fragen der Gnschränkung des Einfuhrverbotes von Waaren aus Rußland, der Paßpflichtigkeit und der Einschränkung ■■‘bet ärztlichen Inspektion für den Verkehr an der Landes- ™ grenze zu berathen. Die Vcschlüsie der Commission werben dem Bundesrathe zur weiteren Beschlußfassung unterbreitet werde».
Im Wolssgrund.
Von Fritz Brentano.
,affeS «Fortsetzung.)
iberall' Dem alte» Oberfvrstmeister aber war es gar merkwür- __Jbtg um's Herz geworden, als er den starken Mann so ge- MW Mgt und'kummervoll vor sich sitzen sah. Seiner rauhen Seite ungeachtet, fühlte, er, daß hier etwas tieferes in das , Leben des Försters eingegriffen haben mußte, was so schmerz- flCß auf dessen ganzes Wesen und Gebühren einwirkte.
„Hört, Justi," sprach er nach einer längeren Pause mit iben* Eder Stimme, „ich habe schon hie und da ein Wörtchen £ gehört von seinem häuslichen Leben da draußen in dem '■ Wolfsgrund — ja, man hat, ich will eS ihm offen gestehen,
worte; bor c^ren schon versucht, allerlei dunkle Geschichten über apfeb" ihn mir zuzurauneu."
[38„Der weggejagte Förster von Neuda, sein Nachbar, »E war ihm nicht grün und hat es oft probirt, mir einen Floh ;ist das O.r zu setzen. Aber ich habe den grüngelben Kerl - „ tie leiden mögen — ich wußte, daß er längst auf seine Kaffk §teUe lauerte, weil diese ihm bequemer gestattet hätte, seinen Vtsauberen Gelüsten, dem Spiel und den Dirnen nachzu-
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gehen, die ihm später den Hals gebrochen haben. Zudem _____ bersah er den Dienst treu und pünktlich, Justi, und ich konnte nichts entdecken, so sehr ich ihm auch in der ersten Zeit auf die Finger paßte. Aber Mann, es ist trotzdem Ächt alles richtig mit ihm da draußen. Ja, schau er mich fo groß an, als er will — was hilft das lange Herum- fcbtn, das ohnehin nicht meine Sache ist, einmal muß es ja doch heraus, weshalb ich ihn heute in die Stadt herein chirte."
Die Vorschläge des Bundesrathes, beziehungsweise des preußischen Staatsministeriums über die Besetzung des Reichsgerichts, sowie der höchsten Richterstellen im preußischen Staate liegen seit Sonnabend verflossener Woche der Entschließung des Kaisers vor. Der Erlaß der ausstehenden allerhöchsten Entscheidung wird, wie man der „Nat.-Z." mittheilt, dann das Justizministerium erst in die Lage setzen, die Vorarbeiten abzuschließen, welche bis zur Besetzung der höchsten Stellen schwebend bleiben mußten, da jede Veränderung gerade an der Spitze der juristischen Hirarchie sich in weitgehender Weise bezüglich der Zusammenstellung des Tableaus geltend macht.
Die „Polit. Corresp." Meldet aus Tirnowa vom 7. d. die Notabelnversammlung wünsche, daß die Fürstenwahl durch eine neue Volksvertretung vorgenommen werde. — Derselben Correspondenz wird aus Rom gemeldet, der Vatikan beabsichtige die neuen katholischen Staatsangehörigen Montenegros dem Vikariate von Antivari zu unterstellen.
Deutsches Reich.
** Berlin, 8. April. Die Unterredung welche der Abgeordnete Windthorst am 31. März mit dem Reichskanzler hatte, giebt noch immer zu wunderlichen Gerüchten und Hypothesen Veranlassung. Daß die Unterhaltung sich nicht um die kirchliche Frage bewegt hat, war schon erklärt und wird im Allgemeinen auch nicht in Zweifel gezogen. Allein man sieht in der blößen Thatsache der Unterredung den ersten Schritt einer Annäherung, hinter welcher man geneigt ist, eine Art Bündniß mit dem Centrum zu suchen. Wer die Dinge mit etwas unbefangenem Auge betrachtet, der wird sich erinnern, daß der große Theil des Centrums die Erklärung der 204, die sich als volkswirthschaftliche Vereinigung gebildet hat, mit unterschrieben hat. Man wird sich ferner erinnern, daß die meisten Mitglieder des Centrums Vertreter iüdustrieller Bezirke sind, vor denen die Freihandelspolitik niemals Anklang gefunden hat, daß ferner das journalistische Organ de« Centrums, die „Germania", lange ehe au die jetzige Zollpolitik zu denken war, den Weg der Schutzzollpolitik empfohlen hatte. Wenn das Centrum bei der jetzigen Tarifreform dem Reichskanzler feindlich gegenüber treten wollte, so würde es damit eingestehen, daß es aus Gründen der Kirchenpolitik den Weg der Opposition selbst wider längst erklärte Ueberzeugung betreibe. So haltlos einerseits die Annahme ist, das Centrum sei durch die Aussichten einer veränderten Kirchen- politik zn seiner gegenwärtigen Haltung in den Tariffragen bewogen, so ist andererseits die Annahme noch weit haltloser, der Reichskanzler sei im Stande, die Stimmen des Centrums durch kirchenpolitische Zugeständnisse zu erkaufen. Zu einem solchen Opfer liegt gegenüber der Volksstimmung in ganz Deutschland auch nicht der geringste Grund vor.
Die Majorität für die Tarifreform würde auch bei dem übrigen« nicht vorauszusehenden und auch nicht wünschens- werthen Widerstand des Centrums zu Stande komme», wen» nicht in dem jetzigen Reichstag, so doch in einem neu zu wählenden. Das Centrum würde diesen Widerstand mit dem Verlust eines großen Theils seiner Sitze bezahle», aber eine solche Unklugheit von Seiten dieser Partei ist umsoweniger zu erwarten als sie nach ihren Antecedentien zur Begehung derselben keinen Anlaß hat, sondern auch diese Antecedentien geradezu verleugnen müßte. — Die Obsorge für die im hiesigen Zeughaus aufbewahrten Trophäen und Sammlungen ist bisher auch während des Umbaues von dem Artilleriedepot wahrgenommen. Dieser provisorische Zustand ist jedoch höchstens bis Herbst d. I. aufrecht zu erhalten, da mit diesem Zeitpunkt das Artilleriedepot sein neues Dienstgebäude bei Moabit bezieht und eine fernere Weiterwahrnehmung der Verwaltung des Zeughauses nach dieser Wohnungsveränderung nicht mehr thunlich sein wird, so ist daher bereits im Staatshaushalt die Einrichtung einer besonderen Verwaltung bei dem Zeughaus unter einem Commandanten und einem technischen Direktor nebst dem erforderlichen Büreaupersonal vorgesehen. Die neue Zeughausverwaltung wird wahrscheinlich am 1. Oktober in Funktion treten. — Behufs Erzielung einer einheitlichen Konstruktion für diejenigen Betriebsmittel, welche vorzugsweise zur allgemeinen Verwendung kommen, ist seiner Zeit die Direktion der Niederschlesisch-Märkischen Eisenbahn mit der Ausarbeitung von Entwürfen beauftragt und die Prüfung derselben einer Commission übertragen worden von maschinentechnischen Vertretern der größeren Staatsbahnen und der unter Staatsverwaltung stehenden Privatbahnen. Die Entwürfe sind jetzt festgestellt und genehmigt und werden, wie der Handelsminister in einem Erlaß vom 1. April den Direktionen mittheilt, denselben zur Kenntniß- nahme demnächst zugestellt werden.
Köln, 1. April. Ein hier zusammengetretenes sehr- zahlreiches Äomite von Rittergutsbesitzern, Kaufleuten, Fabrikanten und Gewerbtreibenden aller Art beruft heute die Männer Rheinlands und Wesffalens, welche die Ueber- zengnng von der Nothwendigkeit einer schleunigen Rückkehr zu der früheren Zoll- und Handelspolitik mit angemessenem Schutz für die gewerblichen und landwirthschaftlichen Erzeugnisse hegen, zu einer Versammlung auf Dienstag, den 15. April, im Großen Gürzenichsaale zu dem Zwecke, ihrer Ueberzeugung durch entsprechende Resolutionen Ausdruck zu geben. „In Erkenntniß der Unhaltbarkeit der gegenwärtigen wirthschaftlichen Verhältnisse", so heißt es wörtlich in dem Aufrufe, „wird die Reichsregierung demnächst Vorlagen zur Reform unseres Steuer- und Zollwesens in Verbindung mit den Eisenbahn-Tarifen vor den Reichstag bringen. — Das Schicksal dieser Vorlagen ist entscheidend für das Wohl der deutschen Gewerbthätigkeit
Wie ein Zittern lief es über die ganze Gestatt des Försters und fein Äthern ging tief und schwer, als jetzt seine Augen dem forschenden, ernsten Blick seines Vorgesetzte» begegneten, der also sorffuhr:
„Ich habe einen Auftrag vom Fürsten, Justi; er sollte geheim bleiben, aber das hinten herumschwänzeln ist nicht meine Art — hol's dieser und jener — ich will offen mit ihm reden und er gibt mir als ehrlicher Kerl Hand und Wort darauf, daß er vorläufig höheren Ortes, falls Serenissimus ober vielleicht auch ber Junker von Prittwitz mit ihm persönlich über die Sache sprechen sollten, nichts darüber verlauten läßt,' daß ich ihm reinen Wein eingeschenkt habe. Ich meine wir kommen auf diese Art am schnellsten in’« Klare, denn ich kann mir, wie ich ihn und seinen Alten kenne, nicht denken, daß etwas, was ihm Nachtheil bringen könnte, hinter der Geschichte steckt. Will er das Maul halten, Justi?"
„Ich werde schweigen," antwortete fast tonlos der Förster.
„Nun, Jo hört! Der Zufall hat es dieser Tage gefügt, daß ber Fürst eine Unterredung erlauschte, bie ber Hof- jud Heuoch Samson Gauner mit seinem alten Vater, dem Leiblakei hatte — holla, Mann, was ist ihm? Er wird ja blaß wie eine Leiche."
„Es ist nichts," entgegnete der Förster mühsam, „nichts freiherrliche Gnaden."
Er schuldet dem Hofjuden 300 Ducaten, Justi," fuhr dieser fort, „und zwar bon jener Zeit her, da er noch an ber Forstkasse angestellt war. Sein Vater hat bie Bürgschaft dafür übernommen und als jüngst ber Henoch den Alten mahnte und dieser sich darüber beklagte, daß die eigentliche Schuld nur 200 Ducaten betrage, da ließ der
Hofjud eine geheimnißvolle Drohung fallen, er wolle enthüllen, wofür er seinerseits damals da« Geld geborgt habe. Der Fürst, welcher, wie ich ihm schon sagte, die Unterredung in der Fensternische mit anhöörte, faßte diese Anspielung so auf, daß es zu unlauteren Zwecken geschehen sei und er weiß, daß Serenissimus in solchen Dingen keinen Spaß verstehen. Ich habe den Auftrag erhalten, Justi, von ihm heraus zu kriegen, was damals vorgefallen fein mag. Mache er mir und sich die Sache leicht und rede er frei von der Leber weg; wozu hatte er die bedeutende Summe nöthig und was meinte Henoch mit seiner Drohung?*
Der Oberforstmeister schwieg und faßte den vor ihm sitzenden Förster voll und ernst in das Auge.
In diesem tobte ein gewaltiger Kampf. So hatte ihn denn die Ahnung des nahenden Unglücks, welche ihn auf dem ganzen Wege hierher beherrschte, nicht getäuscht. Er war auf das Alles vorbereitet gewesen, und, als es jetzt so plötzlich an ihn heran trat, da wogte und wirbelte es in feinem Hirn und ihm war's als fasse das längst gefürchtete Verderben mit eiserner Faust nach seinem Herzen, daß es zuckend verbluten müsse unter dem gewaltigen Griff — und es endlich stille würde da drinnen — stille wie das Grab.
Dem Oberforstmeister entging der Kampf nicht, den der Förster in seinem Innern rang. Er ließ ihm lange Zeit, bann legte er bie Hanb auf bie Schulter Justi’s und sprach mit milder Stimme:
:jj „Nun Mann, erleichtere er sich das Herz und rede er! Zum Teufel auch, was kann es denn so schweres sein, das ihm nach sieben Jahren eines wackeren Lebens noch solche Furcht vor der Entdeckung macht?"