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JTiaröurg, Mittwoch, 9. April 1879

XIV Jahrgang

ängeigen nimmt tmgegen: die Expedition d.Blatte«, sowie d-Annoncen-Bureaux von Th. Dietrich & Co. in Kassel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a.M.; Haasenstein & Bögler in Frankfurt a M., Berlin, Leipzig, Cöln rc.; Rudols Rosse in Berlin, Frank­furt a. 'M. tc.

WechrUllsk Jritimg.

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blattes sowie d Annoncen-Bureaux von G. L- Daube L Co. in Frankfurt a. M; Jäger'sche Buchhandlung daselbst; Hermann'sche Vuchbandl. daselbst; Jnvalidendank in Selin; W. ThieneS in Elberfeld; C. Zchlotte in Bremen.

Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „JlluskrirteS Sonntagsblatt" durch die Expedition (Koch'lche Buchdruckerei) bezogen 2', Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg. (excl. Bestellgebühr). - Insertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pf«. Für in der Expedition zu ertbeUenbe Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pfg. berechnet.

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auf das zweite Quartal werden noch fortwährend von der Post angenommen und

auf Verlangen die bereits erschienenen Nummern

nachgeliefert.

Die Ex-ed. d. Oberh. Zeitung.

Tagesbericht.

Der Entwurf bes Gesetzes betreffcnb ben Zolltarif bes beutschen Zollgebietes ist gestem zur Vertheilung ge­langt. In bem Begleitschreiben bes Reichskanzlers, welches vom 4. April batirt ist findet sich folgenbe Bemerkung: „Die Feststellung bet Motive zu diesem Entwurf hat noch nicht zum Abschluß gebracht werben können. Da eS je- boch ben Mitgliebern bes Reichstags von Interesse sein wirb, möglichst balb Kenntniß von bem Inhalt ber Tarif- Vorlage zu erlangen, so beehrt sich ber Unterzeichnete schon jetzt, unter Vorbehalt ber Nachlieferung ber Motive ben Entwurf wie solcher vom Bunbesrath beschlossen wor­ben, im Namen Sr. Majestät bes Kaisers bem Reichs­tag zur verfassungsmäßigen Beschlußfassung ganz ergebenst vorzulegen." — Das Reichskanzleramt ist gegenwärtig mit ber allgemeinen Begründung des Entwurfes eines Zoll­tarif-Gesetzes beschäftigt. Für die speziellen Motive wirb in bet Hauptsache das Material ber Tarifkommissiou benutzt. Die Vorlage wirb bem Reichstage noch im Laufe bet Woche zngehen.

Es liegt in ber Absicht, bem Reichstag vor bem Wie­derbeginn ber Arbeiten Gelegenheit zu geben, sich mit ber ganzen Gruppe ber Steuergesetze vertraut zu machen, und es wird bähet, wie die Tribüne schreibt, auch wohl baS Brausteuetgesetz seitens des Bunbesraths alsbalb festge­stellt werben, so baß auch noch biese Vorlage ben Abge­ordneten in bie Heimath nachgesandt werden bürste. In Bezug auf dies Gesetz scheinen übrigens nicht große Meinungsverschiebenheiten zu bestehen, so baß eine ziem­lich glatte und schnelle Abwickelung innerhalb bes Bnndes- rathes wahrscheinlich ist.

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Für bas Schulgelb auf ben preußischen Gymnasien soll demnächst ein einheitlicher Satz, nicht wie anfänglich ge­plant wurde, von 100, sondern von 90 Mark jährlich ein- geführt werben. Die Summe erscheint ziemlich beträchtlich, zumal wenn man bebenkt, daß schon in ben Vorschulklassen derselbe Satz erhoben werben fett Die Zuschüsse, welche bie höheren Schulen von bem (Staate unb von den Ge­meinden verlangen, sind freilich in den letzten Iahten exorbitant gestiegen.

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Im Wolfsgruud.

Von Fritz Brentano.

(Fortsetzung.)

„Der Herr Oberfotstmeister vergessen eines," erwiderte bet Junker von Prittwitz auf ben langen Sermon, „daß Serenissimus wünschen, daß bie Sache mit bem Justi in- birect unb ohne daß derselbe stutzig wirb, abgemacht werben soll. Was habe ich, weil es Ew. Gnaden doch beliebt, mich in ben Vorbetgrund zu schieben, mit bem Förster zu thun? Müßte es bem Mann nicht absonderlich fallen, wenn ich ihn über seine früheren Verhältnisse ausfotschen wollte. Das aber ist es eben, was Serenissimus vermeiden will. Ihr seid sein Vorgesetzter unb könnt ihn jederzeit zu Euch bescheiden und deshalb hat Euch ber Fürst bie Angelegen­heit anvertraut."

„Ich wollte, er hätte sie Gott weiß wem aitoertraut," murmelte Herr von Brandeis und fuhr dann fort: „Ich habe ben Justi gern, er ist ein stiller, braver Kerl, säuft unb spielt nicht, wie so viele unter bem Jägervolk unb sein Revier ist in Ordnung, wie kein auberes. Unb nun soll ich ben Mann ausholen, nach alten verjährten Geschichten graben. Unb was wird es sein? Vielleicht hat ihn bamals doch ber Spielteufel gelockt, ober irgenb eine Arnourschaft, bie nicht so glatt abging, wie er es wohl wünschen mochte — Dinge, nach denen heute kein Hahn mehr kräht."

„Wohl möglich," entgegnete Prittwitz, indem er einen Blick durch das Fenster werfend, sich erhob, „doch können das Ew. Gnaden von dem Förster am besten selbst er­fahren, denn wenn mich nicht alles täuscht, so ist ber be­staubte Jägersmann, ber eben auf das Hau» zuschreitet, unser Mann."

Nach den Berichten ber nach bem Gouvernement Astrachan entfenbeten ärztlichen Delegirten ist bie Pestepibemie daselbst in ber Hauptsache für erloschen anzuseheu, die in jüngster Zeit noch vorgekommenen vereinzelten Fälle werben als Nachzügler betrachtet, wie solche bei erlöschenden Epidemien beobachtet werden. Selbst wenn die Seuche bei weiter vorgeschrittener Jahreszeit in einem ber vorher ergriffen gewesenen Orte wieder auftauchen sollte, wirb in bem drei­fachen Hinblick auf die von ber russischen Regierung in neuerer Zeit getroffenen energischen Anordnungen, auf bie fortdauernd strenge Ueberwachung des infieirt gewesenen Distrikts und auf bie aufrecht erhaltene Quarantäne eine bringende Gefahr für Europa als nicht vorhaudeu erachtet so lange bie Seuche auf bie weniger bevölkerten Gebirgs- theile Rußlands beschränkt bleibt. Mit Rücksicht hierauf ist eine wesentliche Milderung ber von ben Regierungen Deutschlands und Oesterreich-Ungarns ergriffenen Schutz­maßregeln theils schon erfolgt, theils unmittelbar bevor­stehend. Im besonderen ist bie sanitäre Jnspeclion des Schiffsverkehrs auf bie Provenienz aus ben russischen Häfen bes Schwarzen unb des Afow'fcheu Meeres beschränkt wor­den. Auch ist falls nicht unerwartete Zwischenfälle ein- treten, schon für bie nächsten Tage ber Erlaß einer Ver­ordnung zu erwarten, durch welche bas am 29. Januar verfügte Einführungsverbot auf gebrauchte Leib- unb Bett­wäsche, gebrauchte Kleider, Hadern unb Lumpen beschränkt, bie Einfuhr ber übrigen durch das gedachte Verbot be­troffenen Gegenstände dagegen — unbeschadet der Aufrecht­erhaltung ber für einzelne ber letzteren auf Grund des Rinberpestgesetzes verfügten Verbote — freigegeben wirb.

Meldung ber „Politischen Korrespondenz" aus Timowa vom 6.: Die Notablenversammlunq verwarf bie Aufnahme eines Artikels in das organische Statut, welcher bie Ver­hinderung bes Proselytemthums unb ber Ausbreitung des Protestantismus bezweckt. Auch ber Antrag auf Errich­tung einer Nationalkirche wurde verworfen unb ber Be­schluß gefaßt, bie Einheit ber bulgarischen Kirche in gleicher Weise ausrechtznerhalten wie unter ber türkischen Herr­schaft ; ebenso würbe bie Unabhängigkeit des bulgarischen Exarchen von ber Pforte beschlossen. — Stach Versicherung der russischen Militär-Autoritäten beginnt bie Räumung Bulgariens durch bie Russen unwiderruflich am 3. Mai.

Deutsche» Reich.

** Berlin, 7. April. Eine Mittheilung aus dem Spessart preußischen AntheilS erwähnt, daß mit Rücksicht auf die eingestellten Wegearbeiten in den fiscalischen Forsten es der dortigen nothleidenben Bevölkerung an Arbeit unb Verbimst fehle. Wir können mittheilen, daß auf Anregung ber Regierung zu Cassel seitens beS lanbwirthschaftlichen

„Weiß Gott," senszte ber Oberforstmeister über bie Schulter bes Junkers hinunterblickenb. „Er ist es — pünktlich wie immer! Na, so rnag's benn losgehen."

„Gehabt Euch wohl, Herr Oberforstmeister," sprach Prittwitz sich verabschiedenb, „unb viel Glück zu Eurer Mission!"

„Schön Dank," antwortete ber Alte unb brückte kräftig bie Hanb, welche ihm sein Gast reichte. „Unb nichts für ungut, Junker, wenn mir da im Unmuth hie unb ba ein derbes Wörtchen entwischte. Ihr kennt ja ben alten Brandeis unb wißt, baß es so böse nicht gemeint ist."

„Ob ich Euch kenne,? sprach lachenb ber Junker, „doch was mir Ew. ©naben ba über meinen Jägerberuf sagten--"

„Ist die volle Wahrheit," fiel ihm ber Oberforstmeister rasch in bas Wort, „ich lasse mir davon kein Jota ab­handeln."

„Na, meinetwegen," sagte im Ton komischer Resigna- nation Prittwitz unb schritt von Brandeiö geleitet aus bem Zimmer, unter dessen Thür eben ein Diener erschien und den Förster HanS Justi vom Wolfsgmnd meldete."

„Ew. Gnaden haben befohlen!" mit diesen Worten stellte sich ber Förster bem Oberforstmeister vor, wobei ein aufmerksamer Beobachter hätte wohl bemerken könnm, wie er dessen Gesicht mit einem ängstlich prüfenden Blick streifte.

Dieser aber sah es nicht, sondem vermied es, ganz gegen feine sonstige Gewohnheit, den Ankömmling genau anzuschauen. Der ehrliche alte Waidmann hatte seinen Widerwillen gegen bie ihm gewordene Mission noch nicht überwunden und befand sich bei seiner, ihm zur zweiten

Ministeriums bereits die nöthigen Fonds zur Wiederaus- uahme jener Arbeiten angewiesen sind unb zugleich bie Regierung angewiesen wurde, mit aller Energie den Noth- leidenden durch Anweisung geeigneter Arbeit zu Hülfe zu kommen. — Die Gegner ber Zollreform richten ihre An­griffe augenblicklich mit Vorliebe auf ben Bundesrath, in­dem sie ihm die rasche Erledigung der Vorlage zum Vor­wurf machen wollen. Aber dieser Vorwurf hätte nur einen Sinn, wenn bie Zeit ber Berathung im Plenum ber Maß­stab für bie Gründlichkeit ber Erwägungen bei ben einzelnen Bunbesregiernngen abgäbe; bas ist, wie Jebermanu weiß, nicht ber Fall. Was beit vorliegenden Gegenstand anbe­trifft, so waren sämmtliche Bunbesregierungeu seit Monaten in der Lage, ihre Stellung nicht blos zu ber Grundlage ber Steuerreform, fonbeni auch zu ben einzelnen von ber Commission vorgeschlagenen Sätzen zu nehmen, beim bie Regierungen wurden über bie Arbeiten ber Kommission ununterbrochen auf bem Saufenben erhalten, unb es würbe dafür gesorgt, daß der Ausgleich widersprechender Ansichten schon in ber Tarifkommission herbeigeführt wurde. Deß- halb konnte bie Instruktion aller Bevollmächtigten berge- ftalt erfolgen, daß die Berathung im Plenum ohne allen Aufenthalt verlief. Dies konnte um so mehr der Fall fein, als alle Regierungen ben Wunsch des Kanzlers theilen, daß bie Frage jedenfalls in der gegenwärtigen Session zum Abschluß komme. — Neuerdings begegnet man öfters dem Versuch, die Arbeiten ber Tarifkommissivn, wie sie mit eini­gen Modifikationen als Vorlage in den Reichstag gelangt sind, als ein Werk des Herrn v. Varnbüler zu bezeichnen und dieselben in Gegensatz zu den Absichten des Kanzlers zu stellen. Dieser Kunstgriff erweist sich schon darum als ein vergeblicher, weil ber Kanzler das Ergebniß ber Tarif- kommission, wie es als Buudesrathsbeschluß vorliegt, sich vollstänbig aneignet und barm bie im wesentlichen gelungene Ausführung ber von ihm gegebenen Anregungen anerkennt. — In einzelnen Blättern wirb von einer Vertagung ber Sitzungen des Bundeöraths gesprochen, die Annahme ist unrichtig; der Bunbesrath bleibt zusammen und wirb nach Erforderniß der Arbeit zur Sitzung berufen, das Osterfest wird also nur eine kurze Pause, bie nicht mehr als bie eigentliche Festzeit umfaßt, Hervorrufen. Heute ist ber Ausschuß des Bundesraths für Justizwesen zusammenge- treteu, Mittwoch werden bie Ausschüsse für Zoll- und Steuerwesen, für Handel unb Verkehr und für Rechnungs­wesen eine gemeinsame Sitzung abhalten, um die Vorlage über bie Erhebung ber Brausteuer in Berathung zu neh­me». — In bem Entwurf über das Tabakssteuergesetz, ber am Sonnabenb von bem Bunbesrath angenommen worben, werben zur Zeit bie Mottve ausgearbeitet. Nach Fertig­stellung berselbeu wirb der Entwurf ebenfalls dem Reichs­tag noch während der Ferien zugchen. — Aus Anlaß ler neuesten Ernennungen zu Domherren in Brandenburg wer,

Natur gewordenen Geradheit, in nicht geringer Verlegen­heit, wie er dieselbe in Angriff nehmen solle.

„Leg' er ab, Justi," sprach er, „und setz' er sich. Er ist jedenfalls zu Fuß gekommen, und wird ben Marsch in seinen Knochen verspüren."

„Ich banke, Ew. ©naben," antwortete bescheiden der Förster, indem er Stock und Jagdgewehr an einen Büchsen- ständer lehnte, welcher an ber Wand des Gemaches ange­bracht war. „Ich bin allerdings zu Fuß gekommen, aber ich habe schon bei meinem Vater gerastet."

„Bei seinem Vater — fp — so," erwiderte Brandeis, „na, macht nichts; beßwegen mag er sich immerhin einen Stuhl nehmen. Ich habe länger mst ihm zu reben.6

Hans Justi warf wieber einen forschenden Blick in bas Gesicht seines Vorgesetzten, langte nach einem ber geschnitz­ten Sessel unb setzte sich, als auch ber Oberforstmeister Platz genommen hatte, nieber.

Jetzt erst besah sich Branbeis seinen Mann genauer, als wolle er aus dessen Gesicht einen Anknüpfungspunkt für bie Unterhaltung herausfinden.

„Wir haben uns lange nicht gesehen, Justi," begann er, „es mögen wohl einige Monate seitdem verflossen sein?"

„So ist es Ew. Gnaden," entgegnete der Förster; „fast sechs Monate. Es war im letzten Frühjahr, als ber Herr Oberforstmeister das Revier mit feinem Besuch beehrten."

„Wie lange Ist er boch schon draußen im Wolfsgrund ?" fragte der Alte weiter.

„Es sind sieben Jahr her — etwas drüber," antwor­tete Justi.

„Sieben Jahr," sprach ber Oberforstmeister unb wiegti bedenklich bas Haupt, „so lange schon? Ja, ja, bie Zeit vergeht rasch — wir werben alt. Ist mir's doch, als.