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Rr. 82.

Marburg, Sonntag, 6. April 1879

xiv. Zahrgavg

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d.vlatte», sowie d.Annoncen-Bureaur von Th, Dietrich & Co. in Kassel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a.M.; Haafenstein & Bögler in Frankfurt a. M., Berlin, Leipzig, Cöln rc.; Rudolf Moffe in Berlin, Frank­furt o. M. rc.

OlikchWjk jcitmig.

Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. Blatte« sowie d. Annonceu-Bureaux von G- L. Daube & Co. in Frankfurt a. M; Jäger'sche Buchhandlung daselbst; Hermann'sche Buchhandl. daselbst; Jnvalidendank in Berlin; W- Thiene- in Elberfeld; C. Schlotte in

Bremen-

Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen BeilageJllustrirtrS Sonntagsblatt" durch die Expedition (Koch'sche Buchdruckerei) bezogen 2i Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Psg. (excl. Bestellgebühr). Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Psg.

Für in der Expedition zu ertbeilende Auskunft und Annahme von Adreflen werden 25 Psg. berechnet-

auf Zweite Quartal iPnilUUUuul werden noch fortwährend von ~ 1 v der Post angenommen und auf Verlangen die bereits erschienenen Nummern nachgeliefert.

Die Gxped. d. Oberh. Zeitung.

Politische Woche«-Ueberficht.

Der Reichstag hat am Donnerstag mit seiner 33. Sitzung die erste Hälfte der diesjährigen Session beschlossen und sich bis Ende dieses Monats vertagt.

liebet die Verhandlungen zwischen Berlin und Rom hat sich noch kein Licht verbreitet. Im Allgemeinen können die Angaben, welche Bestimmtes über diesen Punkt enthalten als unbegründet angesehen werden. Auch die Verhand­lungen des Fürsten Bismarck mit dem Führer der Cen­trumspartei Herrn Windthorst, welche ein nicht geringes Aufsehen erregt hatten, dürfen nach officiösen Mittheilungen welche durch die ultramontanen Organe bestätigt werden, nicht auf den Culturkampf bezogen werden. DieGer­mania" behauptet, daß sich die Centrumspartei zu einem polistschen Schachergeschäfte nicht herbeilassen werde. Sie unterstützt die wirthschaftliche Politik deS Reichskanzlers aus Ueberzeugung, weil sie glaubt, daß die darniederliegenden Zweige der Betriebsamkeit einer Stütze bedürfen. Bei reinen Finanzzöllen, z. B. auf Kaffee, Petroleum, u. f. w. wird voraussichtlich die oppositionelle Haltung des Centrums scharf hervortreten.

Rußland wird von einem Schrecken in den anderen versetzt. Ein Attentat auf einen hohen Staatsbeamten folgt dem anderen. Der Eindruck diefer Schandthaten verstärkt sich durch den Umstand, daß die Thäter sich bis­her dem Arme der Gerechtigkeit zu entziehen vermochten. Trotz des Appells, welchen der deutsche Botschafter von Schweinitz an eine ungenannte Adresse gerichtet hat, erhält sich in Rußland die Verstimmung gegen das deutsche Reich. Sieben dem Umstand, daß Rußland zu dem Vor­wurf berechtigt zu sein glaubt, auf dem Berliner Kongreß an Deutschland nicht den erwarteten Stützpunkt gefunden habe, ist eS insbesondere die eingeleitete Handelspolitik, welche in Rußland Verstimmung hervorruft. Wir wären geneigt, biefe Insinuation als eine Unverschämtheit zu be­zeichnen, wenn dieser Ausdruck parlamentarisch wäre. Selt­samerweise werden hiemit auch die Einfuhr-Verbote ver­mischt, welche ausGesundheitsrücksichten" von Deutschland erlassen worden sind. Die Vertreter des russischen Handels nehmen die Vermittelung deS Grafen Schuwaloff bei dem Fürsten Bismarck in Anspruch und wollen dieselbe durch die Drohung von Einfuhrverboten auf fabricirte Maaren unterstützt wiffen. In Bezug auf die orientalische Frage

I« Wolfsgr««d.

Von Fritz Brentano.

«Fortsetzung.)

Junge, was fällt Dir ein?" rief der Alte und ver­suchte zu lächeln.Thränen ich um deinetwillen dummes Zeug! Der Himmel weis, wie mir das bischen Wasser in die Augen kam"

Rein, Vater", antwortete der Förster,macht keinen Versuch, Euern Gemüthszustand zu leugen; ich kenne Euch besser. Henoch hat Euch wieder gedrängt, verschweigt mir es nicht und sagt mir alles, damit ich nochmals ein kräf­tiges Wort mit dem Hofjud spreche."

Um des Himmelswillen", fiel der alte Jnsti in^das Wort,Deine Heftigkeit würde alles verderben, der Jude ist ohnehin erbittert genug."

So hat er Euch wirklich wieder gedrängt, hat er?" stieß der Förster heraus und die Adern auf feiner Stirne schwollen mächtig an.Hol' b'er Teufel den Blutsauger! Erhält er nicht die schweren Zinsen seit Jahr und Tag und hat er mich nicht am Capital schon um eine große Summe betrogen ? Was verbittert er Eure alten Tage Und gönnt Euch das bischen sauerverdiente Ruhe nicht? Aber laßt mich nur hin, ich will ihm auf3 Dach steigen, dem feigen Schuft, der sich an Eurem Alter versündigt, daß ihm die Lust vergehen soll, ehrlichen Leuten die Kehle zuzuschnürcn."

Als der Förster die Thür zu dem Zimmer seines Vaters öffnete, blieb er einen Augenblick auf der Schwelle stehen und betrachtete mit kummervollem Blick das Bild, welches sich ihm bot. Das greife Haupt auf beide Arme gestützt,

steht gegenwärtig diegemischte Okkupation" von Ostru- melien im Vordergrund. Tie Pforte soll derselben im Princip zugestimmt haben, jedoch unter verschiedenen Be­dingungen. Der Großvezier Khereddin Pascha hat die nachgesuchte Entlassung nicht erhalten.

Jrn österreichischen Abgeordnetenhause ist die In­terpellation eingebracht worden ob die Regierung es mit Rücksicht auf den § 7 des Wehrgezetzes für zulässig erachte, daß österreichisches Militär zur Okkupation eines fremden uns nicht feindlichen und an Oesterreich gar nicht angren­zenden Landes verwendet werde? Der citirte Paragraph besagt, das österreichisch-ungarische Heer könne nur zum Schutze gegen den äußeren Feind und zur Aufrechterhal­tung der Ruhe im Innern verwendet werden. Die Inter­pellation bezieht sich auf die geplante gemischte Okkupation von Ostrumelien.

In der Schweiz haben sich Nationalrath und Stän­derath über die vielbesprochene Verfassungsänderung geeinigt. Die Wiedereinführung der Todesstrafe ausschließlich der politischen Vergehen ist beschlossen, dagegen die Wiederein­führung der Prügelstrafe abgelehnt, lieber diesen Refu- sionsartikel hat noch die Abstimmung des Volks und der Stände zu entscheiden.

Der Antrag auf Rückverlegung der Kammern von Versailles nach Paris ist bekanntlich vom französischen Senat von vornherein sehr frostig ausgenommen worben. Der Senat trat nicht wie man iu der Deputirtenkammer erwartet hatte dem Anträge der letzteren bei, sondern man verwies den Antrag an eine Commission in welcher derselbe mit 7 gegen 2 Stimmen abgelehnt wurde Am 1. April gelangte der Antrag im Senate zur Verhandlung und wurde 157 gegen 126 Stimmen beschlossen, die Be- rathung der Vorlage zu vertagen, was mit der Ablehnung gleich bedeutend ist. In den Kreisen der Deputirten, hat die Haltung der Senatsmchrheit eine große Entrüstung hervorgerufen. Es war wohl unerwartet, daß der in sei­ner Mehrheit republikanisch gesinnte Senat dem anderen Hause und der Regierung eine solche Niederlage bereiten würde.

Das englische Unterhaus hat das Tadelsvotum für die Verwaltung des Caplandes mit 306 gegen 246 Stimmen abgelehnt. Eine bedenkliche Abnahme der Regierungspartei gibt sich in diesem Beschlüße kund. Die neuesten Nach­richten von Kap lassen die Lage der Engländer wieder be­denklicher erscheinen. Oberst Pearson ist noch immer von den Zulus in Ekowye eingeschlossen; ein Correspondenz- verkehr zwischen diesem Platz und dem Fort Tenedos ist vermittelst Hohlspiegel hergestellt worden. Unter den Ein­geborenen macht sich in Folge der Maßregeln, sie zum Militärdienst zu zwingen, große Unzufriedenheit bemerkbar. Einige Verstärkungen sind bereits eingetroffen, doch wird

saß fein Vater an dem Tisch, und starrte trübselig in das Leere, während vor ihm ein aufgeschlagener Foliant die Luther'sche Bibel lag, in welcher er eben gelesen haben mochte. Aber die Lectüre schien ihm keinen großen Trost gewährt zu haben, denn ein tiefer Seufzer hob die Brust des alten Mannes und zwei Thränen rollten über seine gefurchten Wangen.

Dieser Anblick mochte seinen Sohn gewaltig ergreifen fühlte er doch, wer dem Greis diese Thränen erpresse und mit dem Ausruf:

Vater, was habt Ihr, lieber Vater," sank er vor dem Alten in die Kniee und blickte mit einem Ausdruck der Zärtlichkeit zu ihm empor, welcher an dem wetterharten Mann doppelt ergreifend erschien.

Hans, Du hier!" rief aus seinen Sinnen auffahrend freudig der alte Justi, und schlang die Arme um den Hals seines Sohnes, ihn kräftig zu sich empoi^iehend. Junge, um aller Welt willen, wo kommst Du her und gerade in dem Augenblick, wo ich so recht lebhaft Deiner und Deines stillen Waldhauses gedachte!"

Ich fühlte wohl, Vater," sprach schwermüthig der Förster,daß ich die Schuld an den Thränen trug, die ich Euch eben weinen sah. Doch sagt, hat es was neues gegeben, hat der Jude--"

Der Förster war während dieser Rede wild aufge­sprungen und seine Faust umklammerte krampfhaft den Schaft der Büchse.

HanS! Hans!" rief der.Lakei, indem er dem Erregten sanft die Büchse wegnahm, und wie beschwichtigend seine Hand auf dessen Arm legte,was ficht Dich an? Tobt der Teufel wieder in Dir, den ich längst gebannt glaubte, draußen in der Gottesruhe des grünen Walde», an der

der Einmarsch in das Zulugebiet nicht vor Ende April erfolgen.

Wir schließen unseren Kreislauf mit einem Blick nach Dänemark wo in der vorigen Woche der Traktet vom 11. Oktober der Gegenstand gemeiner Verhandlungen des Parlaments gewesen ist. Die Eröffnungen sollen des Ministers der öffentlichen Angelegenheiten sollen ein bitteres Gefühl der Ohnmacht Dänemaks erzeugt haben.

Tagesbericht.

DieNordd. Allg. Ztg." schreibt vom 3. d.Wie wir hören, hat der Bundesrath heute in mehrstündiger Sitzung den neuen Zolltarif definitiv angenommen. Gegen denselben sollen nur die Hansestädte und Oldenburg gestimmt haben. Die Tarifvorlage ist aller Wahrscheinlichkeit nach schon heute Abend an den Reichstag gelangt. Eine eigenthüm- liche Ironie des Schicksals liegt in dem Umstande daß der Reichstag sich in derselben Viertelstunde vertagt hat und zwar auf fast vier Wochen, in welcher im Bundesrathe die wichtigste Vorlage der Session zum Abschluß gebracht ist. Der Aufwand von Arbeitskraft, mit welchem die Tarifrevision zuerst in der Commission, sodann im Bundes­rathe gefördert ist, ist vorläufig vergeblich gewesen. Der Reichstag ist auseinandergegangen, ohne auch nur einen Blick auf jene Vorlage geworfen zu haben, von welcher er wußte, daß sie spätestens morgen eingebracht werden würde!"

DerNationalztg." zufolge gingen die zu dem neuen Zolltarif in der Bundesrathssitzung vom 3. d. beantrag­ten Abänderungen, außer einigen unerheblichen Aenderungen des Tarifs, hauptsächlich dahin, daß denjenigen Staaten gegenüber, welche die deutsche Waareneinfuhr ungünstiger behandeln als diejenige anderer Staaten, ein Zuschlagszoll in Höhe des alterum tantum eingeführt werden dürfe.

Meldungen derPolit. Corresp.": Aus Tirnowa vom 3. d. Das Organisationsstatut für Bulgarien wird in höchstens 14 Tagen durchberathen fein, worauf die Vor­kehrungen zur Fürstenwahl erfolgen sollen. Hinsichtlich der Candidaturen für diese Wahl ist noch keine Vereinbarung zu Stande gekommen, dagegen ist eine Einigung erzielt be­züglich der Wahl Sofia'S zur Landeshauptstadt und Tir- nowa's zur Krönungsstadt. Ein im Schooße der Notabeln- versammlung verfaßtes offiziöses Memorandum über die Vereinigung sämmtlicher bulgarischer Länder einschließlich Makedoniens, der Dobrndscha und des zu Serbien gehöri­gen Distriktes Pirot wurde den Consuln in Timowa über­reicht. Aus Bukarest vom 4. d. Von der Regierung entsendete Aerzte konstatiren, daß Bulgarien von verdäch- tigen Krankheiten frei ist.

Seite Deines stillen Weibes, dessen Engelsgeduld Dir ein leuchtendes Vorbild fein sollte."

Geduld und immer Geduld," antwortete der Förster, wenn ich sehe, wie jener Unglückstag sich wie eine schwere eiserne Kette an uns klammert und durch fünfer Leben schleppt. Ihr sprecht von meinem Weib, Vater, das ist es ja eben, was mich rasend macht, wenn ich daran denke. Geht doch hinaus und seht den Jammer an. Ja, sie ist geduldig und trägt alles still, aber Gott verzeihe mir die Sünde. Manches mal wäre cs mir lieber, sie bräche los und schrie ihren Jammer hinaus in alle Welt, statt sie tagelang schweigend in dem alten Lehnstuhl hockt und das Gift in ihr junges Leben hinein frißt."

Er hatte sich auf einen Stuhl geworfen und schlug beide Hände vor das Gesicht. Fast stöhnend klang es aus der Brust des starken Mannes, als et fortfuhr.

O mein liebes, frisches Waldkind, meine herzige Anne, was ist aus Dir geworden? Wamm mußt Du so leiden, um fremder Schuld willen? Aber verflucht fei derjenige,*

Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet," unter­brach der alte Justi mit starker Stimme den leidenschaft­lichen Erguß seines Sohnes und legte wie mahnend die Hand auf das aufgeschlagene Bibelbuch.

Gib Dich zuftnedm, mein Sohn, und vertraue auf Den, der alles zum Gitten lenkt. Er wird auch Deiner Anne dm Frieden wiedergeben, dessen sie in ihrem Leid bedarf. Fluche jenem Mann nicht er ist tobt und möge der Herr ihn gnädig gerichtet haben."

Todt! Haha! Todt!" lachte der Förster wie im Irr­sinn auf, daß fein Vater erschreckt zusammenfuhr.

(Fortsetzung folgt.)