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-«zeigen nimmt emgegen: zteErvedtrion d.Blattet, fg®ic ü.rlnnsnccn-Bureaux ?on Th. Lietrich & Eo. in jkrflel und Hannover; Th. Dieli ich in Frankfun a.M.; haaienstein & Bögler in |ranifurt e. M., Berlin, Lttpzig, Köln ic.; Rudolf Stoffe n Berlin, Frank­furt a. !Vi. ic.

Marburg, Sonnabend, 29. März 1879

XIV- ZählMg

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blatte-, s owie d- Annoncen-Bureaux von G-L-Daube &Go. in Frankfurt a. M; Jäger'sche Buchhandlung daselbst; Hermann'sche Buchhandl. daselbst; Jnoalidendank in Berlin; W. Thiene« in Elberfeld: C. Schlotte in Bremen.

Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiettagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „JlluftrirteS Sonntagsblatt" durch die Expedition (Koch'sche Buchdruckerei) bezogen 2i Mark, durch di« Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Psg. (excl. Bestellgebühr). — Jnsertionszebühr für die gespaltene Zeile 10 Psg. Für in der Expedition zu ertdeilende Auskunft und Annahme von Adrefien werden 25 Pfg. berechnet.

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Knsere verehrten auswärtigen Abonnenten er­suchen wir baldigst bei der Post ihre Bestel­lungen auf das zweite Quartal erneuern zu wollen. Wir machen besonders darauf aufmerksam, daß ohne vorherige Bestellung von der Post Zei­tungen nicht geliefert werden. — Auf dem Lande nehmen die Postbote« Bestellungen an.

Die Expcd. d. Obeh. Zeitung.

Tagetdericht.

Ueber dm Tod des Prinzen Waldemar wird noch weiter untettn 27. d. aus Berlin gemeldet: am Montag erkrankte der Prinz an einem scheinbar nur leichten Tiphteritisan- sall, welcher bis gestern Abend zu ernsten Besorgnissen keine Veranlassung gab. Gegen 11‘/2 Uhr Nachts trat jedoch im Befinden des Prinzen eine derartige Verschlim­merung ein, daß die behandelnden Aerzle sich veranlaßt fühlten, den Geh. Rath v. Langenbeck hinzuzuziehen Gegen 3‘/2 Uhr trat in Folge einer Herzlähmung der Tod ein Im Laufe des heutigen Tages erschienen zahlreiche Per­sonen aller Stände im krvnprinzlichen Palais, um ihre Theilnahme durch Einträgen ihrer Namen in die ausge- legtcn Bücher zu bekunden. — Morgen Abend 6 Uhr findet in der Gedächtnißhalle des krvnprinzlichen Palais ein Trauer- gvttcsdienst für den verstorbenen Prinzen Waldemar statt. Um 8 Uhr erfolgt zu Wagen die Ucberführung der Leiche nach Potsdam, wo dieselbe in Ker Taufhalle des neuen Palais ausgestellt wird. Am Sonnabend findet in Pots­dam die officielle Trauerfeier statt.

Auf der Tagesordnung der gestern um 2 Uhr statt­findenden BunbeSrathssitzung stehen u. A. die Regelung des Gütertarifwesens ei« Gesetzentwurf über die Vollstre­ckung der Freiheitsstrafen, die Maßregeln gegen die Ein­schleppung der Rinderpest und der Antrag des Ausschusses wer die Wanderlager und Waarenauctionen.

Meldung ter „Polit. Corresp." aus Kanstantinopel v,m 26. d.: Mukhtar Pascha ist aus Prevesa abberufcn «ad im Hinblick auf neue Erhebungsversuche in Macedo- nim zum Gouverneur und Obercommantanten des Armee­corps von Monastir ernannt worden.

Die Budgetkommission des Reichstags stellt den Antrag

Der arme Wilm?)

Eine Geschiche vom Neckar.

Treu dem Leben nacherzählt von S. vom Berg.

Tief im Gebirg, wo eine Chaussee schon zu den Sel­tenheiten gehört, das Horn des Postillons ein willkommener Klang ist und von einer Eisenbahn noch in zwanzig Jahren schwerlich die Rede sein wird, liegt in einer Waldschlucht nn Dörfchen, Waltcrshütte genannt. Steil fällt der be­waldete Berg auf der einen Seite ab bis zur Tiefe, steil steigt er apf der andern wieder in die Höhe, und im ganzen Dörfchen ist wohl kein zehn Fuß breiter Fleck ebenen Lüttes zu finden. Die hübschen kleinen Häuschen, meist Mit Stroh gedeckt und außen mit Holzschindeln bekleidet, hingen halb an den Felsen, halb sind sie in den Berg ^«eingebaut; die Gärtchen daneben sind nach dem Thale hin aufgefüllt und sorgfältig mit Strebcmauern gestützt.

Hier lebt seit alten Tagen ein arbeitsames kräftiges Ge­schlecht, int Wald und vom Wald, der sie rings umgiebt totb sich nach allen Seiten hin stundenweit ausdehnt. Es ist ein eigenartiger Schlag Menschen, schwarzhaarig und schwarzäugig, mager und nervig, mit trotzigen Gesichtern Und gefürchteten Fäusten. Nur so txeit es durchaus nölhig ist, treiben sie Ackerbau und Viehzucht. Ihr Haupterwerb liegt in der Waldarbeit, die mit geringen Pausen durchs 8anje Jahr sich hinzieht. Denn während die Holzhauer in btr Ebene nur im Winter den Wald betreten, haben die NalterShütter auch in den andern Jahreszeiten durch die zahlreichen Eichenniederschläge und Culturen viel zu schaffen 3m Winter aber, wenn die Bauern sich am warmen Ofen

, *) Wir entnehmen diese Erzäbl mg der „Allaemeinen Con- 'ervativen Monatsschrift für das Christlich: Deutschland." HerauS- Segtben von M. v. Ratdusius, und benutzen die Gelegenheit, di.se Monatsschrift unserem Leserkreise angelegeutlichst zu em- k'ehlen.

L Anm. d Red

über die Petitionen des Bürgermeisteramtes zu Arolsen des Stadtverordneteu-KollegiumS zu Cleve, des Magistrats zu Görlitz, des Magistrats zu Freiburg in Schl., des Magistrats zu Sprottau um Uebernahme der von den GarnisonSorten errichteten Ganiisonsanstalten gegen eine billige Entschädigung seitens des Reiches — des Magistrats zu Glogau — die Veräußerung des durch Niederlegung der Festung Glogau gewonnenen Stadterweiterungs-Termins betreffend —, zur Tagesordnung übcrzugehen.

Die Wahlprüfungs-Kommission hat sich dieser Tage mit der Wahl des Abgeordneten Grafen Molkte im ersten Wahlkreise des Regierungsbezirks Königsberg beschäftigt. Graf Molkte ist dort mit 6150 von 9578 gültigen Stim­men gewählt worden. Mit Rücksicht auf diese Wahl hat der Vorstand des liberalen Wahlcomitss zu Memel bei dem Reichstag eine Eingabe gemacht, in welcher verschiedene Unregelmäßigkeiten welche bei der Wahl im Kreise Memel vorgekommcn sein sollen, gerügt worden, eine Ungültigkeits- erkärung der Wahl aber nicht beantragt wird. Den recht­lichen CharacNr eines Protestes hat diese Eingabe also nicht und hätte daher mit Rücksicht auf diese Eingabe für die Abtheilung kein Hinderniß für die Erledigung der Sache vorgelegen. Da indessen die Wahlakten von der Abthei­lung der Wahlprüfungskommission überwiesen worden sind, so hat dieselbe sich einer Prüfung der Wahl unterzogen. Von den Punkten welche die Eingabe aus Memel betont, sind von der Kommission nur einige für erheblich erachtet worden nämlich das Verlassen des Wahllokals und das Vertheilen der Stimmzetteln durch den Wahlvorstand. Alle diese Vorgänge bleiben aber ohne Einfluß auf das Ergeb- niß der Wahl; denn die Gesammtzahl der Wähler beträgt in den betreffenden 4 Wahlbezirken Liebken, Ekitten, Dimoe« then und Jürgen 205, und der Graf hat 1360 Stimmen über die absolute Majorität erhalten. Die Wahlprüfungs- Kowmiffivn beantragt danach: Der Reichstag wolle be­schließen: Die Wahl deö Abgeordneten General-Feldrnar- schall Gras Molkte im ersten Wahlkreise des Regierungs­bezirks Königsberg für ungültig zu erklären.

Der Abg. Fürst Hohenlohe-Langenberg hat zum Vogel- schutzgesctze eine Reihe von Abänderungsanträgen einge­bracht. Nach denselben sollen die beiden ersten Absätze des § 3 der Vorlage welche lauten: In der Zeit vom 1. März bis zum 15. September ist das Fangen und die Erlegung von Vögeln sowie das Feilbieten lotter Vögel untersagt. Wenn jedoch Vögel in Weinberge, Obstbaumanpflanzungen, Gärten oder bestellte Felder schaarenweise einfallen, so dürfen sie in der Zeit vom Beginn der Reife der Früchte

hinstrecken, um für die Strapazen des Sommers sich zu entschädigen, ziehen die Waltershütter Männer und Burschen noch in dunkler Nacht aus, mit den blinkenden Aexten auf der Schulter, oft zwei, drei Stunden Wegs bis sie nur an den Platz kommen, wo die starken Stämme gefällt werden sollen. Die Förster rings umher nehmen teilte anderen Waldarbeiter so gern als diese unsere Hin­terwäldler. Sie verstehen ihr Geschäft meisterhaft, und wenn uns auch der stattliche Stamm jammert, der unter ihren wuchtigen Streichen fällt, so ist eS doch eine Lust zu sehen, wie et so sauber und glatt gefällt und gespatten wird. Die eisernen Männer stehen tagelang in Schnee und Eis und kaltem Wind und treten nur selten an das Feuer, um die erstarrten Hände wieder zu beleben. Immer sind sie fröhlich bei der Arbeit, mögen sie es nun wissen oder nicht, daß mit der Freude an der Arbeit ihr Verdienst wächst.

Nur wenn bei einer Durchforstung das ausgearbeitete Holz rings znsamengctragen werden muß, brummen sie wohl bei den Untcrförstern: Es sei ganz nnnöthig, die Leute von einem Bergbuckel auf den andern zu sprengen wegen einiger Spalter Holz. Die Förster hören das kalt­blütig an und lassen keinen Zollbreit von ihrer Forderung nach, weil e6 Jo „Vorschrift" ist, und allemal ergeben sich die Waldershütter darein, auch einmal für 10 Groschen den Tag zu schaffen. Sie trösten sich mit der Hoffnung, Paß unser Herrgott ihnen auch wieder einmal besseren Lohn gönnt, wenn er durch einen heftigen Sturm einen Wind­fall in die riesigen Fichten schickt. Dann werden die Stämme nur abgelängt und ausgeputzt. Das fördert und gleich ist ein Thaler verdient.

Kommt aber einmal ein Forstkandidat frisch von der Universität, um auf der waldigen Hochschule ein Stückchen Praxis zu lernen und hat die Vermessenheit die erfahrenen Holzhauer mit neuen Moden meistern zu wollen, so schauen sie daS junge Herrchen halb mitleidig und halb ehrerbietig, aber ganz schalkhaft an und schaffen ruhig

bis zur Beendigung der Emke getödet werden, in folgen­der Weise gefaßt werden: — Die Erlegung der Vögel mittelst Schußwaffen ist in der Zeit vom 1. März bis 1. September, das Fangen und die Erlegung derselben durch andere Mittel, sowie das Feilbieten, der An- und Verkauf todter Vögel in der Zeit vom 1. März bis 15. Septbr. überhaupt untersagt. Wenn jedoch Vögel in Weinbergen, Baumanpflanzungen. Gärten, bestellten Feldmarken-Saat- kämpen Schaden anrichten, so dürfen sie, soweit dies zur Anwendung des Schadens nothwendig ist, von dem Eigen- thümer ober Nutzungsberechtigten ober dem Beauftragten getödtct werden. Im 8 5 (Zuwiderhandlungen gegen die Bestimmungen des Gesetzes) soll das Strafmaximum von 150 auf 100 Mk. herabgesetzt und die Haft beseitigt wer­den. Zn § 7 wird der Zusatz beantragt: „Hinsichtlich der Krammetövögel behält es bei den landesrechtlichen Vorschriften sein Bewenden".

Deutsches Reich.

** Berlin, 27. März. Der unerwartete Tod des Prinzen Waldemar des dritten und jüngsten SohneS un­seres Kronprinzen, bewegt heute alle Kreise der Bevölkerung. Der Prinz, der noch am Sonntag gesund einer Kinder- gesellschast beiwohnte, erkrankte am Montag an einer Hals- affcction, welche jedoch zuerst leicht auftrat. Auch Mittwoch war man noch ohne Besorgniß. Erst Mittwoch Abend trat eine akute Wendung ein und es wurde in der Nacht der Geh. Rath v. Langenbeck zugezogen, welcher mit den hohen Eltern bis 3 Uhr am Krankenbett verweilte. Eine unmittelbare Gefahr schien auch jetzt noch nicht vorhanden und die Eltern und Herr Dr. Langenbeck entfernten sich, wurden jedoch alsbald zurückgerufen, weil in dem Aussehen des Prinzen plötzlich eine beunruhigende Aenderung einge­treten war. In diesem traf ihn schon um 3-/2 Uhr der Tod. Der junge Prinz galt bei allen Personen seiner Um­gebung für überaus wohlbegabt und hoffnnngerweckend. — In den nächsten Tagen wird dem Bundesrath auf beut Wege des PräsidialantrageS ein Gefetzenkwurf zugeheii, welcher die Vollmacht zur Erwerbung des gräflich RaczinSki- schen Palais behufs Einrichtung des Reichstagsgebäudes auf dem genannten Grundstück crtheilt. Man hofft, daß der BundeSrath noch in der laufenden Session feinen Ent­schluß fassen und die betreffende Vorlage dem Reichstage zugehen lassen wird. Wie man weiß, schweben die auf den Erwerb des betreffenden Grundstücks bezüglichen Verhand­lungen schon lange Zeit. — Der Minister des Innern

nach der alten Mode weiter. Dann kehrt er ihnen miß- mnthig den Rücken, sie aber gandircn sich mit ihrem Mut­terwitz übet die hochstudirte Weisheit und freuen sich, daß ihr weißhaariger Oberförster noch fest zu ihnen hält und gelegentlich mit rothem Kopf den Kandidaten wegen einer Dummheit vor ihnen zurechtweist. Dann sagen sie: „ES ist doch noch eine Gerechtigkeit in bet Welt." —

Im ersten Häuschen des Dorfes wohnt eine arme, brave, kinderreiche Familie. Der Vater sonnenverbrannt und wetterhart wie alle seine Nachbarn, die Mutter zwar mit tiefen Furchen im Antlitz aber mit so weichen mütterlichen Zügen, daß man gleich, menn man sie znm erftenmalc sah, ihr herzlich gut fein mußte. Acht Kinder haben sie auf­gezogen, die nun fast alle erwachsen sind, die Töchter stehen auswärts in Diensten, die Söhne sind theilwcis verheiratet.

Es sind ein paar Jahre her, da kam ans diesem Hause die jüngste Tochter eilig inS Pfarrhaus: Der Herr Pfarrer möge doch gleich kommen, ihr Bruder Wilm sei wirr im Kopfe und ganz außer sich, sie wüßten sich gar nicht mehr zu helfen. Augenblicklich eilte der Pfarrer mit dem weinen­den Kinde fort. Als er in die sonnenhelle und reinliche Stube trat schnürte es ihm das Herz zusammen. Der kleine Raum war ganz voll Menschen; Nachbarn, Freunde und Verwandte, welche die Kunde des plötzlichen Unglücks zusammengeführt hatte, saßen rings auf den Bänken. Sie hatten auch thätlichen Beistand leisten müssen, denn der atme, etwa zwanzigjährige Kranke hatte schon mehrmals schreckliche Anfälle von Tobsucht gehabt Jetzt saß er ruhig in der Ecke des Zimmers am großen Tisch, mit verstörtem wildem Blick um sich sehend. Auch als der Pfatter zu ihm trat und ihn mit seinem Namen grüßte, sprach er kein Wort, sondern sah ihn nur an mit dem unruhigen, angst­vollen Auge, dem Spiegel der armen, verstörten Seele, die jetzt den Etdenjarnmet reichlich kosten mußte. Sogleich wurde es ganz still in der Stube. Mit dem sicheren Takt, den daö Landvolk noch vor dem kirchlich unmanierlichen und zuchtlosen Städter voraus hat, standen alle auf und