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Marburg, Mittwoch, 26. März 1879

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Meldung der „Polit. Corresp." aus Konstantinopel: die britische Flotte soll Ordre erhalten haben, bis Anfang Mai in der Besika-Bai zu verbleiben, um die vollständige Räumung des Balkans durch die Russen abzuwarten. Der Ministerrath berieth Maßregeln gegen die weitere Entwerthung der Kaimes. Das russische Hauptquartier ist von Barna nach Odessa abgegangen. Totleben wird sich angeblich am 26. d. einschiffen.

Die angebliche Abberufung des englischen Botschafters in Konstantinopel Sir Layard, von seinem bisherigen Po­sten ist vielfach als eine Concession gegenüber der russischen Regierung gedeutet worden. Diese Auslegung ist jedoch unbegründet, Sir Layard ist nicht abberufen worden, son­dern wird im Laufe des Monats April nach Konstantinopel zurückkehren. Die Anwesenheit des Botschafters in London scheint durch gewisse Verhandlungen veranlaßt zu sein, mit denen auch die Reise des Grafen Schuwaloff nach Peters­burg in Verbindung stehen dürfte.

huldigend:

»Verzeihe mir, daß ich gar so traurig bin, aber ich Wirklich krank."

: ich .der ig’s er, ck, br­echt-

M. bei 677

Harte Kämpfe.

Novelle von Ludwig Habicht.

(Fortsetzung.)

Also auf Wiedersehen!" sagte erkühl und trocken und

laßet

<9.

liche Feier stattfand, kann nichts Anstößiges haben; es ent­spricht der auch in Deutschland bewahrten bergmännischen Sitte, daß in diesen Gottesdiensten die bevorstehende Arbeit im Gebete Gott empfohlen wurde, ist auf jedem religiösen Standpunkt natürlich. Dieses Gebet war kein abergläubi­scher Mißbrauch, denn es sollte Arbeit und Wissenschaft nicht ersetzen: sondern es war die Einleitung der von der Wissenschaft empfohlenen Arbeit und förderten rechte Ge­sinnung während derselben. „Bete und Arbeite" sagt der Apostel. Wer darüber spotten kann, indem er zuerst auS dem Beginn einer Arbeit mit Gebet einfältige Folgerungen zieht und dann diese verspottet, mag anzeigen wie niedrig s.ine Weisheit zn taxiren ist; von Religion und Wissen­schaft versteht er sehr wenig. Wenn eine solche Stimme sich in einem östereichischen Blatt erhoben hätte, während unseres Kriegs oder nach den Gottesdiensten zum Dank für des Kaisers Errettung aus Mörderhand, so hätten wir das in Deutschland sehr übel genommen.

Wie sich die Wiener „Montagsrevue" von Berlin schrei­ben läßt, steht der Ausgleich zwischen der Preußischen Re­gierung und der römischen Curie demnächst bevor. — Wir müssen es gänzlich dahin gestellt sein lassen, ob diese Mel­dung tatsächlich begründet ist. Die Verhandlungen zwischen Berlin und Rom umgiebt ein dichtes Geheimniß und steht noch keineswegs fest, daß dieselben in neuerer Zeit ein ra­scheres Tempo angenommen haben.

Deutsches Reich.

** Berlin, 24. März. Die Feier von Kaisers Ge­burtstag in allen Theilen Deutschlands und namentlich die Kundgebungen der gesammten deutschen Presse bei dieser Gelegenheit haben den erfreulichen Beweis gegeben, daß nicht blos die Verehrung für den ehrwürdigen Monarchen em Gemeingut der deutschen Nation geworden ist, sondern wir sehr die Gemeinschaft der nationalen Gesammtauffassung überhaupt vorgeschritten ist. An dem Inhalt und Ton der Kaiserartikel ist schwer zu unterscheiden ob sie aus dem Norden oder aus dem Süden stammen, eö ist fast durch­aus derselbe Ton und derselbe Wärmegrad nationaler Ge- stnnnung. Bei solcher Gelegenheit wo die politischen Streit­fragen in den Hintergrund treten, zeigt sich in erfreulicher Werse, daß pessimistische Auffassungen, welche in der täg­lichen Polemik vielfach in Bezug auf die jetzigen Verhält­nisse zu Tage traten, doch die Volksstimnrung im Ganzen kerneswegs beherrschen. Namentlich ist auch überall das Vertrauen zum Ausdruck gelangt, daß die Friedenspolitik des Kaisers, nachdem sie im Vorjahre so große Erfolge gehabt, sich auch weiter wirksam zeigen werde, ein Ver­trauen welches durch die allseitigen Stimmungen der Ca- binete vollkommen berechtigt erscheint. — Die Frankfurter Zeitung deutet an, daß nach der neulichen Rede des Mi­nisters Grafen Eulenburg über den kleinen Belagerungs­zustand der Schluß der Diskussion seitens der konservativen Partei zu dem Zweck herbeigeführt worden sei, jede Er­widerung auf die Darstellung des Ministers abzuschneiden Die L-achc verhält sich aber so, daß der Minister, welcher erst spater zu sprechen gedacht hatte, nur deshalb gleich nach Liebknecht das Wort ergriff, weil er die Mittheilung 'erhielt, daß die Konservativen in Gemeinschaft mit der Mehrzahl der Nationalliberalen alsbald den Schluß der Berathungen herbeiführen wollten. Die Rücksicht auf die Rede des Ministers hat daher zu jenem Entschluß nicht das geringste beigetragen. — Die Mittheilung, daß Fürst Bismarck nach den Besprechungen in Kissingen mit dem Nuntius Masella einen staatstreuen katholischen Geistlichen zur Ausarbeitung einer Denkschrift über die streitigen Fragen aufgefordert habe, ist ebenso wie alle daran ge- knüpfteil weiteren Combinationcn irrthümlich. — Der Reichskanzler hat mit Bezug auf den Präsidialantrag, be­treffend die Reform des Gütertarifwesens auf den deutschen Eisenbahnen dem Bundesrath die Protokolle einer Confe- renz vom 7., 8., 10. und 11. Mär; mitgetheilt, welche von den Vertretern derjenigen Regierungen abgehalten worden, welche im besondem durch den Besitz von Staats­bahnen direkt interesstrt sind, wie Preußen, Bayern, Sachsen, Württemberg, Baden, Hessen, Oldenburg, auch nahm ein

„Ja, Du bist verändert," entgegnete er mit heiserer, rauher Stimme, und sich über sie hinwegbeugcnd, als wolle er sorgsam ihr Antlitz prüfen, setzte er mit bitterem Lächeln hinzu: „Du wirst auch bald nicht mehr schön sein, wirklich recht bald," und er lachte höhnisch auf.

Genevieve mußte daran denken, wie Hippolyt einst ihre Schönheit bewundert und wie gleichgültig ihr jetzt Alles war; und wieder stossen reichlich ihre Thränen.

Charles hatte seiner Frau gesagt, daß sie einen Um­weg machen müßten, weil er seine Schwester besuchen wolle; aber Tag für Tag verstrich, ihre Reise dehnte sich immer weiter aus, nahm sogar eine ganz andere Richtung, sie ka­men bis Havre und hier erst machten sie Halt.

Genevieve faßte sich endlich ein Herz und fragte, ob sie nicht bald ihr Besitzthum in der Bretagne aufsuchen würden.

„Nein" sagte er kurz und finster.

„Aber ich dachte, Du machtest nur diesen großen Um­weg, um Deine Schwester zu besuchen."

„Glaubst Du, ich würde Dich zu ihr führen?" ent­gegnete er mit finsterm Auflachm. „Und fühlst Tu nicht, daß sie Dich in Stücke reißen würde, wenn Du in ihre Gewalt kämst?" y

„Was habe ich ihr gethan?" entgegnete Genevieve verwundert. „Und Charles, was habe ich Dir gethan, daß Du mich mit solcher Grausamkeit behandelst?"

„Das magst Du zu fragen?!" und Charles' dünne Lippen bebten vor Erregung. „Liebtest Du nicht Hippolyt und liebte er Dich nicht wieder?"

„Kannst Du so ungerecht sein, mich dafür zu strafen und habe ich nicht hart genug gebüßt! Wohl ist Deine Schwester auch unglücklich geworden, aber nicht durch meine Schuld, und sie würde gewiß mehr Mitleid mit mir haben, als Du."

„Mttleid!" stteß Charles mit einem dämonischen Ge-

lächter hervor. „Habe ich es nicht mit Dir, indem ich dulde, daß Du lebst!"

Sein Gesicht war bis zur höchsten Wuth verzerrt; er schien leben Augenblick bereit, sich auf sein armes Opfer zu stürzen und es zu zerfleischen.

Entsetzt fuhr Genevieve zurück. Ihr junges Herz wurde von einer namenloser Angst befallen. Was wollte dieser schreckliche Mensch mit ihr beginnen, warum halte er sie mit schändlicher List aus der Heimath gelockt?

„Lasse mich wieder zu meinem Vater zurück!" flehte sie ihn an. „Quäle mich nicht länger. Gestatte mir, ihm zu schreiben und er wird mich holen "

„Du wirst ihm niemals schreiben," entgegnete er kalt unb entschieden. Ich bin jetzt der Herr Deines Schicksals; Du wüst ihn so wenig Wiedersehen wie Deinen Geliebtm! Erblickst Du dort das Meer?" und er zeigte auf den un­fern schimmernden Hafen. „In einigen Tagen sind wir auf dem Schiffe und auf dem Wege nach Amerika."

Mit einem lauten, verzweifelten Schrei sank sie zu Boden. Mit grausamer Lust weidete er sich an dem Jam­mer des armen unglücklichen Geschöpfes.

„Tödte mich, dann hat Alles ein Ende!" hauchte sie bald besinnungslos.

Er siieß anstatt aller Antwort ein wildes, wahnsinniges Gelächter aus.--- ö

Durch die plötzliche Abreise Myon's war es Hippolyt unmöglich geworden, Genevieve so rasch wieder zu sehen, als er gehofft hatte. Er mußte seine kranke Mutter nach Nizza begleiten ; das Alles hatte er bet Geliebtm mitgetheilt unb auch von ihr eine Antwort erhalten, die ihm ihre un­erschütterliche, vertrauensvolle Liebe bewies. Nun duldete sein stürmisch erregtes Herz feinen längeren Aufschub; er mußte seiner Mutter Alles bekennen. Unb seine Eivar­tungen hatten ihn nicht betrogen. Wohl erhob Frau von

Tagesbericht.

vr. Sommerbrod meldet dem Reichsgesundheitsamte «ach Berlin, daß am letzten Freitag ein neuer Pestanfall in Wetlianka vorgekommen sei.

Die Kreuzzeitung bemerkt nach einem Rückblick auf das »sherige Widerstreben, welches sich gegen die konservativen öemühungen, die Revision der Gewerbeordnung in Fluß 8 bringen, gellend gemacht habe: „Jetzt ist nun der Ab- eoibnete Lasker so weit, baß er auch die neuen Vorschläge er deutschen Konservativen wenigstens „prüfen" will, wäh- tnb allerdings die Fortschrittspartei sich auch dazu nicht imual bequemen mag. Es kommt nun zwar schließlich iiif die Stellung der letzteren Partei gegenwärtig nicht viel », und auch der Abgeordnete Lasker wird wissen, baß, eie die Verhältnisse jetzt liegen, am letzten Enbe ber Re- lijion der Gewerbeordnung auch ohne seine Zustimmung «rchgeführt werden kann, — so daß also diejenigen Par- tien, die schon früher sich für eine Revision der Gewerde- »bnung aussprachen, nicht werben sehr ängstlich mit der iaskerschen bedingungsweisen Bereitwilligkeit und der fort- chrittlichen Negation zu rechnen brauchen. Der Antrag, ie Anträge der deutschen Konservativen an eine Kommis - ion von 21 Mitgliedern zu verweisen, wurde von einem lbgeordneten des CeutrumS gestellt und von ber Majorität «genommen Es wird sich nun zeigen müssen, ob das ientrum ernstlich gewillt ist, zur Revision der Gewerbe- irbnung in konservativem Sinne fein Theil beizutragen."

Jbte noch einmal den Kopf zu feinem Schwiegervater itf. Dem alten Cadoudal war es, als streife ihn ein .scher Blick aus den dunklen Augen Charles; aber er Üte sich geirrt haben, das war ja gar nicht möglich! 'vtzdem machte er eine Bewegung, als wolle er die Rei- M zurückhalten'; aber das starke Pferd halte schon von *ttm Reiter einen ansporneudeu Hieb bekommen und im Men Trabe ging es davon.

Der alte Cadoudal sah dem Paare lauge nach, bann schweren Herzens in das Haus zurück.

In der Bretagne gehörten damals unb zum Theil noch i Brücken zu solchen Seltenheiten, baß bie Bewohner afr äu Pferde ihre Reise unternahmen. Auch Charles ■ R deshalb auf einen Wagen verzichtet. Meilenweit ril- ' sie dahin, ohne baß Beibe ein Wort sprachen. Von :( Stunde ihrer Verheirathung ab war Blondet ein An- "" ** geworden. Was er seiner jungen Frau zu sagen ____ kam streng, befehlend heraus; er hatte ihr seitdem 18?*- ? Zärtliches Wort mehr geschenkt und sich finster und zurückgehalten. In ihrer schwcrmüthigen Stimmung £ Anfangs Genevieve das veränderte Benehmen Charles' t. K ausgefallen, aber als er auf der ganzen Fahrt diefeö abstoßende Benehmen beibehielt, siegte doch ihre oo0i- ^"sgüte über ihre Verzweiflung. Gewiß fühlte er sich

ihre tiefe Schwermuth verletzt unb deshalb sagte sie

Anzeigen nimmt entgegen: bie@rpebition b. Blatte», sowied. Annoncen-Bureaux von G- L- Daube & Co. in Frankfurt a-M; Jäger'sche Buchhandlung daselbst; Hermann'sche Buchhandl. daselbst; Jnvalidendank in Berlin; W. Thienes in Elberfeld: C. Schlotte in Bremen.

Iszeigen nimmt entgegen: tte Expedition b.Blatte», i®ie d-Annoncen-Bure—- NB Th. Dietrich & Eo. jkffel und Hannover; 1 Dietrich in Frankfurt a.3 Haasenstein 4 Bögler kantfurt a. M., Ber! Sechzig, Cvln rc.; Rut Jbffe in Berlin, Frank- furi a. M. rc.

Das liberale „Deutsche Protestautenblatt" bringt folgende luslasiung: Bis zu welcher Oberflächlichkeit der Mangel « Verständniß für die Religion herabsinkt, zeigt die Ver- ldltung der Gottesdienste, die in Teplitz beim Beginn der tchachtabläufung zur Wiedergewinnung der verlorenen Quelle gehalten wurden. Der „Kladderadatsch" ist damit Ht wortreich vorgegangen, in dem er in lahmen Versen

nqi 18 Gebet der Katholiken, ber Protestanten unb ber Juben L— er Arbeit ber Wissenschaft entgegenstellt. Jene sollen, eine be Religionspartei für sich, ben Wiederbeginn ber Quellen M Item Gebete zuschreiben, während in Wahrheit der „Wissen- haft" ber Lorbeer dafür gebühre. Der Witz muß bei iksen schlechten Zeiten sehr sparsam geworden sein, wenn h. « großes Witzblatt so dumme und, der Gesinung nach, —- > niedrig stehende Scheinsalyren abdruckt. Denn von der ken chauptelen, angeblichen Rivalität der Confesstonen in Be- jauftfS auf die Wirkung der Gottesdienste ist schlechterdings irt a. HtS berichtet worden. Das ist bie witzlose Erfindung [783 * Reimschmieds. Daß in allen Teplitzer Religionsge- — Anschaffen beim Beginn jener Arbeiten eine gottesdienst-

772 auf chen.

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