Kr. 70.
Marburg, Sonntag, 23. März 1879
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fjjtigen nimmt entgegen: iie Expedition d. Blatte-, d.Ännoncen-Bureaux
?»n Tb. Dietrich L 6o. in gaffei und Hannover; Th. Milch in Frankfutt a.M.; haaienftein L Vogler in ßrankfutt a. M., Berlin, ieipiig, Cöln rc.; Rudolf M« in Berlin, Frankfutt a. DL re.
GerhksMe MW.
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blattes, sowie d-Annoncen-Bureaux von G. L- Daube & Co. in Frankfurt a- M; Jäger'sche Buchhandl ung das elbst;
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Politische Woche«-Ueberficht.
Den Abschluß der Woche, welcher unsere heutige Betrachtung gilt, bildet ein Festtag, welchen das Deutsche Reich mst immer mit halber Freude, welche mit keinerlei trüben Erinnerungen vermischt war, zu feiern pflegte. In diesem Fahre ist es anders. Der hohe Ernst der Lage, die un-
775 von Todtlcben in Odessa erwartet. — Aus Taschkent — 'ird dem Golos geschrieben, baß die Gesandtschaft des ver- r in «rbenen Schir Ali daselbst am 21. Februar angckommen «r. An der Spitze derselben stand der Serdar Schir Ali
1 Han, ein Neffe des Emirs. Mit ihm waren der erste Kfir und zwei Minister welche schon früher in Taschkent
1 nvesen waren. Am 25. Februar wurde die Gesandtschaft General von Kaufmann feierlich empfangen, bei wel- fthie er Gelegenheit der Serdar eingestand, daß sein Oheim 'M hr krank sei. — Ein Mal über's andere Mal wurde auö onstantinopel gemeldet, daß Mouklhar Pascha neue Jn- Mktionen mit weiter gehenden Zugeständnissen der Pforte : । Sachen der griechischen Grenzfrage erhalten hätte; aber —- uh die neuesten darunter sind nicht im Stande gewesen
■] e Griechen zu befriedigen. Nachdem am Dienstag die 1 iechischen Kommissare in Prevcsa Moukthar Pascha wie- 1 erholt hatten, daß sie keine andere Demarkationslinie an- , 1 hmen würden als die im 13. Protokoll zum Berliner ertrage erwähnte, schifften sie sich am Miltivoch ein um ?ch Athen zurückzukehren. Die Congrcßmächle werden 758 umhin können, zur Sache Stellung zu nehmen, wobei W eine starke Aenderuug in der Congreßstellung hervor- —A tttn könnte. Jedenfalls ist es aber wieder ein bedenk- hrs Lebenszeichen mehr in der Orientfrage. —
Nach zwanzigtägiger Pause hat der österreichische Reichs-
, Soviel scheint sicher zu sein, daß Graf Schuwaloff die ieise gemacht hat um bei den Conferenzen mit dem neuen Wischen Botschafter Lord Dufferin zugegen zu sein und Men Rath zu geben. — Die russischen Truppen sind auf em Rückmärsche, fast täglich treffen neue Divisionen in kN Häfen des Schwarzen Meeres ein; bereits wird Ge-
«ndlungen mit diesem Ausdrucke bezeichnen darf — be- chaftigt. Dieselbe ist so weit gefördert, daß die Beendigung . >or Beginn des neuen Etatsjahres vollständig gesichert ist. U, Die Reise des Grafen Schuwaloff ist begreiflicherweise mit 0 ielem Interesse discutirt worden. Eine für offiziös (?) chaltene Depesche besagt: „Nach Berichten, welche der Agence Havas" aus Petersburg zugehen, ist man in dorti
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797 «h wieder seine Sitzungen begonnen. Der Finanzminister "chte eine Vorlage ein welche die Regierung ermächtigt, ■ 1 bestehenden direkten uno indirekten Steuern während * Monats April 1879 fortzuerheben da die Bewilligung ff" • provisorischen Buogets nur bis Ende März reicht. — i. 1 ®c Nachrichten stimmen darin überein, daß der Besuch uBL * Kaisers in Szegedin auf die dortigen Unglücklichen wohlthätigen Eindruck gemacht und dieselben wieder gerichtet hat. In Szegedin ist der ungarische Minister ^ffdent Tisza zurückgeblieben, um nach dem Wunsche des ^sers persönlich einige Berathungen zu leiten. Wie ver- sUet, wurde noch gestern beschlossen, um Szegedin einen vigdamm von 30 Fuß Höhe auf Staatskosten herzustellen. . Die französische Regierung sucht die Deputirtenkammer v einige Zeit durch ein Stück Culturkampf zufrieden zu- : Elrn. Herrn Ferry'S Vorlage über den höheren Unter
en politischen Kreisen der Ansicht, daß die gleichzeitige . lnwesenhcit des Grafen Schuwaloff und des englischen — Botschafters, Lord Dufferin, in Petersburg, sowie die ver- öhnliche Stimmung der beiden Botschafter einen günstigen Einfluß auf die Annäherung von England und Rußland »der orientalischen Frage sowohl soweit dieselbe Asien, ihr, ts auch Europa betrifft, ausüben würden. Eine solche s lnnäherung würde dazu führen, in Rumelien, ohne Ver- etzung des Berliner Vertrages, einen Zustand der Dinge ) schaffen, welcher die Lage der christlichen Bevölkerung
ieser Provinz nach dem Abmarsche der russischen Truppen chert."
. p glücklichen Erinnerungen des Vorjahres geben dem Geburts- I f age des Kaisers einen besonderen ernsten Charakter, der v hm sonst nicht eigen war. Man fühlt es eben in jeder finsicht, daß die Flitterwochen des Reichs vorüber sind, «ß wir uns in einer Drangperiode befinden, die unserer ganzen Kraft bedarf, um sie zu Überwindern. Wir wollen «auf für jetzt nicht weiter eingehen, sondern mit dem 794 Wunsche schließen, daß die Vorsehung unseren guten Kaiser mch ferner in ihren Schutz nehmen und ihn auch den
। ilubruch besserer Zeiten sehen lassen möge.
— Der Reichstag hat sich im Verlaufe der Woche vor- • . siegend mit der Etatsberathung — wenn man die Ver
richt greift so tief in den Zustand des heutigen französischen Untcrrichtswesen ein, daß sie als eine direkte Kriegserklärung gegen Kirche und Clerus zu betrachten sind; sie erregen daher einen wahren Sturm im klerikalen Lager, und sie geben der Presse und der öffentlichen Meinung einen neuen Stoff zur Polemik auf den sich Alles mit heftiger Leidenschaftlichkeit stürzt. — Der „National" veröffentlicht folgende Note: „Die seit mehreren Tagen verbreiteten Gerüchte betreffs einer Modisizirung des Ministeriums haben heute einen ernstlichen Charakter angenommen. Die Herrn Waddington und 8eon Say, so sagt man, würden sich An« gesichts der feindlichen Haltung eines TheileS der Kammer zurückziehcn und ihre Portefeuilles, der Erstere an Herrn Fournier, augenblicklich Botschafter in Konstantinopel, der Zweite an Herrn Cvchery, Minister der Posten und Telegraphen, abtreten. Wir glauben nicht, daß diese Umgestaltung, wenn sie überhaupt statthaben soll, schon so bald erfolgen wird. Zuvörderst würde in diesem Augenblicke nichts solche Veränderungen rechtfertigen. Herr Waddington uno Herr Leon L>ay sind im vollsten Einverständnisse mit allen Kollegen des Kabinets, sie haben in der Kammer keine Niederlage erlitten und es scheint nicht, daß bis zum Beginn der parlamentarischen Osterferien irgend eine Frage auftauchen könnte, welche geeignet wäre, ihre Stellung zu erschüttern. Die verbreiteten Gerüchte haben daher keinen anderen Grund als die Feindseligkeit einer gewissen Anzahl von Mitgliedern der Deputirtenkammer, welche überall wiederholen, daß für eine neue Situation neue Männer gehören. Wir glauben überdies versichem zu können, daß Herr Fournier keineswegs geneigt ist, seinen Posten in Konstantinopel zu verlassen, und daß er jede Eröffnung betreffs des Portefeuilles der auswärtigen Angelegenheiten energisch zurückweisen würde."
Deutsches Reich.
** Berlin, 21. März. Das „Berl. Tagebl." bringt eine sensationelle Nachricht über einen bevorstehenden Urlaub des Grafen St. Ballier, französischem Botschafter zu Berlin, und über die Ursachen desselben. Wir sind in den Stand gesetzt zu erklären, daß diese ganze Mittheilung Satz für Satz unwahr ist, und nicht etwa blos in der Auffassung, sondern daß sie auch aller thatsächlichen Unterlagen entbehrt. Was zunächst die angebliche Thatsache betrifft, daß Graf St. Vallier seit der Rückkehr des Fürsten Bismarck aus Friedrichsruh mit demselben nicht zusammengetroffen sei und daß Anfragen wegen der Unterreoung ausweichend beantwortet werden, so steht im Gegentheil fest, daß wiederholte Begegnungen stattgefunden haben, erst am Donnerstag dieser Woche hat Graf St. Vallier beim Fürsten im engsten Kreise gespeist. Was die amtlichen Beziehungen betrifft, so ist von Meinungsverschiedenheiten, die eine Erkaltung der Beziehungen zur Folge gehabt haben könnten, nicht das mindeste bekannt. Richtig ist, daß Graf St. Vallier von vornherein peisona grata am Kaiserlichen Hof und nicht minder beim Reichskanzler war, ebenso gewiß ist aber, daß er dies im vollsten Maße noch heute ist. Der Botschafter hat sich von Anfang an als der berühmteste Vertreter der besonnenen und wohlwollenden Politik bewährt, welche der Minister Waddington seit seinem Amtsantritt, der Präsident Grevy seit seiner Wahl zum Staatsoberhaupt angeschlagen einer Politik, welche ihren Ausdruck und Anerkennung bei nicht mehr als einem Meinungsaustausch zwischen beiden Regierungen gefunden hat. — Zur Herbeiführung thunlichster Uebercinstimmung, dieser im inneren deutschen Postdienst bestehenden Vorschriften mit den des am 1. April in Kraft tretenden Weltpoftvertrages, ist die Postordnung vom Jahre 1874 seitens des Generalpostamts einer Revision unterzogen worden. Die nunmehrige neue Postordnung tritt am 1. April in Kraft. Das unter dem 1. Juni 1778 zu Paris zwischen Deutschland, Oesterreich-Ungarn, Belgien, Dänemark, Egypten, Frankreich, Italien, Norwegen, Niederlande, Portugal, Rumänien, Rußland, Schweden, Serbien, Luxemburg und der Schweiz abgeschlossene Ueber- einkommen, betreffend den Austausch der Briefe mit Werthangabe tritt ebenfalls am 1. April in Kraft. Gleichzeitig gelangen die im Anschluß an das Uebereinkommen zwischen den Postverwaltungen der genannten Länder verabredeten Ausführungsbestimmnngen am 1. Juli 1878 in Wirksamkeit. Ebenfalls am 1. April tritt das in Paris unter dem 4. Juni 1878 zwischen den obengenannten Staaten außer Rußland und Serbien getroffene Uebereinkommen, betr. den Austausch von Postanweisungen in Wirksamkeit.
Straßburg, 20. März. Die bisherige officiöse „Straß.
burger Zeitung" ist seit dem 15. d. M. in andere Hände übergegangen. Am 15. erschien dieselbe zwar mit demselben Titel wie bisher, aber die Bezeichnung „Amtliche Nachrichten" unter demselben fehlte. Eigenthum und Verlag ist durch Kauf von der sehr alten Straßburger Buchhandlung und Buchdruckerei R. Schultz u. Co. erworben; als Chefredacteur ist Dr. H. Haevernick genannt.
Ausland.
Wie«, 21. März. Kriegsminister Graf Bylandt hat einen sechswöchentlichen Urlaub nach Meran angetreten. — Meldung der „Polit. Corresp." aus Bukarest vom 21. d.: In Folge des Antrages von 12 Oppositionsmitgliedern auf Modifikation des Cabinets int Sinne der Vertretung aller politischen Gruppen ist eine Ministerkrisis eingetreten. — Die „Wiener Abendpost" bemerkt anläßlich der tteuer- dings publicirten englischen diplomatischen Aktenstücke: Es ist durchaus selbstverständlich, daß die britische Regierung auch hier für volle unbedingte Durchführung des Berliner Vertrags eintritt und diesbezüglich jeden Versuch einer rno- difictrenden Interpretation der Bestimmungen des Congresses von der Hand weist.
Ber«, 21. März. Die Bundesversammlung wählte an Stelle des verstorbenen Scherer den Oberst Hertenstein mit 92 gegen 63 stimmen zum Bundesrath, an Stelle des verstorbenen Dubs den Ständerath Kopp (Luzern) mit 99 gegen 42 Stimmen zum Bundesrichter und Weber zum Viceprästdenten des Buttdesgerichts.
Zürich, 21. März. Das Schwurgericht verurtheilte den aus Bayern ausgewiesenen Sozialdemokraten Memmin- ger wegen durch die Presse begangener Verleumdung mehrerer Jrrenhaus-Aerzte zu 6 Monat Gefängniß, 1000 Fr. Strafe, 5 Jahre Landesverweisung und 1700 Fr. Entschädigung an die Kläger nebst Tragung der Kosten.
Paris, 21. März. Der Handelsminister empfing heute Vormittag die Delegirten von 18 französischen Handelskammern, welche die Aufrechterhaltung der Handelsverträge befürworteten. Der Minister erklärte, seine persönlichen Ueberzeugunzen seien den Wünschen der Delegirten günstig, doch müsse er hinsichtlich der Entschließungen des Cabinets Weiteres Vorbehalten. — Die schwimmende Batterie „Arrogante" kenterte am Mittwoch auf der Rhede der Hyeri- schen Inseln während eines Windstoßes; von der 122 Köpfe starken Bemannung sind 80 gerettet.
Petersburg, 21 März. Wie verlautet, wird in höheren Regierungskreisen augenblicklich ein Projekt berathen betreffend die Organisirung des EngroShandels mit China auS Westsibirien vermittelst Gründung von Waaren-EugroS- depots unweit der chinesischen Grenze im südöstlichen Theile deS Distrikts Semipalatinsk.
Koustautiuopel, 20. März. Amtliche Meldung aus Adrianopel. Die türkischen Truppen — 6 Bataillone Infanterie unter dem Brigadegeneral Risaat Pascha — wurden von der Bevölkerung mit lebhaften Acclamationen empfangen. Reuf Pascha nebst höheren türkischen Beamten und der bisherige russische Platzkommandant warm am Bahnhof anwesend. Die Truppen lagern vor der Stadt und erwarten den Einmarschbefehl, worauf die Artillerie und Kavallerie nachrücken wird. Die Ruffen beenden heute die Räumung des ganzm Gebietes außerhalb der Grenze Ostmmeliens und zeigten an, daß am 1. Mai auch diese letztere Provinz von ihnen geräumt sein würde.
Kairo, 21. März> Der Khedive entsprach dem Verlangen Wilson's und Blignieres', den Minister des Jnnem Riaz Pascha im Amte zu behalten; die MinisterkristS ist somit thatsächlich beende:.
Hrffnl-Raffa».
Marburg, 22. März. Kaisers Geburtstag ist wieder- gekehrt und wie im ganzen Deutschen Reiche, so auch in unserer Stadt, bringt Alt und Jung seinem Kaiser, der so allgemein und herzlich, wie wohl kaum je ein Fürst von seinem Volke geliebt wird, die beßten Glückwünsche dar, und um so inniger und herzlicher sind dieselben heute, als unser Kaiser ein schweres Jahr zu überwinden hatte, und er in seinem hohen Alter Dinge erleben mußte, vor denen jeder Deutsche die Augen verhüllen und sie aus der Geschichte vertilgen möchte. — Dem Festtage voran ging gestern Abend Zapfenstreich der Jägermusik und einstündi- ges Geläute in allen Kirchen ertönte heute am frühen Morgen zur Mahnung an die ernste und hehre Bedeutung des Tages, dazwischen erklangen dann auch die freubigen Töne der Reveille. Schon von 8 Uhr wurde in allen