Die „Polit. Corresp." meldet aus Adrianopel: General Skobeleff hat sich mit der Arrieregarde einstweilen nach Mustapha Pascha zurückgezogen. Vor seinem Abmarsch verabschiedete sich General Skobeleff freundlichst von dem österreichischen Consul und den türkischen Behörden. Mit den abziehenden Russen verließen 25,000 bulgarische Familien Rumelien. In Ostrumelien herrscht große Aufregung. General Skobeleff mußte gestern eiligst Truppen nach Slivnv senden, wo mittlerweile der mit General Stolipine und dem französischen Consul Coutouly eingetroffene Finanzdirector Schmidt abermals das Ziel feindseliger Demonstrationen war. — Aus Athen wird derselben Cor- respondenz gemeldet: Die griechische Commission in Pre- vesa ist angewiesen, das Eintreffen der neuen türkischen Vorschläge abzuwarten. Nach Entgegennahme derselben wird die Commission nach Athen zurückkehren. — Ferner meldet die „Polit. Corresp." aus Cettinje: Sämmtliche montenegrinische Districtscapitäne berathen über ein einzuführendes neues Verwaltungssystem. — Aus Rom meldet dieselbe Correspondenz: Der Vatikan unterhandelt mit der bulgarischen Negierung wegen Ernennung eines katholischen Patriarchen von Bulgarien.
Deutsches Reich.
•* Berit«, 18. März.- Nach einer gestern stattgefundenen fast neunstündigen Sitzung hat die Zolltarifkommission die erste Lesung des von ihr reformirten Tarifs beendigt. Es werden nur noch wenige Tage für die zweite Lesung erforderlich sein. Somit findet unsere Angabe Bestätigung, wonach noch in dieser Woche die Kommission ihre Arbeiten abschließen würde; alle gegenteiligen Angaben, wovon manche der Kommission den frühesten Endpunkt ihrer Arbeiten im April stellen wollten, zerfallen nunmehr in nichts. — Am 17. d. M. ist unter dem Kommando des Kapitän zur See Pirner das Maschinistenschulschiff „Gazelle" in Dienst gestellt, um die der Werftdivision der Nordsee zugestellten Rekruten auszubilden. Für die Werftdivision der Ostsee ist das Schiff „Arcona" bestimmt. — Die Erlaubniß zur Anfertigung genereller Vorarbeiten für Eisenbahnen untergeordneter Bedeutung ist ertheilt worden: für eine Linie von Koberwitz nach Fottena-Berge der Kgl. Direktion der Oberschlesischen Eisenbahn zu BreSlau,, für eine Linie von Querfurt nach Böblingen einem Comito zu Händen des Kaufmanns Röse zu Querfurt, für eine Linie von Meuselwitz nach Gera einem im Herzogthum Sachsen- Altenburg zusammengetretenen Comitö zu Händen des Fabrikbesitzers Riekes in Gera, für eine Linie von Bernsfeld nach Trebnitz der Direktion der rechten Oderuferbahn in Breslau.
Hildesheim, 12. März. Die hiesige Polizeidirection hat den Schenkwirthen unserer Stadt ein Verzeichniß von 40 notorischen Säufern zugestellt und ihnen auf Grund der hannoverschen Ministerial-Verfügung vom 12. März 1841 verboten, den bezeichneten Personen Schnaps zu verabreichen.
Karlsruhe, 16. März. Das Gesetzblatt publicirt jetzt das unterm 4 Februar vom Großherzog genehmigte Gesetz, betreffend die Verwaltung der freiwilligen Gerichtsbarkeit und das Notariat. Die Amtsgerichte besorgen danach, wie man den „H. N." mittheilt, die durch das Landrecht den Gerichten übertragenen Geschäfte der nicht streitigen Gerichtsbarkeit. Als Notare (vom Justizministerium aus Lebenszeit angestellt) können nur Diejenigen ernannt werden, die zum Richteramte befähigt sind. Nach der Uebergangs- bestimmung ist die Regierung ermächtigt, die zum Richter- amte nicht befähigten Gerichtsnotare den Amtsgerichtm als besondere Beamte für Ausübung der freiwilligen Gerichtsbarkeit beizugeben und im Bedürsnißfalle kann den Gerichtsnotaren auch die Vorstehung eines Notariatsdistrikts widerruflich übertragen werden. Denjenigen, welche die Befähigung zur Anstellung als Notare vor Einführung dieses Gesetzes bereits erlangt haben, bleibt dieselbe erhalten. DaS Gesetz tritt mit dem ReichS-GerichtSverfassungsgesetz in Kraft.
Auslaod.
Wien, 18. März. Der von der Regierung im Ab- gevrdnetenhause heute eingebrachte Gesetzentwurf betreffend die Forterhebung der Steuern bis Ende April enthält die Ermächtigung, zur Deckung deS Abganges im Jahre 1879 Goldrente im Nominalbeträge von 100 Millionen fl. zu begeben event. solange diese Begebung nicht stattgefunden hat, die nöthigen Beträge im Wege der schwebenden Schuld zu beschaffen. — Im Abgeordnetenhause wurden Regier
rungsvorlagen in Betreff einiger Nachtragscredite des Unterrichts und des Handelsministeriums und der Registrirung der Seehandelsschiffe eingebracht. Ferner gelangte eine Petition des Clubs der Land- und Forstwirthe in Betreff des Handelsvertrags mit Deutschland zur Verlesung. Das Gesetz betreffend die Theilung von Gebäuden nach materiellen Antheilen wurde angenommen. — Der serbische Minister- resident ZukitS ist hier gestorben.
Pest, 18. März. Das Unterhaus verwarf bei der Debatte des Kultnsbudget den Antrag auf Vorlage eines Gesetzes über die Glaubensfreiheit und nahm dagegen den Antrag auf Vorlage eines Gesetzentwurfs über die Einführung der Civilehe an. — Ministerpräsident Tisza kehrt heute Abend aus Szegedin zurück.
Paris, 17. März. In Frankreich hat nun tatsächlich auch der Culturkampf begonnen. So taxirt die „Nat.-Ztg." die neuen Unterrichtsvorlagen des Unterrichtsministers Jules Ferry, welchen die „Germania" als einen „dem Judenthum entstammenden Atheisten" charakterisirt. Das Blatt glaubt, daß diese Vorlagen, welche die Geistlichen aus den Unterrichtsräthen entfernen, der Preis ist, um welchen das Ministerium die Ablehnung des Antrags gegen die Maiminister sich von den Gambettisten erkauft hat. Die „Nat.-Ztg." begrüßt die Vorlage mit den Worten: „Herrn Jules Ferry gebührt die Ehre der ersten wirklichen That seit der Einsetzung der republikanischen Regierung, deren Reformen bisher lediglich in der Absetzung mißliebiger, so wie in der Einsetzung gesinnungstüchtiger Beamten bestanden haben." Die Stellenjägerei, welche bei der ganzen Umwandlung eine so große Rolle gespielt haben soll, scheint also ziemlich beftiedigt zu sein, und nun kann die Regierung mit ihren Creatnren agiren. DaS nennt mau nun eine freie, volkstümliche Regierung. Vielleicht in jeden zwei Jahren kommt dann eine andere Partei mit einem Heer von Stellenjägern angezvgen, jagt die jetzigen fort, stürzt ihre Anordnungen um und gestaltet den Staat nach ihren Ansichten. DaS nennt man parlamentarisches Regiment, und das soll nach dem Recept deS Liberalismus die Völker beglücken. Bekanntlich streben unsere deutschen Liberalen ja auch fortwährend nach parlamentarischen Regiment, nur halten sie es bei uns noch geraten, „die monarchische Spitze" zu lassen. Hoffentlich bleibt unser Vaterland vor solchem Unheil bewahrt.
Loudon, 18. März. Lord Blachford kündigte im Oberhause an, daß er für den 25. März ein Tadelsvotum gegen den Zulu-Krieg einbringen werde. — Ein parlamentarisches Äctenstück enthält den am 26. Febr. 1879 in Berlin unterzeichneten Vertrag zwischen Ihrer Majestät und dem Kaiser von Deutschland und König von Preußen bezüglich der Vermählung des Herzogs von Connaught mit der Prinzessin Louise Margaretha von Preußen. Art. 2 sichert der Prinzessin au8 dem Einkommen ihres Gemahls ein jährliches Nadelgeld von 1500 Pfd. St. während der Dauer der Ehe. Art. 3 sichert im Falle eines Ablebens des Herzogs dessen Wittwe eine Jahrespension von 6000 Pfd. St. Im Art. 4 sichert der deutsche Kaiser der Prinzessin eine Mitgift von 300,000 Mark; nämlich 150,000 Mark als Aussteuer, wie sie die Prinzessine» deS preußischen Königshauses zu beanspruchen berechtigt sind und 150,000 Mark als Specialgeschenk des Kaisers, über welche der Prinzessin die freie Verfügung zusteht. Ferner sichert der Artikel der Prinzessin die fürstliche Ausstattung, Juwelen rc., wie sie einer Prinzessin des kgl. Hauses zukommen. Im Art. 5 verzichtet die Prinzessin, in Uebereinf'timmung mit dem Herkommen und den Familienverträgen des preußischen Königshauses und mit der Genehmigung ihres Gemahls auf alle Erbfolgerechte zu Gunsten der männlichen Linie des kgl. Hauses. Der Artikel bestimmt jedoch, daß im Falle eines gänzlichen Aussterbens der männlichen Linie des königl. Hauses — welche der allmächtige Gott verhüten möge — die Prinzessin und ihre Erben in ihre früheren Rechte wieder eintreten sollen.
Brüssel, 18. März. Die Stadt Brüssel schloß mit der Banque te Paris und der Banque de Bruxelles eine Anleihe von 100 Millionen ab, wovon 60 Millionen demnächst emittirt werden sollen. — Der belgische Afrika-Reisende Waulhier ist gestorben.
Kopenhage«, 18. März. DaS Dampffchiff „Marienburg", mit Weizenladung auf der Fahrt von Danzig nach Antwerpen, ist vergangene Nacht bei Hirlsholm im Kattegat gesunken. Die auS 18 Personen bestehende Besatzung wurde von dem Danziger Dampfer „Blonde", Capitän Broksch, gerettet und nach FrcderikShaven gebracht.
Petersburg, 18. März. Nach einem Telegramm aus Wetlianka vom 16. d. sind der österreichische Delegirte Dr.
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JTtarßurg, Donnerstag, 20. März 1879
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Anzeigen nimmt entgegen; die Expedition d. lvlatteS, s owie d. Annoncen-Bureaux von G- L. Daube & Co. in Frankfurt a. M; Jäger'sche Buchhandlung daselbst; Hermann'sche Buchhaudl. daselbst; Jnvalidendank in Berlin; W. ThieneS in Elberfeld; C. Schlotte in Bremen.
L Die schreckliche Ueberschwemmung der Theiß darf in ich «utschland nicht bloß das Mitleid wachrufen, _ba8 aller- R ngS zuerst kommt und sich hoffentlich recht hülfreich be- äligt, sondern muß uns auch die Gefahr ähnlicher böser rlebnisse in unserem eigenen Lande vor das innere Auge [Kl, rückbringen. Bis vor Kurzem hat man das Austreten Ströme im Frühjahr, es mochte noch soviel zerstören, e eine Heimsuchung des Himmels hingenommen, der man hl suchen müsse durch immer höhere und stärkere Deiche i ^Ktgegenzuwirken, der sich aber ganz niemals werde ab- ^’uflfen lassen. Seit einigen Jahren aber wächst in techni- )e kN und auch bereits in anderen nachdenklichen Kreisen peb.t Meinung, es lasse sich doch noch mehr thnn, volle slPcherbeit gegen ungewollte Ueberschwemmungen herzustellen, n müsse das Sbing nur eben ganz anders anfasseu als her. Von Holland her, dem Musterlande für kunstge- e Beherrschung des Wassers, bricht sich allmälrg dre sicht Bahn, daß man auf einem falschen Wege fei, wenn n die Ströme immer nur noch enger und höher ein- e. Man erreiche damit nichts, als einerseits eine fort« hrende Erhöhung des Flußbetts durch die von oberhalb mit herabgeschwemmlen Sinkstoffe, andererseits die Ver- ung der umgebenden Niederungen, die auf eben diese kstoffe als unentbehrlichen Dünger angewiesen seien, ist es ja freilich klar, daß sicb nicht ohne weiteres wie das Schlagwort dieser Anschanungörveise lautet — z.«>traH die Winterdeiche einebnen und durch bloße niedrige otnmerdeiche ersetzen lassen. Man kann nicht volkreiche Orte ib wohlangebaute Gegenden freiwillig alle Winter unter asser setzen wollen. Jeder Strom, der überhaupt mit »artigen Gefahren droht, muß für sich untersucht und •nach behandelt werden. Aber es wäre doch wohl nach- ade Zeit, daß wir zunächst diese Untersuchung und dann i.7«’ k entsprechende Behandlung etwas ernstlicher, umfassen- r und nachdrücklicher in die Hand nähmen als bisher
— mtfurt a- M., Berlin, uig, Cöln ic.; Rudolf
II ।Je in Berlin, Frank- furt a. M. ic
gi gleit zu beschäftigen haben wird. Die Regierung hofft ** uigcns in dem neuen Abgcordnetenhausc eine größere VJ Majorität für ihr Eisenbahn-Programm zu erhalten.
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Der Reichskanzler hat unter Bezugnahme auf die vom - E« eichstage bei Berathung des Reichshaushaltsetats für $78 79 beschlossene Resolution dem Reichstage eine von ‘8 _ cm_____________Anfnpftpnt, llphcrfirfit brr seit 1R73
Nach dem neuesten Telegramm hat Se. Majestät der ba tffer gut geschlafen; die Hüstanschwellung nimmt ferner«
Die GeschäftSordnungs-Commission deS Reichstags be« loß, nur die Bestimmungen über die Entziehung des vttes einer Revision zu unterziehen und von einer all- !r.! „einen Revision der Geschäftsordnung Umgang zu neh- n _ Der in Folge der Anträge der Abg. Stumm und ’pei inther niedergesetzten Commission übet das Arbeiterkassen- K , jen wurde vom Abg. Stumm ein vollständiger, 26 a »ragraphen umfassender Gesetzentwurf übet die Einfüh- Mii ng von Fabrikpensionskassen vorgelegt. — Bei der wei- i reu Berathung des Etats wird ein Antrag auf Erhöhung ipp t Gehälter der ReichsgerichtSräthe eingebracht werden.
Der „Reichsanzeiger" publicirt das Gesetz betr. die Art »stcllung des preußischen Staatshaushalts-Etat für das " hnungSjahr 1879/80, sowie das Gesetz betr. die Er- uung der Einnahmen in den preußischen Staatsetats selben Rechnungsjahres.
»igen nimmt «mgegen: Expedition b.Blattel, it d.Annoncen-Lureaux । Th- Dietrich & Es. in irj lel und Hannover; Th. - ^rich in Frankfurt a.M.;
ifenftein & Vogler in
fefl t Marineverwaltung ausgestellte Uebersicht der seit 1873 •iha l Extraordinarium der Marineverwaltung verwendeten und n i zur Durchführung deS Flottengründungsplans noch er« SS« rberlichen Summen, unter Vergleichung der Gesammt- ’eg iften mit dem Anschläge nach dem FlottengründungSplan in 1873 zugehen lassen.
Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „JlluftrtrteS SonutagSblatt" durch die Erpedition (Koch'sche Buchdruckerei) bezogen 2h Mark, durch die Postämter des Deutfcheu Reiches 2 Mark 50 Pfg. lexcl. Bestellgebühr!. — Jnsertionsgedüdr für die gespaltene Zeil« 10 Pfg.
Für in der Expedition zu ertbeilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pfg. berechnet.
3 Wiederum sind Gerüchte aufgetaucht über eine Rachid, ssivn des preußischen Landtags, welche im Sommer dieses ahres stattfinden soll. Diese Gerüchte sind jedoch wie fir mit aller Bestimmtheit erklären können, gänzlich uw imtgrünbet. Es ist schon mehrmals darauf hingewiesen wor- —jtt, daß die gegenwärtige Session des Reichstags eine sehr p finge Dauer haben und sich tief in den Sommer hinein ^ Mecken wird. Ein gleichzeitiges Tagen des Reichstags jnb des Landtags ist unmöglich, da sich der Reichstag ge- I chde in der kritischen Periode mit Fragen von hoher Wich-