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JUarÖurg, Dienstag, 18. März 1879
XIV. Jahrgang
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Meint Mali« aufea ben ffierftagcn nach Sonn- und Fri-rtag-n. Preis für das Quartal mit, der wöchentliche« Beilage „Jllustrirtetz SonutagSblatt" durch die Expedition (Koch'sche Buchdruckecer, bezogen SKarlf, burct; bte Los.amler des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg. lexcl. Bestellgebühr!. — Jniertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfa
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Braucht Deutschland Colouieu?
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h ohne Colonien bestanden hat. Hatten schon die Staaten der Römer, Griechen, Phönizier zahlreiche
d” j, den jedes gesunde Volk erzeugt, sondern um auch für lleberschuß an Arbeitsprodukten in unserer, ins Riesen-
68 erscheint uns als zeitgemäß, daß diese Frage endlich 1W die Tagesordnung der öffentlichen Discussion gesetzt N. » le. Wir sind der Ueberzeugung, daß dieselbe zu bejahen Es hat noch kein größeres Reich gegeben, welches lhat-
»ien, wie viel mehr bedürfen die modernen Staaten '■ sPe" Ken, um nicht bloß für den Ueberschuß ihrer Bevölke-
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kneten und gesicherten Abzugöcanal zu gewinnen! So ft Deutschland kein einheitliches Reich war, hatte es i nicht die Machtmittel, welche zur Gründung, Verthei- »g und Erhaltung von Colonien nöthig sind. Nachdem aber nun anders geworden und wir nun auch eine
an Geld und Arbeitskraft. Welche ungeheuren Ver-
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uns immer noch eher die Mittel für die Auswande-
18 ihrem Tagelohn nicht so viel Geld zusammenbringen
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es komme, daß die Arbeiterbevölkerung weniger zahl- auSwandere, als die ländliche Bevölkerung, und hat Grund in der besseren Stellung der industriellen
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am id, warum die Auswanderung in der ländlichen Be- uer. rang stärker ist als in der industriellen, darin ’ ■ daß die erstere durch den Verkauf ihres kleinen Be-
einer Familie aufbringen kann, als die industriellen f Ptl* tier, welche zwar durch ihren höheren Tagelohn in Srpeb Lage sind, besser leben zu können, als die ländliche, die
m, um damit die Auswanderungskosten für eine Fa- , i zu bestreiten. Der Theil der Bevölkerung, den wir s die Auswanderung verlieren, gehört noch nicht zu eigentlichen besitzlosen Proletariat, dieses kann auch Kosten der Auswanderung nicht mehr bestreiten. Ab-
hat Deutschland auf diese Weise seit Jahrzehenten h dke Auswanderung erlitten! Man hat neulich gefragt,
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ater vor der armen ländlichen Bevölkerung finden
m. Wir wollen hier nicht untersuchen, ob und in rggj leit die Lage der industriellen Arbeiter eine bessere ist, ——die der ländlichen; aber wir glauben, daß der Haupt-
ncau[e tzche Kriegsflotte besitzen, ist es Zeit, daß wir auch an fRäbe dcwiunung von Colonien denken. Früher muhte Deulsch- „ A seine auSwandernden Landeskinder schutzlos der Fremde ’ * Waffen und verlor dieselben sammt dem ungeheuren Ca-
. mjfu. von den schlechten Subjecten, welche wohl manche cte,^ eindcn ober Familien auf ihre Kosten nach Amerika Ausstralien befördert haben, hat Deutschland durch iluswauderung hauptsächlich Hunderttausende aus den |en der kleinen Land- und Handwerkerbevölkerung,
und mit ihnen ungeheuere Summen an Kapital und Arbeitskraft verloren. Wir haben Jahrzehnte hindurch fast jedes Jahr 10-, 20-, 30-, 40-, 50-, 60,000 Menschen auf diese Weise verloren. Wenn der Verlust auch nicht so augenfällig war, so war er doch nicht minder groß, als wenn wir jährlich ein Armeecvrps an die Grenze geführt hätten und es dort verschwunden wäre. Haben wir Colonien und locken den Strom der Auswanderung dorthin, so bleibt das Capital und die Arbeitskraft der Auswanderer dem Vaterlande erhalten; denn die Colonien sind ja ein Theil desselben. Mittels unserer Kriegsschiffe ist es dann aber auch möglich, gerade aus den Kreisen der besitzlosen Jnduftriebeoölkerung die überschüssigen Elemente, welche so im Vaterlande vorkommen müssen, weil die Industrie unmöglich für die stets sich vermehrende Zahl dieser Bevölkerung Arbeit und Brot in genügendem Maße bieten kann, nach den Colonien zu befördern. Sorgt das deutsche Reich diesen überschüssigen besitzlosen Arbeitermassen nicht für einen Abzugöcanal, so entstehen da die größten socialen Gefahren, welche nothwendig zur Explosion oder socialen Revolution führen müssen. Unsere Städte, in welchen diese Volksmassen zusammengehäuft sind, haben nicht die Mittel, dieselben zu erhalten, und wenn sie mittels der Freizügigkeit und auf Grund des Unterstützungswohnsitzes von Ort zu Ort im Lande umhergestoßen werden, so werden sie zu Vagabonden gemacht, wenn sie es nicht schon sind. Wir verweisen unsere Industrie auf den Export ihrer Maaren; allein wohin soll sie denn exportiren, da wir fast nach allen Richtungen hin von Jndustrievölkern umgeben sind, deren Industrie ebenfalls mehr producirt, als ihre Länder bedürfen. England wäre ohne den Wechselverkehr mit seinen Colonien nicht geworden, was cs geworden ist. Freilich hat England, wenn auch nicht in so hohem Grade wie die Spanier und Portugiese, nach Art der alten Römer, seine Colonien durch seine Kaufleute ausbeuten lassen, so daß dieselben jetzt vielfach wie ausgepreßte Citrouen daliegen. Diese schwere Versündigung hat sich z. B. an Spanien bitter gerächt und wird sich auch an England rächen. Wir wollen den Engländern diese Fehler nicht nachahmen, wohl aber können wir von der englischen Colonialpolitik auch Vieles Gute lernen. Wir bedürfen der Colonien nicht bloß für unsere überschüssige Bevölkerung und Arbeit, sondern auch für unsere Kriegsflotte. Was soll dieselbe denn treiben ? Zu großen Spazier- ober UebungSfahrten in den Weltmeeren ist dieselbe doch wahrlich zu thcuer und die Bedeutung der Flotte zur Mittwirkung bei großen Kriegen ist durch die neuere Erfahrung ziemlich zweifelhaft geworden. In der Vermittelung des Verkehrs zwischen dem Vaterlande und den Colonien und den Schätzen derselben wäre derselben ein würdiges und bedeutsames Arbeitsgebiet geschaffen, wo
durch sie dem Vaterlande großen Nutzen bringen würde. Giebt eö denn aber noch Gebiete auf unferm Erdball für deutsche Colonien? Leider haben wir uns ein solches Gebiet, welches wir hätten haben können, entgehen lassen: Das ist der Theil des Südostens von Afrika, welchen unsere Berliner Missionare als Pioniere deutscher Cultur besitzt haben, in einer Größe, welche den Flächengehalt Deutschlands weit übersteigt. Leider haben in dem letzten Jahre die Engländer dieses Land in Beschlag genommen, ein Land, in welchem nicht bloß Kaffee, Baumwolle, Südfrüchte, sondern auch Korn und Weizen trefflich gedeihen und welches reich an Gold, Kupfer und Kohlen ist. Aber wenn wir nur erst einmal ernstlich Colonien erwerben wollen, so lassen sich solche immerhin noch finden in Ländern, deren Klima dem deutschen ähnlich ist, wie im Südosten von Südamerika; auch Afrika bietet zweifellos noch solche Punkte. Kommen wir auch wie der Poet etwas spät, so wird sich doch gewiß auch für den Deutschen noch etwas finden, wenn wir nur erst ernstlich etwas haben wollen. Dies Wollen anzuregen, ist der Zweck dieser Zeilen.
Deutsches Reich.
Berlin, 15. März. Hat der Miether einer Wohnung kontraktlich nur für feine Person ein Recht zur Benutzung der Wohnung erlangt, so ist — nach einem Erkenntnis; des Ober-Tribunals, Senat für Strafsachen, vom 12. Februar 1879 — sein Hausrecht insoweit begrenzt, als er ohne Einwilligung de« Eigenthümers Niemanden selbst unentgeltlich in die Wohnung ausnehmen ’barf. Geschieht dies dennoch und ist der vom Miether aufgenommenen Person bekannt, daß sie rechtswidrig und gegen den Willen des Hausbesitzers aufgenommen sei, so macht sie sich durch das Verbleiben in der Wohnung des Hausfriedensbruchs schuldig. — Es erregte heute im Reichstage eine gewisse Aufmerksamkeit, als der Abg. Eugen Richter von dem „bekannten Staatsmanne" sprach, der eine Broschüre über die Getreidezölle geschrieben habe. Die Angen richteten sich unwillkürlich auf Hrn. Dr. Delbrück, der wie gewöhnlich, unbeweglich auf seinem Platze sitzend, vor sich niedersah. Herr Delbrück ergriff später das Wort, ohne auf die Bemerkung des Abg. Richter zu reagiren. Nach diesem Vorgänge dürste die vielerörterte Frage betr. die Autorschaft jener Broschüre entschieden sein. — Nach Mittheilungen eines oberschlesischen Blattes aus Königshütte hat der Kultusminister Dr. Falk sich bereit erklärt, den Ausfall, welchen die Stadt Königshütte in Folge geringerer Beiträge der Forensen, als Königsgrube, Königshütte und Oberschlesische Eisenbahn in Höhe von 70,000 Mark im nächsten Etatsjahr erleidet, durch Gewährung einer Subvention in derselben Höhe zu
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Harte Kämpfe.
Novelle von Ludwig Habicht.
(Fortsetzung.)
ippolyt gewahrte wohl in den folgenden Tagen Myon'S es schweigsames Wesen: aber er achtete nicht weiter . Sicher hatte er sich gestern nicht zärtlich genug und sie: wollte ihn dafür strafen, wo möglich loschenen Flammen in seiner Brust wieder schüren, er mußte über; dies vergebliche Bemühen heimlich Seine Gedanken weilten ganz wo anders, mit Sehnsucht erwartete er eine Antwort von Genevieve;
traf sie ein und mit Entzücken las er wieder und wieder ihren Brief. Zu seinem Befremden trat an n Tage, 'wo er von Genevieve Nachricht erhalten, in sein Zimmer; er hatte Mühe, den Brief der len zu verbergen, den er so eben noch einmal sorg- studirt. Sie schien.seine hastige Bewegung nicht zu n und fragte in trockenem Tone, ob er schon wisse, Frau von Brevelay nach Nizza abreisen wolle.
her benutzte sie diese Frage nur als Vorwand, denn fitzte eben so gut wissen, daß die Abreise seiner Mutter nächste Woche bestimmt war; dennoch gab er ihr Auskunst.
8 ist sehr weit nach Nizza," sagte sie mit gepreßter te.
Nenn ihr die milde Luft dort zusagt, hat die große “Jung nichts zu bedeuten," war feine Antwort.
nt -V Nicht für die gnädige Frau," entgegnete sie in der- lb88' 1 Weise; „aber für Sie — Brevelay ist mehrere Meilen von Nizza entfernt."
«ty wurde Hippolyt, der vorher eine sehr zerstreute ■---* k gezeigt, doch aufmerksam. Er blickte sie befremdet
an; aber er wagte nicht zu fragen, warum sie gerade diese Bemerkung gemacht.
Ueber ihr finsteres Gesicht zuckte es und sie fuhr nach einer Pause fort:
„Sie werden dann nicht das Glück haben, Ihre Mai- tresse fo rasch wiederzusehen."
„Meine.Maitrcsse!?" rief Hippolyt, kreidebleich vor Zorn. „Wer wagt eS, Genevieve so schändlich zu ver- läumdeu?"
„Nannte ich Genevieve Cadoudal's Name?" fragte sie mit bitterem Auflachen. „Leugne nicht länger, daß Du in sie verliebt bist."
„Und wenn ich sie liebte, würde ich sie auch heirathen, aber nie —"
„Sie meinen, Herr von Brevelay," unterbrach sie ihn höhnisch, „daß Sie versprechen würden, sie zu heirathen. Sie sind daran gewöhnt; aber gleichviel," fuhr sie heftig fort, „Du liebst sie? Beantworte mir die Frcge!" und ihre dunklen Augen ruhten unheimlich forschend auf dem jungen Edelmanne.
„Ich will Sie nicht täuschen, Myon" begann Hippolyt, der endlich sah, daß er die Katastrophe doch nicht länger vermeiden könne.
„Wirklich?" preßte sie zwischen den Zähnen hervor.
„Nein, ich will Sie nicht länger täuschen, Myon" wiederholle Hippolyt.
„Ah," murmelte sie tonlos.
Der junge Brevelay blickte sie nicht an und konnte deshalb in seinem Bekenntniß ruhiger fvrtfahren:
„Ich kann es nicht läugnen, daß ich Genevieve liebe, und einmal mußtest Du's doch erfahrm. Mache mir Vorwürfe, Myon, ich weiß, daß ich sie verdiene; aber wenn Du edelmüthig sein willst, dann verzeihe mir und erlaube
mir, daß ich Dich auch ferner als meine Freundin betrachten kann, als meine treue Schwester!"
Er nahm ihre Hand und sie hatte Kraft genug, sie nicht zurückzuziehen. O hätte er ahnen können, welcher Sturm durch ihr Herz raste, er würde nicht fo freundlich gelächelt haben. Ihre ruhige Haltung täuschte ihn; sie zeigte sich doch vernünftiger, als er erwartet hatte, und davon sicher gemacht, suchte er Myon auseinanderzusetzen, warum er an Genevieve sein Herz verlieren müssen, und zuletzt ließ er sich hinreißen, die wunderbare Schönheit und unwiderstehliche Anmuth ihrer glücklichen Nebenbuhlerin zu schildern. Ah, er sollte es büßen, daß er zu seiner Treulosigkeit noch diese Grausamkeit gefügt! Die tausendfachen Qualen, die sie heute litt, wollte sie ihm heimzah- len, ihm und ihr! Dieser Gedanke allein hielt sie noch aufrecht und ohne mit einem Laut zu verrathen, welche Dämonen von ihr Besitz genommen, schritt sie hinaus.
Wenige Tage später erklärte Myon der Frau von Brevelay, daß sie ihr Haus verlassen müsse, denn sie habe so eben einen Brief erhalten, daß ihr Bruder doch nicht tobt sei. Die Republikaner hätten ihn schon mit verscharren wollen, da habe ein mitleidiger Arzt in ihm noch Leben entdeckt, ihn sorgfältig gepflegt, um seine Kunst an ihm zu üben. Es sei dem Bruder bann gelungen, nach Amerika ju flüchten, und da jetzt die Aufständischen begnadigt worden, habe er von dem Recht Gebrauch gemacht, sich wieder in der Bretagne anzusiedeln.
Frau von Brevelay wußte, wie leidenschaftlich Myon ihren Bruder geliebt und wie wenig es ihr helfen würde, sie zum Hierbleiben zu bereden. Sie wagte deshalb nicht erst, eine solche Bitte auszusprechen. Während diese Nachricht Myon'S der alten Edeldame sehr unangenehm war, fühlte sich Hippolyt davon sehr erleichtert. Die ehemalige Geliebte machte ihm freilich keine Vorwürfe; aber ein Ge