JTTarßurg, Sonntag, 16. März 1879
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DaS Befinden Sr. Majestät des Kaisers ist den Umständen nach recht befriedigend wie vom 14. aus Berlin gemeldet wird; die Hüftanfchwellung zeigt Nichts Ungewöhnliches; der Schlaf war mitunter unterbrochen, im Ganzen jedoch genügend. Auf der gestrigen Soirse erschien der Kaiser nicht. Heute Mittag 1 Uhr ertheilte Se. Majestät dem preußischen Gesandten in Darmstadt, Fürst Lynar, Audienz.
Die konservativen Reichstagsabgeordneten (v. Kleist-
entsetzlich großartige Natur-Ereigniß, welches vor wenigen Jahren unsere Ostseeküste verheerte. Die Verluste an Menschenleben und Ngenthum sind dis jetzt noch ungeschätzt. Die ungarische Regierung hat eine Vorlage betr. die Bewilligung eines Moratoriums für Szegcgin im Unterhause eingebracht. Die Stabt ist die größte des ungarischen Tieflandes und zählte wohl an 70,000 Einwohner. — Neben diesem Unglückofall sinken die Verhandlungen der Delegationen in eine vollständige Bedeutungslosigkeit zusammen. In einer einzigen Sitzung ist die österreichische Delegation über die Occupations-Vorlage schlüssig geworden. Für das Jahr 1878 wurde der volle von der Negierung begehrte Mehrbedarf von 46,720,000 ft. bewilligt, indem der Antrag des Ausschußes auf Ablehnung des Nach- tragskrcdites von 5 Millionen verworfen und ein Antrag des Delegirten Pirquet auf Genehmigung dieses Kredites mit 35 gegen 22 Stimmen angenommen wurde. Bezüglich des Jahres 1879 drangen jedoch sämmtliche Anträge des Ausschusses durch Anstalt des vom gemeinsamen Ministerium verlangten Betrages von 35,440,000 ft. wurde nur ein Erforderniß von 30 Millionen bewilligt.
In Italien ist der Prozeß Pafsanante zum Abschluß gelangt. Die Schlußverhandlung bestätigte, daß der Ursprung des Gedankens des Königsmordes bei Passanate in derLektüre sozialistischer und republikanischer Schriften zu suchen sei, daß er jedenfalls Mitschuldige hatte, wenngleich diese nicht ermittelt werden konnten; daß das Projekt eines Attentates auf den König vier Tage vor vollbrachter That in einem anonymen Schreiben der Quä- stur von Neapel denunzirl wurde, und daß die Regierung sich dessenungeachtet sich in einem Gefühle der Sicherheit wiegte, welches ihr nicht einmal die einfachsten Vorsichtsmaßregeln als nothwendig erscheinen ließ. Die Geschworenen haben den Verbrecher mit Ausschluß von Milderungs- Gründen für schuldig erklärt und wurde derselbe zum Tod verurtheilt.
In der französischen Dcputirtenkamer hat am Don- mrslag die mit großer Spannung erwartete Debatte über den Bericht der mit der Umersuchung der Akte der Ministerien Broglie und Rochebouet betrauten parlamentarischen Kommission stattgefunden. Der Bericht des Abg. Brisson gelangt bekanntlich zu dem Schlüsse, daß die Minister sich zahlreicher in allen Zweigen der Verwaltung begangene Akte des Hcchverraths und Amtsmlßbrauchs schuldig gemacht haben. Der Untersuchungsausschuß beantragt demgemäß, daß die Mitglieder der beiden Kabinete vor dem Senat in Anklagezustand versetzt werden, und daß die De- putirtenkammcr drei ihrer Mitglieder beauftrage, die Untersuchung vor dem Senate zu betreiben. Die Teputirtm- kammer hat den Antrag mit einer bedeutenden Majorität
abgelehnt. Zum Schluß wurde eine von der Linken beantragte votirte Tagesordnung angenommen, welche das Verhalten des Kabinets Broglie brandmarkt. Ein von Seiten der Bonapariisten zu Anfang der Sitzung gegen den Finanzministcr Leon Say gerichteter Antrag war durch Ablehnung der Dringlichkeit beseitigt worden.
Im englischen Oberhaufe fragte der Marquis of Ripon, ob General Roberts ermächtigt gewesen sei, in einer Rede eine Annexion gewisser Theile von Kandahar zu verkünden. Viscount Cranbrock antwortete: Er habe von der Sache zuerst durch die Zeitungen erfahren und darauf bei der Regierung Indiens Erkundigungen eingezogen. General Roberts sei, wenn auch nicht der Form, so doch dem Inhalte nach ermächtigt gewesen, jenen Stämmen die Versicherung zu geben, daß sie nicht mehr unter die frühere Herrschaft zurückkehren würden. Die Regierung beabsichtige, die Macht des Emirs dort nicht mehr gelten zu lassen, die genaue Form einer Neugestaltung lasse sich aber noch nicht angebcn. Lord Lawrence (früher Vicekönig von Jirdien) erklärte: Er verstehe die Rede dcö General Roberts so, daß Großbritannien die indische Grenze beträchtlich weiter als Anfangs angegeben und wahrscheinlich um 70 oder 80 englische Meilen hinausschieben wolle. DaS sei eine ernste Sache. DaS neue Gebiet reiche bis nach Persien und bringe die Engländer auf fünf oder sechs Tagemärsche Entfernung von Kabul. Die asiatischen Herrscher könnten nicht anders denken, als daß England den Krieg nur um einen Gebietserwerb geführt hätte. Lord Beaconsfield habe von einer wissenschaftlichen Grenze gesprochen, die von wenigen Truppen statt von vielen zu vertheidigeu fei. Er sei der Ansicht, die vorgeschlagene Grenzlinie erheische mehr Truppen, als die jetzige. Lord Beaconsfield deutete an, daß gerade in diesem Augenblicke Vorbesprechungen in Afghanistan gepflogen werden, die wie er vertraue, zur befriedigenden Lösung der Differenzen führen können. Es lasse sich daher das Ziel der Regierung betreffs ihrer afghanischen Politik nicht näher darlegen.
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Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition b. BlatteS, sowie d. Annoneen-Bureaux von G L- Daube & Co. in Frantsurt a. M; Jägcr'sche Buchhandlung daselbst; Hermannlche Buchhandl. daselbst; Jnvalidendank in Be'lin; W. ThieneS in Elberfeld; C. Schlotte in Bremen.
Zum Beginne unserer heutigen Wochenübersicht wollen V|1, t unsere Freude darüber ausjprechen, daß ein Unfall, [693 scher leider unseren Kaiser betraf, glücklicherweise ohne m rsie Folgen geblieben ist. Die Vermählung der Prinzessin ugarethe Louise von Preußen mit dem Herzog von ■ « nnaught hat am Donnerstag in der Georgskapelle des CID «dfor-Schlosies in der neuen Heimath der Prinzessin itgefunben und ein neues Band zwischen den Häusern ist t Hohenzollern und Sachsen-Eirglaud ist geschlungen. — - Der Reichstag hat im Lause der Woche 3 Sitzungen « gehalten, welche vorzugsweise der Etalsberathung ge- Z Miet waren. Es ist dem Haufe gelungen ein größeres [625 ükitspensum in einer kürzeren Zeit als jemals früher bewältigen. Der Etat hat an einzelnen Stellen zu er wichtigen Debatte Anlaß gegeben, fo der Etat der HCl mneverwaltung. Jndcß hatte die Berathung dasfelbe ne- foe Ergebniß, wie die Interpellation Mosle im Septbr.
?q Ingen ^ayres.
__ Die große Frage der handelspolitischen Reformen bahnt forte k wie eine Lawine, in der öffentlichen Discnssion einen preis- Wer breiteren Weg. Neuerdings hat sich auch der Lan- iausschuß von Elfatz-Lothringen über diese Sache in er. tzender Resolution ausgesprochen: „Der Landesausschuß —77 grüßt mit Genugthuung die Annahme eines Wirthfchafts- rzramms seitens der Reichöregierung, welches den realen kdürfrriffen der Landwirthschast und der Industrie Rech- maud «8 trägt; er drückt die Erwartung aus, daß die Auf- illung eines neuen Generaltarifs demnächst der Land- gl. s iühschast und der Industrie diejenigen Ausgleichungen »ähren wird, welcher dieselben bedürfen und deren sie tod, mwärtig in Wirklichkeit beraubt sind. Der Landesaus- «ß erneuert bei dieser Gelegenheit den in seiner Sitzung m 14. Juni 1876 beschlossenen Antrag, die Reichsregie- tunem ng möge sich bei allen nach Einführung des neuen General- Gold- kifs adzuschließenden Handelsverträgen der Klaufel der a. m. iistbegünstigteu Nation enthalten, weil diese die Freiheit r Aktion der Regierung einengt und in bedauerlicher Weise khinbert, von den mit uns kontrahirenden Nationen be- »dere Vortheile eingeräumt zu erhalten, sowie andere »ttheile dafür in Kompensation zu bieten."
Der russische Botschafter in London Graf Schuwaloff nach St. Petersburg gereist, angeblich in Privatangele- t__16 checken und hat auf der Durchreise Berlin berührt, wo
bcsor- wiederholt mit dem Reichskanzler Fürsten Bismarck in ge- ejerirte.
[682 Aus Ungarn kommen ergreifende Benchte über die -—2 mrichtung der Stadt Szegedin durch die vom Sturm ge- l ischlen Fluthen der Theiß. Sic erinnern uns an jenes
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-chuh- treten. [698.
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Küche, i eine §xpek. [676
Harte Sümpfe.
Novelle von Ludwig Habicht.
(Fortsetzung.)
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79.
Jetzt erst kamen für die Liebenden Tage des hellsten ^^Hdnueuscheins, der unaussprechlichsten Seligkeit. Und mit- wpxg i in ihr Glück traf plötzlich von Myon die Nachricht, in 6. 6 Fran von Brevelay schwer erkrankt sei und Hippolyt sßSS t eine schleunige Rückkehr nach Paris denken möge. _L- Wenn ihn auch diese Schreckenspost Anfangs gewaltig , wd‘ ichüllcrte, suchte er doch sich selbst und die Geliebte über teiiar- B Schmerz der plötzlichen Teennung durch den Trost hin- pchk» eg zu helfen, daß damit auch die Entscheidung ihres ganzen Loh» kns näher rücke. Genevieve zeigte beim Abschied mehr 'n istigkeit, als er erwartet hatte. Sie hatte ein unerschüt- [699 Üiches Vertrauen zu seiner Liebe und dies gab ihr auch 2 B Muth, diesen ersten tiefen Schmerz zu bestehen.
Hippolyt fürchtete nicht den Widerstand feiner Mutter
Nach einigen Tagen waren sie wieder in Paris. Klopfcn- Herzens stieg Hippolyt die Stufen des alten Palais
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1) td* no^ weniger den des allen Cadoudal, sobald einmal ihock t erftere ihre Einwilligung ertheilt hatte; wohl aber tbctt»f bhix er sich auf der Rückreise über Myon Bedenken, außer dich' stürmische Auftritte standen ihm bei ihrem leideu- n cc? östlichen Temperament bevor: Vielleicht hätte er noch . eint* ihr ben ßOpj hängen lassen, wenn er nicht als Begleiter [7$ Stifte mitgenommen. Der lebenslustige, muntere Bursche ttte ihm so gefallen, daß er ihn zu seinem Diener be» dlmte, und Bapliste war überglücklich, auf diese Weise jtber nach dem herrlichen Paris zu kommen; deshalb n 0', igle er sich unterwegs in übermüthigfter Laune und wußte 96 *' bändig seinem jungen Herrn von Fahrten und Aoen- ' ^etn zu erzählen, die diesen zerstreuten und erheiterten.
hinauf. Er hatte eines der Vorzimmer erreicht, da fühlte er sich schon von den Armen Myon's umschlungen:
„Endlich!" jubelte sie hervor. „O ich glaubte schon, ich würde Dich niemals Wiedersehen!"
Hippolyt blickte sich scheu um, als sürchte er einen Lauscher, dann fragte er mit gedämpfter Stimme:
„Wie geht es meiner Mutter?"
„Seil meinem letzten Briese ein wenig besser; aber die Aerzie sagen doch, sie müsse zum Herbst in ein wärmeres Klima."
„Dann will ich sofort sehen, wie sie sich befindet."
„Sie schläft jetzt gerade, wir können ruhig noch ein paar Minuten plaudern und ich habe ja so lange nicht das Glück gehabt, Dich zu sehen."
Sie betrachtete ihn mit tiedeglühenden Augen, dann warf sie sich von Neuem stürmisch an seine Brust.
„Verzeihe mir, wenn meine Mutter schläft, möchte ich mich auch ein wenig ausruhen, der lange Ritt hat mich müde gemacht." Und nur mit innerem Widerstreben duldete er ihre heißen Küsse.
„Ja, Du siehst blaß und erschöpft aus," sagte sie besorgt. „O, Hippolyt, Du glaubst nicht, wie glücklich ich bin, daß ich Dich wieder habe, denn mir war's als sei es um mich und in mir Nacht."
Hippolyt seufzte und sic hieck es für Thellnahme.
„Aber nun ist Alles vergessen, nun bin ich glücklich und ich laste Dich nie wieder fort."
Dem jungen Brevelay wollte es die Brust zuschnüren; aber er entgegnete kein Wort und athmete erst auf, als er auf seinem Zimmer war. Wie hätte er die Z it besser benutzen können, als an Genevisve zu schreiben und ihr mit Überzeugender Beredsamkeit zu versichern, daß ihr liebliches Bild ihn beständig begleite. Mitten in dieser Thätigkeü wurde er zu seiner Mutter gerufen; er fand sie zwar et
was angegriffen, aber ihren Zustand doch nicht Besorgniß erregend. Wie bei allen Lungenkranken war das Befinden der Frau von Brevelay sehr wechselnd; bald fühlte sie sich sehr schwach, bald hatte sie über nichts zu klagen. Auch heute hatte sie ihren guten Tag und das Wiedersehen des Sohnes erhöhte noch ihre frohe Stimmung.
Dennoch wagte Hippolyt nicht, schon in der ersten Stunde ihr Bekenntnisse zu machen; er wollte dazu eine passende Gelegenheit abwarten und erleichterten Herzens eilte er auf sein Zimmer, um den Brief an Genevisve zu vollenden. Er hatte in der Hast ihn in feinen Schreibtisch gelegt und diesen nicht verschlossen. War es ihm doch, als er ihn jetzt wieder hervorjuchte, als ob er etwas geknittert sei; aber er machte sich darüber kein Bedenken. Er beendigte deshalb das Schreiben rafch und übergab es Bap- tifte, der bereits in sein Gehcimniß eingeweiht war und auf dessen Treue er sich verlassen konnte.
Der junge Brevelay blieb aus seinem Zimmer, er wollte ängstlich jedes Alleinsein mit Myon vermeiden und er konnte in seiner Einsamkeit am ungestörtesten von Genevisve träumen, an sie denken.
Zu seiner großen Herzenserleichterung fiel ihm Myon heute nicht weiter lästig; sie erschien nicht einmal Abends im kleinen <soalcn seiner Mutter, obwohl gar keine Gesellschaft da war, ünd entschuldigte sich mit furchtbaren Kopfschmerzen. Ach, es war nicht chr Kops, der litt, sondern ihr Herz, das unter surcht aren Qualen zusammenbrech en wollte. Kaum war Hippolyt zu seiner Muttter gegangen, da erschien sie auf seinem Zimmer; sie hatte ihm noch etwas sagen wollen — nun nahm sie sich vor, ihn hier zu erwarten. Sie sah, daß er so eben geschrieben haben mußte und nun erwachte ihre weibliche Neugier — der Schreibtisch war nicht verschlossen — sie sand den Brief und cs begann ihr vor den Augen zu flirren, ein