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3R<u6urg, Sonnabend, 15. März 1879
XIV Iahrg-ng
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d Blatte», sowie d. Annoncen-Bnreaux von G. L. Daube & Co. in Frankfurt a. M; Jäger'sche Buchhandlung daselbst; Hermann'sche Puchhandl. daselbst; Jnvalidendank in Berlin; W. Übieiic# ■ in Elberfeld: C. Lchlotle in Bremen.
zrscheim täglich außer an den Werktagen nach sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „JÜustrirteS SonntagSblatt" durch die Expedition iKoch'fche Buchdruckerei) bezogen 2k Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg. iexcl. Bestellgebahr). — Jiisert'.onsgedüdr für die gespaltene Zeile 10 Pfg.
Für in der Expedition zu ettbeiier.be Auskunft und Annahme von Adreflen werden 25 Pfg. berechnet.
Tagesbericht.
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®T ' Die Reisen des Grafen Schuwaloff nach St. PeterS- __i j, obwohl sic bekanntlich stets mit Privatangelegenheiten ----L ioirt wurden, haben nachträglich immer einen hochpoli- R Charakter erhalten. So weisen wir nur darauf daß z. B. die Abmachungen, welche den Ausbruch S Krieges zwischen England und Rußland verhinderten, icr Tasche des Grafen Schuwaloff nach St. Petersburg Ulbert sind. So oft der Botschafter in den letzten ttn nach der Hauptstadt des russischen Reiches wan- , hatte sich irgendwo eine bedrohliche Wetterwolke auf- unnt, aber wir müssen auch mit besonderem Nachdruck jifügen, daß die Reisen des Grafen stets von guter >11611 bedeutung waren, seine Intervention war immer den den bringend. — Während wir diese Zeilen schreiben, , 8raf Schuwaloff wieder auf dem Wege nach St. Pe-
Telegraphisch wird aus Berlin vom 13. d. gemeldet: § . Maj. der Kaiser hat gut geschlafen, im übrigen ist April Befinden verändert. Der Kaiser empfing heute Bor- ' sagt lag den aus Petersburg eingetroffenen Militär-BevoU- [674 fügten General v. Werder und conferirte mit dem Kriegs- r* Per v. Kamecke. Zur heutigen Soiree sind auch die ||( ischafter geladen.
' Wer „Reichsanzeiger" schreibt: Durch verschiedene Zeiten ist die Nachricht verbreitet, im hiesigen HauSvvig- Wefängniß sei eine Flecktyphus-Epidemie ausgebrochen, n kompetenter Seite geht uns als Berichtigung jener tzncht die Angabe zu, daß allerdings drei in das j$rei6= Psgefängniß am Hausvogteiplatz eingebrachte Land- Vchtl chcr, welche wegen Erkrankung in die Charite überge- ApM kl waren, von dort kurze Zeit nach ihrer Aufnahme in ie btr Baracken Lazarelh zu Moabit gebracht werden mußten, a An- l bei zweien Flecktyphus und beim dritten Typhus re- irector «ns ausgebrochen war. Dagegen hat sich bisher noch
, keinem Gefangenen, so lange er sich im Hausvoigteige- nisse befand, Flecktyphus gezeigt. Alle Borsichtsmaß- ptt in zur Desinfection der Räume, worin die gedachten ingenen sich ausgehalten, und die Absperrung derjenigen kinder- mgenen, mit welchen sie in.Berührung gekommen, sind rn gt= n angeordnet. Neben thcilweiser Evacuirung ist auch
2 Zuführung von neuen Gefangenen in das Hausvoigtei- [686 tzngniß bis auf weiteres inhibirt. Neue Bedenken er- n®e Krankheiten sind nicht vorgekommen.
Schuwaloff besuchte gestern nach Empfang bei 9r Majestäten mehrere Mitglieder des diplomatischen PS und begab sich um 5 Uhr zu dem Fürsten Bis- f zum Diner, wo er bis gegen 10 Uhr verweilte.
F ' ne Abreise nach Petersburg erfolgte heute Morgen.
Harte Kämpfe.
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Novelle von Ludwig Habicht.
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(Fottsetzung.)
Hippolyt vermochte sich kaum zu überzeugen, daß die hm auSsehende Dame, die noch mit einem Ausdruck er Träumerei an ihrem Instrument saß, dasselbe blasse, e Mädchen war, das er damals kaum beachtet. Und mehr wurde er von ihren feinen Formen überrascht, der Art, wie sie ihn empfing und dem Gespräch bald belebtere Färbüng zu geben wußte. In ihrer Unter; g zeigte sich eine Geistesbildung uno Sinnigkeit, die Noch mehr anzog, als selbst ihr gewinnendes Aeußere. In seiner freudigen Aufregung mischte sich aber bald Alte in das Gespräch der Beiden. „Singe nus noch , Genevieve, der gnädige Herr sagte, Du hättest eine t Stimme."
O Later," sagte sie mit einem Lächeln, das sie noch
1 km Herzen ginge; er mußte sich begnügen, in die Bitten > *8 Vaters einzustimmen. „Wenn Sie und mein Vater wirklich wünschen, will ich nicht länger zögern," ent- kte sie mit einfacher Bescheidenheit, und sie sang noch it( !•' *8e Stücke mit großer Vollendung und Innigkeit. Mit b78,ä »ilicher Andacht lauschte der junge Mann auf ihren feng und ihr ohnehin mildes Antlitz erhielt einen mannhaften Auödrnck.
Durch das Zimmer wurde er unwillkürlich an Myon
verschönerte, wie kannst Du glauben, daß Herr von delay en Dem Gesänge einer Klosterschülerin Gefallen - *n wird, da er in Paris gewöhnt ist, die berühmtesten Kam «gerinnen zu hören?"
Hippolyt hätte ihr antworten mögen, daß er schon ein hucken empfände, wenn sie spräche, daß jeder Ton zu
tersburg und auch diesmal wurde die Reise von officiöser Seite mit Privatgeschäften, welche den Grafen auch nach Moskau führen würden, motivüt. Wir sehen eigentlich nicht ein, warum der russische Diplomat nicht auch einmal eine Reise im Privat-Jnteresse machen sollte, — es ist sehr möglich, daß die Motivirung diesmal zutrifft. Aber wir werden nicht überrascht sein, wenn sich nachträglich Herausstellen sollte, daß durch den Einfluß des Grafen eine zur Zeit unbekannte Schwierigkeit in den Beziehungen zwischen England und Rußland beseitigt worben ist. Daß man auch in London der offiziösen Motivirung keinen rechten Glauben schenkt, scheint folgende vom 12. März batirte Depesche zu beweisen: „Trotz ber besonderen Betonung, baß bie Reise des Grafen Peter Schuwaloff nach Petersburg nut burch private Angelegenheiten veranlaßt worben sei, glaubt man in hiesigen, bem Gouvernement nahe stehenden Kreisen doch gute Grünbe zu haben, bieser Reise eine politische Mission unterstellen zu dürfen. That- sächlich hat Graf Schuwaloff in jüngster Zeit dem Wunsche Rußlands nach einer Verlängerung der Occupation Bulgariens Ausdruck gegeben, ist dabei aber auf einen Widerstand oes englischen Cabinets gestoßen, dessen in Die Möglichkeit gestellte Behebung eine persönliche Berichterstattung und Information des russischen Botschafters in Petersburg zur Nothwenbigkeit gemacht hat." Wir wollen übrigens noch barauf Hinweisen, baß am Tage ber Abreise des Grafen Schuwaloff von London (11. März) derselbe noch eine Conferenz mit bem Marquis von Salisbury bem türkischen Botschafter Musurus Pascha unb Sir Layarb, bem bisherigen Botschafter Englands bei ber Pforte, hatte.
Deutsches Reich.
•* Berti», 13. März. Der Minister des Innern hat sämmtliche Kgl. Regierungen durch einen besonderen Cirkularerlaß auf bie von ber Akademie ber Wissenschaften herausgegebene Politische Corresponbenz Friedrichs bes Großen behufs Anschaffung für ihre Bibliotheken aufmerksam gemacht. Der Minister bemerkt, bay diese Publikation nicht blos von allgemeinem politischen und patriotischen Standpunkt, sondern besonders auch für die Geschichte der preußischen Verwaltung von hervorragendem Interesse sei. — Auf Grund des Gesetzes betreffend die Abänderung der gesetzlichen Bestimmungen über die Zuständigkeiten des Finanzministeriums, des lanowirthschafllichen Ministeriums und des Ministeriums für Handel Gewerbe und öffentliche Arbeiten geht bie bisherige II. Abtheilung bes Finanzministeriums für Domainen unb Forsten als 11. Abtheilung bes landwirthschaftlichen Ministeriums an letzteres über, die bisherige IV. Abtheilung des Ministeriums für Gc-
erinnert und ihr Bild tauchte vor ihm auf. Welch ein Contrast zwischen den beiden Mädchen! Myon war hager und groß, ihr braunes, von rabenschwarzen Haaren umrahmtes Gesicht hatte einen saft männlichen Ausdruck und Genevieve war bie reizendste Blondine, schlank und zierlich, mit wunderbar blauen Augen, in denen ein Himmel voll Liebe und Güte schlummerte. In Myou's dunklen Augen schien dagegen ein beständiges Feuer zu lodern, wohl konnte sie auch zärtlich fein, aber sie flößte selbst dann noch eine gewiff e Unruhe ein.
Als Genevieve geendigt, erwachte Hippolyt aus seiner Träumerei; er bekannte ihr ehrlich den tiefen Eindruck, den ihr Vortrag auf ihn gemacht, ynb sie merkte wohl, daß es keine bloße Schmeichelei war. Sie suchte nicht mit falscher Bescheidenheit das Vergnügen zu verbergen, das sie darüber empfand.
„Ich würde sehr erfreut fein,“ entgegnete sie offen, „wenn das wahr wäre, was Sie über meine Stimme gefügt haben, denn ich ich liebe die Musik über Alles."
Wie rasch verflog nun der Abend im anmnthigsten Geplauder mit dem lieblichen Geschöpf. Er kam aus der Überraschung nicht heraus; Genevieve hatte sich nach allen Seiten wunderbar entwickelt, und als er endlich Abschied nahm und ihr „Gute Nacht“ sagen mußte, hatte auch schon sein Herz entschieden. Er wußte bereits, daß er Genevieve liebe, tief, innig, unauslöschlich, und daß fein Verhältniß zu Myon ein jugendlicher Jrrthum gewesen, den er hart gebüßt. Jetzt erst sah er, was Liebe sei.
Nun war ihm plötzlich das alte, düstere Schloß wie verzaubert, denn er ahnte es, daß ihn Tage von unaussprechlicher Seligkeit erwarteten. Und so war es auch; er geizte mit jeder Stunde, bie er in Gesellfchast beö jungen Mädchens jubringen konnte, unb Genevieve überließ sich neidlos bem Gennß, den ihr der Umgang mit einem
werbe, Handel und öffentliche Arbeiten, „Gewerbe und Handel“ gebt über an das neue preußische Handelsministerium mit Ausnahme des technischen Unterrichts, welche dem Cultnsministerium überwiesen ist. Der bisherige Direktor der Abtheilung für Gewerbe und Handel Jacobi wirb dieselbe auch im neuen Handelsministerium fortfahren zu leiten. Hierdurch wird auch die Bezeichnung, wie schon in dem oben erwähnten Gesetz vorgeschrieben, eine andere. Der betreffende amtliche Erlaß dürfte für Ende dieses Monats bevorstehen. Dagegen wirb bie räumliche Verlegung ber anderen Ministerien zugetheilten Abteilungen in die betreffenden Ministerialgebäude noch nicht sofort stattfinden. — In den Coilsistorialbezirken der östlichen Provinzen findet bei ber Beurlaubung von Geistlichen ein verschiedener Modus statt. Diese Ungleichheit hat in den Verhältnissen keine Begründung unb führt manche Unzuträglichkeiten herbei. Der Oberkirchenrath hat daher ben Conststorien einen Cirkularerlaß zugehen lassen, welcher unter Mittheilung neuerer Bestimmungen entgegengesetzte Verwaltungs- Vorschriften aufhebt. — Nunmehr ist auch Japan dem internationalen Telegraphenvertrag von St. Petersburg beigetreten. — Nach einer Verfügung des Generalpostmeisters werden vom 1. April d. I. ab Zeitungen unter Kreuzband auch an Personen der Schiffsbesatzung solcher deutschen Kriegsschiffe, welche sich in fremden Gewässern befinden, zur Beförderung durch Vermittlung des Marinepostbüreau« in Berlin zugelaffen. Die Zuschlagsgebühr beträgt für je 50 Gramm 5 Pfg. — In Der zweiten Hälfte des Monats März sollen 25 neue Telegraphenanstalten, darunter 9 mit Fernsprechern eröffnet werben.
Eobleuz, 13. März. Die Appellkammer des hiesigen Landgerichtes verwarf heute die Berufung gegen das frei- sprechende Urtheil der Appellkammer von Elberfeld in Sachen der Rheinischen Effectenbank.
Karlsruhe, 12. März. Das gestern ausgegebene Gesetzblatt enthält das uuterm 3. März von dem Großherzog genehmigte Gesetz zum Vollzüge der Einführung der Reichsgesetze über Gerichtsverfassung, Rechtsanwaltschaft, Civilprozeß, Concurs und Strafprozeß im Großherzogthum. Seine 162 Paragraphen nehmen fast 40 Seiten des Gesetzblattes ein. Nach einer Vergleichung der Erträgnisse der Staatssteuern im Großherzogthum im Jahre 1878 mit dem Steuerertrag im Jahre 1877 hat im Ganzen sowohl der Rohertrag wie der Reinertrag der Steuergefälle im Jahre 1878 das Erlrägniß des Jahres 1877 nicht vollständig erreicht, sondern ist um 261,203, bezw. 213,843 M. hinter demselben zurückgeblieben; dagegen übersteigen die bezüglichen Einnahmen des Jahres 1878 die Voranschläge im Ganzen um 577,690 bezw. (rein) 526,818 M , welches Plus besonders durch den höheren Ertrag ber Bier-
Geistesverwandten bot. Er wußte ihrer sanften Träumerei zu folgen und konnte mit ihr über Alles sprechen, was sie in Den letzten Jahren an Geistesschätzen in sich ausgenommen. In vollen Zügen schlürften Beide das Glück, das ihnen auS ihrem traulichen, harmlosen Verkehr entgegenglühte.
Myon war ganz vergessen; wohl hatte er ihr beim Abschiede versprochen, ihr sosort zu schreiben; aber er hatte es nicht zu einer einzigen Zeile gebracht. Da traf schon ein Bries von ihr ein. Gerade weil ihr Andenken in feinem Herzen bereits völlig erloschen war, empfand er etwas wie Gewissensbisse ober Mitleid unb feine Antwort wurde zärtlicher, als er selbst gewollt. Er drückte noch immer Gefühle aus, Die er längst nicht mehr für sie besaß. Als er geendigt unb ben Brief fortgeschickt, fühlte er eine große Erleichterung, nun war dieser büftere Schatten ber Erinnerung wieder in ben Hindergrund gedrängt.
Erleichterten Herzens suchte er Genevieve auf. Ah, welche Seligkeit winkte ihm hier! Sie plauberten und lachten mit einander, bann fang sie etwas und ihre Stimme schien ihm heute von noch größerem Wohllaut; dann plauderten sie wieder und ein lachender Himmel schien sich vor ihm anfzuthun und ihn der Erde zu entrücken.
So verging ein Tag nach dem anbem unb Hippolyt wagte nicht einmal baran zu denken, baß er dies Paris je wieder verlaffen dürfe. Nur ein Schatten flog zuweilen an ihm vorüber. Myon hatte geantwortet und aus ihren Briefen leuchtete die Seligkeit hervor, die sie über fein zärtliches Schreiben empfunden. Sie dantte ihm stürmisch dafür unb in jedem ihrer Worte sprach sich ihre glühende Liebe aus.
Hippolyt konnte sich nicht aufraffen, ihr die Wahrheit zu schreiben, denn er besaß nicht jenen Muth, der ehrlich unb rücksichtslos die Wahih.it bekennt, selbst wenn sie wir