barer Ernst war; aber er suchte sich zu beherrschen und ihre Worte scherzhaft auszufassen:
„Ah, wie schön Du selbst in Deinem vernichtenden Zorne bist!"
Das Herz MyonS wallte noch zu mächtig, um denselben heitern Ton anzuschlagen.
„Ja, Du darfst Niemand anders lieben, als mich allein", fuhr sie mit derselben leidenschaftlichen Heftigkeit fort. „Mir gehört Dein Herz und wer es mir zu entreißen wagr, der muß mit mir auf Tod und Leben kämpfen!"
„Du kannst noch immer nicht vergessen, daß Du einmal Soldat gewesen," entgegnete Hippolyt leichthin.
„Nein, ich vergesse diese Kämpfe nicht," sagte Myon düster, „sie haben mir meinen Bruder gekostet und erst in Dir sand ich einen Ersatz für mein licbeglühendeS Herz. Hippolyt, Du weißt nicht, wie tief, wie unaussprechlich, wie wahnsinnig ich Dich liebe!"
Sie sank vor ihm nieder und barg ihr Antlitz an seiner Brust.
„Meine theuere Myon!"
Jubelnd zog er sie fester an sich. Konnte er sich nicht glücklich preisen, daß er so glühend, so leidenschaftlich geliebt wurde? Vermochten die jungen Aristokratinnen im Salon sein Herz in solch stürmische Wallung zu bringen? Aber diese stürmischen Scenen wiederholten sich nun ost. Immer deutlicher verrieth Myon, daß ihre Brust von der unseligsten Eifersucht gequält wurde. Sie hatte keine Ursache dazu, und doch kam sie nicht mehr zur Ruhe und gönnte auch Hippolit keine Ruhe.
Wohl endeten solche Gespräche regelmäßig mit gänzlicher Versöhnung und gegenseitiger Versicherung ewiger, unauslöschlicher Lieb-; aber je öfter und rascher sie wieder- kehrten, je mehr begannen sie, ihn zu ermüden. Ihre wahnsinnige Liebe sowohl, wie ihre wahnsinnige Eifersucht
wurden ihm bereits zur Qual. Jedes Lächeln das er einer Anderen schenkte, legte sie ihm als Verbrechen aus und da jetzt Hippolyt sehr oft Einladungen annahm und immer mehr sich, mit dem ganzen Uebermuth der Jugend, in den Strudel der Pariser Vergnügen stürzte, kehrte sie jetzt vollends gegen ihn ihre argwöhnische unv tyrannische Natur heraus. Aber der junge Brcvelay war nicht mehr der unmünoige Knabe, der sich beherrschen und von ihrem überlegenen Geiste unterjochen ließ, sein bretagnifcher Eigensinn erwachte und er ging jetzt desto rücksichtsloser seinen Weg. Es kam jetzt zu heftigen Anklagen und Vorwürfen und wenn auch Hippolyt's Gutmülhigkeit von ihrer wilden Verzweiflung zuweilen gerührt wurde und ihre unbegründeten Eifersuchtsqualen zu beschwichtigen suchte, die Kette, die ihn früher an Myon gefesselt, war doch zersprungen; die Unselige hatte sie selbst mit ihrem wahnsinnigen Treiben in Stücke gerissen und in ihrer blinden Eifersucht gerade Das geschaffen, was sie stets gefürchtet und damit zu verhindern gejucht — das Erlöschen seiner Liebe!
Zwei Jahre gingen unter diesen Kämpfen und Stürmen vorüber. Hippolyt hätte sich in Paris unaussprechlich glücklich gefühlt — ohne die Liebe Myon'S, sie allein war das Bleigewicht, daS ihm die Füße beschwerte und ihn niemals recht zum vollen Genuß des Daseins kommen ließ. Er fühlte sich ermüdet und sehnte sich hinweg, um wenigstens einmal die lästtgen Fesseln abzuschütteln.
Seine Mutter bemerkte seine Unzufriedenheit und als er beim Beginn des nächsten Frühlings davon sprach, daß er gern einige Monate die frische Lust in Brevelay athmen wolle, willigle sie in sein Verlangen, obwohl ihr selbst eine so kurze Trennung schwer fiel. Am liebsten hätte sie ihn begleitet; aber die Aerzte riechen ihr davon ab, da sie sich ohnehin nicht wohl befand. Zu ihrer Lähmung hatte sich
XIV Jahrgang
Marburg, Freitag, 14. März 1879
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wir also unsere deutsche Produktion erhalten, resp. ihr wieder aufhelfen, so bleibt nichts anderes übrig, als ihr die Last der Concurrenz des Auslandes zu erleichtern. Und deshalb halten wir es für nöthig, daß die Finanzreform mit der Zollreform verbunden werde. Wir erreichen damit zweierlei: 1) nöthigen wir das Ausland, welches bei uns Geld verdienen will, auch zu unseren Lasten beizutragen und 2) stärken wir unsere deutsche Produktion und Helsen der nationalen Arbeit wieder auf, und das dünkt uns vernünftiger, als wenn wir die Zölle vorzugsweise auf Kaffee, Petroleum und Südfrüchte legen und sie auf diese Weise aus unserer Tasche bezahlen und dabei die ganze Last ausländischer Concurrenz auf unserer deutschen Arbeit liegen lassen. Wir glauben nicht, daß diese Politik eine gute wäre.
genug, das Reich ist nun finanziell selbstständig gemacht es bedarf nun der Matricularbeiträge nicht mehr, und deshalb lassen wir uns auf eine Zollrefoim, d. h. auf eine Ausdehnung und Erhöhung der Zölle, nicht eiy. Gerade die Zollreform ist den srcihändlerischen Blättern der Stein des Anstoßes. Allein wir sind der Ansicht, daß es ein großer Fehler wäre, wenn so operirt würde. Gerade die Zölle auf Artikel, wie Kaffee und Pctrole- um, welche wir in Deutschland nicht produciren können und bei deren Bezug wir auf das Ausland angewiesen sind, wird der Handel durch Erhöhung der Preise für diese Waaren auf unsere Taschen wälzen, während wir den Zoll auf solche ausländische Waaren, die wir auch in Deutschland produciren können, wie die Industrie- und landwirthschastlichen Producte, größtentheilS auf das Ausland schieben können. Wollen wir also unsere indirecten Steuern nicht allein aus unseren Taschen bezahlen, sondern wollen wir einen Theil davon auch dem Auslande zuschieben, welches seine Waaren bei uns mit Gewinn verkaufen will, so müssen wir den Zoll vorzugsweise auf solche Waaren legen, welche wir auch in Deutschland produciren können und bei welchen wir also nicht lediglich auf das Ausland angewiesen sind. Und das halten wir für vernünftig und für berechtigt, ja für eine Pflicht gegen unsere deutsche Production, welche erst hohe Abgaben zahlen muß, ehe sie ihre Waaren marktfähig fertig hat. Darin liegt ja gerade der Vorlheil der Einnahmen aus Zöllen, daß sie größten- thells vom Auslande getragen werden müssen; wenn wir die Zölle von solchen Waaren erheben wollen, von denen wir wissen, daß wir die Zölle aus unserer Tasche bezahlen müssen, dann ist die Erhöhung der Zolleinnahmen ein Selbstbetrug. Die Zölle auf solche Artikel, welche wir auch im Jn- lande produciren, haben aber nicht bloß den Vvrtheil, daß sie größtentheilS vom AuSlande getragen werden müssen, sondern sie erleichtern auch unserer deutschen Production die sie bedrückende Concurrenz des Auslandes, und einer solchen Erleichterung bedarf unsere deutsche Production dringend. Es läßt sich nicht in Abrede stellen, daß unsere deutsche Landwirthschast mit viel größeren Kosten arbeitet, als die russische und ungarische. Der deutschen Landwirthschast kostet die Produktion eines Scheffels Weizen vielleicht fünfmal so viel, als dem russischen oder ungarischen Landwirth. Ebenso ist es bei der Viehzucht. Wenn nun der Russe oder Ungar seine Produkte zollfrei auf den deutschen Markt bringen darf und die Eisenbahn noch dazu für den Centner Weizen aus Ungarn bis Berlin in Folge der Differenzialtarife kaum so viel Flacht nimmt, als von Mecklenburg nach Berlin, so liegt es doch auf der Hand, daß der deutsche Landwirth von solcher Concurrenz erdrückt werden muß. Aehnlich ist'S in vielen Fällen bei der Industrie. Wollen
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blatte-, s owie d. Annoncen-Bureaux von G-L. Daube & Go. in Frankfurt a. M; Jäger'sche Buchhandlung daselbst; Hermann'sche Buchhandl. daselbst; Jnvalidendank in Berlin; W. Thienes in Elberfeld; C. Schlotte in Bremen.
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Tagesbericht.
Der „Reichsanzeiger" meldet vom 12. d.: Im Befinden Sr. Majestät des Kaisers ist eine den Umständen entsprechende Besserung eingetreten. Die Contusionserscheinungen an der rechten Hüfte uud Brustseite zeigen allmälige Abnahme. Der Kaiser empfing heule Nachmittag den Fürsten Bismarck zum Vortrag. — Die „Provinzial-Correspondenz" schließt einen längeren Artikel über die Ablehnung der Vorlage betr. die Slrasgewalt dcö Reichstags mit dem Satze: nun denn, der Reichstag hat die ihm von der Regierung dargebotene Hand zur Beseitigung eines schweren Mißstandes, zur folgerichtigen Ergänzung der im Sociali- stengesetz getroffenen Bestimmungen zurückgewiesen. Es wird zunächst abzuwarten sein, ob er aus eigener Machtvollkommenheit und auf dem Boden der Geschäftsordnung etwas schaffen kann, was dem berechtigten Wunsche der Bevölkerung entspricht, Ruhe vor socialistischen Agitationen und Schutz gegen den Mißbrauch der parlamentarischen Privilegien zu gewinnen.
Die Zolltariskommission beschloß gestern, präparirteS Fleisch mit einem Zoll von l1/? Mark zu belegen. Häute und Felle bleiben bekanntlich von Zoll befrett. Die Be- schlußsassung bezüglich der Kleider wurde ausgesetzt, da man erst über Wolle und Garne sich einigen will. Die Nahrungsmittelgesetz-Commission beendete heute ihre Arbeiten. Der Regierungsentwurf, abgesehen von einigen ganz geringen Veränderungen (Veränderung der Strafgesetze), wurde von der Kommission gutgeheißen. Am Sonnabend trat die Geschäftsordnungs-Kommission unter dem Vorsitz des Präsidenten des Reichstags zu einer ersten Sitzung zusammen, um über etwa sich empfehlende Aenderungen der Geschäftsordnung zu be- rathen. In parlamentarischen Kreisen verlautet, daß die
ntn. Es kommt eben Alles darauf an, wie die libera- Parteien sich zu den Zoll- und Steuervorlagen stellen Fbtn. Die Finanzreform, d. h. die Vermehrung der in- tcten Steuern durch höhere Zölle auf einige Waaren, Tabak, Kaffee, Petroleum, Südfrüchte und Wein, bis einer Höhe von 100 Millionen Mark, wollen die Übern Parteien schon bewilligen. Es schien auch nach einem üel der letzten „Prov.-Corresp.," als solle die Finanz- »rm von der Zollreform getrennt und die erstere zuerst digt werden. Der Artikel wurde von Blättern des ent- 677 mgesetzten Standpunktes, wie von dem „Reichsboten"
> der „Nat.-Ztg.," in diesem Sinne aufgefaßt. In einer -1 men osficiösen Notiz in der „Nordd. Allg. Ztg." wird e Auffassung des Artikels als nicht ganz berechtigt be- snet. Wir wollen es hoffen; denn das ist uns unzwei- laft, daß wenn die Finanzreform zuerst ohne die Zoll- °rm erledigt wird, die letztere dann so gut wie befestigt eschen werden muß. Denn wenn die liberalen Parteien 1100 Millionen Mehreinnahmen aus Tabak, Kaffee und trvleum bewilligt haben, so werden sie sagen: Nun ist's
igen nimmt entgegen: kpkdttio» d.vlatte», Mnnoneen-Bureanx
Dietrich & Eo. in j und Hannover; Th. zch in Frankfurt a.M.; lenftein & Bögler in (tat a. M., Berlin, »g, Cöln ic,; Rudolf [m Berlin, Frankfurt a. M. rc.
(1(J Das Zollprogramm des Reichskanzlers hat wie ein in Wasser geworfener Stein den ganzen See aufgeregt es fliegen ab und zu von verschiedenen Seiten noch rre Steine hinein, so daß die Wcllenkreise recht wirr teinander laufen, und so wird es auch bleiben, bis die politischen Vorlagen fix und fertig auf dem Tische des n hsiages liegen. Das wird wohl nun nicht mehr lange [tu, denn die Zolltarifcommission will ihre Arbeiten bis »r ; 15. März beendigt haben und der Tabakssteuer-Ent- ’l rs ist jetzt im preußischen Ministerium fertig und wird Mehr auch im Bundesrathe von den preußischen Mit- $em eingebracht werden. Im Reichstage hat neulich 'ziemlich erregtes Wortgefecht zwischen dem Reichskanz- «unb dem Abg. Lasker stattgefunden, was als Symp- k bev Stimmung noch viel interessanter war, als die ne Thalsache, daß der Reichskanzler den Saal verließ, ost der Abgeordnete Richter das Wort erhielt. Es t'crbm inen diese Thatsachen darauf hinzudeuten, daß die Dinge Wen dem Reichskanzler und der liberalen Partei nicht st stehen, wie ehedem. Die „Nat.-Ztg." sieht deshalb h sehr schwarz, fürchtet eine Auflösung des Reichstags; s eingcweihte Stimmen belehren sie, daß die Empfind- ideit des Abg. Lasker nicht bedeutend genug sei, um den Küche, chchcn Reichstag aufzulösen und das deutsche Volk zur n eine «wähl zu veranlassen. Auch wir sind der Meinung, daß Lxped. einer so schwerwiegenden Maßregel wichtigere Beweg- [676 hite vorliegen müssen. Aber immerhin ist die Möglich- nicht ausgeschlossen, daß sich solche Gründe ergeben
idieint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „JllustrtrteS Sonntagsblatt" durch die Expedition (Koch'sche «uchdruckerei, bezogen Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches i Mark 50 Pf«, (erd. Bestellgebühr,. - Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pf«.
Für in der Erpedition zu ettbeilenbe Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pf«, berechnet.
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Hippolyt konnte sich eines Schauders nicht erwähren; fühlte wohl, daß es Myon mit dieser Drohung sutchl-
Harte Kämpfe.
Novelle von Ludwig Habicht
(Forti eyung.)
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Sie hatte in ihrer furchtbaren Aufregung so laut ge- tvchen, daß sich Hippolyt ängstlich umsah:
. „Still, thönchtes Kind!" sagte er uno zog sie m den ferntesten Theil des Gartens, und auf eine halbverfallene jenbank zeigend, setzte er lächelnd hinzu: „Laß uns ein it Minuten angenehm verplaudern!" ,
Das Leben in 'Paris in der großen Gesellschaft übte teils auf ihn seine Wirkung. Während er früher sich tte von Myon lieben und leiten lassen, schlug er jetzt tot Ton an, als sei er an Jahren uno Lebenserfahrung k überlegen.
,u._ Sie achtete darauf nicht; ganz in ihre finsteren Vor- g. d» Sungen versunken, fuhr sie mit einem schweren Seufzer «i R: „Ja, Du besuchst jetzt Bälle und Gesellschaften und fast vornehme Damen kennen, die schöner und geistreicher fc, als ich, und Du wirst mich vergessen."
„Nie!" betheucrte Hippolyt und schlang seinen Arm i ihren Nacken. „Du bist schöner als sie alle. Dir ein gehört mein Herz, Du warst meine erste, Du wirst M» ch meine einzige Liebe sein." ,
„Hippolyt," jauchzte sie auf und preßte ihn stürmisch ihre Stuft, Du giebst mir das Leben wieder! Glaube
—> t,“ fuhr sie in leidenschaftlicher Erregung fort und rich- *. t sich in die Höhe, „ich gönne Dich keiner Anderen; ich itbt Die tobten, die Dich besitzen sollte!"
Und ihre Brust wogte stürmisch auf, ihre Augen fun-