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annehmen mußte, daß durch oiese unerwartetere Hilfe auch eine Versöhnung herbeigeführt worden, setzte er lebhaft hin­zu:Das ist brav von Dir, Mama, daß Du unseren Rettern verzeihst; sie haben es wohl verdient, denn ohne sie waren wir Alle verloren."

Hippolyt, erweiche ihr starres Herz, ich hab' es nicht gekonnt!" sagte Marion tief ergriffen.

In der Brust der alten Edeldame kämpften die wider­streitendsten Empfindungen. Wohl wurzelten die Lorur- lheile des Adels tief in ihr und die entsetzliche Verirrung ihrer Tochter hatte sie auf das Furchtbarste getroffen; aber sie schuldete jetzt dem Geliebten Marion's ihre Rettung und die Gefühle des Dankes erhielten über allen sorgfältig gepflegten Groll die Oberhand, und riech ehe Hippolyt in seinen Bitten fortfahren konnte, sagte sie nach einem tiefen Athemzug:

Ich verzeihe Dir, Marion, so wehe Du mir auch gethan."

Mit einem Freudenschrei warf sich ihr die Tochter zu Füßen.O, meine Mutter, wie danke ich Dir! Aber auch ihm darfst Du nicht länger grollen, ohne den ich nicht alhmen kann!"

Sie sprang auf und zog den Geliebten herbei, der vor der blassen, stolzen Frau ein Knie beugte und um ihre Verzeihung ihren Segen bat. Es' lag in seiner ganzen Erscheinung so viel Ritterliches, daß Frau von Brevelay sich bekennen mußte, Georg hätte wohl verdient, ein Edel­mann zu sein. Hatte der junge Mann ihre Gedanken errathen, da er lebhaft fortfuhr:

Wohl hab ich keinen alten Stammbaum aufzuweisen; aber ich werde nicht ruhen und rasten, bis ich mich den Edelsten gleichgestellt, und ich weiß, daß ich eine große Zukunst vor mir habe."

Seine Augen strahlten in eigenthümlichem Feuer >tnd

sein ganzes Auftreten verrieth die unbeugsame Stahlseele, die jedes Ziel erreicht, das sie sich gesteckt.

Wie auch der französische Adel noch in alten Vorurtheilen begriffen war, gegen den mächtigen Strom der Zeit konnte er sich doch nicht völlig abschließen. Auf allen Gebieten des öffentlichen Lebens halten sich plötzlich bedeutende Talente aus Nacht und Niedrigkeit emporgearbeitet, die die Ge­schicke Frankreichs lenkten, seine Schachten schlugen Männer, in denen nicht ein Tropfen blauen Blutes rollte. Des­halb erschien die stolze Sprache Georg's selbst der alten Eoeldame nicht zu überschwänglich.

Einen Augenblick vergaßen diese glücklichen Menschen die Gefahren, die sie umringten; selbst die Mutter ließ sich von dem Jubel der Ihrigen mit fortreißen. Hatte sie ein­mal ihr Herz bezwungen, so wollte sie auch die Seligkeit genießen, die ihr aus dem Glück ihrer Kinder entgegenlachte.

Erst später kam die ruhige Ueberlegung und nun wurde beratheu, was zu thun sei! Sicher war darauf zu rech­nen, dag die Republikaner bald mit verstärkten Kräften ihren Angriff erneuern würden, und obwohl das kühne Aufreten Georg's nur auf einen Streifzug berechnet war, erbot er sich doch augenblicklich, mit seinen reuten im Schloß so lange zurückzubleiben, bis Frau von Brevelay mit den Ihrigen Alles zur Flucht einrichten könne. Daß hierin die einzige Rettung lag, mußte auch die alte Edeldame, obwohl mit schwerem Herzen, zugestehen. Sie hatte in Paris Verwandte, zu denen sie ihre Zuflucht nehmen konnte, und sie war auch von ihnen schon eingeladen worocit, aber bisher hatte sie vor dem Gedanken zurückgeschamert, ihr Stammschloß aufzugeben und noch dazu einen Ort auszn- suchen, in dem die Revolution ihre surchtbarstcn Orgien gefeiert; frellich konnten ihre Pariser Verwandten ihr den besten Schutz gewähren, denn sie hatten sich rückhaltsloö der neuen Bewegung «»geschlossen, wie dies war gerade

Haltung der Minorität der Kammer führte zur Stellung der Cabinetsfrage. In der gestrigen vertraulichen Kammer- sitzung erklärte Lratiano, der Berliner Vertrag habe nur das Prineip der Gleichheit aller Religions-Bekenntnisse statuirt und Rumänien habe dieses Prineip angenommen, dagegen würden die nationalökonomischen Interessen vor Jndenüberfluthuitg durch Speeialgesetze gesichert werden müssen. Zn Folge dieser Erklärung wurde der Antrag aus eine nicht motivirte Resolution angeitommen.

Deutsches Reich.

*« Berlin, 10. März, lieber den Unfall des Kai­sers sind übertreibende Gerüchte theilweise verbreitet worden. Dieselben erwiesen sich durchaus als irrig. Se. Majestät ist auf dem Parquetboden ausgeglitten, der Fall aber so glück­lich gewesen, daß nachtheilige Folgen in keiner Weise zu besorgen sind. Die nenlichm Aeußerungen der Prov.- Corr. über den Reichshaushalt und die Finanzreform sind zuerst von der Nak. Ztg. und sodann auch von Blättern welche für die Nokhweitoigkeit einer umfassenden Tarifreform eintreten, so gedeutet worden, als sei damit eine Wendung der Negierungspolitik angekündigt, darin bestehend, daß die Finanzzollfrage von der anderweilen Zollreform zu trennen. Diese Deutung ermangelt insofern oer Berechtigung, als der Artikel der Prov.-Corr, sich lediglich auf die Aeußerun- gen stützte, welche Staatömiuister Hofmann zur Erklärung des Etats und im Hinblick auf die Finaiizschwierigkeiteu gethan hat. Es mußte hierbei die finanzielle Seite der Frage in den Vordergrund treten. Wir meldeten vor einigen Tagen, daß die Einbringung der Tabakssteuervor- lage im Bundesrath Seitens Preußens bevorstehe. Nach baldiger Ausgleichung einer inzwischen eingetretenen Mei­nungsverschiedenheit wird nun Die Einbringung des Ent­wurfs erfolgen, aber nicht in der Form eines preußischen Antrags im Bundesrathe. Es werden vielmehr, die mit der Berathung des Berichts der Tabakenquslekommission bereits betrauten Ausschüsse des Bundeöraths von Den preußischen Mitgliedern den Entwurf als von Der preußi­schen Regierung gebilligte Grundlage für die Seitens Der Ausschüsse zu machenoen Vorschläge mitgetheilt erhalten. Die Arbeiten Der Zolllaristommission haben in der letzten Zeit einen raschen Verlauf genommen, daß der Ab­schluß ungefähr zum 15. März in Aussicht genommen werden tarnt Zur Erledigung der weiteren Formalien werden noch ungefähr zwei Tage nölhig sein, so daß voraussichtlich Mitte nächster Woche bie|e Arbeiten dem Bundesrathe überreicht werden können. In Bezug auf die dem Bundesrathe zugegangene Vorlage, die Regelung der Eisenbahntarife für Güter betreffenv, werden gänzlich

unbegründete Mittheilungen gemacht. Nichtig ist nur, daß die mit mehreren Regierungen getroffenen vertraulichen Verhandlungen noch nicht zum Abschluß gelaugt sind. So­bald dies erfolgt, wird ,der Bundesrath in die sofortige Berathung des Gegenstandes eintreten. Der Finanz­minister macht in einer Cirkularverfügung vom 2. März die Kgl. Regierungen darauf aufmerksam, daß in Folge der anberroeiten Gerichtsorganisation vielfach Räumlichkeiten in ben Gerichtsgebäuden für die Justizverwaltung entbehr­lich werden. Diese Räumlichkeiten würden als Geschäfts­lokale den Katasterämtern zu überweisen sein und dadurch die im öffentlichen Interesse sehr erwünschte lokale Ver- einigung der Grundbuch- und Katästerämter herbeigeführt werben können. Die Regierungen werden angewiesen schleu- nigst mit den Appellationsgerichten in Verbinbung zu treten, welche ihrerseits bereits von dem Justizminister in dem­selben Sinne informirt sind. Miethzins will die Justiz­verwaltung nicht beanspruchen, sondern nur die bauliche Umgestaltung der Räume im Innern. Der Minister er­wartet spätestens nach Ablauf von 6 Monaten über die desfallsigen Verhandlungen Bericht. Die Angabe, daß das Urlheil in Sachen DesGroßen Kurfürsten" die Aller­höchste Bestätigung erhalten habe und sofort publicirt wer­den solle, erweist sich als irrig. Die Kreuzzeitung macht mit Recht aufmerksam, daß der vom Kaiser erforderte Be­richt des Generalauditoriats erst in den letzten Tagen an denselben gelaugt ist. Demnach ist aber auch die entgegen­gesetzte Ansicht falsch, daß das Urtheil des Kriegsgerichtes vom Kaiser verworfen und die Angelegenheit einem an-- deren Kriegsgerichte überwiesen werden soll. Die Nach­richt der Kieler Zeitung, daß der Marineminister v. Stosch sich in diesen Tagen nach Kiel zur Inspektion begeben werde, ist unrichtig. Ebenso die Nachricht desselben Blattes, daß die PanzerfregattePreußen" sogleich in Dienst ge­stellt werden soll.

Aus Bayern, 9. März. Von conservativer Seile werden Zustimmungsadressen an Bismarck, bezüglich seiner Initiative in der Wirthschaftspolitik ver­anlaßt. DerFränk. Courier" ist erstaunt, daß es ben Deutsch - Conservativen gelungen ist, in ber Stadt Fürth auch einige bisher alsliberal" geltende Persönlichkeiten zum Unterzeichnen dieser Adresse zu veranlassen. Wie groß wird erst sein Erstaunen werden, wenn wir ihm betragen, daß aus dem Lande diese Adresse allenthalben die freudigste Zustimmung findet und daß auch die Liberalen sich an Derselben betheiligen. Einen größeren Ort Mittelfrankens könnten wir ihm nennen, in welchem s ä m m t l i ch e Liberale sich von ihrem Leiborgan, demFränk. Courier", in diesem Stück losgesagt und ber Adresse sich angeschlossen haben. Die patriotische Fraction in München beabsichtigte

Marburg, Mittwoch, 12. März 1879

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XIV Jahrgang

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«n nimmt emgegen: yebttion d.Blattet, Uimoncen-Bureau

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lelbung berPolin Corresp." aus Bukarest: die ic motivirte Resolution in ber Judenfrage abjtelenbe

ben letzten Tagen ist vielfach die Rebe gewesen er Konferenz ber großmächtlichen Botschafter, welche ertrag von Berlin einer Revision ober theilweise» ifieation unterziehen sollen. Die Nachricht ist, wie ,Memorial biplomatique" erklärte, in dieser Form

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition b. Blattes, sowie d. Annoncen-Bureaux von G-L. Daube & Go. in Frankfurt a. M; Jäger'sche Buchhandlung daselbst; Herrnann'sche Buchhandl. daselbst; Jnvalidendank in

Berlin; W. Thienes in Elberfeld: C. Schlotte in Bremen.

Harte Kämpfe.

Novelle von Ludwig Habicht.

Tage-bericht.

Das Befinden Sr. Maj. des Kaisers, welcher eine acht hatte, ist heute besser, der Husten geringer; schwellung an der Hüfte zertheilt sich immer mehr.

Mittag empfing ber Kaiser den Feldmarschall Graf

, der vorgestern nach Berlin zurückgekehrt ist.

berliner Corresponbeitt desNord" hat ans guter erfahren, daß ber französische Botschafter Graf von Mer entschlossen ist seine Entlassung einzureichen, der gegenwärtige Minister des Aeußern Hr. Wad- durch einen fortgeschrittenen Republikaner ersetzt sollte. Ein Botschafter von Elsmenceau's ©naben sich, wie ber Korrespondent sehr richtig bemerkt, in wahrlich in einer wenig beneibenswertheu Lage

^scheint täglich außer en den Werktagen nach Sonn, und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen BeilageJllustrtrteS Sonntagüblatt" durch die Expedition -KoSiche Buchdrucker«» bezogen 2k Wart, durch die Postämter deS Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg. -excl. Bestellgebühr). - Jnserkionsqebüdr'für die gespaltene Zeile 10 Pfa

Für in der Expedition zu ertdeilcnde Auskunft und Annahme von Adreffen werden 25 Pfg berechnet.

tig. Wahrscheinlicherweise dürfte es sich nur darum In, die Frage wegen des Forts Arab-Tabia zu regeln. Großmächte haben die Nothwendigkeit anerkannt, den rag von Berlin in allen seinen Bestimmungen, ohne ßonfl labme zur Ausführung zu bringen. Es ist nicht scheinlich, baß bie Mächte ihre diesbezüglichen An- - jia! au8cn geändert haben.

'S l iaten in Bezug auf ihr persönliches Rechtsverhältniß g5 »rkischen Untertanen gleichgestellt sein und demgemäß unter dem Schutz der österreichischen Consuln stehen i Der letzte Hauptpunkt besteht in dem GarnisonS- welches bie Pforte in ben wichtigsten Orten der . o »teil Provinzen fordert. Es ist selbstverständlich, Oesterreich in diesen Punkten keine Nachgiebigkeit 3 5 i kann.

(S? Anerkennung ber Oberhoheit des Sultans über die ~v= ixten Provinzen. Sodann verlangt die Pforte, daß n ber Türlei reisenden oder sich dort aufhaltenden

a- M., Berlir ffseiU i Köln ic.; Rudol. Abend « Berlin, Frank. rn ein, surr a. Pt. re.

tttz. Dietrich & Co. i p und Hannover; Th

sth«

35. miet 8183

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Üe Verhandlung zwischen Oesterreich-Ungarn und der t in Bezug auf bie Regelung ber OccupalivnSfrage rj stkanntlich de novo zum Abbruch gelangt. Die Dif- f en zwischen ben beiben Mächten bestehen im Wesent- _ rei Punkten. Zunächst will die Pforte eine unbe-

Der alte Müller bestätigte sogleich

zu bedeuten?"

ge volle Wahrheit.

Drft* Gott sei Dank!" rief'Frau von Brebelay aufathmend.

, 80

819. icert

^Fortsetzung.)

«ppolyt mochte vor Erschöpfung etwas eingeschlummert

ifrig seine Anfrage, trotzdem war Die zärtliche Mutter nicht beruhigt. Georg hatte ihren Sessel dicht vor ' hebett des Sohnes getragen und nun streiften ihre ängstlich Darüber hinweg:

ippolyt, täusche mich nicht! Ich will Alles wissen! schwer eerrounbet."

in, Deine Sorge ist unnütz," sagte der Jüngling;

^weitere Fragen ablenken.

hier, Marion, das ist prächtig!" rief er freudig und streckte der Schwester die Hand entgegen, die Mich über ihn beugte. Plötzlich schoß ihm ein Ge- durch ben Kopf.Ah, dann wäret ihr es wohl, die

Rettung gebracht?" und da er durch die gemein» Anwesenheit dieser drei Leute in seinem Zimmer auch

1 wie elend bin ich, daß ich Dir nicht den mindesten »d leisten kann!"

s Ht hatte Hippolyt auch die Schwester und Georg be- flitt* und dieses seltsame Ereiguiß setzte fein junges Herz f J ! lebhafteste Bewegung vielleicht wollte er auch

run£ . . . .... _ . .

ille bei dem Geräusch wachte er auf und als er die Mutter

Ne, versuchte er sogleich zu lächeln, und noch ehe sie ""t «sorgten Fragen hervorbringen konnte, sagte er rasch: 5 £u brauchst gar nicht um mich in Sorge zu sein; \ nichts! Nur ein Bajonnetstich hat mein Bein ge- "5^ imt; aber nicht wahr, lieber Cadouval, das hat nichts