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JTlarßurg, Sonnabend, 8. März 1879

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Htatn nimmt entgegen: Kpefcttion b.Blatte«, ^d.Lnnoncen-Bureaux . Jl). Dietrich & Co. in L «nd Hannover; Th. M) in Krankfurt a.M.; ,'knstein L Bögler in Ditfurt a. M., Berlin, taig, Köln rc.; Rudolf |e in Berlin, Frank­furt a. M. rc.

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blattes, sowie d. Annoncen-Bureaux von ®. L- Daube & Co. in Frankfurt a. M; Jägcr'sche Buchhand! ung das elbst;

Hermann'sche Buchhandl. daselbst; Jnvalidendank in Berlin; W. Thienes in Elberfeld: C. Schlotte in Bremen.

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Utfibeint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen BeilageJllustrirteS SonntagSdiatt" durch die Expedition (Koch'sche Buchdruckerei) bezogen 2', Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg. iexcl. Bestellgebühr». Inserttonsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg.

Für in der Expedition zu eitbeilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pfg. berechnet.

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/ Das Zoll-Programm des Reichskanzlers.

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Die ungeheuere Bewegung, welche die in Aussicht ge-

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pularität nach unten nicht zu verlieren; wenn Wah- in Aussicht standen, dann regnete es Schlagwörter und worfene Köder, welche den gemeinen Mann wieder alen Wahlen antreiben sollen. Jetzt ist ein Wen- eingetreten. Das Interesse des ganzen Volkes, die

VZ pime und mit größter Entschiedenheit dem Fürsten Wil ygrtf proclamirte Zoll- und Steuerreform hervorgerufen ch a» wurde bisher fast durchweg nur von der einen Seite fchr, jchlel und besprochen, nämlich von der wirthschaftlichen. i, i glauben, daß der Brief des Reichskanzlers vom 15. J wider und seine weiteren Kundgebungen noch andere, r j, ilich moralische Wirkungen zur Folge haben müssen, die Diät t weniger hoch als jene wirthschaftlichen anzuschlagen mar dürften. Zunächst wird sich endlich alle Welt da- $ klar, wie sehr in der ganzen, vom Liberalismus bis- beherrschten Gesetzgebung ein doppeltes Interesse fl j Geldinteresse und das Parteiinteresse die Zügel ge- u rt hat und wie nothwendig es ist, daß an die Stelle ! Egoismus der wahre Patriotismus, die ernstliche Sorge das allgemeine Volkswohl auch selbst mit Zurücksetzung persönlichen und ParleiinteresseS treten müsse. Unser >k-, Gewerbe-, Münz- und Zcllwesen war für den ßhandel und das Großkapital zugeschnitten, deren Ver- i immer die Hauptstärke der liberalen Partei gebildet m, unv man benutzte das verlockende WortFreiheit," die Massen für Dinge, wie Gewerbefreiheit, Handels- eit, Actienfreiheit, Börsenfreiheit u. s. w., empfänglich , machen, von denen man nun erst einsieht, daß sie zum heil weniger Reicher, aber zum unendlichen Nachtheil « Polkes und zur Verarmung des Landes führten. Daß un« Großhändler und der Börsenherr sich ihre Netze, welche 11 £ mittel« des Freihandels und des Börsenverkehrs ohne l' - Schranke über alle Länder der Welt ausspannen konn- 1 nicht gerne verrücken lassen, ist natürlich und sie wer- Presse, Versammlungsrecht und Redefreiheit weiter be- ", st, um das für sie so ergiebige Manchesterthum noch welMr zu conferoiren; darin sind sie, wie Eugen Richter conservativ. Eben so stark wie das Geld- war PartenJnteresse. Die Herrschaft in den Parlamenten halten, keine Sitze im Land- und Reichstag zu ver- , vielmehr neue zu gewinnen, war immer Hauptziel Action. Daher das Feilschen mit der Regierung bei entschiedenen Maßregeln und die Abschwächung der tpunkte in den Gesetzen durch feine Amendements, die Waffen stumpf machen und die Spitzen ab- , wie wir es vor Kurzem erst cim Socialistengesetz n. Am deutlichsten zeigte sich immer das Streben,

Hebung der gesunkenen Industrie, der Schutz der klagen­den Landwirthschaft, die Besserung der Verhältnisse der ver­armten Handwerker und brotlosen Arbeiter sind in den Vordergrund gerückt und es scheint in der Thal, daß Fürst Bismarck den Hebel auf der rechten Stelle eingesetzt hat, um ein sittliches Aufraffen zum Kampf gegen die Hinder- niffe der Volkswohlfahrt hervorzurufen, wie er 1870 eine allgemeine Erhebung gegen den äußeren Feind ins Sehen rief. Mit Vertrauen reicht man dem großen Führer auch jetzt wieder von allen Seiten die Hand und man fühlt es deutlich, wie schon die Hoffnung auf das Gelingen seiner Pläne das Vertrauen stärkt und neues Leben in die nieder­geschlagenen industriellen und wirthschaftlichen Kreise bringt.

Wiiter wirkte der Liberalismus mit seiner Gesetzgebung offenbar durchweg zersetzend und isolirend. Jeeer wird auf sich angewiesen nach dem bekannten Verse: Sehe Jeder, wo er bleibe sehe Jeder wie er's treibe: und wer steht, caß er nicht falle. Das ist die beste Uebersetzung des laisser aller, der Stellung des Jndividiums auf sich selbst. Nun gilt es die Zulassung der Einzelnen zum Ganzen, das Gefühl der Zusammengehörigkeit in Volk und Reich in ganz anderer Weise wieder zu beleben, als es bis­her geschehen ist, nämlich auf dem realen und materiellen Gebiet. Gemeinsamer Reichstag, gemeinsames Münzwesen, gleiche Justizverfaffung für alle deutschen Gaue sind sehr schöne Dinge, aber fühlbarer und wirksamer wird das na­tionale Bewußtsein gehoben werden, wenn Jeder weiß, hier ist eine deutsche Grenze, innerhalb deren du Schutz für deine Arbeit, Sorge der Regierung für dein Wohl, Schran­ken gegen Uebervortheilung des Auslandes findest. Das ist der nationale Gedanke, der in den neuen Zoll- und Steuerplänen des Reichskanzlers liegt. Gerade die Partei, welche sich mit dem Titelnational" vor anderen schmückt, sollte sich darin Hervorthun, den Nationalschutz und das Nationalwohl auch hier auf ihre Fahnen zu schreiben. Da sie es aber in ihren Hauptorganen nicht thut, wird sie die Führung einbüßen und dieselbe, wie sich schon bei den nächsten Landtagswahlen zeigen wird, an diejenigen ab­treten, die sich besser auf Volkswohl und Patriotismus verstehen.

Tagesbericht.

Gestern Mittag fand eine Plenarsitzung des Bundes­raths unter Vorsitz des Ministers Hofmann statt.

Die Budget-Commission des Reichstags lehnte den für das Gebäude des Reichsgesuuoheilsamtes geforderten Be­trag von 312,000 Mk. gegen acht Stimmen und die für Ankauf der Casa Zukkasi in Rom geforderten 325,000 Mk.

In den Debatten des Reichstages der letzten Tage ist von fortschrittlicher und liberaler Seite, sogar von dem Hauptredner der Freikottservativen geltend gemacht, daß es dem von den verbündeten Regierungen beabsichtigten Zwecke förderlicher gewesen sein würde, wenn die Regierungen mit dem Reichstage über eine Abänderung der Geschäftsordnung desselben in Unterhandlung getreten wären. Es scheint demnach, als ob d:s Souverainetätsgefühl des Reichstags in der Etikette verletzt ist, weil die verbündeten ^Regierungen sich erlaubt haben, einen Gesetzentwurf vorzulegen, anstatt an den Reichstag das Ersuchen zu richten, daß er aus eignem Antriebe seine Geschäftsordnung ändern möge. Wir haben keine rechte Vorstellung, in welchen Formen sich die Herren eine solche Aufforderung an den Reichstag denken: etwa als eine Botschaft der verbündeten Regie- rungeii oder Seiner Majestät des Kaisers, in welcher der Reichstag darauf aufmerksam gemacht wird, seine Geschäfts­ordnung sei unzulänglich und er gemahnt wird, sie aus eigener Initiative umzugestalten? Wir sind nicht im Zweifel darüber, daß in einem solchen Falle die Empfind­lichkeit im Reichstage noch erheblich größer gewesen wäre, wie jetzt. Mau würde ziemlich einstimmig und nicht mit Unrecht etwa Folgendes erklärt haben:Eine Kritik un­serer Geschäftsordnung steht den verbündeten Regierungen nicht zu, noch weniger das Recht, eine Veränderung der­selben vorzuschlagen und zu empfehlen; wenn die Negie­rungen uns ihre Ansicht mittheilen wollen, so steht ihnen der verfassungsmäßig dafür gebotene Weg einer Gesetzvor­lage offen, welche wir pflichtmäßig berathen, anneh­men oder ablehnen werden, aber den guten Rath und die Kritik der verbündeten Regierungen über unsere häus­lichen Einrichtungen verbitten wir uns." Den verfas­sungsmäßigen Weg haben die verbündeten Regierungen im vorliegenden Fall gewählt, und die Konsequenz zeigt sich sofort. Alle Schalttrungeu des Reichstages, welche über­haupt das Bedürfniß haben, ihrer Unzufriedenheit Ausdruck zu geben, empfehlen nun den ungewöhnlichen und verfas­sungsmäßig eigentlich gar nicht gangbaren Weg einer ver­

einstimmig ab. Für den Reichsoberauwalt wurden anstatt des beantragten Gehaltes von 15,000 Mk. nur 14,000 bewilligt.

DerReichsanzeiger" meldet: Eine Bekanntmachung des Reichskanzlers beruft die ordentliche Generalversamm­lung der ReichsbankantheilSeigner auf den 26. März nach Berlin ein zur Entgegennahme des Verwaltungsberichts nebst der Bilanz und Gewinnberechnung pro 1878 und zur Vornahme der für den Centralausschuß nöthigen Wahlen."

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Harle Kämpfe.

Obwohl eS den Schloßbewohnern gelang, einen Theil der Angreifer unschädlich zu machen, konnte sie sich über

Novelle von Ludwig Habicht. (Fortsetzung.)

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M Kampfgier wurde er mitberauscht und jetzt feuerte A die Reihe der Feinde Schuß auf Schuß. Trotzdem ^Bretagnerin von chrer Waffe beit ausdrücklichsten Ge- machte, fand sie dennoch Gelegenheit, ihren jungen ^psgenosseu noch anzustacheln und ihm Worte der feurig« | Bewunderung zuzuflüstern.

Auch Hippolyt hatte sein Gewehr auf die Feinde gelegt, . f ib sie den ersten Anlauf nahmen. Sein junges Herz ig dabei fieberhaft; er sollte einen Menschen tobten, ® Mord begehen 1 Wohl war von diesen anftürmenben teu das Schlimmste zu fürchten, sobald sie Sieger blie- ; aber wie furchtbar contrajtirle das wilde KriegSge- Biel mit den stillen Träumen, in die sich seine Seele B » ksponuen, und es waren noch dazu die Anhänger jener 111« rtej, die bis vor Kurzem seine vollste Bewunderung

..... Das Gewehr zitterte in seiner Hand, als er j tbrüdt, konnte die an seiner Seite stehende Myon wohl

1\ 1 Erken, daß er gefehlt habe.

A | Hippolyt fühlte sich durch seinen Fehlschuß beschämt 1 dennoch erleichtert.

i*6 zWir dürfen sie nicht schonen," sagte Myon kalt,dort 2 'n1 lange Jacobinermütze will ich auf's Korn nehmen," 1. ' mit glühenden Augen hinzu.

Sie legte an und die große, mädjtige Gestalt eines Mikaners, der über Alle hinausgeragt, überkugelte sich >lich, im wilden Anlauf getroffen, und fiel zu Boden. zM Ayon stieß einen wilden Trmmphschrei aus, der in fl' * Hvlyt'ö Ohr furchtbar wiedergellte und ihm zum ersten E ein Entsetzen vor der Amazone einflößte; und dennoch seltsam ist das Menschenherz! von ihrer sana,

chre verzweifelte Lage nicht täuschen. Die Uebermachl des Feindes war zu groß und jetzt hatten einzelne Republikaner schon die Mauern des Parkes überklettert und sich der WirthschaftSgebäude bemächtigt, von denen sie vorläufig ein weil sicheres Feuer aus die Vertheibiger eröffnen konnten, eh' sie die Baulichteit selbst in Brand steckten. Einige Diener waren schon gefallen; auch den alten Gärtner hatte eine Kugel in's Herz getroffen. Lautlos sank er zu Boden, und mm waren die Angreifer bereits am Thor ihre Gewehrkolben donnerten an das starke hölzerne Gebälk, in wenigen Augenblicken mußte es in Trümmern liegen und dann waren die Bewohner des Schlosses rettungslos verloren.

Wir wollen bis zum letzten Athemzug uns verthei- bigen! rief die Bretagnerin, ihre dunklen Äugen glühten jetzt wie die eines Raubthiers, ihre Brust wogte in fieber­hafter Aufregung.Folgt mir! und sie stürzte hinunter, um sich dem anstürmenden Feinde entgegenzustellen. Die­selbe verzweifelte Kampflust erfüllte auch die 'Andern. Das wilde bretagnische Blut kam jetzt zum Vorschein, wo es galt, Mann gegen Mann zu kämpfen. Selbst der alte Cadoudal verlor etwas von seiner gewohnten Ruhe und schloß sich den Uebrigcn an.

Nun war Hippolyt's Ehrgeiz einmal geweckt worden, et mochte an Todesverachtung hinter Myon nicht zurück- stehen und folgte ihr auf dem Fuße. Auch jetzt blieb er an ihrer Seite, als die kleine Schaar in dem Flur des Schlosses Posto faßte, um die Feinde zu empfangen, sobald sie das letzte Hinderniß beseitigt. 'Roch leistete das_ eisen- beschlagene Thor Widerstand und die furchibaren Schläge dröhnten unheimlich durch das Schloß.

Obwohl die alten Diener dagegen Widerspruch erhoben,

stand doch ihr junger gnädiger Herr mit Myon in vor­derster Reihe. ,Nitr über meine Leiche sollen sie zu meiner Mutter!" lief er mit der ganzen Schwärmerei eines jungen Menschen, der Plötzlich aus stillen Träumen zur That aufgestachelt wird und all die Energie findet, die so lange in ihm geschlummert.

Myon drückte ihm die Hand. Sie wußte, daß sie Alle verloren seien, aber daß Hippolyt auch jetzt wieder an ihrer SeiteJ>lieb, erhöhte noch den Rausch, in dem sie sich befand. Sie sah darin das sichere Zeichen seiner Liebe:Mit Dir vereint, welch süßer Tod!" flüsterte sie ihm zu und ihre schwarzen, Augen senkten sich voll heißer Liebesgluth in die Seinen. Jetzt, im Moment des Todes, konnte sie ihm ja enthüllen, was ihre Seele längst erfüllt. Hippolyt fand nicht mehr Zeit, darauf zu antworten das starke Thor war von den Kolbenschlägen der Jacobiner zertrümmert worden und mit gefälltem Bajonett stürmten sie durch die offene Pforte.

Mulhig stellte sich ihnen Hippolyt zuerst entgegen und erhob den Gewehrkolben zur Abwehr; aber mit jener Er­bitterung , die durch den hartnäckigen Widerstand noch ge­steigert worden, drangen die Republikaner unaufhaltsam vor und der junge Brevelay sank sogleich getroffen zusam­men. Gewiß hätten die wüthenden Republikaner ihm so­gleich den Garaus gemacht und jeder der Nachfolgenden jein Bajonett in den Leib des Verwundeten gefloßen, wenn sich nicht Myon über ihn hingeworfen und ihn jetzt mit ihrem Körper gedeckt hätte. Trotzdem sie eine Waffe in der Hand hielt, hatten die Republikaner sie nicht eben­falls medergeschmettert, aber die wüthenden Jacobiner senkten jetzt ihre einmal erhobenen Waffen auch auf die Unglückliche und schon blutete sie aus mehreren Wunden, da rief plötzlich aus den hintersten Reihen eine Stimme: Zurück! Rette sich, wer kann!"