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Marburg, Freitag, 28. Februar 1879

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xiv. Jahrgang

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ein wenig zu belächeln. Trotz der Nüchternheit Marion'S und seiner Ermüdung konnte er heute lange den Schlaf nicht finden, die wunderlichsten Gedanken und Träume suchten ihn heim und erst am Morgen war er einge­schlummert.

Frau von Brevelay fand es doch unpassend, ihrer Tochter ein Mädchen zuzuführen, das sich noch in Man­neskleidern befand. Sie ersuchte deshalb Myon, sich im Nebenzimmer cus ihrer Garderobe zu bedienen, damit sie durch diese Umwandlung vor jeder Entdeckung gesichert sei, und als Marion in den Salon ihrer Mutter trat, fand sie bereit« zu ihrer Ueberraschung eine junge Dame vor, die einen beinahe imponirenden Eindruck machte. Die eleganten Gewänder der Frau von Brevelay schienen für Myons hohe Gestalt wie geschaffen und sie bewegte sich

darin so frei und sicher, als ob sie niemals andere Kleider getragen.

Mit kurzen Worten bat Frau von Brevelay ihre Tochter, dem jungen Mädchen ein Stübchen anzuweisen und für ihre Bequemlichkeit zu sorgen, und sagte dann gute Nacht. Sie war augenscheinlich so erschöpft, daß sie der Ruhe bedurfte.

Als die beiden jungen Mädchen in Marion's Zimmer ankamen, blickten sie sich noch einmal prüfend in die Augen. Jede schien in dem Antlitz der Anderen lesen zu wollen und an ihr das lebhafteste Jntereffe zu nehmen. Marion hatte geglaubt, daß sich eine Abenteuerin zu ihnen geflüchtet, und nun sah sie eine Dame vor sich, in deren Zügen und Benehmen sich unverkennbar ein gewisser Adel ausprägte. Und wie gewählt war die Ausdrucksweise, in der sie Marion für ihre liebenswürdige Mühewaltung ihren Dank ausdrückte. Alles Finstere, Fanatische war aus ihrem Wesen verschwunden, sie hatte jetzt ettvaö Ge­winnende- und Einschmeichelndes.

,, a Strom von Thränen folgte diesem Bericht und nun IgU das Weib in dem jungen Flüchtling zur Erschei-

Harte Kämpfe.

Novelle von Ludwig Habicht.

(Fortsetzung.)

eis f* beigewohnt.

5djn«j kirchlichen Trauerfeier für den Fcldmarschall Gra-

Tage-bericht.

:. Maj. der Kaiser hat, um sich bei der fortdauernden stigen Witterung nicht einer Erklärung auszusetzen, »fball am Dienstag nicht besucht und auch der Trauer- i Ehren des verstorbenen Feldmarschalls Grasen Roon

sind und welche Bereicherung der Arzneischatz seit dem Erlaß des Arzneibuches erfahren hat. Der Kultusminister hat in Folge dessen an eine Anzahl Personen der genannten Kategorie das Ersuchen gerichtet, ihm binnen 3 Monaten gutachtliche Aeußerungen einzusenden.

Nach Meldungen derPol. Corr." aus Adrianopel herrscht seit Montag dort eine solche Aufregung, daß das russische Militärgouvernement außerordentliche Vorsichts­maßregeln ergriffen hat. Die Aufregung ist theilö eine Folge der gegen Bulgaren eingeleiteten Untersuchung wegen des Attentats gegen den griechischen Metropoltten, theils durch den Andrang der bulgarischen Flüchtlinge wegen der Räumung Rumeliens hervorgerufen. Die Vorerhebungen über die Attentatsaffaire wurden gestern abgeschlossen. Die Bulgaren beschuldigen den Metropoliten, sie zur Unterzeich­nung einer Petition angeblich zu Gunsten der Fortdauer der russischen Occupation veranlaßt zu haben, während diese Petition thatsächlich an die Pforte um Beschleunigung des russischen Abmarsches gerichtet war. Der schwerver­wundete Metropolit und die anderen mißhandelten Griechen befinden sich außer Lebensgefahr. Seit 8 Tagen sind über 40,000 Bulgaren aus Rumelien Adrianopel zugeströmt. Das russische Gouvernement traf Maßregeln zur Verhin­derung weiteren ZudrangeS, abgesehen von den Beschwich­tigungs-Maßregeln, welche von Reuf Pascha thätigst unter­stützt werden. Viele Flüchtlinge verlangen Terrain znr Ansiedlung in Ostrumelien. Bis gestern verließen 60,000 Russen Rumelien.

DieAgence HavaS" meldet aus Konstantinopel: Da die Botschafter der Mächte die von der Pforte vorgeschla­genen Änderungen der bisherigen Grenze gegen Griechenland für ungenügend erachteten, so gab die Pforte nunmehr ihre Zustimmung zu anderen Grenzberichttgungen, so daß auf einen erfolgreichen Fortgang der Unterhandlungen in Pre- vesa zu hoffen ist. Die Agitation in Macedonien soll anscheinend von der Pforte begünstigt werden. Muthmaß- lich werden die mit Oesterreich gepflogenen Unterhandlungen gegenwärtig zu keinem Ergebniß führen.

Kaisers bei Grafen Roon, hinzufügend, der Kaiser habe gestern trotz einer am 24. d. eingetretenen Erkältung mit der Kaiserin der Trauerfeicr in der Garnisonkirche beizu­wohnen beabsichtigt, werde jedoch auf dringenden Rath der Aerzte wohl darauf verzichten müssen.

DieNvrdd. Allgem. Ztg." bezeichnet die Mittheilung derVossischen Zeitung," Fürst Bismarck habe das holstei­nische Gut Trittau gekauft, als vollständig aus der Luft gegriffen. Ueber den Ankauf des Gutes fanden seitens des Fürsten Bismarck weder Verhandlungen statt, noch seien solche beabsichtigt. Dasselbe Blatt meldet, die Ar­beiten der Baumwollen - Enquete-Commission seien beendet. Der Bericht derselben gehe noch im Laufe der Woche dem BundeSrath zu. Ebenso werde dem Bundesrath demnächst eine Denkschrift über die gesetzliche Regelung der Wander­lager und Waarenauktionen vorgelegt werden.

Die elsässischen autonomistischen Reichstags-Abgeordne­ten unterhandeln mit den Frakttonen des Hauses über einen Antrag bett. die Constituirung Elsaß-LothringenS als selbst­ständiger im Lande selbst regierter Bundesstaat. Der An­trag wird im Allgemeinen dahin gehen, der Reichstag möge den Reichskanzler ersuchen, die definitive Constituirung des Reichslandes als selbstständigen Bundesgliedes wie die üb­rigen Bundesstaaten mit eigener Vertretung im BundeSrathe ins Auge zu fassen.

Gegenwärtig finde» unter den Mitgliedern deutsch-con- servativen Fraction des Reichstags Besprechungen über An- ttage auf Revision der Gewerbeordnung statt. Die Abge­ordneten Ackermann, v. Helldorf und v. Seydewitz, welche in der letzten Session des aufgelösten Reichstags die be­kannten Anträge stellt, sind jetzt wieder mit der Redaction derselben beschäftigt. Es handelt sich dabei um mehrfache Beschränkungen des Gewerbebetriebes, so nammtlich der Schankwirthschaft, und unter Anderem auch um theilweise Aufhebung derThcaterfreiheil." Die Deutsch-Conserva- tivcn dürften demnächst mit diesen ihren Anträgen vor den Reichstag treten, von dessen jetziger Zusammensetzung sie sich einen günstigeren Erfolg als bisher versprechen.

In Folge des Bundesrathsbeschlusses vom 6. Juni 1878 ist eine Kommission zu berufen, behufs Revision der Pharmacopoea-German ica. Der Reichskanzler hat für wün- schenswerth erachtet, daß zur Beschaffung des der Kom­mission zu unterbreitenden Materials einzelne namhafte Medicinalbeamte, Universitätslehrer und Apotheker, zu einer Aeußerung veranlaßt werden, welche Mängel bei der An­wendung des gesetzlichen Arzneibuches bisher hevorgetrrten

Deutsches Reich.

* Berlin, 25. Februar. Wir haben in voriger Woche gemeldet, daß die Zolltarifkommission im Laufe der jetzigen Woche zur Berathung der Zölle auf Vieh, Getreide und Eisen schreiten werde. Am Montag haben die Be- rathungen in der Thal begonnen und bereits wichtige Be­schlüsse zur Folge gehabt. Wenn kie Kommission ihre Arbeiten beendigen wird, läßt sich heute noch nicht über­sehen, die gegenteiligen Meldungen der N. B. C. und der

mr den Monat März werden von allen Post- fanftalten Bestellungen auf die

Merhessische Zeitung

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licher Aufregung. ES war ohnehin heut zu Gewalttges auf sie eingestürmt und sie fühlte all' ihre Kräfte erschöpft. Sie hatte aufmerksam zugehört, sank nun ermattet in die Kissen zurück und blickte eine Weile sinnend vor sich hin. Dann wandte sie sich zu ihrem Sohne:

Hippoyt, willst Du nicht Marion herbeirufen? sie wird gewiß noch munter sein und ich brauche ihre Hülfe. Du aber, Kind magst Dich schlafen legen, Du wirst der Ruhe sehr bedürfen und ich danke Dir nochmals, daß Du einen Vertheidiger der guten Sache gerettet; wir werden jetzt für Myon weiter sorgen, und nun gute Nacht, mein Herzenssohn!"

Jetzt erst, wie sich der junge Brevelay über seine Mutter hinwegbeugte und ihre Wangt küßte und dabei das volle Lampenlicht auf sein Antlitz fiel, schien die Amazone ihrem Retter zum ersten Mal Beachtung zu schenken. Ihre Augen ruhten mit einem bewundernden Ausdruck auf der schlanken, zierlichen Gestalt, den feinen, edlen Formen, und als er jetzt von dem Ruhebett der Mutter zurücktrat und mit einem flüchtigen Gruße an ihr vorüber wollte ergriff sie ohne Weiteres seine Hand:

Und Jhnm danke ich meine Rettung. O ich werde Ihnen diesen Ritterdienst nie vergessen!"

Ihre Augen blitzten, ihre Stimme klang weich und voll und ihre ganze Haltung hatte dabei so viel Adel und Sicherheit, daß der Jüngling von ihrem Auftreten selffam überrascht wurde. Er fand jetzt ihre Erscheinung weit weniger abstoßend als kurz vorher.

Ich habe nur eine Menschenpflicht geübt," sagte er ausweichend und verließ in tiefet Bewegung das Zimmer um seiner Schwester von dem Abenteuer Mittheilung zu machen, die seine Nachricht weit ruhiger aufnahm, als er erwartet hatte. Sie folgte ohne Weiteres dem Ruf der Mutter und schien die große Aufregung ihre« Bruders

und setzten sich unter den Klängen des Chorals meine Zuversicht" dem Sarge voraus über den o-Mt ßplatz und die Breite Straße nach dem Götlitzer >ocolt of in Bewegung. In allen Straßen, welche der Zug lzen zi t, war das Publikum in dichtgedrängten Reihen auf-

üittj ^.glühende, leidenschaftliche Liebe für ihren Bruder «dM fahrend ihrer Erzählung ihr unregelmäßiges Gesicht wt und Hippolyt besonders konnte sich des tiefen Ein­sicht erwehren, den die Aufopferung, der hingehende -be« jungen Mädchens auf chn hervorgebracht.

----- von Brevelay befand sich ebenfalls in uugewöhn-

t und Standarten zwischen Schlosse im Lustgarten auf- SlaftA. Als kurz nach 12 Uhr von der Garnisonttrche e ist i achenzug sich näherte, der von einer ambulanten Trup- line, welcher die Leidtragenden folgten, umgeben war, 1 tu alle Musikcorps der Trauerparade den Trauer-

scheint täglich außer an den Wecktagen nach Sonn» und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen BeilageJlluftrirteS Souutagsblatt" durch die Expedition (Kock'icke Buchdruckeret) bezogen Statt, burc« die ?oftämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg. (ejcl. Bestellgebühr). Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Psg

Für in der Expedition zu ertbedenbe Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pfg. berechnet. v

UgIustrirteS Sonntagsblatt

Wommen.

be ini iie *Provinzial-Correspondenz" widmet dem Feldmar- Betti Grasen Roon einen längeren sehr warmen Nachruf. Wm i einem weiteren Artikel unter der Ueberschriftdie erhaü viesenen Abgeordneten und die Rechte des Reichstags" / die Korrespondenz den Nachweis, daß bei Vorlegung Kr. S ntrageS des Staatsanwalts auf strafrechtliche Verfol- Fntzsche's und Hasselmanns an den Reichstag von ! Versuche, die Siechte des Reichstages zu beeinträch- nicht die Rede sein könne, seitens der Regierung viel- die strengste Beachtung von Verfassung und Recht, volle Rücksichtnahme auf Stellung und Rechte des Ägj >tags stattgefunden habe. Dasselbe Organ repro- die im Wesentlichen bereits bekannte Anttvort des

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blatte-, sowie d. Annoncen-Bureaux von G. L- Daube & Co. in Frankfurt a. M; Jägecksche Buchhandlung daselbst; Hermann'sche Buchhandl. daselbst; Jnvalidendank in Berlin; W. Thiene« in Elberfeld; C. Schlotte in Bremen.

«ne Mutter schien weit leichter davon überzeugt. Du bist also Deinem Bruder in den Kamps gefolgt? __.sie theilnahmvoll.

er N ch hätte nicht ohne ihn leben können!" antwortete »och itt dunklen Augen leuchteten noch mehr.Als ich ttittf »ß er zur Armee ging, war ich sogleich etttschlossen, Nr. 1 begleiten, und nichts hätte mich abzuhalten vermocht.

« wollte Anfangs nichts davon wissen, aber ich sagte jeres» mich zu Hause die Unruhe noch mehr verzehren wch der Gedanke noch elender machen würde, er könnte mpfe fallen und ich wäre nicht an seiner Seite. Er e endlich ein; ich habe einmal ihm das Leben geret- »dem ich den Schlag auffing, der ihn treffen sollte, * würde gewiß ihn auch heute gerettet haben, aber tbe verwundet und jetzt sank auch schon mein Bru- . 1 meiner Seite mit dem Ausruf:Ich bin getroffen!" 1 fllte mich über ihn beugen, meine Kameraden schlepp- adel^ uh mit Gewalt hinweg, ich wurde mit sortgeriffen weiß ich nicht, was aus meinem Bruder gewor-

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ihm«-- Ecke Prinzen des königlichen Hauses und alle in Berlin iten ji mden Officiere der Armee und Marine bei. Die ast j« rauerparade commandirten Truppen nebst Musikcorps brau 1 mit flvrumhüllten Fahnen und Standarten zwischen " Museum und königlichen Schlosse im Lustgarten auf-