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Marburg, Donnerstag, 27. Februar 1879

XIV Jahrgang

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8flr m der Expedition zu ettbeilenbe ilu«tunft und Annahme von Adreffen werden 25 Pfg. berechnet. ä

«agen nimmt entgegen: .Spedition d.Blalte», ^ed.Annoncen-Bureauk , LH, Dietrich & Co. in ^el und Hannover; Th. Eid) in Frankfurt a.M.;

enstein & Bögler in

i ytfurt a M., Berlin, , . .iig, Köln rc.; Rudolf ' Hkij. je in Berlin, Frank- iitrf n tr

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blatte-, sowie d. Annoncen-Bureaux von G- L- Daube & Co. in Frankfurt a. M; Jäger'sche Buchhandlung daselbst; Hermann'sche Buchhandl. daselbst; Jnvalidendank in

Berlin; W. Thienes in Elberfeld; C. Schlotte in Bremen.

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Harte Kämpfe.

Novelle von Ludwig Habicht.

(Fortsetzung.)

Deutsches Reich.

** Berlin, 24. Februar. In der Sitzung vom 10. Februar hat die Reichskommission die Beschwerde Bebels über das in Leipzig erfolgte Berbot eines Separatabdruckes einer von ihm im Reichstage gehaltenen Rede über die gegenseitigen Hülfskassen zurückgcwiesen. Die Entscheidung und deren Begründung ist von prinzipieller Bedeutung, da

Wem gehört das Schloß?" fragte der Flüchtling vor­sichtig und hielt aus der Stelle seine Schritte an.

Der Frau von Brevelay, meiner Mutter," war die Antwort.

Trotz seiner Erschöpfung stieß der Andere einen Freu­denruf aus:

Ah, dann bin ich gerettet. Wollen Sie Ihrer gnä­digen Mama sagen, daß Charles Blondet hungrig und elend vor ihrer Thür ist und sie hat mich als Kind recht gut gekannt, denn mein Vater gehörte zu ihren Päch­tern und" weiter kam der junge Mensch nicht, er mußte sich an einem Baum anlehnen und war einer Ohn­macht nahe. 1

(Sie müssen verwundet sein," bemerkte Hippolyt zum zweiten Mal. * 8

Nein, nein," widerlegte Charles mit einer matten Stimme, die von einer furchtbaren Erschöpfung Zeugniß gab,ich bin nur schwach vor Hunger, ich habe seit gestern nichts gegessen, habe heute den ganzen Tag gekämpft und in den letzten Stunden sind wir nach allen Richtungen hin von den Republikanern verfolgt woroen"

Nun wußte Hippolyt, wen er vor sich hatte einen Royalisten! und trotzdem gewann das Mitleid über jede Parteilcidenschaft die Oberhand. Es war ein Unglücklicher, der sich zu ihm geflüchtet, seine Hilfe in Anspruch nahm, da mußte alles Andere schweigen. Er überlegte einen Augenblick. Wenn er den Flüchtling schon jetzt in dao Schloß nahm, konnten ihn gewiß die überall herumstreichen­den Republikaner viel leichter finden, auch wußte er nicht, ob allen Leuten im Schloß zu trauen war, deshalb sührie er Charles zu einem Bosquet und verließ ihn mit den Wortm:

»Wollen Sie so lange hier bleiben, bis die Diener-

Sem Congresse deutscher Landwirthe ist ein Antrag des ' en Ausschusses zugegangen, worin der Congreß er- ^klären, daß er dem wirthschaftlichen Pro- des Reichskanzlers sowohl vom finanziellen wie vom hvtll Mischen und volkswirlhschastlichen Gesichtspunkte voll­en zustimme und die darin empfohlene Rückkehr zu 23. Grundsätzen des Zollvereinstarifs, namentlich zu der g - der Zollpflichtigkeit der in Betracht kommenden Jm- nwf Artikel als unabweisbare Nothwendigkeit anerkenne.

[43 rotz der Dämmerung erkannte Hippolyt, daß der Fremde

-1 Mger Soldat war, der kaum älter zu sein schien, als fdft. Aus dem todtenbleichen Gesicht leuchteten fast Vilich ein paar dunkle Augen, und von der unerwar- Anrede erschreckt, trat der junge Brevelay einen Schritt dann faßte er,sich rasch, er sah, daß er einen nn-

"chen Flüchtling vor sich hatte und sagte deshalb roher Herzlichkeit:Kommen Sie herein!" und als k schwankende Haltung des Soldaten bemerkte, fragte v>rgt:Sind sie verwundet?"

Der Ausschuß soll dem Anträge nach beauftragt werden, einen nach diesen Grundsätzen entworfenen beigelegten Ta­rif dem Reichskanzler, dem Bundesrath und dem Reichs­tage zur Berücksichtigung zu empsehlen.

Einer Veröffentlichung des Reichsgesundheitsamtes zu­folge ist die Pestseuche im Astrachaner Bezirk vorläufig ganz erloschen. Auch in den benachbarten Gouvernements hat sich kein Pesterkrankungsfall gezeigt. Der Cordon und die Quarantaine-Einrichtungen zum Schutze Zaritzins und Sareptas werden von zuverlässiger Seite als sehr voll­kommen bezeichnet. Bezüglich der Erkrankungen bei Salo- nichi ist durch zuverlässige ärztliche Ermittelungen jetzt auch von griechischer Seite anerkannt, daß es sich bis jetzt nur um einen sehr verbreiteten, bösartigen Flecktyphus handelt.

DerPolit. Corresp." wird aus Konstantinopel von heute gemeldet: Der französische Botschafter machte gestern dem Großvezier dringende Vorstellungen wegen der Stockung der Verhandlungen m der griechischen Grenzfrage.

DieAg. Havas" berichtet aus Tirnowa: Die bul­garische Nationalversammlung wird demnächst ihr Bureau eonstituiren, sodann wird Dondukoff über die Ergebnisse seiner bisherigen Verwaltung Bericht ablegen. Als Can- didaten für das Präsieium der Versammlung werden Zan- koff und der bulgarische Exarch genannt. Stach Räumung der türkischen Gebietstheile wird das russische Hauptquar­tier nach Varna kommen. Post und Telegraphen werden demnächst unter die Leitung des Gouverneurs gestellt wer­den. ,, Zwei Parteien beginnen sich bereits zu gruppiren: eine gemäßigt^velche sich innerhalb der Grenzen des Berliner Vertrages halten will, und eine fortgeschrittene, die darüber hinausgehen will. Erstere würde unter Balabanoff's, letz­tere unter Zankoff's Leitung treten. Obwohl in einer vor- bereüenden Zusammenkunft der Deputirten die Zulassung der Dclegirten Rumeliens beschlossen worden war, ent­schied man sich nunmehr unter dem Einfluß von Dondu­koff und Demidoff sowie auf den Rath der französsischen Commtssare doch für die Nichtzulassung. Diese Angelegen­heit wird europäischer Entscheidung unterbreitet werden. Vermnthlich wird die gemäßigte Partei die Majorität haben.

3lein, aber ich bin so schwach und erschöpft und mein S beinahe gebrochen," antwortete der junge Mensch J>em Seufzer, das einem schmerzlichen Auffchluchzen s war.

:ic traten in den Park und Hippylyt schloß eiligst sich zu und nahm nun den Flüchtling etwas schärfer ilzenschein. Es war eine Hoche gewachsene schlanke ut, die ihn noch ein wenig überragte. Die Uniform Traten war so verschossen, daß sich die ursprüng- ffarbe nicht erkennen ließ; auch trug er an seinem Wne Kokarde. Nach seinem ganzen Aussehen konnte " der siegreichen Partei angehören.

§79. ^vchviel ob ein R oyalift oder Republikaner vor ihm er war ein Hilfsbedürftiger und der junge Bre- sandte sich wieder freundlich zu ihm:

d.s< kommen Sie mit mir in's Schloß," und er reichte schwankenden seinen Arm zur StützeSie be-

'* 6 dex Ruhe und Erfrischung."

r den Monat März werden von allen Post­anstalten Befteüunger» auf die berhessische Zeitung mit deren Gratisbeilage

»striktes Sonntagsblatt

ommen.

Die Ex-ed. d. Obeh. Zeitung.

Tage-bericht.

i Armee-Verordnungsblatt veröffentlicht eine kaiserl.

etsordre, wonach zu Ehren des verstorbenen Feldmar- Grafen Roon sämmtliche Officiere der Armee eine e, die Officiere des Füsilier-Regiments Nr. 33 eine ige, die Officiere des Kriegsministeriums eine 14- Trauer vom 26. d. M. ab anzulegen haben. preussische Armee legt von Mittwoch (26.) ab eine gige Trauer an um den verstorbenen Generalfeldmar- Grafen Roon. Fürst Bismarck empfing gestern saß-lothringischen Abgeordneten Schneegans, Stock und in längerer Audienz.

ieNordd. Allg. Ztg." schreibt, in der Presse wür- ngebliche Aeusserungen des Kaisers über den Regie- echsel in Frankreich und über die Stimmung der ischen Cabinete gegenüber diesem Wechsel verbreitet, angeblichen Worte des Kaisers characterisirten sich eg als Erfindung und ständen vollkommen im Wi­ch mit dem erneuten Austausch von freundschaftlichen nmgen zwischen der deutschen und französischen Re- g anläßlich des Präsidentenwechsels, in sichtbarem spruch auch für rin größeres Publikum mit der Hai­des deutschen Botschafters in Paris, der als erster den Vertretern der Großmächte dem neuen Präsiden- der Abendgesellschaft in seinem Hause den glänzend- mpfang und alle dem Staatsoberhaupte znkommen- hren bereitete.

sie sich auf die viel erörterte Frage bezieht, ob der Art. 22 der Reichsversassung über die Nichtverfolgbarkeit wahr­heitsgetreuer Berichte über die Ncichstagsverhandlungen auch den Abdruck einzelner Reden vor der strafrechtlichen Verfolgung schützt. Die Reichskommisston führt folgendes ans: der in Bezug genommene Art. 22 der Reichsverfassung lautet:Die Verhandlungen des Reichstags sind öffentlich. Wahrheitsgetreue Berichte über Verhandlungen in den öffent­lichen Sitzungen des Reichstags bleiben von jeder Verant­wortlichkeit frei." Diese Bestimmung enthält in ihrer Fassung nichts davon, daß der Abdruck von einzelnen Reden aus den Parlamentarischen Verhandlungen von der Anwen­dung der allgemeinen Gesetze ausgenommen werden solle und ebensowenig ergiebt sich dies aus dem Zwecke der Be­stimmung. Zunächst handelt Art, 22 nur von den wahr­heitsgetreuen Berichten über Verhandlungen in den öffent­lichen Sitzungen. Mit dem Bericht über die Verhandlungen kann aber ein Bericht über eine einzelne aus dem Zusam­menhänge der Debatte losgelöste Rede nicht identificirt werden. Der Bericht über eine einzelne Rede und der Abdruck der einzelnen Rede hat aber nicht die Bestimmung ein Bericht über die Verhandlungen zu sein, es wird viel­mehr nur die Auffassung eines einzelnen Redners über den Gegenstand der Verhandlungen wiedergegeben. Die Thatsache, daß der Bericht über eine einzelne Rede in der Verhandlung wahrheitsgetreu ist, kann daher für die Beur- lheilung, ob über die Verhanolung selbst wahrheitsgetreu berichtet sei, nicht entscheiden. Der Zweck des Art. 22, der Gesammtheit der Bevölkerung die Möglichkeit zu sichern, sich von den Verhandlungen des Reichstags ein zuverlässiges Bild zu machen, wird durch die Mittheilung eines Bruch­stückes aus der Debatte nicht erreicht. Die Behauptung des Beschwerdeführers, daß seine Auffassung der Bedeutung des Art. 22 durch den Gang der Verhandlungen über die Redaktion dieser Bestimmung bestätigt werde, ist nicht richtig, rm Gegentheil ergiebt diese Verhandlung, daß ein im Sinne lener Auffassung gestelltes Amendement, den Art. 22 dahin zu fassen,die Veröffentlichung und Verbreitung wahrheits­getreuer Berichte über die Verhandlungen des Reichstags oder über Theile derselben ist unter keinerlei Umständen strafbar" abgelehnt worden ist (Sten. Berichte der Sitzungen des Nordd. Reichstag von 1867, B. I, S. 442), daher bie Ausdehnung der Straffreiheit auf die fragmentarischen Berichte nicht ausgesprochen werden sollte. Hiernach ist im einzelnen Falle zu prüfen, ob ein wahrheitsgetreuer Bericht der Verhandlungen vorliegt. Diese Frage muß hier verneint werden, da in der Reichstagssitzung vom 5 November 1875 (Sten. Ber. S. 74) außer dem Abg. Bebel noch ein Commissarius des BundeSraths und 4 Ab­geordnete gesprochen haben, in dem Abdruck der Rede des schäft zur Ruhe gegangen, inzwischen werde ich Ihnen einige Erfrischungen holen."

Charles dankte mit einem Zeichen und dann sank er völlig ermattet auf den Rasen nieder.

Hippolyt kam bald zurück. Er brachte etwas kaltes Fleisch, Brod und eine Flasche Wein und indem er sich an der Seite des Flüchtlings niederließ, nöthigte er ihn freund­lich, rasch eine Stärkung zu sich zu nehmen und entschul­digte sich, daß er kein besseres Abendbrod geliefert, aber er habe nicht Aufsehen machen wollen.

Anstatt mit Heißhunger über die Speisen herzusallen, wie Hippolyt erwartet hatte, zeigte der junge Soldat die größte Mäßigkeit, und anstatt der Mahlzeit kräftig zuzu­sprechen, ließ er bald wieder den Kopf auf die Brust sinken und seufzte verstohlen vor sich hin. Von dem Wein kostete er kaum einige Tropfen.

Trinken Sie nur, das wird Sie etwas beleben," er­munterte Hippolyt.

Doch ber Flüchtling schüttelte traurig den Kopf.

Es war ein zu unseliger Tag," sagte er nach einer Weile und um seine Lippen zuckte es schmerzlich.Wir hatten schon das Thor gestürmt, waren bereits in die Stadt eingedrungen und Nantes mußte sicher in unser Hände fallen; der Gouverneur weigerte sich jedoch, die Schlüssel zu über­geben. Es kam von Neuem zum Kamps, da fiel unser General, der sich an die Spitze gestellt hatte, um unö noch mehr anzufeuern. Als er, auf den Tod getroffen, vom Pferde sank, entstand in unseren Reihen, eine augenblick­liche Verwirrung, der Feind wußte sie geschickt zu benutzen und wir wurden zurückgcdrängt. Von denselben Barrika- dm, deren Besitz uns schon sicher war, spieen die Kanonen Tod und Verderben auf die Unseren und bald waren wir völlig in die Flucht geschlagen, die Stadt für uns verloren "