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Marburg, Mittwoch, 26. Februar 1879

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Die politischen Meuchelmorde in Rußland haben wieder­ein Opfer gefordert. Am Freitag Abend 11 Uhr feuerte in Charkow „ein Unbekannter", wie der Telegraph meldet, auf den von einem Balle heimkehrenden Gouverneur von Charkow, Fürsten Kropotkin, einen Revolverschuß ab, wel­cher den Fürsten sehr schwer verwundete. Auf den Mör­der wird gefahndet, — ebenso wie auf die früheren Mör­der, ohne ihrer habhaft zu werden. In Charkow brachen bekanntlich zuerst die Studentenunruhen aus; der Gedanke liegt nahe, diese Unruhen mit dem Morde in Beziehung zu bringen.

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Harte Kämpfe.

Novelle von Ludwig Habicht

(Fortsetzung.)

u von Brevelay sank wie vernichtet in die Kissen Ruhebettes zurück. Das war mehr als sie ertragen ! Ihr armer Sohn hatte sich in den wenigen Mo­vergiften lasten und sie selbst war es gewesen, die es verschnüret. Hippolyt konnte sie nicht anklagen, von bieten fanatischen Jacobinern verführt worden, hatte sie ihre'kluge Vorsicht so weit getrieben, daß eigenes Kind diesen Leuten überliefert; freilich hatte t ahnen können, daß die Schule in Nantes bereits rern besetzt worden, die so glühend für die Republik tten; dennoch machte sie sich die bittersten Selbst- e und deshalb sagte sie nach einer Weile, so mild evoll wie immer:

ein theurer Hippolt, Du bist noch jung und deö- Incht bestimmbar, Dein edles, treffliches Herz wird wieder auf den rechten Weg zurückfinden, das ist einzige Hoffnung."

s versuchte zu lächeln, erhob ein wenig das Haupt sichte ihm die Hand.

Starrsinn geweckt haben; aber diese wandellose Liebe machte aus ihn den tiefsten und wohlthuendsten Eindruck. Er wollte ihr mit keinem Worte mehr seine republikanische Gesinnung verrathen, das gelobte er sich, aber bald war wieder seine Aufmerksamkeit von der nächsten Gegenwart in Anspruch genommen.

Als Hippolyt jetzt noch einmal den Park durchwanderte schien die Mittagssonne bereits schräg durch die Bäume, kaum ein Lüstchen regte sich, Alles schien hier Licht und Frieden zu athmen, und um so furchtbarer drang in diese Stille der Donner der Kanonen, der noch immer nicht verstummt war. Wie er eben wieder dem Hügel zuschreiten wollte, gewahrte er Baptiste, der in namenloser Eile durch das Paüthor hereinstüzte.

„Was hast Du gesehen?" ries er ihm schon von Wei­tem zu.

Der Gärtnerbursche erschrak anfangs, dann trat er ehr­erbietig auf den jungen Brevelay zu, und sagte, wie sich entschuldigend:

„Ich konnt's nicht länger mehr aushalten, und mußte wenigstens wissen, wie es draußen aussieht."

„Run, und was hast Du erfahren?" drängte Hippolyt.

„Die Weißen haben schon die Stadt von allen Seiten eingeschlossen, ja sie sollen bereits in ein Thor eingedrungen sein, und die Blauen halten sich nur durch Barikaden, die sie in der Eile errichtet."

Der Gärtnerbursche hütete sich wohl, seine Parteinahme für die Republikaner zu verrathen.

„Das ist entsetzlich, dann sind meine Freunde verloren?" rief der junge Brevelay und in seinem Gesicht prägte sich deutlich die Bestürzung aus, die er über diese Nachricht empfand.

Bapttste blickte ganz überrascht, auf den Sohn seiner Herrin. War es denn möglich, der Sohn einer Aristo-

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blatte-, sowie d. Annoncen-Bureaux von G. L. Daube & Co. in Frankfurt a. M; Jäger'sche Buchhandlung daselbst; Hermann'sche Buchhandl. ♦ daselbst; Jnvalidendank in

Berlin; W. Thienes in Elberfeld; C. Schlotte in Bremen.

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seinem großen Vorgänger, den ehemaligen Krtegsminister von Scharnhorst gesungen hat:

Keiner war wohl treuer reiner Näber stand dem König keiner — Doch dem Volke schlug sein Herz. Ewig auf den Lippen schweben Wird er, wird im Volke leben, Besser als in Stein und Erz.

Die „Nordd. Allg. Ztg." schreibt: Nach den Bestim­mungen des preußischen Eisenbahngesetzes sei die öffentliche Bekanntmachung und gleichmäßige Anwendung der Eisen­bahntarife für Jedermann ohne Unterschied der Interessen­ten vorgeschrieben, die Begünstigung einzelner Versender durch Frachtbonifikationen verboten. Gleichwohl habe, wie eine kürzlich stattgehabte Untersuchung ergeben, eine große Eisenbahngesellschaft einzelnen Handelsfirmen für den Fall der Leitung von Transporten in bestimmten Verkehrsrich­tungen über ihre Route anstatt über eine Concurrenzroute solche Begünstigungen zugesichert und gewährt. Der Han­delsminister sei sofort unter Androhung nachdrücklicher Zwangsmaßregeln gegen dieses ungesetzliche Verfahren einge­schritten. Das Vorkommniß sei um so bedenklicher, als die Begründung der Handlungsweise der Eisenbahngesellschaft durch Berufung darauf entschuldigt werde, daß gleiche Gesetzwidrigkeiten verübt würden, welche Behauptung nach dem bisherigen Verlauf der Untersuchung nur zu begründet erscheine.

Dem Vernehmen nach wird das Reichsgesundheitsamt demnächst durch je ein Mitglied der Medizinalcollegien Preußens, Bayern, Sachsens, Württembergs, Badens und Hessens, zwei Mitglieder des Bundes der ärztlichen Vereine Deutschlands und eine Anzahl ausserordentlicher Mitglieder Verstärkung erfahren. Genannt als Vertreter Bayerns wird Prof. Pettcnkofer, Sachsens Geheimrath Reinhardt, Württembergs Obermedizinalrath Koch, Badens Medizinal­rath Vals, Hessens Obermedizinalrath Pfeiffer, als Vertre­ter des obenerwähnten Bundes Sanitälsrath Graf in El­berfeld und Sanitätsrath Lent in Köln; als außerordent­liche Mitglieder werden die Professoren Hirsch und Hof­mann in Berlin sowie Reichardt in Jena genannt, ferner Miquel in Osnabrück, Erhardt und Zenettie in München Varrentrapp in Frankfurt a. M. und Zinn in Eberswalde.

Die vom Journal „Golos" aufgestellte Behauptung, daß Professor Jacoby auf der Reise nach Zarizin an der Epidemie erkrankt sei, wird vom „Reichsanzeiger" dahin richtig gestellt, daß derselbe an Lungenentzündung ernstlich erkrankt, fein Zustand jedoch bereits in sichtlicher Besserung

ir den Monat März werden von allen Post- * • MM

Für in der Expedition zu ertbeilende Auskunft und Annahme von Aussen werden 25 Pfg berechnet 9 1 enC dClle 10

Deutsches Reich.

Berlin, 24. Februar. Unter den Vorlagen, welche für den Reichstag noch in Vorbereitung sind, nimmt der Gesetzentwurf betreffend das Pfandrecht an Eisenbahnen und die Zwangsvollstreckung in dieselben eine ganz beson­dere Stellung ein, da er in unser Rechts- und Privatleben drei vollständig neue Begriffe einführt. Zunächst wird durch die den ersten Abschnitt des Entwurfes gebildete Eisenbahn-Einheit ein neues eigenthümliches Rechtsobjekt geschaffen, dann tritt durch die angeordnete Anlegung eines Eisenbahn-Buches eine neue Art von Grund-Hypothcken- büchern ins Leben und endlich wird zu der Entstehung neuer Inhaber-Papiere der Eisenbahn-Schuldbriefe der Grund gelegt. — Die Fortschrittspartei hat sich bei der Be- rathung des österreichischen Handelsvertrages im Reichstage am Sonnabend eine empfindliche Niederlage zugezogen. Durch eine Ironie des Schicksals tritt die Fortschrittspartei jetzt nur noch für solche Dinge in die Schranken, die von der öffentlichen Meinung längst verurtheilt sind, und so hat sich ihr Hauptredner, Herr Richter, auf Vertheidigung der Sonderinteressen der Privatbahnen verlegt. Da seine im Abgeordnetenhause aufgestellte Behauptung, es gäbe für ausländisches Holz nur Ausnahmetarife nach den Seestädten, nicht aber nach Binnenplätzen und insonderheit nicht nach schlesischen Stationen, dort nicht genügend wiederlegt worden war, glaubte er dieselbe im Reichstage bei Besprechung des Artikels 15 des Vertrages wiederholen zu können. Der Abgeordnete Graf Udo zu Stolberg aber, der in dieser Frage speziell orientirt war, wies ihm nach, daß er seine Angaben einer tendenziös gefärbten Denkschrift der Privat­bahnen entnommen habe, und daß diese Angaben falsch seien. Graf Stolberg zeigte drei Tarifhefte für den galizisch- deutschen Holzverkehr vor, in denen differenzielle Tarifsätze für über 400 deutsche Eisenbahnstationen (u. A. für meh­rere schlesische Plätze) enthalten sind. Er wies nach, daß auf diese Weise das ausländische Holz innerhalb Deutsch- lands für die Hälfte derjenigen Transportkosten verfahren kratin war ein Republikaner? Seine letzten Zweifel sollten schwinden, als Hippolyt in großer Aufregung fortfuhr:

„Warum hat man mich zurückgeholt! O, daß ich nicht mit meinen Freunden die Gefahr theilen kann!"

Trotzdem fragte der Gärtnerbursche noch immer unsicher:

»Sie nehmen für die Republikaner Partei, gnädiger Herr?"

„Sie allein haben ein Herz für das Vaterland und befreien es von den äußeren Feinden, die uns vernichten wollen!" rief Hippolyt mit leuchtenden Augen.

Nun wagte auch Baptiste aus seiner Zurückhaltung herauszutreten und aus seiner republikanischen Gesinnung weiter kein Hehl zu machen:

,.O, wie freue ich mich, daß Sie eben so denken, wie ich,' sagte er rasch und streckte dem jungen Herrn die Hand entgegen. „Die Weißen müssen vernichtet werden, sie ver­dienen nichts Besseres."

Hippolyt hatte durch den Aufenthalt in Nantes so ent- schteden alle aristokratischen Vorurtheile abgestreift, daß er an der Vertraulichkeit des Gättnerburschen nicht den min- desten Anstoß nahm, vielmehr in die dargebotene Hand emschlug. _ '

»Das ist brav von Dir; aber wenn Du ein achter Republikaner bist, warum nimmst Du dann nicht die Flinte auf den Rücken und kommst dem bedrohten Vaterland zu Hilfe?" Und als der junge Bursche schon den Mund zu emer Entgegnung zuspitzte, fuhr Hippolyt fort: „Ich weiß, Du willst sagen, warum ich nicht selbst zu den Republikanern gehe? Nun, der alte Cadoudal wußte mich so lange zu beschwatzen, bis ich ihm endlich folgte, und jetzt habe ich's schon bereut und sobald sich nur meine Mama ein wenig beruhigt hat, weiß ich wohl was ich zu thun habe"

Der junge Brevelay nahm eine sehr entschlossene Miene an und warf trotzig das Haupt in den Nacken.

holyt fühlte sich gerührt von dieser Güte, er beugte ab und küßte ihr die feine, durchsichtige Rechte und , Anwandlung von Reue verließ er das Zimmer. Ib.A Mite recht gut, wie wehe er ihr durch das rückhaltlose , 03 tyn seiner eingesogenen Ansichten gethan, und anstatt bitteren Vorwürfen zu überhäufen, wie er wohl verrieth sie nur eine tiefe Niedergeschlagenheit Wn Abfall. Sein junges Herz war einem solchen ne« ten nicht unzugänglich. Hätte sie ihn einzuschüchtern

1 und mit ihrem Zorne gedroht, es würde nur seinen

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ommen.

Die Sx-ed. d. Obeh. Zeitung.

Tagesbericht.

ie kirchliche Trauerfeier für den verstorbenen Feld- ll Graf Roon findet Mittwoch 11 Uhr in der ifonkirche in Berlin statt, wohin die Leiche bereits führt wurde. Nach der kirchlichen Feier erfolgt die 'hrung der Leiche mit allen militärischen Ehren nach iörlitzer Bahnhof und von da aus nach dem Gute 'V bei Görlitz, woselbst Donnerstag die Beerdigung

et. — (Graf von Roon war geboren am 30. April in Pleushagen bei Kolberg, trat 1821 als Offizier Armee, ward 1833 zum topographischen Büreau 1835 zum Generalstab kommandirt, 1836 Examinator

Ober-Militärprüfungs-Commission, 1842 Major Generalstab des 7. Armeekorps, 1844 Lehrer des

Friedrich Karl in der Geographie und Taktik, Mai Chef des Generalstabs des 8. Armeekorps, nahm 1849 ldzug in Baden Theil, ward 1850 Commanveur des fanterie-Regiments, 1856 der 20. Jnfanteriebrigade, der 14. Division in Düsseldorf, Mai 1859 General- ant, 5. Dez. Kriegs- und 1861 zugleich Marine- r. Führte den nach seiner Denkschrift im Kriegs- rium ausgearbeiteten Plan der Reorganisation trotz hrjährigen Opposition der Majorität des Abgeord- uses durch; 1871 zum Grafen erhoben, wurde er . 1873 Feldmarschall und preußischer Ministerprä- jedoch schon im November 1873 mußte ihn der Kö- um sein Leben zu schonen, von der thätigen Theil- an den Staatsgeschäften entbinden. Roon schrieb: züge der Erd-, Völker- und Staatenkunde; An ründe; Militärische Länderbeschreibung von Europa.) on's Name ist mit der Geschichte der letzten 2 Jahr- unserer inneren und äußeren Entwickelung aufs in- verknüpft. Er gehört neben Fürst Bismarck und Molkte zu den auserlesenen Werkzeugen, mit deren cs dem Kaiser und Könige vergönnt gewesen ist, Regierung zu der ruhmvollsten Periode der Geschichte ns und Deutschlands zu machen und auch auf ihn man anwenden, was Max von Schenkendorf von

uyeit nimmt entgegen: hrpedition d.vlatte», mit »d.Ännoncen-Bureaux ! , A. Dietrich & Co. in d und Hannover; Th. nch in Frankfurt a.M.; . faflein & Bögler in DUS$, tat a M., Berlin, —«g, Eöln rc.; Rudolf

in Berlin, Frank»