deS Einvernehmens über die leitenden Gesichtspunkte der preußischen Finanzpolitik in ihrem nothwendigen Zusammenhänge mit dem Finanzwesen des Reiches der wünschens- werthen Verständigung auf dem Gebiete der Reichspolitik vorgearbeitet worden. Die Staatsregierung erblickt hierin ein günstiges Vorzeichen für die Erfüllung der Aufgaben wirthschaftlicher Reform, welche sie als eine der Bedingungen der gedeihlichen Entwickelung und Hebung der Volkswohlfahrt erkennt und für welche sie ihre volle Kraft auch im Reiche einzusetzen entschlossen sei. Indem ich den beiden Häusern des Landtages die Anerkennung Seiner Majestät des Kaisers und Königs für ihre erfolgreiche Thätigkeit ausspreche, füge ich den Ausdruck der Hoffnung hinzu, daß die Staatsregierung demnächst auch für die weiteren Ausgaben der Befestigung und gesunden Entwickelung unserer Institutionen eine bereitwillige und vertrauensvolle Unterstützung in der LandcSvertrctung finden werde. Im Allerhöchsten Auftrage Sr. Majestät des Kaisers und Königs erkläre ich die Session des Landtags der Monarchie für geschlossen.
Ein von den Aerzten von Langenbeck und Preuße gezeichnetes Bulletin meldet: die günstige Wendung im Befinden des Feldmarschalls Grafen Roon ist nicht von Bestand geblieben, da entzündliche Erscheinungen in den Lungen hinzugetreten sind.
Ter „Reichsanzeiger" veröffentlicht eine Verordnung betreffs Maßregeln zur Sicherung gegen das Eindringen der Pest auf dem Wege des Seeverkehrs; dieselbe bestimmt: aus russischen Häfen kommende Schiffe und die darauf befindlichen Personen und Waaren sind nicht eher zu freiem Verkehr zuzulassen, als bis durch strenge Sanitäts-Jn- spcction der Gesundheilszustand an Bord festgestellt ist. Wenn kein Pestkranker oder Pestverdächtigcr vorhanden ist oder während der Fahrt vorhanden war, ist das Schiff zu freiem Verkehr zuzulafsen. Sind während der Fahrt Pestfälle oder pestvcrdächtige Todesfälle vorgekommcn, so sind die Schiffe, Kleidungsstücke und Effcclen strengstens zu desinficiren, Pestkranke sofort in ein Lazareth oder iso- lirtes Lokal zu bringen, Pestverdächtige von Pestkranken streng zu trennen und 7 Tage im Lazareth zu beobachten und dann im Falle der Nichlbestätigung des Verdachtes zu entlassen. Pestkranke verweilen daselbst bis zur Genesung. Die übrigen Bestimmungen betreffen die Behandlung der auf Schiffen Vorgefundenen Leichname und Waaren.
Eine im „Reichsanzeiger" mitgetheilte telegraphische Meldung von verläßlicher Seite lautet günstig hinsichtlich des Standes der Pest wie der dagegen getroffenen Maßregeln,
bezeichnet die entgegcnstehenden Zeitungsnachrichten als unbegründet und spricht die Ueberzeugung aus, daß der nördliche Theil des Gouvernements Astrachan in 10 Tagen gesetzlich von der Quarantäne wird befreit werden können, in Folge eines dann ohne Erkrankungen verlaufenen 42 tägigen Zeitraumes.
Meldung der „Polit. Corresp." aus Konstantinopel vom 21. d: General Stolypin ging energisch vor gegen die Bulgaren in Tschirpan, welche den Finanzinspector der internationalen Commission für Ostrumelien mit Gewalt- thätigkeiten bedrohten; der bulgarische Bezirksvorstand wurde abgesetzt, die Einwohnerschaft erhielt russische Einquartierung und 4 Rädelsführer wurden verhaftet. — Die Pforte erkannte die von der constitutioncllen Vertretung der Insel Samos ausgesprochene Absetzung von Photiades Bey an und ernannte Adossides Pascha an dessen Stelle zum Fürsten von Samos.
Deutsches Reich.
Berti«, 21. Februar. Sehr merkwürdig ist ein Artikel der Frankfurter Ztg. vom 20. Febr. worin sie unter Abdruck eines ihrer früheren Artikel vom 2. December 1878 nachwcist, daß immer ihre Meinung gewesen, sozialistische Abgeordnete könnten auf Grund des Sozialistengesetzes auch zur Zeit des Reichstags aus Berlin ansge- wiesen werden. Das Blatt hat in der That das jetzige Vorgehen des Staatsanwalts bereits im Dezember juristisch gerechtfertigt und entzieht sich auch heute nicht dem Zuge- ständniß, den Bann über das an den Reichstag gerichtete Genehmigungsersuchen ungerechtfertigt zu finden. Nur ignorirt sie bei ihrer Tendenz den Umstand, daß Niemand daran gedacht hat, dem Reichstag sein Genehmigungsrecht zu bestreiten oder zu schmälern. — Nach der vom Kaiser!. Stat. Amt ausgestellten Uebersicht über die von den Rübenzuckerfabrikanten des deutschen Zollgebiets versteuerten Rübenmengen, sowie über Ein- und Ausfuhr von Zucker im December 1878 waren im Betrieb 322 Fabriken (in Preußen 246, davon in der Prov. Sachsen 139) dieselben versteuerten 9,425,290 Ctr. Rüben (Preußen 1,431,373 Ctr.) Die sämmtlichen Fabriken führten nach dem Zollauslande aus in raffinirtem Zucker 48,103 Ctr. (Preußen 46,891 Ctr.), an Rohzucker 171,836 Ctr. (Preußen 170,406 Ctr.), an Melasse 52,493 Ctr. (Preußen 41,513 Ctr.). Die Einfuhr aus dem Zollauslande betrug an raffinirtem Zucker 5762 Ctr., an Rohzucker 1874 Ctr. und an Melasse 15,832 Ctr. — Die deutsche Pensionsanstalt für Lehrerinnen und Erzieherinnen, vor 3 Jahren gegründet, umschließt außer Preußen bereits 2 andere deutsche Staaten und er
Georg liebe; aber wenn sie hört, daß Du für diese wilden, blutdürstigen Jacobiner schwärmst, dann würde sie vollends zu Grunde gehen."
Der junge Brevelay nagte trotzig an seiner Unterlippe und schien wenig geneigt, auf ihre Mahnung zu hören; aber als die Schwester jetzt zärtlich ihre Arme um ihn schlang und ihre Bitte wiederholte, da fühlte er sich überwunden. Barg sich doch hinter seinem Eigensinn eine Gefühlsweichheit, die einem freundlichen Schmeichelwort selten wiedcrftehen konnte. So finster und unbändig sich auch Hippolyt zu geberden suchte, die kluge Schwester hatte seine schwache Seite herausgcfunden, sie wußte, daß er zu allem zu bewegen war, wenn man die richtigen Mittel anwendete. Er war ihrem männlichen, entschlossenen Geist gegenüber doch eine fügsame Frauennatur, die nur äußerlich, vielleicht im dünken Gefühl der eigenen Schwäche, gern den finstern Trotz herauskehrte.
„Warum schiltst Du übrigens, das ich für die Republik schwärme?" begann Hippolyt plötzlich. „Du und Georg, Ihr solltet gerade Euch dafür begeistern. Die Republik allein wirst die alten verrotteten Vorurtheile über den Haufen und jetzt wird endlich dem tüchtigen Manne Gelegenheit, sich empor zu arbeiten; nur das Talent gilt und die Arena steht für Jeden offen. Wäre Georg unter die Republikaner gegangen, dann hätte er sich schon zum General aufgeschwungen."
Der junge Mensch entfaltete dabei ein großes Pathos, das zur Genüge bewies, wie der Lehrer in Nantes eifrig bemüht gewesen, in den jungen Adeligen die Sturmidecn der Neuzeit zu wecken.
Marion wurde doch von der Antwort ihres Bruders etwas betroffen; sie sann ein wenig nach. Hatte er nicht am Ende Recht, waren nicht in Revolutionsfturm Bürgerliche zu den höchsten Acmtern aufgestiegcn? Dann plötzlich
strich sie mit der Hand über die hohe gewölbte Stirn, als könne sie damit solch' abscheuliche Gedanken abweisen, und sie entgegnete rasch:
„Georg kämpft für das Königthum, für unseren Glauben und auch ihm wird der reichste Lohn nicht ausbleiben."
Hippolyt lachte hell auf.
„Wann hätten sich die Könige dankbar erwiesen, besonders gegen die Leute aus dem Volk!"
In dem Herzen des jungen Mädchens fanden diese Worte Widerhall und sic starrte einige Augenblicke schweigend vor sich hin; aber sie mochte ihrem Bruder nicht Recht geben. Bisher hatte er sich stets ihrer Meinung beugen müssen und sie war erstaunt, wie geistig gereift, wie überlegen er zurückkam. Deshalb sagte sie mit dem alten abweisenden Hochmuth, mit dem sie Hippolyt stets eingeschüchtert:
„Du hast dort in Nantes Ansichten eingesogen, die Deiner unwürdig sind, und ich hoffe, daß cs mir gelingen wird, Dich zu bekehren."
„Gib Dir keine Mühe," entgegnete der Bruder; „ich bin alt genug, um selbst zu wissen, was recht ist."
Marion blickte ihm erstaunt in's Gesicht: sie wollte ihm eine hcflize Anwort geben, besann sich jedoch und sagte:
„Nun, wir sprechen noch darüber!"
Dann schritt sie rasch hinaus, ohne, wie sonst, ihm die Wange zum Kuß zu reichen. >.
„Sie glaubt auch noch, daß ich ein Kind sei," murmelte er vor sich hin; „aber ich bin dort in Nantes zum Manne gereift."
Ein dumpfes Geräusch schlug an sein Ohr und er öffnete das Fenster. Jetzt konnte er deutlich den Donner der Kanonen hören. Die Kanonade halte also begonnen und die Weißen waren wirklich so kühn gewesen, Nantes zu belagern. Es litt den jungen Brevelay nicht mehr im
XIV. Jahrgang
Marburg, Sonntag, 23. Februar 1879
«6
! Mo,
trag.
w<
Tagesbericht.
“ ' it gestern durch den Vice-Präsidenten des Staats- rriums, Graf zu Stolberg zum Schluffe des Landtages
^ermy ne Thronrede lautet: Erlauchte, edle und geehrte Herren ____! tiden Häusern des Landtages! Se. Maj. der Kaiser und
haben mich zu beauftragen geruht, den Landtag der
ite
wie
gratis
auch
mverständniß in Bezug auf die Deckung des unmit- [■ in finanziellen Bedarfs erzielt, sondern auch vermöge
en
K«f-
moDC^8
-cht-r-
r H
ige
mit Rücksicht auf die Schwierigkeiten der wirlhschaft- und finanziellen Verhältnisse eine erhöhte Sorgfalt lspruch genommen und gefunden haben, ist nicht blos
und Rücksichtsnahme soweit möglich überwunden oder trt werden. Auch auf andern Gebieten der Gesetz,
ictiona wirke»
Brunn ’.t Wm lekerl
tion ehW:
ain.
k>as junge Mädchen starrte voll Entsetzen auf ihren st. Sie kannte ihn nicht wieder. Wenige Monate
Mi»
Geschlechter.
3ch bitte Dich Hippolyt, verbirg wenigstens vor der
rsche
Harte Kämpfe.
Novelle von Ludwig Habicht.
(Fortsetzung.)
wion faßte ihren Bruder unsanft beim Arm. sippolyt, was sagst Du?" rief sie ganz erschrocken.
f Deine republikanische Gesinnung!"
Darum soll ich ein Hehl daraus machen?" fragte Ihh. „Du weißt, unser Wahlspruch ist: Durch!" und htge Mensch blickte dabei so stolz und selbstbewußt l als werde er nie dieser Devise untreu werden.
Deil es ihr das Herz brechen würde," entgegnete Rn. »Sie fühlt sich schon tief unglücklich, daß ich
ons
rBchril
VecM** Vere*
Du in Nantes das gelernt?"
$ weiß nun endlich, wo das Recht ist," entgegnete tuder mit großer Ueberzeugung.
‘f** “ !an hat Deine Unerfahrenheit benutzt, um Dir falsche ten beizubringen^" eiferte Marion mit jener geistigen legenheit, die Mädchen jüngeren Brüdern gegenüber entwickeln. „Wie kannst Du dich auf die Seite
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blattes, s owie d. Annoncen-Bureaux von G- L- Daube & Co. in Frankfurt a. M; Jäger'sche Buchhandlung daselbst; Hermann'sche Buchhandl. ♦ daselbst; Jnvalidendank in
Berlin; W. Thienes in Elberfeld: C. Schlotte in Bremen.
s welches für die Heranbildung der höheren Verwal- “b« deamten wieder eine feste Grundlage gewonnen ist. un j die Interessen der Landescultur haben durch die Er- $ ' [e dieser Session eine dankenswerthe Förderung er- n Bei den Berathungeu des Staatshaushalts-Etats,
| sind erwünschte Erfolge erreicht worden. Unter all- Entgegenkommen ist das Gesetz vereinbart worden-
ind i
ind da r den Monat März werden von allen Post-
i, gcheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „JllustrirteS Sonntagsblatt" durch die Expedition (Ko ch'sche eiclr Buchdruckerei) bezogen 2- Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg. (excl. Bestellgebühr). — Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg.
Für in der Expedition zu ertdeitende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pfg. berechnet.
»striktes Sonntagsblatt
notnmen.
■ Die Exped. d. Obeh. Zeitung.
i»n nimmt entgegen: Petition d.BlatteS, Mmoncen-Bureaux jj. Dietrich & Co. in tmld Hannover; Th. ch in Frankfurt a.M.; «stein & Vogler in tot 6. M., Berlin, ih CSln ic.; Rudolf * in Berlin, Franker! a. M. rc.
ling i |
>nz ” der Uebergang in die nennt Verhältnisse für den «stand verknüpft ist, werden durch thunlichste Scho-
eine
chsena mstalten Bestellungen auf die
»Hberhesstsche Zeitung
mit deren Gratisbeilage
rchie in Allerhöchst Ihrem Namen zu schließen. Die m, welche hiermit zu Ende geht, und die Legislatur- de, welche in diesem Jahre abläuft, waren von drin- r Aufgaben der Gesetzgebung, namentlich im Znsam- rge und in Wechselwirkung mit den neuen Gestal- und Entwickelungen auf dem Boden der Gesetz- g des Reiches in Anspruch genommen. Die zahl- i und schwierigen Aussührungsgesetze zur deutschen isversassung sind durch die sorgfältige und umsichtige klung, welche denselben in den Commissionen und r Plenarberathung der beiden Häuser gewidmet wor- p, so eit zur Vereinbarung gelangt, daß es gelingen die bedeutsame Reform, die umfassendste, welche auf Ürunbe der nationalen Gemeinschaft bisher ins Leben m ist, innerhalb der preußischen Monarchie in allen Thellen rechtzeitig zur Durchführung zu bringen.
He mannigfachen unvermeidlichen Schwierigkeiten, mit
«st
I eox= Haui-
1 M abtx, -rt-
Stäf* srrunz
r-Ifin. meinet wohl Weißen
vch.
- Ihn Hai fi<
's«.
Wege zu Nantes hatten hingereicht, ihn zum feurigen Maner zu machen, ihn, den Sohn eines der ältesten
Königsmörder stellen?"
iubtoig Capet hat Frankreich verrathen, und den Feind Lanb gelockt; ihm ist nur sein Recht widerfahren! __iewundere ich den großen Danton, der muthig aus-
st: Die verbündeten Könige bedrohtm uns, wir schleu- hncn als Fehdehandschuh den Kopf eines Königs vor Sße."