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Marburg, Sonnabend, 22. Februar 1879

XIV. Jahrgang

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sich ein Ministerwechsel vorbereitet. Welche Folge eine Veränderung haben wird, dürfte sich heute schwerlich be­stimmen lassen. Die politischen Schachzüge des Premier haben bekanntlich im eigenen Lager desselben nicht immer, oft nicht in kritischen Momenten, Billigung gefunden. Man erinnere sich an den Rücktritt der Lords Carnarova und Derby! Wenn Beaconsfield jetzt zurücktritt, so thut er es nicht, weil er sein Programm erfüllt zu haben glaubt; in allen Welttheilen liegen Bruchstücke angefangener Arbeiten des Premierministers vor, die besonders in der neuesten Zeit auf große Schwierigkeiten gestoßen sind. Sein Nach­folger, mag es auch ein conservativer Peer sein, wird sich hüten, die diplomatische Erbschaft Lord Beaconsfields an­ders, als cum beneficio inventarii anzutreten. Nach alle­dem wird heute ein Ministerwcchsel in England, mit einem Wechsel der Politik gleichbedeutend sein.

g dem Reichstage Anlaß und Anhalt für eine wei- rledigung der Aufgabe dargeboten werde.

n der gestrigen Sitzung der medicinischen Gesellschaft lin hielt Prof. Virchow einen Vortrag über die Pest, b hervor, daß es nach neueren wissenschaftlichen

Harte Kämpfe.

Novelle von Ludwig Habicht.

(Fortsetzung.)

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Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blattes, sowie d. Annoncen-Bureaux von G. L. Daube & Co. in Frankfurt a. M; Jäger'sche Buchhandlung daselbst; Hermann'sche Buchhandl. ♦ daselbst; Jnvalidendank in

Berlin; W. Thienes in Elberfeld; C. Schlotte in Bremen.

chen zu vertagen. Nachdem dieser Antrag abgelehnt i i , wurde zur Berathung der einzelnen Paragraphen nach ’ jung des Ausschusses übergegangen. Der ganze Gesetz- mdet i mrf wurde mit 49 gegen 9 Stimmen (nämlich Bayern, mburg, Rcuß alt. L. und Bremen) angenommen. Der msche Bevollmächtigte erklärte zur Motivirung seiner iimmung, die bayerische Regierung sei mit dem auf starkung der Disciplinannittelgewalt des Reichstags hteten Grundgedanken der Vorlage einverstanden; wenn ichwohl im Interesse der Wahrung thunlichster Stabi- der Verfassungsgrundsätze sich ablehnend verhalte, gehe on dem festen Vertrauen aus, der Reichstag werde in der Anwendung der durch die Verfassung gebotenen Abhülfe in der bezeichneten Richtung, soweit erfor- , eintreten lassen. Der badische Bevollmächtigte er- t, seine Regierung wünsche, daß dem Reichstage die "live überlassen werde; sie stimme aber doch dem entwurs in der Meinung .ju, daß durch dessen Mit-

(ohtzß etzt drang wirklich aus weiter Ferne ein dumpfer Ton »Ohr. Großer Gott der Kampf hatte begonnen — ^vhn war verloren! Die Sinne drohten ihr zu ketzer^ «den, sie mußte sich an das Geländer des Thurmes

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i,Äcben angestellte Untersuchungen über die Pest nicht Die älteren Untersuchungen aber widersprächen sich

en Resultaten. Im Gouvernement Astrachan herrsche 'entalische Pest. Davon sei zu unterscheiden die durch Hirsch näher bekannt gewordene indische Pest. Letztere ic vor als epidemische Pali-Pest im westlichen Vor- )ndien, als epidemische Pest am Himalaya und in ein- v Orlen, von wo sie nie verschleppt wird. Die orien- he Pest komme von Syrien nach Mesopotamien, Persien Moll» tem schwarzen Meere. Die von Deutschland ange­lten Schutzmaßregeln erscheinen dem Redner als auf ^8^ r Basis beruhend. Größere Ländermaßen könnten aupt nicht quarantänirt werden. Man müsse dahin . m, daß die zurückkchrende russische Armee unter ärzt-

tzrscheinl täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage ,,JllustrtrteS Sonntagsblatt" durch die Ervedition IKv lb'scke Buchdruckern) bezogen 24 Mark, durch du Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg. (excl. Bestellgebühr). — Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfa

Für in der Expedition zu ertbeilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pfg. berechnet.

!e achtete nicht auf den kühlen Morgenwind, der in ganzen Körper ein Frösteln verursachte; in athern- Spannung blickte sie unablässig hinab, ob nicht end- vlf der Straße ein Reiter auftauchen und sie die Gestalt ihres Sohnes erkennen würde. Vergebens »18iKf te sie ihre Augen an. Im weilen Umkreis war nichts "r". M. Sowohl die Republikaner wie die Chouans hatten wlmer mehr entfernt. — Alles war wie ein entsetz- "^'^Phantom verschwunden, eö war wieder ganz still in »egend, über die jetzt die Morgensonne ihre hellsten Wt goß.

Deutsches Reich.

** Berlin, 20. Februar. Wiederum giebt der Cor- respondent der Kölnischen Zeitung aus Rom und in ähn­licher Weise ein römischer Correspondent englischen Blät­tern posilive Mittheilungen über den Stand der deutschen Verhandlungen mit Rom. Dabei ist immer von bestimm­ten Punkten eines päpstlichen Programms und andererseits von preußischen Forderungen sowie von Modifikationen derselben die Rede. Allen diesen mit eingeweihter Miene auftretenden Nachrichten gegenüber kann nur immer wieder konstatirt werden, daß die Voraussetzungen derselben völlig irrig sind, denn die Verhandlungen haben bisher den Boden eines bestimmten Programms noch gar nicht gewonnen, wie dies auch von dem Reichskanzler neulich bemerkt wor­den ist. — Die Behauptung, der Reichskanzler habe ge­fordert, daß die Tarifkommission ihre Arbeit bis zum 1. März beende, entbehrt jeder Begründung. — Der dem Staatsministcrium bereits zugegangene Entwurf eines Ta- bakssteuergestzes wird in demselben, sobald die noch fehlen­den Voten einzelner Minister eingegangen sind, berathen werden. Die angenommene Steuermodalität ist, wie be­kannt, die Besteuerung nach deni Gewicht. In Bezug auf die Ertragshöhe stellt sich der Entwurf auf diejenige Basis, welche von dem Bericht der Tabaksenquetekommission em­pfohlen worden ist. — Vom 15. Februar ist auf der zum Unternehmen der Bergisch-Märkischen Eisenbahn gehörigen Bahnstrecke Rhegot-Dalhem (Preußisch-Niederländische Bahn­grenze) im Anschluß an die gleichzeitig zunächst nur auf der Strecke bis Roermond dem Betrieb zu übergebenden Bahn bis Antwerpen der Betrieb eröffnet. Die Betriebs­leitung ist der Kgl. Eisenbahnkommission zu Aachen über­tragen. Die Strecke Gladbach-Rheindahlen wird noch zur

„Und riefen Sie: „Es lebe die Repubikl?" wandte sich Frau von Brevelay mit einem Lächeln zum Müller.

„Nein gnädige Frau," antwortete der alte Cadoudal, „ich würde es jedoch gethan haben, um Ihren Herrn Sohn zu retten, aber der junge gnädige Herr überhob mich der Mühe."

„Du riefst: Es lebe die Republik!?" fragte die Mutter mit einem Ausdruck des Erstaunens.

„Warum nicht?" entgegnete der Jüngling unbefangen. „Es lebe die Republik, die Frankreich regiert, und es ist die republikanische Armee, die Frankreich gegen die aanze Welt vertheidigt."

Frau von Brevelay antwortete darauf nicht; sie wollte nicht durch unliebsame Erörterungen die Stunde des Wie­dersehens trüben. War es denn möglich, daß ihr Sohn in so kurzer Zeit solch' entsetzliche Ansichten eingezogen?! Dann mußte sie ihr Geschick preisen, daß sie ihn wieder bei sich hatte und solche Ideen ausrotten konnte, noch ehe sie tiefer Wurzel gefaßt hatten. Ein Brevelay durfte mit diesen Königsmördern niemals gemeinsame Sache machen! „Aber nun komm, mein Hippolyt," sagte sie und strich mit der Hand;yber die Stirn, als könne sie damit alle etwa aufsteigenden Bedenken verscheuchen, „Du und der brave Cadoudal werdet gewiß sehr hungrig sein und ein Frühstück wird Euch gute Dienste thun."

„Daran erkenne ich wieder meine gute Mama, die an Alles denkt," schmeichelte der Sohn und schlang zärtlich seine Arme um die Mutter. „Wir haben einen guten Ap- pettt mitgebracht."

Der Müller zögerte, der Einladung zu folgen, doch Frau von Brevelay war heute viel zu glücklich und wollte ihre besondere Dankbarkeit zeigen. Sie frühstücken mit uns, da gilt keine Weigerung," und der alte Cadoudal

Logen nimmt entgegen: M>edition d.Blatte«, ,ie d.Annoncen-Bureaux । xh. Dietrich & Co. in &1 und Hannover; Th. kuichin Frankfurt a.M.; Einstein & Vogler in gSurt a. M., Berlin, pjig, Köln ic.; Rudolf Sie in Berlin, Frank­furt a. M. re.

liche Jnspection gestellt werde. Die türkischen Aerzte hätten im Letzten Deccmium die Pest vielfach für Neckentyphus erklärt. Die Pest sei nicht schlimmer als die Cholera. Kranke wären zu isoliren und unter gute äußere Bedingungen zu bringen. Die Pest sei unzweifelhaft contagiöS. Worin aber das Contagium bestehe, sei nichts bekannt. Vielleicht würde man bei genauer wissenschaftlicher Untersuchung im Blute die Träger des Contagiums wie beim Milzbrand finden. Wegen der Nichtkenntniß des Contagiums wäre eine genaue Bezeichnung der von der Einfuhr auszuschlie­ßenden Gegenstände schwierig. Die rationellste Desinfektion sei die in den hiesigen Baracken angewandte trockne Hitze.

Der „Reichsanzeiger" meldet: Die Hafenbehörde ord­nete für Provenienzen aus dem Schwarzen und Asow'schen Meere eine zweitägige Quarantäne an und bestimmte, daß die aus den östlichen Mittelmeerhäfen kommenden Schiffe einer ärztlichen Untersuchung unterzogen werden. Der internationale Gesundheitsrath von Alexandrien verfügte für alle direct aus dem schwarzen und Asow'schen Meere mit reinen Gesundheitsplänen ankommenden Schiffen 3tägige Quarantäne. Dagegen sollen Schiffe, welche pcstverdächtig sind, zurückgewiesen werden, weil kein für Quarantäne ge­eignetes Lazareth vorhanden ist.

Meldungen der „Polit. Correspondent." Aus Peters- burg: Nachdem der Kaiser die Ratifikation des russisch­türkischen Friedensvertrags (wie bekannt) am 8. d. voll­zogen hat, erwareet man das Eintreffen des vom Sultan rattficirten Vertrages, um die Ratifikattonen auszuwechseln — Aus Bukarest. Die rumänische Regierung brachte durch ihre diplomatischen Vertreter zur Kenntniß der Sig­natarmächte des Berliner Vertrages, daß sie in Erhoffnung ihrer eventuellen endgültigen Entscheidung zu Gunsten der Einbeziehung des Forts Arab Tabia in das rumänische Gebiet Ordre zur vorläufigen Räumung des Forts gegeben habe. — Aus Konstantinopel. Für die augenblicklich zwischen Zichy und Karatheodory Pascha stattfindenden Verhandlungen ist Muniff Cffendt zum zweiten Bevoll­mächtigten der Pforte ernannt.

Wieder einmal treten Gerüchte auf; über den bevor­stehenden Rücktritt des englischen Premierministers Lord Beaconsfield, und zwar, wie es den Anschein hat, mit besserer Begründung als je. Das „B. H." will wissen, daß die Königin Victoria von dem Wunsche Beaconsfields, sich ins Privatleben zurückzuziehen bereits verständigt und mit demselben einverstanden sei. Wir lassen es dahin ge­stellt sein, ob die Sache bereits soweit gediehen ist. Jeden­falls sprechen mancherlei Symptone für die Annahme daß sie au seiner Brust. „Mein Sohn, mein einziger Sohn!" Mehr brachte sie nicht hervor.

Hippolyt theilte durchaus nicht die außerordentliche Aufregung seiner Mutter. Er streichelte schon wieder das Pferd, von dem er erst bei ihrem Erscheinen herabgesprungen, und sagte lächelnd: „Wir sind hinten herum gekommen, deshalb konntest Du uns nicht sehen."

Jetzt wagte auch der Müller zu sprechen.

„Verzeihen Sie, gnädige Frau, daß ich nicht pünkt­licher Wort gehalten habe, aber wir konnten nur auf großen Umwegen uns bis hierher durchschlagen und —"

„Ich werde Ihnen Ihre Güte nie vergessen," unter­brach ihn Frau von Brevelay. ,

„O sagen Sie das nicht, das hat nicht viel zu bedeu­ten, aber ich wollte Ihnen nur erklären, warum wir so spät kommen. In Nantes war schon Alles in Aufruhr, man wußte bereits, daß die Weißen zur Belagerung her­anrückten und ich sürchtete schon, sie würden mir den jun­gen gnädigen Herrn nicht herausgeben, aber die Herren moch­ten froh sein, daß sic einen Mund weniger zu füttern haben, und machten gar keine Schwierigkeiten."

„Und hattet Ihr keine Gefahr auf dem Rückwege? Hippolyt, wie habe ich für Dich gezittert! Zuerst dachte ich, Ihr würdet von den Republikanern angegriffen werden, und dann von den Royalisten, und zuletzt war mir so wirr und angst im Kopfe und ich konnte gar nichts mehr dmken."

„Nein, liebe Mama," entgegnete ihr Sohn gleichgültig, „stießen wir auf einen Trupp Conans und Vendeer, die uns befahlen, daß wir: „Es lebe der König!" schreien sollten, dann thak es der brave Cadoudal in einer energi­schen Weise, daß sie befriedigt waren, und trafen wir Re­publikaner, dann forderten sie, daß wir: „Es lebe die Re­publik!" rufen sollten."

Tagesbericht.

Die „Nordd. Allgem. Ztg." erfährt über die Sitzung ■■ > Bundesraths vom 8. Febr., worin by: Gesetzentwurf oder l die Strafgewalt des Reichstags zur Annahme gelangte: M Reichskanzlers erklärte, er halte im Namen der preußi- M. » Regierung dem von dem Ausschüsse vorgelegten Ge- tntaurfe gegenüber an der ursprünglichen Vorlage fest i beantragte deshalb bei den einzelnen Paragraphen die ----- ^Herstellung der ursprünglichen Fassung. Württemberg \ t| ( te den Präjudizantrag, die Berathung und Beschluß- ) Ul eng des Bundesraths über den Gesetzentwurf um 4

t tarnet!" rief von unten eine Stimme, „so hoch bist Liegen?" und ein Helles Lachen folgte dieser Frage, r 18^ sau von Brevelay glaubte zu träumen. Sie trat an *ite, wo der Ruf herkam, und eine unnenbare Selig- ?rchrauschte ihre Brust — es war ihr Sohn der sich A Sattel aufrichtete, um an dem Thurm hinaufzu- ' während der alte Cadaudal die Zügel des Pferdes MA! ^Uter vorsichtig in der Hand hielt.

.SbM Hippolyt, Du lebst, Du bist gerettet!" rief Frau von iay schluchzend und breitete die Arme aus, als könnte i 5 schon jetzt damit erreichen; dann stürzte sie mit t—-** tier Hast hinunter. Wenige Augenblicke später lag