Marburg, Freitag, 21. Februar 1879
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XIV. Jahrgang
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iub ii t Schluß bet Session wird voraussichtlich am Freitag l' Äii« i Sonnabend in vereinigter Sitzung beider Häuser im ich chöchsten Auftrage durch den Vizepräsidenten des Staatshaar, ißeriums Grafen zu Stolberg - Wernigerode vollzogen
nach ist nunmehr v. Seydewitz (dentschcons.) für diesen in Aussicht genommen. — Es heißt, der Schluß reussischen Landtages werde den Wünschen des Staats-
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Harle Kämpfe.
Novelle von Ludwig Habicht.
(Fortsetzung.)
Die Commission entscheidet alle auf die Assainisation bezüglichen Fragen. Die in den nächsten Tagen erwarteten ausländischen Aerzte werden gleichfalls mit beratender Stimme zur Theilnahme an der Sanitätskommission herangezogen werden. (Wir haben inzwischen gemeldet, daß die Beschaffung von Wohnungen für die deutschen und österreichischen Aerzte in Zarizyn auf Schwierigkeiten stößt.) In ihrer ersten Sitzung hat die Commission beschlossen: überall in Rußland die Organisation von SanitätS-Com- missionen zu empfehlen, welche uuter Anderem alle Fischsendungen aufzuhalten hätten, die aus der verpesteten Gegend abgesandt wurden, weil nach der Besichtigung in Zarizyn einige Fischsendungen auf dem weiteren Transport durch das Thauwetter, unerwarteten Aufenthalt oder andere Ursachen verdorben sein können Außerdem hat, wie bereits gemeldet, die Commission beschlossen, je nach Bedürfniß 10 bis 20 neue Quarantänen zu errichten zur Aufnahme von mehr als 100,000 Arbeitern, die gewöhnlich alljährlich im Februar oder März aus dem Kreise Jenotajewsk und anderen angesteckten Ortschaften auf der Wolga stromauf und stromab auf Erwerb ausziehen, den sie sei es in den Fischereien oder auf Stromfahrzeugen, finden. Graf Loris- Melikow hat aus Woronesh 30 sehr große Zelte zu Quaran- tainen verschrieben. Die Richtung der Kordon-Linie ist etwas abgeändert worden. Quarantaine-Posten werden errichtet in Sswetly-Jar, Umet, Samjana und Zarew; Beobachtungsstationen in Ssarepta, Rachinka, Elton und an der Orenburger Landstraße. Der Korrespondent Danilow hat sich nach Weltjanka begeben; er hat vom Generalgouverneur einen offenen Brief und die Erlaubniß erhalten, in den verseuchten Ortschaften den Staatstelegraphen, zu benutzen. Dem Golos wird vom Sonnabend telegraphirt: Der Zustand des Professors Jakobi ist gefährlich, aber nicht hoffnungslos. Der Generalgouverneur von Saratow verbot, das Wasser aus dem Wolgaflusse zu trinken oder nur zum Waschen der Wäsche zu benutzen.
Die „Polit. Corresp." meldet aus Konstantinopel vom 18. d.: Der Sultan soll auf Grund der österreichisch-ungarischen Proposttion nun Karatheodory Pascha ermächtigt haben zur Finalisirung der seit langer Zeit mit Oesterreich gepflogenen Unterhandlungen zu schreiten. — Ein Theil der türkischen Truppen ist bereits im Vorrücken begriffen, um die von den Russen geräumten Stellungen zwischen Tschorlu und Adrianopel zu besetzen.
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eriums und aus Abgeordnetenkreisen entsprechend am g erfolgen.
er „Reichsanzeiger" meldet: Amtlichen Nachrichten e sind die Gerüchte von dem Auftreten der Pest in ensk und Ukrupino unbegründet.
s Zar izyn, dem Centralort der zur Unterdrückung Pest eingesetzten Behörden, wird der „Neuen Zeit" 15. Februar telegraphirt: Gestern sind die Herren rew und Orlow nach Weltjanka abgereist. Sie wer- e eingehende Revision des Hauptheerdes der Epidemie men und Bericht erstatten. Graf Loris - Melikow ier die Sanitätskommission eröffnet. Vorsitzender der- ist der Ssaratow'sche Gouverneur Galkin-Wrasski.
Der Müller hatte mit außerordentlicher Lebhaftigkvit it und wischte sich jetzt die feuchtgewordenen Augen.
,Was sagt Ihr, Nantes wollen sie stürmen?" rief 1 von Brevelay ganz erschrocken.
»Ja, er sagte so und es muß wohl wahr sein, denn t sah ich schon manchen Weißen ganz in der Stille dorüberschleichen."
^ach den Farben ihrer Fahnen wurden die kämpfen- Parteien in dem jetzt entbrannten Bürgerkriege ge- Uich bezeichnet. Das weiße, mit den Lilien geschmückte "benenbanner gab den Royalisten den Namen und die Maner mit ihrer dreifarbigen Fahne wurden kurzweg e" genannt.
sind mein armer Hippolyt ist in Nantes, o mein !" rief Frau von Brevelay, deren Sorge um den en Sohn alle anderen Gedanken in. den Hintergrund te. „Wenn die Stadt belagert wird, ist mein Kind n!"
Tagesbericht.
Zn der „Provinzial-Correspondenz" lesen wir: Unser lijer ist von einer leichten Erkältung, welche er sich in
rage iinchin Frankfurt a.M.; ■gfenftein & Vogler in ntifurt a. M., Berlin, HUI» nig, Cöln ic.; Rudolf rädT P in Berlin, Frank- ra<x ” furt a. M. rc.
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Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „JllustrtrteS SonnlagSblatt" durch die Expedition (Koch'sche Buchdruckerei) bezogen 2!, Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg. (excl. Bestellgebühr). — Jnsertionsqebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg.
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Zur parlamentarischen Session äußert die „Provinzial- msponqenz" sich in folgender Weise: „Die Landtags- ion geht nunmehr mit raschen Schritten ihrem Ende
st da kgeu. Die beiden Häuser haben in der letzten Woche len u» ^glichen Sitzungen sich der weiteren Verständigung und kinbarung theils über die Justizgesetze, theils über an-
Fürst Hohenlohe lehnte telegraphisch die Wahl zum sie 87 ltn ^cePrcifibenten des Reichstages ab; dem Verneh-
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blattes, sowie d. Annonccu-Bureaux von G. L- Daube & Co. in Frankfurt a. M; Jäger'sche Buchhandlung daselbst; Hermann'sche Buchhandl. ♦ daselbst; Jnvalidendank in Berlin; W. Thienes in Elberfeld; C. Schlotte in Bremen.
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endliche Zustandekommen des Gesetzes ermöglicht hat. igen konnte eine Verständigung über die Vorlage in kff der sächsischen Domstifter nicht erreicht werden. Auch mHKvmpetenzgesetze konnten nicht mehr vereinbart werden.
—. ; letzten Tagen der vorigen Woche zugezogen hatte, be- i wieder hergestellt. Se. Majestät konnte sich ununter-
. Vie rang verzweifelt die Hände.
vch Der alte Cadoudal hatte fo eben schwermüthig an das Esal seines Sohnes gedacht, der von neuem fein Leben M Spiel setzte; aber bei der Angst der gnädigen 1 war jede Selbstsucht verschwunden, seine eigenen E Sorgen, hatten nichts zu bedeuten; er mußte der feeifelnben Kraft unb Trost geben.
beunruhigen Sie sich nicht, gnädige Frau", sagte er 8» „noch ist es nicht zu spät. Sie dürfen ja nur den 4t Herrn unter irgend einem schicklichen Vorwand ■Men."
mann wegen Uebertretung des §. 28 des Sozialistengesetzes hat eine Erregung hervorgerufen, die in nichts begründet ist, wenn man den Gegenstand einfach und sachlich behandelt. Der §. 28 des Sozialistengesetzes verleiht den Centralbehörden der Bundesstaaten das Recht zu gewissen Anordnungen, unter welchen sich die befindet „Personen, von denen eine Gefährdung der öffentlichen Sicherheit zn besorgen ist, den Aufenthalt in bestimmten Orten und Bezirken zu untersagen. Auf Grund dieses Rechts ist den beiden genannten Abgeordneten der Aufenthalt in Berlin verboten worden. Diese im Gesetz vollkommen begründete Maßregel ist nicht zurückgenommen worden, besteht also zu Recht. Es lag daher bei dem Erscheinen der beiden Abgeordneten in Berlin den Gerichten ob, wegen der den gesetzlichen Bestimmungen zuwiderlaufenden Anwesenheit gegen die beiden Abgeordneten strafrechtlich einzuschreiten, denn der letzte Absatz des §. 28 lautet: „Wer diesen Anordnungen und den auf Grund derselben erlassenen Bestimmungen zu- widerhandelt, wird mit Geldstrafe bis zu 1000 Mark, oder mit Haft oder mit Gefängniß bis zu 6 Monaten bestraft." Da jedoch die beiden in Frage kommenden Persönlichkeiten Reichstagsabgeordnete sind, so tritt Art. 31 der Reichsverfassung in Wirkung: „Ohne Genehmigung des Reichstags kann kein Mitglied desselben während der Sitzungsperiode wegen einer mit Strafe bedrohten Handlung zur Untersuchung gezogen oder verhaftet werden". Um dieser verfassungsmäßigen Bestimmung zu genügen, ist der Antrag erfolgt. Er mußte erfolgen, damit die Gerichte ihrer Pflicht genügen konnten, für die Exekution eines Gesetzes zu sorgen, oder dieser Pflicht durch das geltend gemachte Privilegium des Reichstags entbunden zu werden. Der an den Reichstag gelangte Antrag zur Genehmigung der Exekution eines Gesetzes war daher eine formelle Nothwendigkeit, ohne jede politische Beimischung. — Die Notiz verschiedener Zeitungen, daß der Zolltarifkommission das Material zur Tabakssteuervorlage mit dem Auftrage der Ausarbeitung eines entsprechenden Gesetzentwurfs zugegangen sei, ist falsch. Es erklärt sich dies schon dadurch, daß die Aufgaben) welche der Commission übertragen sind, bereits an sich einen sehr großen Umfang haben und durch die Ausdehnung auf innere Steuern das der Commission zustehende Maß von Leistungen überschritten würde. Die Nachricht war aber auch da aus anderen innern Gründen von vornherein unglaubwürdig, da der Vorsitzende der Kommission, Hr. v. Varnbüler einen auf die Tabaksbesteuerung bezüglichen Entwurf nur ausarbeiten könnte, wenn es sich um die Einführung des Monopols handeln würde. Hr. v. Varnbüler ist durchaus nicht, wozu man ihn von einigen Seiten gern machen möchte, Schutzzöllner um jeden Preis, aber die einzig nützliche unb richtige Lösung ber Besteuerung des es gut, wenn Sie mir ein Briefchen mitgäben, das ich vorzeigen könnte."
„Sie haben Recht. Und während Sie Alles vorbereiten, will ich dort ein paar Zeilen für den Director des College auf’S Papier werfen." Sie trat sogleich an den Tisch heran, auf dem Schreibmaterialien bereit lagen, die Georg benutzt haben mochte, denn ber Alte hatte sich mit biefen Künsten nie besaßt. „Vielleicht schreiben sie ben Leuten, baß eine Krankheit in ber Familie bie schleunige Rückkehr beS jungen Herrn erforbert," sagte ber alte Ca boubal, „unb für bas Uebrige lassen Sie nur mich sorgen," setzte er mit schlauem Lächeln hinzu.
Die stolze Frau war zu rathlos unb verwirrt, um bie Weisung des Müllers übel zu nehmen, ja sie befolgte dieselbe buchstäblich und in fliegender Hast hatte sie ihre Bitte für ben Tirector des College aufs Papier geworfen. Kaum war sie bamit zu Ende, so erschien der Alte reisefertig unb erbat sich ben Brief. Draußen ftanb schon bas Pferb gefältelt, das Genevisve am Zügel hielt.
Frau von Brevelay begleitete ben alten bis zur Thüre.
„Ich halte mein Wort, heute Nacht sind wir zurück. Genevieve, gehe zur alten Magdalena, die wird Dir neue Geschichten erzählen", bann schwang er sich mit jugendlicher Rüstigkeit in den Sattel, grüßte die gnädige Frau noch einmal ehrfurchtsvoll und sprengte davon.
Frau von Brevelay blickte ihm mit unruhiger Besorg- niß nach.
„Mögen die Heiligen ihn schützen und mein Sohn gerettet werden I"
Sie faltete inbrünstig die Hände unb schickte ein heißes Gebet zum Himmel.
Fest hatte der Müller versprochen, zur Nacht wieder zurück zu sein; aber Stunde um Stunde verarm und er kam nicht wieder. Die Angst unb Unruhe ber alten Edel-
benen. 1 Vorlagen gewibmet. Unter letzteren ist bas Gesetz ™ k die Vorbildung für den höheren Verwaltungsdienst , mzuheben, in Bezug auf welches das Abgeordnetenhaus FreitH Beschlüssen des Herrenhauses zugestimmt und somit
Deutsches Reich.
** Berlin, 19. Februar. Der Antrag ber Neichs- regierung auf Verhaftung des Abg. Fritzsche und Haffel-
„Ah, Sie haben Recht/ wie baute ich Ihnen", rief Frau von Brevelay, die in der ersten Bestürzung alle Besinnung verloren hatte. „Aber wen soll ich nach Nantes schicken? Wähle ich einen von den jungen Burschen, so wird man ihn zurückbehalten und unter die Soldaten stecken und meine alten Diener würden alles verderben, denn sie sind mit Leib unb Seele ber guten Sache ergeben unb würben kein Hehl baraus machen."
Sie ließ ben Kopf auf bie Brust sinken und grübelte über einen Ausweg.
„Und haben Sie nicht an ben alten Caboubal gedacht, ber für einen solchen Auftrag wie geschaffen ist?" fragte der Müller und seine ehrlichen Augen ruhten mit großer Treuherzigkeit auf seiner ehemaligen Herrin. „Mich kennt in Nantes jedes Kind, ich bin klug gewesen, mit meiner eigentlichen Meinung hinter dem Berge zu halten, um es mit keiner Partei zu verderben,. und ich gebe Ihnen mein Wort, ich bringe Ihnen den gnädigen jungen Herrn zurück ober ich komme nicht mehr toieber."
Die letzte Erklärung hatte für die gnäoige Frau keine Bedeutung. Was lag daran, ob der Müller zurückkam ober nicht. Sie hatte nicht einmal Verständniß für bas Opfer, bas ber Müller so bereitwillig bringen wollte. Währenb bie Sorgen um ben eigenen Sohn ihn hätten ganz erfüllen können, vergaß er Alles und war sofort bereit der stolzen Edeloame den wichtigsten und zugleich auch gefahrvollsten Dienst zu leisten. Sie nahm ohne Weiteres, ohne das leiseste Bedenken, seine Anerbietungen an. „Ich weiß es, lieber Cadoudal, daß ich mich auf Sie verlassen kann. Sie werden mir meinen Sohn zurückbringen unb mich damit zum ewigen Danke verpflichten", sagte sie, und reichte ihm ihre feine, wohlgepflegte Hand.
„Ich werde auf der Stelle mein Pferd satteln und mich auf den Weg machen", erklärte der Müller, „und wäre
yjgen nimmt tmgegen: Spedition d.vlatte-, RediÄnnoncen-Bureaux । ife. Dietrich & Co. in . AI und Hannover; Tb.